Adoption im Bilderbuch. Entwicklung und exemplarische Anwendung von Qualitätskriterien


Bachelorarbeit, 2013

70 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 GRUNDLAGEN ZUR ADOPTION
2.1 Begriffsbestimmung, Definition
2.2 Arten der Adoption
2.3 Geschichte der Adoption
2.4 Rahmenbedingungen und Ablauf einer Adoption
2.4.1 Gründe dafür, ein Kind zu adoptieren
2.4.2 gesetzliche Grundlage
2.4.3 Kriterien für Adoptionsbewerber
2.4.4 Ablauf einer Adoption
2.4.5 institutionelle Rahmenbedingungen
2.5 Probleme einhergehend mit einer Adoption und die Probleme der Adoptiv- kinder
2.6 Wichtigkeit der Aufklärung der Adoptivkinder

3 GRUNDLAGEN ZUM BILDERBUCH
3.1 Definition des Mediums Bilderbuch
3.2 Einteilung von Bilderbüchern
3.3 Funktion von Bilderbüchern in der pädagogischen Praxis
3.4 Bilderbücher über Adoption: Problembilderbücher
3.5 Zur Beurteilung von Bilderbüchern
3.5.1 Inhalt
3.5.2 Illustrationen
3.5.3 Sprache
3.5.4 Erzählstil
3.5.5 Bild-Text-Verhältnis
3.5.6 Qualität
3.5.7 "Kindgemäßheit"

4 ADOPTION IM BILDERBUCH
4.1 Forschungsstand
4.2 Arten von Adoptionsbilderbüchern (mit Beispielen)
4.2.1 Auslandsadoption
4.2.2 Inlandsadoption
4.2.3 Adoptionsbilderbücher aus dem Tierreich
4.2.4 "besondere" Adoptionsbilderbücher
4.3 Funktionen von Adoptionsbilderbüchern
4.4 Fragen an Bilderbücher über Adoption (Auswahl)

5 BEURTEILUNGSKRITERIEN
5.1 Allgemeine Angaben zur Publikation
5.2 Allgemeine Qualitätskriterien
5.3 Qualitätskriterien für alle Adoptionsbilderbücher
5.4 Kriterien für die spezifische Art von Adoptionsbilderbuch
5.4.1 Adoptionsbilderbücher über Auslandsadoption
5.4.2 Adoptionsbilderbücher über Inlandsadoption
5.4.3 Adoptionsbilderbücher aus dem Tierreich
5.4.4 "besondere" Adoptionsbilderbücher
5.5 Fazit

6 EMPIRISCHE ANALYSE AUSGEWÄHLTER BILDERBÜCHER
6.1 Begründung der Buchauswahl und Analyseverfahren
6.2 Analyse: "Peter und Susi finden eine Familie"
6.2.1 Allgemeine Angaben zur Publikation
6.2.2 Allgemeine Qualitätskriterien
6.2.3 Qualitätskriterien für alle Adoptionsbilderbücher
6.2.4 Kriterien für die spezifische Art von Adoptionsbilderbuch
6.2.5 Fazit
6.3 Analyse: "Und dann kamst du, und wir wurden eine Familie…"
6.3.1 Allgemeine Angaben zur Publikation
6.3.2 Allgemeine Qualitätskriterien
6.3.3 Qualitätskriterien für alle Adoptionsbilderbücher
6.3.4 Kriterien für die spezifische Art von Adoptionsbilderbuch
6.3.5 Fazit

7. FAZIT

8 ABBILDUNGSVERZEICHNIS

9 LITERATURVERZEICHNIS
9.1 Primärliteratur
9.2 Sekundärliteratur
9.3 Internetquellen

1 Einleitung

Im Bereich der Bilderbuchforschung wurden schon allerlei Aspekte wissenschaftlich betrachtet: Tod, Scheidung, Missbrauch, Angst und viele andere. Das Thema Adoption wurde bisher außen vor gelassen, obwohl viele Publikationen für Kinder zu diesem Thema existieren.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, zunächst theoretisch:

- ein Grundwissen als Basis zu den Themen Adoption und Bilderbuch zu vermitteln.
- Adoption und Bilderbuch zusammenzubringen, den Forschungsstand darzulegen und Arten und Funktionen von Adoptionsbilderbüchern zu erläutern.

