Japan: Neue Arbeitsmarktpolitik gegen Überalterung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
15 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Überalterung und traditionelle Arbeitsmarktpolitik in Japan
2.1 Senioritätsprinzip
2.2 Dauerhaftbeschäftigung
2.3 Geschlossenheit des Arbeitsmarktes

3. Ausgewählte Maßnahmen gegen Überalterung.
3.1 Mehr Einstellungen von Älteren
3.2 Stärkere Partizipation von Frauen
3.3 Schaffung von Arbeitsplätzen im Ausland

4. Fazit: Übertragbarkeit der Maßnahmen auf Deutschland

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meisten entwickelten Ländern tauchen heutzutage sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung auf. Das führt zu einer Veränderung der sogenannten Alterspyramide hin zu einem höheren mittleren Bevölkerungsalter. Man bezeichnet dieses Phänomen als Überalterung einer Gesellschaft. Nach den Studien über die Bevölkerungsentwicklung für die OECD-Länder werden Europa und Japan die ausgeprägtesten Überalterungstrends bis zum Jahr 2050 erleben. Der Anteil der über 60-Jährigen an der Bevölkerung wird 2050 in Nordamerika nur 27% betragen, in den EU-15 Mitgliedstaaten etwa 36%, in Japan 42% [1]. Innerhalb der Altersgruppe der über 60-Jährigen wird die Zahl der Hochbetagten, d.h. der Menschen ab dem 80. Lebensjahr, beträchtlich ansteigen. Für die nationalen Arbeitsmärkte bedeutet dies, dass in Zukunft immer weniger junge, frisch ausgebildete Arbeitskräfte zur Verfügung stehen und mehr ältere bleiben, sowohl aufgrund ihres wachsenden Anteils an der Bevölkerung als auch wegen ihrer höheren Lebenserwartung.

Japan ist härter und früher als andere Industriestaaten von der Überalterung betroffen. Einerseits erreichte das Angebot an Arbeitskraft in Japan bereits 1995 seinen Höhepunkt, in Deutschland wird dies erst zwischen 2010 und 2020 eintreten(vgl. Aigner/ Kitabata/ Kroll, 2001). Der Altersquotient – also die Anzahl der Menschen im Alter über 65 Jahren im Verhältnis zu den Menschen zwischen 20 und 64 Jahren - erreichte in Japan im Jahr 2000 bereits 28%, in Deutschland lediglich 26% [2]. Der Fachkräftemangel droht somit früher und stärker in Japan als in Deutschland. Anderseits verzichtet Japan bis heute trotz des Arbeitskräftemangels auf ausländische Arbeitsnehmer. Welche arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen hat Japan durchgeführt, um die negativen Auswirkungen der Überalterung auf den Arbeitsmarkt zu kompensieren? Diese Fragestellung ist besonders interessant für die Länder, die später vor den gleichen Problemen stehen werden. Die japanischen Erfahrungen können ihnen Anregungen bieten, welche Maßnahmen sie außer Migrationsförderung noch als Problemlösungen verwenden können. Die Maßnahmen haben in Japan zumindest innerhalb eines Jahrzehntes funktioniert, weil es von 1995 bis heute noch kein Anzeichen gibt, dass Japan seine Wettbewerbsfähigkeit durch die Überalterung verloren hat [3]. In der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit der oben genannten Fragestellung beschäftigen. Ich werde zuerst das Überalterungsproblem und die traditionelle Arbeitsmarktpolitik in Japan erklären. Dann stelle ich drei arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen dar, mit denen Japan gegen die Probleme der Überalterung kämpft: mehr Einstellungen von Älteren, stärkere Partizipation von Frauen und Schaffung von Arbeitsplätzen im Ausland (vgl. Lahnstein-Kandel / Göring, 1999, S. 32, S.64). Schließlich werde ich die Übertragbarkeit dieser Maßnahmen auf Deutschland kurz analysieren.

