Friedrich der Große. Oder: Wer aufgibt, hat schon verloren.


Hausarbeit, 2014
24 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der schwierige Weg zur Krone
1.1 Jahre des Zorns
1.2 Jahre der Eintracht

2. Sanssouci
2.1 Schloss „Sorgenfrei“
2.2 Noch einmal: Jahre des Zorns

3. Friedrichs Erbe – Versuch eines Urteils

Literaturverzeichnis

„Der Mensch ist kein Mensch, wenn er aufgibt zu kämpfen.“ (Unbekannt)

1. Der schwierige Weg zur Krone

1.1 Jahre des Zorns

Am 24. Januar 1712 wurde in Berlin der Enkel des Königs, der Thronfolger, geboren. 74 Jahre später, als dieser Mann starb, war sein Land, Preußen, war Europa nicht mehr dasselbe. Nur wenige große Herrscher hatte das 18. Jahrhundert hervorgebracht. Dieser, Friedrich sein Name, war zweifellos einer davon, eine Ikone der Politik, einen Hasardeur werden ihn manche später nennen, andere ein Genie, Vor- und Feindbild in einer Person. Trotzdem mutet seine Kindheit wie die eines Sklavenjungen an, aufgewachsen unter (geistig) schlichten Bedingungen, behandelt wie ein Tier. Es ist ein Wunder, dass der Knabe an seinem Schicksal nicht zerbrach. Hätte er in diesen jungen Jahren sein Leben aufgegeben, wer hätte es ihm vergönnt?

Schuld an der Misere war sein Vater, ein Mann von eher schlichtem Gemüt mit Vorlieben wie Jagen und Militärparaden. Als er 1713 – Friedrich war gerade ein Jahr alt – König in Preußen wurde, begann die dunkle Zeit im Leben des Jungen. Die Jahre für Preußen unter seinem Soldatenkönig – so der wenig schmeichelhafte Beiname dieses neuen Königs, Friedrich Wilhelm I. – werden dagegen durchaus als positiv beschrieben. So legte der Vater den Grundstein für den späteren Aufstieg dieser europäischen Großmacht. Das er dabei weniger mit Geschick und Bildung, sondern mehr nach Bauch regierte, zeigt eine Begebenheit mit dem sächsischen Kurfürsten August dem Starken. Der Sachse tauschte mit dem Preußen ein Regiment jener „langen Kerls“, die Friedrich Wilhelm so sehr mochte, gegen teures Porzellan, für das August wiederum einen Faible hatte. Nun, das Porzellan begründet Augusts Ruf als Kunstmäzen und weitblickenden Herrscher bis heute. Die „langen Kerls“ hingegen, nicht einmal im Krieg eingesetzt, denn der Soldatenkönig war kein Kriegsherr, starben recht bald dahin und sind heute allenfalls noch Beleg für die Macken des zweiten preußischen Königs.

Ähnlich wie er Preußen regierte, erzog Friedrich Wilhelm – auch hier ganz Soldatenkönig – seinen Sohn Friedrich, nämlich nach Bauchgefühl. Er allein entschied, was richtig und wichtig ist für den künftigen König, welche Bildung er genießen sollte, welche Freunde er haben durfte und mit welchen Interessen ein Staat zu machen sei. Keine kultivierte Erziehung freilich, aber wirkungsvoll, zumal der Soldatenkönig seinen pädagogischen Maßnahmen bei Nicht-Einhaltung brutale Strafen folgen ließ. So wundert es nicht, dass Friedrich Wilhelm die Obhut seines Sohnes, nachdem dieser die erste Zeit noch bei seiner recht klugen und niveauvollen Mutter Sophie Dorothea, von der er sein musisches Talent erbte, an sich zog. Disziplin und Ordnung sollten fortan die Maximen sein, die Friedrichs Leben bestimmen sollten, ganz den preußischen Tugenden unterworfen. Die Kindheit des Knaben ähnelte nun einer militärischen Ausbildung. „Fritz muss werden wie ich.“[1] sagte der preußische Monarch selbst. Bei all diesem väterlichen Übermut übersah der König jedoch, dass Friedrich keineswegs ein Raubein war oder ein solch grober Klotz wie sein Mentor. Friedrich war sensibel, freigeistig, er liebte die Künste und die Philosophie, schrieb Gedichte, musizierte. Er lernte Französisch, die Modesprache der damaligen Zeit. Überhaupt entwickelte er eine ausgeprägte Vorliebe für alles Französische. Er bewunderte ihre Dichter und Denker, ahmte den Adel in Versailles nach, indem er sich mühte, sich wie sie zu kleiden, zu essen, zu disputieren. Französisch wird er zeitlebens besser beherrschen als Deutsch, auch wenn er beide Sprachen nie fehlerfrei wird meistern können.