Aus den Annahmen und Erkenntnissen der Theorie resultiert dann ein individuell aufgestellter Kriterienkatalog, der Beurteilungskriterien für Adoptionsbilderbücher enthält. Dieser Katalog dient dann als Grundlage für die Analyse zweier ausgewählter Kinderbilderbücher mit dem Thema Adoption.

Diese empirische Untersuchung hat zum Ziel, festzustellen, inwieweit die aus der Theorie heraus aufgestellten Kriterien in den ausgewählten Bilderbüchern konkret umgesetzt werden.

Unterteilt wird in sechs Kapitel. Die ersten beiden theoretischen Kapitel befassen sich allgemein mit den Themen Adoption und Bilderbuch, um dem Leser ein Grundwissen zu vermitteln. Im nächsten Kapitel wird zunächst der Forschungsstand von Adoptionsbilderbüchern dargestellt, dann Arten von Adoptionsbilderbüchern eingeteilt und mit Beispielen erläutert. Schließlich werden die Funktionen von Adoptionsbilderbüchern herausgestellt, um dann konkrete Fragen an ein Adoptionsbilderbuch zu formulieren.

Im vierten, wichtigsten Kapitel, werden die Beurteilungskriterien für Adoptionsbilderbücher aufgestellt und kurz erläutert und auf die entsprechenden Stellen im Theorieteil verwiesen. Im fünften Kapitel werden diese Kriterien dann auf die beiden ausgewählten Bilderbücher angewendet. Die Entscheidung fiel hier auf ein aktuelles und ein Bilderbuch aus den 70er Jahren, um eventuell eine Entwicklung der Adoptionsbilderbücher im Laufe der Zeit skizzieren zu können.

Im letzten, siebten Kapitel, folgt ein kurzes Fazit bezüglich der Fragestellung, ob die gewählten Beurteilungskriterien in den ausgewählten Bilderbücher angemessen umgesetzt wurden und bezüglich der allgemeinen Situation auf dem Markt der Adoptionsbilderbücher.

2 Allgemeines zu Adoption

"Nicht Fleisch und Blut, das Herz macht uns zu Vätern und Söhnen."
Johann Christoph Friedrich von Schiller, Dichter und Dramatiker
(aus: Die Räuber I,1.)

2012 wurden in Deutschland 4.201 Kinder und Jugendliche adoptiert. Davon die Mehrheit (30,2%) zwischen einem und drei Jahren, die Verteilung zwischen Jungen und Mädchen hält sich die Waage (vgl. Statistisches Bundesamt 2013, S.5). Die Zahlen sind seit dem Höchststand 1993 rückläufig, seit 1991 haben sie sich fast halbiert (vgl. ebd., S. 21f.). Doch warum? Liegt es an den Fortschritten in der Reproduktionsmedizin, daran, dass es Alleinerziehende heute einfacher haben als früher und gesellschaftlich nicht mehr geächtet werden oder einfach daran, dass sich allgemein weniger Menschen überhaupt bewusst für Kinder entscheiden? Fakt ist, dass auf ein Kind, das zur Adoption freigegeben wird, immer noch sechs sich bewerbende Paare kommen (vgl. ebd., S. 11). Das Thema Adoption hat also nicht an Aktualität verloren und ein Blick in die Geschichte der Adoption zeigt, dass es Adoptionen schon länger gibt, als man sich vielleicht vorstellt.

2.1 Begriffsbestimmung, Definition

Betrachtet man den Begriff der Adoption etymologisch, so ist er auf das lateinische Verb adoptare zurückzuführen, was erwählen oder etwas annehmen bedeutet.

