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Konkordanzdemokratien und gespaltene Gesellschaften. Hoffnungen und Herausforderung

Fallstudie: Libanon

Title: Konkordanzdemokratien und gespaltene Gesellschaften. Hoffnungen und Herausforderung

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: F. El-Dabbas (Author)

Politics - Region: Near East, Near Orient
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Dem kleinen Land am Mittelmeer ist nicht zuletzt wegen seiner Lage im Konfliktherd Naher Osten große Aufmerksamkeit zu widmen. Im Libanon treffen Orient und Okzident aufeinander, aber auch Menschen verschiedener Konfessionen und Ethnien. Seine fragmentierte Gesellschaft färbt sich auf das politische System ab, doch trotz dieser Heterogenität galt der Libanon als „Schweiz des Nahen Ostens“ und als der am meisten demokratisch entwickelte Staat in der arabischen Welt.
In der Politikwissenschaft wurde der Libanon als erfolgreiches Modell einer Konkordanzdemokratie im Sinne Lijpharts eingeordnet. In Form des politischen Konfessionalismus basiert das libanesische Modell auf die Machtverteilung unter den wichtigsten religiösen Gruppen. Doch mit dem Ausbruch des Bürgerkrieges 1975 scheiterte die Konkordanzdemokratie. Zwar überlebte der Libanon den Bürgerkrieg und auch die anschließende Vorherrschaft durch Syrien, doch ist er weiterhin durch blutige Konflikte und politische Regierungskrisen geprägt.
Diese Arbeit geht daher der Frage nach, welche Hoffnungen es für eine libanesische Konkordanzdemokratie gibt mit welchen Herausforderungen diese in der Nachkriegszeit und nach Syriens Abzug in 2005 konfrontiert ist. Im ersten Teil wird das konkordanzdemokratische Modell nach Arend Lijphart vorgestellt. Nach einem kurzen historischen Überblick über die Wurzeln und Entwicklungen der libanesischen Konkordanzdemokratie, führt der dritte Teil der Arbeit in die differenzierte Gesellschaft ein und zeichnet die wichtigsten Spaltungslinien nach. Im Anschluss wird untersucht, ob die politischen Umstände seit 2005 auf ein Wiedererwachen der Konkordanzdemokratie hindeuten. Schließlich werden die Herausforderungen und abhängigen Variablen für ein solches Wiedererwachen im Fazit zusammengetragen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das konkordanzdemokratische Modell nach Arend Lijphart

3. Historischer Kontext und das politische System Libanons

3.1. Die libanesische Verfassung von 1926

3.2. Der Nationalpakt von 1943: Die Geburt der Konkordanzdemokratie

3.3. Der Bürgerkrieg 1975 - 1990: Abschied von der Konkordanz?

4. Kleiner Staat, große Vielfalt: Einführung in die libanesische Gesellschaft

4.1. Konfessionen

4.2 Parteien

4.3. Sozioökonomische Faktoren

4.3. Nationale Identitäten und Orientierungen

5. Wiedererwachen der libanesischen Konkordanzdemokratie nach 2005?

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit das Modell der Konkordanzdemokratie auf den Libanon anwendbar bleibt und welchen Herausforderungen das politische System im Kontext der Nachkriegszeit und gesellschaftlicher Spaltungen gegenübersteht. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Überlebensfähigkeit und das Potenzial zur Stabilisierung des libanesischen Machtteilungssystems seit 2005.

  • Theoretische Grundlagen der Konkordanzdemokratie nach Arend Lijphart
  • Historische Entwicklung des libanesischen Konfessionalismus
  • Strukturelle Analyse der libanesischen Gesellschaft und ihrer Konfliktlinien
  • Auswirkungen von Krisen und externen Einflüssen auf die politische Stabilität

Auszug aus dem Buch

3.2. Der Nationalpakt von 1943: Die Geburt der Konkordanzdemokratie

1943 ergänzte der Nationalpakt zwischen dem maronitischen Präsidenten Bishara al-Khoury und dem sunnitischen Ministerpräsidenten Riad al-Soloh die in der Verfassung festgeschriebene Machtaufteilung zwischen den Religionsgemeinschaften mittels eines konfessionellen Proporzes in Regierung, Parlament und Verwaltung. Das einflussreichste Amt des Staatspräsidenten geht danach an einen Maronit, Ministerpräsident wird immer ein Sunnit und der Parlamentssprecher wird von einem Schiiten gestellt. Nach dem Zensus von 1932 wurde die Verteilung der 99 Abgeordnetensitze im Verhältnis von sechs Christen zu fünf Muslimen verteilt. Diese nationale, mündlich getroffene Übereinkunft resultierte aus dem gemeinsamen Entschluss, die französische Herrschaft zu beenden und den unabhängig gewordenen Libanon politisch zu stabilisieren unter garantierter Beteiligung der wichtigsten Gruppen.