Friedrich Wilhelm hingegen verachtete diese „Flausen“, Schöngeistigkeit gehöre nicht in die Politik, meinte er. Das einzige Mittel, so sah es der Soldatenkönig, um seinen Sohn diese Allüren auszutreiben, sei die Gewalt. Nun muss man sagen, dass die Gewalt als pädagogisches Mittel im 18. Jahrhundert, durchaus gebräuchlich war. Dennoch ist das, was sich am preußischen Hofe abspielte, eine Ausnahme, in zweierlei Hinsicht. Zum einen kümmerte sich der König höchstselbst um die Erziehung und damit auch die Bestrafung seines Sohnes, was an anderen Höfen selbstverständlich die Ammen und Lehrer der künftigen aristokratischen Elite übernahmen. Zum anderen ging er dabei bisweilen so weit, dass Diener seiner Majestät oder gerade anwesende Offiziere dazwischen gehen mussten, um Friedrich vor dem Tode zu bewahren. So weit ging es mitunter, dass der Vater seinen Sohn umzubringen drohte. Armer Friedrich, ein jammervolles Bild muss dieser Junge abgegeben haben, nicht weniger jammervoll freilich als der jähzornige alte Herr, der völlig unbeherrscht auf sein eigenes Fleisch und Blut einzuschlagen pflegte. Einmal würgte er ihn mit einer Vorhangkordel, beim anderen Mal ging Friedrich Wilhelm mit dem Degen auf den Knaben los. Selig die Tage, an denen es der König dabei beließ, Friedrichs Flöten, Bücher und Aufsätze in den Kamin zu werfen, freilich vor den Augen des Sohnes.

Schon in jenen Jahren sollte sich beweisen, was auch den späteren Friedrich, den „Alten Fritz“, so beeindruckend machte: unbedingter Durchhaltewille. Wenn ihn dieser Vater nicht stoppen konnte, so auch nicht Franzosen, Österreicher und Russen, auch wenn sie sich zusammentun und die größte Streitmacht aufstellen. Dieser Junge hatte gelernt, standzuhalten, sei der Widerstand auch noch so groß.

Die Jahre, in denen Friedrich aufwuchs, waren die Blütezeit der Aufklärung. Überall in Europa kursierten Texte mit unvorstellbaren Inhalten: Der Mensch selbst könne sich aus seiner unterworfenen, untertänigen Situation befreien, indem er einzig seine Vernunft gebraucht. Auch Friedrich fand Gefallen an diesen Ideen, die überwiegend aus Frankreich kamen. Wie ein Schwamm saugte er sie in sich auf. Es war seine Antwort auf den abgestumpften Vater. Rationalismus gegen Gemüt, Kopf gegen Bauch.

Doch der Vater saß noch immer am längeren Hebel. Solange er König war, musste sich Friedrich ihm unterwerfen, ihm und seiner Erziehung. Einziges Mittel, so sagte sich der mittlerweile zum jungen Mann Herangereifte, sei nur die Flucht aus der väterlichen Umgarnung, mithin aus Preußen. Zu seiner Schwester Wilhelmine meinte er: „Sage mir selbst, ob mir ein anderes Mittel übrig bleibt.“[2] Kurz nach seinem achtzehnten Geburtstag entwickelte Friedrich einen Plan, um aus der Heimat zu fliehen. Bei einem der üblichen Ausflüge auf das Land sollte er die Gelegenheit nutzen, um mit seinem Freund Hans Hermann von Katte, aus dem Land zu flüchten. Doch der Plan scheiterte, die Flucht wurde vereitelt, da der König im rechten Augenblick davon erfuhr und umgehend den Sohn und seinen Helfer einsperren ließ. Man muss sich das Bild vorstellen: der schwächliche, untersetzte, schöngeistige Thronfolger in einem dunklen Kerker, wartend auf die Entscheidung, wie es weitergehen soll. Man könnte meinen, Verhaftung und Demütigung reichen aus zur Bestrafung, doch nicht für Friedrich Wilhelm. Außer sich vor Wut ob dieses Landesverrats überlegte er nun ernsthaft, den Sohn mit dem Tode zu bestrafen. Nur mit Mühe konnten die engsten Berater den König von diesem Schritt abhalten, war doch der Thronfolger für die Zukunft des Staates von besonderer Wichtigkeit. Friedrich Wilhelm lenkte ein, doch wenn nicht Friedrich so sollte zumindest sein Freund Katte dran glauben. Ein Kriegsgericht entschied – nach dem beherzten Eingreifen des Königs – für die Todesstrafe. Friedrich Wilhelm fand gar Worte für dieses harte Vorgehen: „Er solle nach dem Wunsch seines Vaters in sich gehen, Gott recht von Herzen um Vergebung bitten für die schwere Sünde, die er begangen und Leute mit verführet, von denen einer nun sein Leben lassen müsse.“[3] Am 6. November 1730 wurde das Urteil vollzogen. Auf dem Hinrichtungsplatz in Küstrin warf der immer noch inhaftierte Friedrich seinem langjährigen Freund einen letzten Kuss entgegen und rief ihm zu: „Ich bitte tausendmal um Vergebung“[4]. Danach wurde Katte mit einem Schwert der Kopf abgeschlagen. Die Vollstreckung erlebte Friedrich jedoch nicht mehr, da er kurz zuvor in Ohnmacht fiel.