Der Vorgang der Adoption bedeutet, dass das Kind eines Elternpaares zum Kind eines anderen Paares wird (vgl. Ebertz 1994, S. 15). Die Regeln für diesen Prozess sind rechtlich festgelegt, stark institutionalisiert und deren Einhaltung wird staatlich kontrolliert und gegebenenfalls sanktioniert (vgl. ebd.).

2.2 Arten der Adoption

a) offene Adoption

Bei einer offenen Adoption kennen sich die leiblichen Eltern und die Adoptiveltern, wobei diese Form der Adoption eher selten ist (vgl. Riedle u.a. 2007, S. 92). Eine offene Adoption entsteht aber automatisch, wenn das Kind vor der Adoption schon längere Zeit in der Familie als Pflegekind lebt und dann zur Adoption freigegeben wird (vgl. ebd.).

b) halboffene Adoption

Auch bei der halboffenen Adoption lernen sich die leiblichen Eltern und die Adoptiveltern kennen, es werden jedoch keine Adressen oder andere Daten ausgetauscht.

c) Inkognito-Adoption

Die Inkognito-Adoption kommt am häufigsten vor (vgl. ebd.). Hier erhalten die leiblichen Eltern keinerlei Informationen, die eine Identifizierung der Adoptiveltern ermöglichen würden (vgl. ebd.).

2.3 Geschichte der Adoption

Die Geschichte der Adoption beginnt früh. Bereits im babylonischen Zeitalter pflegten Adelige ohne Kinder, welche zu adoptieren, um das Bestehen des Familienstammbaums und -erbes zu sichern (vgl. Ebertz 1994, S. 16). Das bekannteste Adoptivkind des römischen Reiches war wohl der Kaiser Augustus, dessen Adoptivvater kein geringerer als Gaius Julius Cäsar war. Die Römer beeinflussten zunehmend die angrenzenden Ländern, sodass auch dort bald Adoptionen praktiziert wurden.

In Deutschland wurden Adoptionsregelungen im Jahr 1900 ins nun in Kraft getretene Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen. Jedoch sollten damals Adoptiveltern ab mindestens 50 Jahren Volljährige adoptieren können, um eine Altersabsicherung zu gewährleisten (vgl. ebd.). Erst nach den beiden Weltkriegen sollten Adoptionen dem Kindeswohl dienen und es wurden Eltern für die Kinder gesucht, nicht umgekehrt (vgl. ebd.). Das Mindestalter der Adoptiveltern wurde 1961 erst auf 35, dann 1973 auf 25 gesenkt. Weiterhin war es nun möglich, den leiblichen Eltern die Vormundschaft zu entziehen, sollten diese ihre elterlichen Pflichten grob vernachlässigen.

1977 erfolge eine Reformierung des Adoptionsrechtes. Das Adoptionsvermittlungsgesetz trat in Kraft und fortan erhielten alle adoptierten Kinder bei durchgeführter Adoption den Status leiblicher Kinder auf allen Ebenen des Rechts (vgl. ebd., S. 17). Es erlischt das Verwandtschaftsverhältnis zur leiblichen Familie (vgl. ebd.). Seit der Reform erhalten ausländische Adoptivkinder automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Seit 2004 ist es auch für gleichgeschlechtliche Paare möglich, ein Kind zu adoptieren.