2. Überalterung und traditionelle Arbeitsmarktpolitik in Japan

Das Hauptproblem, das die Überalterung zur Folge hat, ist die Abnahme der arbeitenden Bevölkerung. 2007 hat die Baby-Boomer-Generation in Japan begonnen, den Arbeitsmarkt zu verlassen. Innerhalb von drei Jahren treten 6,8 Millionen Menschen, d.h. fast 10% der arbeitenden Bevölkerung in den Ruhestand (vgl. Malerius, 2008). Aber es kommen nicht genug jungen Menschen nach, welche die entstandene Lücke füllen könnten. Daraus entsteht ein akuter Fachkräftemangel in einigen Branchen, wie z.B. Krankenpflege, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Maschinenbau. Die Größe des Arbeitskräfteangebots ist neben dem Kapital und der Produktivität ein Schlüsselfaktor für das Wachstumspotential einer Wirtschaft. Falls die Knappheit der Arbeitskräfte dauerhaft bestehen würde – hoch wahrscheinlich im Hinblick auf die seit Jahrzehnten niedrigen Fertilitätsraten in Japan -, gefährdet sie das wirtschaftliche Wachstumspotential Japans. Eigentlich kann die Steigerung der Produktivität die Auswirkungen des Rückgangs vom Arbeitskräfteangebot zum Teil kompensieren. Aber die Überalterung bringt Japan nicht nur weniger, sondern auch ältere Arbeitskräfte. Die Produktivität der japanischen Arbeitenden droht zu sinken, weil es für ältere Arbeitnehmer schwieriger ist, neue Technik zu beherrschen. Deshalb muss Japan außer technologischer Innovationen noch andere Maßnahmen durchführen, um die Auswirkungen der Überalterung zu reduzieren. Aber die Überalterung beeinflusst die japanische Wirtschaft nicht allein. In Verbindung mit der japanischen traditionellen Arbeitsmarktpolitik beeinträchtigt die Überalterung die japanische Wirtschaft viel stärker. In den kommenden Abschnitten werde ich drei Charakteristika der traditionelle Arbeitsmarktpolitik in Japan vorstellen: Senioritätsprinzip, Dauerbeschäftigung und die Geschlossenheit des Arbeitsmarktes.

2.1 Senioritätsprinzip

In Japan steigt die Lohnhöhe mit dem Lebensalter stärker an als in den meisten anderen Staaten (vgl. OECD, 1996). Außerdem hängt der Lohnanstieg hauptsächlich von der Betriebszugehörigkeitsdauer ab, deshalb bleiben die Beschäftigten eher im selben Unternehmen. Ein Betriebswechsel kann einen beträchlichen Einkommensverlust verursachen. Nimmt man mit 50 Jahren einen neuen Arbeitsplatz in einem anderen Unternehmen an, verdient man weniger als zwei Drittel des Lohnes als in dem Unternehmen, in dem man seit 30 Jahren beschäftigt war (vgl.ebd.). Die Altersabhängigkeit des Lohnes ist in Unternehmen mit einem hohen Anteil an Stammbeschäftigten am ausgeprägtesten. 1994 verdienten die 50- bis 54jährigen in Unternehmen mit über 1000 Beschäftigten zweieinhalbmal soviel wie die 20- bis 24jährigen (vgl.ebd.). Die Vorteile der Senioritätslöhne sind nicht nur Absicherung der Dauerbeschäftigung von Seiten der Unternehmen, damit sie die Investitionen in das Humankapital der Beschäftigten nutzen können, sondern auch als Anreiz für die älteren Arbeitnehmer produktiver zu arbeiten. Aber in der alternden Gesellschaft gerät das Prinzip immer deutlicher in Schwierigkeiten. In Japan gibt es immer mehr ältere Arbeitsnehmer, was zum Anstieg der gesamten Lohnkosten führt. Um die Wettbewerbsfährigkeit zu behalten, kündigen die Unternehmen die meisten ihrer Angestellten schon vor dem Rentenalter. Nur die besonders leistungsfähigen Arbeitnehmer können in Managementpositionen aufrücken und bis zu, Rentenalter weiterarbeiten. Die gekündigten Beschäftigten werden auf einen anderen Arbeitsplatz verschoben, entweder im selben Betrieb oder in einem neuen, wo sie aber ebenfalls weniger verdienen können. Sie verbleiben in den neuen Arbeitsplätzen noch so lange, bis sie Anspruch auf volle Rente haben (vgl. Ganßmann/ Hass, 1999, S.117).

[...]


[1] Datenquelle: OECD Demographic and Labour Force database: OECD population pyramids in 2000 and 2050, http://www.oecd.org/dataoecd/52/31/38123085.xls

[2] Datenquelle: wie oben.

[3] Nach dem “Global Competitiveness Report” vom Weltwirtschaftsforum springt Japan vom Rang 21 im Jahr 2001 auf den Rang 8 im Jahr 2008. http://www.weforum.org

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Japan: Neue Arbeitsmarktpolitik gegen Überalterung
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Hauptseminar: Soziologie des Arbeitsmarktes
Note
1.7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V270648
ISBN (eBook)
9783656621959
ISBN (Buch)
9783656621836
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Japan, Arbeitsmarkt, Arbeitsmarktpolitik, Überalterung
Arbeit zitieren
Diplom-Soziologin Univ. Henghui Huang (Autor), 2008, Japan: Neue Arbeitsmarktpolitik gegen Überalterung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270648

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