1.2 Jahre der Eintracht

Kaum eine Erfahrung war wohl so prägend für Friedrich wie diese. Der Zusammenbruch stand kurz bevor. Mühevoll bauten ihn seine engsten Weggefährten wieder auf. Wieder zu sich gekommen, nahm Friedrich sich vor, dem Vater fortan demütig zu begegnen. Nicht genug, dass der Vater mehr als einmal versuchte, ihn umzubringen, aber den unschuldigen Freund auf dem Gewissen zu haben, den Gedanken ertrug Friedrich nicht. Unvorstellbar, wenn noch weitere Menschen seinetwegen und wegen seines Streites mit dem Vater, ihr Leben lassen müssten. Dann lieber die Unterwerfung als die Schuld, so musste Friedrich sich denken.

Er beugte sich, statt sich mit Philosophie, Musik und Kunst zu beschäftigen, ging er fortan auf die Jagd, studierte Militär- und Landwirtschaftsakten, kleidete sich in preußischer Uniform statt in französischer Mode oder trank Bier statt des geliebten Weins. Sein Vater ordnete an: „Er solle an keinen Menschen in der Welt Briefe schreiben, keine andere Sprache als Deutsch sprechen, weder Bücher lesen, noch Musik hören oder spielen.“[5] Einmal ließ der exzentrische König gar die junge Dorothea Ritter öffentlich halb totschlagen, da sie es wagte, Friedrich Bücher zu verschaffen und Musikunterricht zu erteilen. Ein trostloses Leben, der feuchte, dunkle Kerker, in dem Friedrich seine Haft büßte, muss ihm bisweilen als Hort der Freiheit gefehlt haben. Zu allem Überdruss ordnete der König noch an, sein Friedrich solle die Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern ehelichen. Solche adligen „Zwangsehen“ waren zur damaligen Zeit nicht unüblich, vielmehr Friedrichs Abneigung gegen das weibliche Geschlecht generell. Im 18. Jahrhundert waren Hochzeiten zwischen Herrscherhäusern eben nicht das Ergebnis romantischer Liebe, sondern berechnender Politik. Immerhin bekam das junge Paar das Schloss Rheinsberg, in dem Friedrich endlich etwas Abstand zum Königshof genießen konnte. Er schuf sich Freiräume und konnte sich – ein Stück weit zumindest – wieder der Kunst hingeben.

[...]


[1] GeoEpoche: Teil 23 – Preußen 1701- 1871. 2006.

[2] GeoEpoche: Teil 23- Preußen 1701- 1871.

[3] CD-Wissen. Große Frauen und Männer der Weltgeschichte 11: Friedrich der Große.

[4] GeoEpoche: Teil 23 – Preußen 1701- 1871.

[5] ARTOPÉ, Hajo/ ARTOPÉ, Philip-A. (Hrsg.) (2007): Deutsche Geschichte. Friedrich der Große.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Friedrich der Große. Oder: Wer aufgibt, hat schon verloren.
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V270547
ISBN (eBook)
9783656618928
ISBN (Buch)
9783656618904
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
friedrich, große, oder
Arbeit zitieren
Eric Buchmann (Autor), 2014, Friedrich der Große. Oder: Wer aufgibt, hat schon verloren., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270547

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