2.4 Rahmenbedingungen und Ablauf einer Adoption

2.4.1 Gründe dafür, ein Kind zu adoptieren

Warum wollen Menschen überhaupt Kinder adoptieren? Wieso nehmen sie immense Kosten und Mühen auf sich, um ein Kind zu bekommen? Kann eine Ehe ohne Kinder nicht bestehen? Könnte man nicht einfach darauf verzichten, Kinder zu haben? Aus eigener Erfahrung weiß ich, was es bedeutet ein Kind zu haben. Es ist anstrengend, nervenaufreibend, bedeutet Verzicht auf Freizeit, Schlaf, Urlaube und Zweisamkeit. Und trotzdem ist es das größte und schönste Gefühl der Welt, Eltern zu sein. Doch was macht es zu diesem? Welchen Gewinn bringt es, dass kinderlose Paare alle Hebel in Bewegung setzen, entweder durch die moderne Medizin oder durch Adoption ein Kind zu bekommen? Adoptiveltern nehmen all die Hürden in Kauf, für ein Kind, von dem sie nichts wissen, das sie vorher vielleicht nicht einmal gesehen haben, das Probleme mit sich bringt und das eventuell nicht so ist, wie sie es sich erträumt haben. Die Süddeutsche Zeitung bringt es auf den Punkt: "Warum wollen eine Frau und ein Mann unbedingt ein Kind haben und würden dafür fast alles tun? Das zu erklären, ist, als ob man jemandem, der noch nie durstig war, erklären wollte, was Durst ist" (Süddeutsche Zeitung 2003, S. 3, zitiert nach Riedle u.a. 2007, S. 6).

Für eine Adoption kann es unzählige Gründe geben. Vielleicht ist es schlicht der Grund, einem Kind ein zuhause geben zu wollen, vielleicht sollen eigene Probleme durch die Adoption gelöst werden, vielleicht brauchen die Eltern eine konkrete Perspektive für die Zukunft, vielleicht soll eine Ablösung von den eigenen Eltern erfolgen (vgl. Riedle u.a. 2007, S. 7). Hinter einer Adoption kann aber auch der Wunsch stecken, selbst glücklich zu werden, seine Lebenserfahrungen weiterzugeben oder an ein Kind die eigene Kindheit weiterzugeben (vgl. ebd.). Es ist auch nicht immer in Worte zu fassen, was es ausmacht ein Kind zu haben. "Manchmal ist es einfach Liebe" (ebd., S. 9).

Bevor betroffene Paare die Entscheidung für eine Adoption treffen, liegt meist ein langer Leidensweg hinter ihnen. Der unerfüllte Kinderwunsch und das Durchlaufen aller Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin hinterlassen psychische und physische Wunden. Nach dem Schock über die Tatsache keine Kinder bekommen zu können, folgen die Stadien der Verleugnung, Wut, Schuld und Isolation (vgl. ebd., S. 10). Erst nachdem das Stadium der Trauer überwunden ist, beginnen die Betroffenen über andere Möglichkeiten nachzudenken. Informiert man sich dann über das Thema Adoption trifft man jedoch auf größtenteils einseitige Berichte über psychische Probleme von Adoptivkindern, Ausländerfeindlichkeit und Vernachlässigung. Adoptionsbewerber stehen nun also vor vielen wichtigen Entscheidungen, etwa nach dem Alter, der Hautfarbe oder eventuellen Behinderungen des Kindes, sie werden von den Medien aber erst einmal abgeschreckt.

Wenn dann wirklich die Entscheidung für eine Adoption fällt, stellen sich die zukünftigen Eltern natürlich eine Reihe von Fragen:

Werde ich das Kind genauso lieben können, wie ein eigenes? Diese Frage lässt sich einfach beantworten, denn Adoptiveltern sind sich sehr wohl bewusst, dass das Kind, nicht ihr leibliches Kind, wohl aber ihr eigenes Kind ist. Der Tag, an dem das Kind in die Familie kommt, gleicht dem Tag der Geburt, gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen schweißen die Familie zusammen, das angenommene Kind scheint perfekt in die Familie zu passen (vgl. ebd., S. 17). Man liebt es nicht weniger, nur weil es nicht die Gene der Eltern hat.