Der Libanon galt damit ab 1943 als eine erfolgreiche Konkordanzdemokratie im Sinne Lijpharts. Staatspräsident, Ministerpräsident und Parlamentssprecher bildeten eine große Koalition. Alle wichtigen konfessionellen Gruppen waren proportional in Parlament und Regierung repräsentiert, was man als politischen Konfessionalismus bezeichnet. Da die Anzahl der Christen und Muslime in etwa gleich war, dominierte keine religiöse Gruppe gegenüber einer anderen. Jede Gruppe war in Bereichen autonom, d.h. in denen der Staat nicht interveniert (sozialer Konfessionalismus), z.B. in Fragen Heirat und Scheidung, im Bildungssystem oder in der Organisation sozialer Dienste. Auch das Vetorecht zwischen den Parteien der großen Koalition existierte formal im politischen System Libanons. So resümiert Lijphart in seinen empirischen Analysen: “Lebanon was a consociational democracy from its independence in 1943 until the fatal civil war that broke out in 1975.” Nachfolgend werden die Ursachen und Zusammenhänge analysiert, die mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs zum Scheitern der Konkordanzdemokratie führten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Libanons als „Schweiz des Nahen Ostens“ ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Stabilität des Konkordanzmodells.

2. Das konkordanzdemokratische Modell nach Arend Lijphart: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundpfeiler wie Machtteilung, Proportionalität und Minderheitenschutz, die für die Stabilität gespaltener Gesellschaften essenziell sind.

3. Historischer Kontext und das politische System Libanons: Hier werden die verfassungsrechtlichen Anfänge sowie der Nationalpakt von 1943 und der daraus resultierende Bürgerkrieg als Zäsur für das politische System beschrieben.

4. Kleiner Staat, große Vielfalt: Einführung in die libanesische Gesellschaft: Das Kapitel analysiert die multikonfessionelle Struktur, das Parteiensystem, sozioökonomische Disparitäten und nationale Identitätskonflikte.

5. Wiedererwachen der libanesischen Konkordanzdemokratie nach 2005?: Es wird untersucht, ob die Zedernrevolution und der Abzug syrischer Truppen neue Chancen für die Demokratisierung boten oder ob alte Muster fortbestehen.

6. Fazit: Das Fazit resümiert, dass trotz formaler Erfüllung der Bedingungen für eine Konkordanzdemokratie strukturelle Schwächen und externer Druck die Stabilität gefährden.

Schlüsselwörter

Libanon, Konkordanzdemokratie, Arend Lijphart, Konfessionalismus, Machtteilung, Nationalpakt, Bürgerkrieg, Politische Stabilität, Proportionalität, Gesellschaftliche Spaltung, Zedernrevolution, Minderheitenschutz, Politische Elite, Interkonfessionelle Konflikte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die Anwendbarkeit und Leistungsfähigkeit des konkordanzdemokratischen Modells nach Arend Lijphart im Kontext des politischen Systems im Libanon.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentral sind die historische Entwicklung des Konfessionalismus, die strukturelle Fragmentierung der libanesischen Gesellschaft und die Auswirkungen von Krisen auf die politische Machtteilung.

Was ist die zentrale Forschungsfrage der Fallstudie?

Die Autorin geht der Frage nach, welche Hoffnungen für eine libanesische Konkordanzdemokratie bestehen und mit welchen Herausforderungen das System in der Zeit nach dem Bürgerkrieg und ab 2005 konfrontiert ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit genutzt?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Fallstudie, die theoretische Konzepte (Lijpharts Modell) auf die historische und aktuelle politische Situation des Libanons anwendet.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, eine historische Aufarbeitung der Verfassungsgeschichte sowie eine Analyse der gesellschaftlichen Konfliktlinien (Religion, Parteien, Sozioökonomie).

Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung am besten?

Typische Begriffe sind Konkordanzdemokratie, Machtteilung, Libanon, Konfessionalismus und politische Stabilität.

Welche Rolle spielte der Nationalpakt von 1943 für das System?

Der Nationalpakt legte die informelle, aber verbindliche Machtverteilung zwischen den christlichen und muslimischen Bevölkerungsgruppen fest und gilt als Gründungsdokument der libanesischen Konkordanz.

Warum wird im Fazit von „schwierigen Bedingungen“ gesprochen?

Die Autorin stellt fest, dass trotz der theoretischen Passung des Modells die fehlende Kooperation der Eliten und die demografischen Verschiebungen das System dauerhaft destabilisieren.

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Details

Title
Konkordanzdemokratien und gespaltene Gesellschaften. Hoffnungen und Herausforderung
Subtitle
Fallstudie: Libanon
College
University of Potsdam
Grade
1,3
Author
F. El-Dabbas (Author)
Publication Year
2012
Pages
15
Catalog Number
V270573
ISBN (eBook)
9783656619178
ISBN (Book)
9783656619161
Language
German
Tags
konkordanzdemokratien gesellschaften hoffnungen herausforderung fallstudie libanon
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
F. El-Dabbas (Author), 2012, Konkordanzdemokratien und gespaltene Gesellschaften. Hoffnungen und Herausforderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270573
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