Kann ich mit dem Kind glücklich werden, ohne mit ihm schwanger gewesen zu sein, ohne es unter meinem Herzen getragen zu haben? Dies ist natürlich von Frau zu Frau verschieden. Die eine möchte unbedingt die Erfahrung einer Schwangerschaft machen, die andere legt keinen Wert auf einen dicken Bauch, Schwangerschaftsstreifen und Übelkeit. Doch selbst wenn eine Frau traurig darüber ist, ihr Kind nicht durch eine Schwangerschaft zu bekommen, kann sie eine gute Adoptivmutter sein. Sie könnte sogar die Zeit vor der Adoption als eine Art Schwangerschaft empfinden.

Ist es schwieriger, mit einem Kind zu leben, das aus dem Ausland adoptiert wurde? Die Adoptionsvermittlungsstellen und Jugendämter arbeiten meist mit Kinderheimen im Ausland zusammen (vgl. ebd., S. 24). Dort geht es den Kindern den Umständen entsprechend gut, sie leben also nicht auf der Straße und werden medizinisch versorgt. Der Großteil der im Ausland adoptierten Kinder zeigt keinerlei Auffälligkeiten (vgl. ebd., S. 25). Natürlich kommen sie aus schwierigen Verhältnissen, aber das trifft auf alle Adoptierten zu. Kinder aus dem Ausland stellen ihre neuen Eltern vor besondere Herausforderungen. Sie kommen aus einer anderen Kultur, sprechen eine andere Sprache, sehen anders aus. Doch engagierten Eltern gelingt die Integration ihrer Kinder in der Regel gut, sodass sich die Entwicklung ausländischer Adoptivkinder kaum noch von der anderer Adoptierter oder Nicht-Adoptierter unterscheidet (vgl. ebd.).

Sollen wir ein weißes oder ein dunkelhäutiges Kind adoptieren? Grundsätzlich kann jede Adoption Probleme mit sich bringen. Egal ob ein weißes oder ein dunkelhäutiges Kind adoptiert wird. Keiner kann vorher genau sagen, was die Kinder schon durchgemacht haben, welche Krankheiten sie hatten, welche psychischen Traumatisierungen sie in der Zeit bei ihren leiblichen Eltern erlebten. Man kann also sagen, dass zukünftige Adoptiveltern grundsätzlich eine gewisse Stärke und die Fähigkeit mitbringen müssen, Herausforderungen zu meistern. Dies ist nicht von der Hautfarbe des Kindes abhängig.

Ist die Adoption von einem Baby einfacher, als die eines älteren Kindes? Hier gilt es zu sagen, dass auch ganz kleine Kinder in ihrem kurzen Leben schon sehr viel Schlimmes erlebt haben können, somit kann das Alter keinen Anhaltspunkt für psychische Traumatisierungen des Kindes geben (vgl. ebd., S. 36). Natürlich hinterlässt beispielsweise ein jahrelanger Heimaufenthalt oder ständige Wechsel der Pflegefamilien bei älteren Kindern Spuren, doch Kinder sind durchaus in der Lage dies zu verarbeiten (vgl. ebd., S. 37). Und auch die Erziehung eines Babies kann Eltern an den Rand der Verzweiflung bringen, sodass dies keinesfalls als einfacher betrachtet werden kann. Die Erziehung eines älteren Kindes kann man schlichtweg nicht mit der Erziehung eines Babies vergleichen.

Dies sind nur einige der Fragen, die sich Adoptionsbewerber stellen, bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Adoption. Wenn die Entscheidung dafür getroffen ist, stellt sich die Frage nach den Gesetzlichkeiten und den Kriterien, die die Bewerber erfüllen müssen.

2.4.2 Gesetzliche Grundlage

Grundlage für Adoptionen ist das Bürgerliche Gesetzbuch §1741ff., das die Annahme als Kind regelt. Die Annahme ist nur dann zulässig, wenn ein Eltern-Kind-Verhältnis entstehen kann und wenn sie dem Kindeswohl dient (vgl. Röchling 2004, S. 32). Der Begriff Adoption wurde bewusst vermieten, um die Künstlichkeit der Annahme nicht zu betonen (vgl. ebd.). Weiterhin gilt seit 1977 das Adoptionsvermittlungsgesetz, das Gesetz über die Vermittlung der Annahme als Kind und über das Verbot der Vermittlung von Ersatzmüttern.

Auch das Kinder- und Jugendhilfegesetz im Achten Sozialgesetzbuch ist bedeutend, steht jedoch mit dem Ziel der Rückkehr des Kindes in die Herkunftsfamilie und der Stärkung der Erziehungsfunktion der Eltern im Widerspruch zu den Adoptionsgesetzen, die das Ziel verfolgen, das Kind zu seinem eigenen Wohle von den leiblichen Eltern zu trennen (vgl. Zingeler 2005, S. 218).

Für Auslandsadoptionen ist das Haager Übereinkommen grundlegend, welches das Kindeswohl und die Grundrechte des Kindes sicherstellen und internationalen Kinderhandel verhindern soll.

2.4.3 Kriterien für Adoptionsbewerber

Das Alter der Adoptionsbewerber ist im Gesetz klar geregelt. Bei einem Ehepaar muss der eine das 25. Lebensjahr, der andere das 21. Lebensjahr vollendet haben (vgl. BGB §11743). Ein Höchstalter gibt es nicht.

Eine Adoption muss die Lebensbedingungen des Kindes verbessern, in persönlicher und rechtlicher Hinsicht (vgl. Riedle u.a. 2007, S. 111). Natürlich muss demnach ein Paar, das ein Kind adoptieren möchte, auch über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügen, es zu ernähren und versorgen. Um dies sicherzustellen, lassen sich Adoptionsvermittlungsstellen in der Regel Verdienstbescheinigungen und Vermögensauskünfte von ihren Bewerbern vorlegen (vgl. Röchling 2004, S. 49). Dies finden die betroffenen Paare oft ungerecht, da keiner, der auf natürlichem Wege ein Kind bekommt, vorher nach dem Einkommen gefragt wird. Durch die Einkommensüberprüfung soll vermieden werden, dass durch eine Adoption kein Anspruch auf Sozialhilfe entsteht (Riedle u.a. 2007, S.47).

Weiterhin ist für die Adoptionsvermittlungsstellen die Betreuung des Kindes nach der Adoption von großer Wichtigkeit. Selbst Kinder, die mit jungem Alter adoptiert werden, mussten schon viel durchmachen und haben dementsprechend mit der Verarbeitung des Erlebten zu kämpfen. Deswegen sollten diese Kinder zumindest in den ersten Jahren überwiegend von Adoptivmutter oder -vater zuhause betreut werden (vgl. ebd., S. 48).

Wichtig für eine Adoption ist auch das soziale Umfeld und die Partnerschaft der Bewerber. Die Adoptionsvermittlungsstellen stehen bei jeder Adoption vor der Herausforderung herauszufinden, ob beide Partner die Adoption gleichermaßen wollen und sich darüber einig sind und das Kind in ein funktionierendes Familienleben integriert wird (vgl. ebd., S. 50). Doch was zeichnet überhaupt eine intakte Partnerschaft aus? Hier hat sich aus der Erfahrung der Vermittlungsstellen heraus gezeigt, dass die Fähigkeit der Paare Konflikte zu bewältigen enorm wichtig ist, da mit steigender Problemlösefähigkeit auch die Zufriedenheit der Partner steigt (vgl. ebd., S. 51). Im sozialen Umfeld der Adoptionsbewerber ist es von Bedeutung, dass Familie, Verwandte und Bekannte der Adoption positiv gegenüber stehen und die Bewerber in ihrer Entscheidung bestärken und unterstützen.

2.4.4 Ablauf einer Adoption

Hier soll es vorrangig um die Inlandsadoption gehen, da die Auslandsadoption in den ausgewählten Bilderbüchern, die später analysiert werden sollen, keine Rolle spielt.

Paare, die an einer Adoption interessiert sind, sollten sich als erstes an eine zugelassene Adoptionsvermittlungsstelle wenden, meist ist das das örtliche Jugendamt (Riedle u.a. 2010., S. 85). Jeder Bewerber hat Anspruch auf eine Überprüfung, auch wenn die Chancen auf Adoptionserfolg gering erscheinen.

Wurde das Paar beim Jugendamt vorstellig, erfolgt ein Gespräch mit der entsprechenden Fachkraft für Adoptionen. Diese versucht, die Bewerber kennen zu lernen, deren Vorstellungen herauszufinden und zu beurteilen, ob sie für eine Adoption überhaupt geeignet sind (vgl. ebd., S. 89). Im Vorfeld ist meist ein Fragebogen, ähnlich eines Lebenslaufs, auszufüllen. Danach folgt der allseits gefürchtete Hausbesuch, der aber nicht dazu dienen soll, die Wohnung der Bewerber auf Sauberkeit und Ordnung zu überprüfen, sondern er soll sicherstellen, dass das Adoptivkind in eine Umgebung entlassen wird, in der es sich wohlfühlen kann (vgl. ebd., S. 92). Dann müssen noch verschiedene Unterlagen zusammengestellt und eine Entscheidung über die Art der Adoption getroffen werden.

Ist die Entscheidung getroffen, erhält das Paar einen Kindervorschlag, der entweder angenommen oder abgelehnt werden kann (vgl. ebd., S. 94). Wurde zugestimmt, kommt das Kind zu seiner neuen Familie in Pflege, sodass es sich eingewöhnen kann. Nach einiger Zeit erfolgt dann eine erneute Überprüfung durch die Adoptionsvermittlungsstelle, um sicherzustellen, dass ein Eltern-Kind-Verhältnis entstanden ist (vgl. ebd., S. 95). Ist dies der Fall, kann nach entsprechender Antragstellung das Vormundschaftsgericht die Adoption aussprechen (vgl. ebd.).

Sonderfälle das Adoptionsverfahren betreffend sind die Stiefkindadoption, die Erwachsenenadoption, die Embryonenadoption und die Adoption durch Alleinstehende und homosexuelle Paare (vgl. ebd., S. 102ff.).

2.4.5 institutionelle Rahmenbedingungen

Unmittelbar am Adoptionsprozess sind das Adoptivkind, die leiblichen Eltern, die Adoptiveltern, die Adoptionsvermittlungsstelle, die zentrale Adoptionsstelle des Landes, das Jugendamt und das Vormundschaftsgericht beteilig (vgl. Ebertz 1994, S. 15).

2.5 Probleme einhergehend mit einer Adoption und die Probleme der Adoptivkinder

Eine Adoption könnte man theoretisch als Geben und Nehmen betrachten. "Da sind Eltern oder eine Mutter, die sich nicht in der Lage fühlen, ein Kind großzuziehen, und da sind Eltern, die keine Kinder bekommen können, aber sich eines oder zwei 'hinzu wünschen' - wo liegt das Problem" (Bott 1995, S. 53f.)?

Fehlende Kenntnisse für die genetische Abstammung

Die biologische Mutter, einschließlich der Ursprungsfamilie wird bei einer Adoption oft ausgeblendet (Zingeler 2005, S. 186). Für die Adoptivkinder, entsteht eine gewisse Lücke in ihrer Biografie und Probleme bei der Identitätsfindung. Sie fragen sich, wem sie ähnlich sehen, von wem sie Mimik und Gestik oder andere Eigenschaften geerbt haben. Diese Fragen sind im "Normalfall" leicht zu beantworten, denn für die meisten Menschen ist es selbstverständlich, von wem sie abstammen, nämlich von ihren Eltern, ihren Großeltern. Doch fehlt diese Selbstverständlichkeit, wie es in Adoptivfamilien der Fall ist, gewinnt das Fehlen einer biologischen Verwandtschaft Bedeutung (vgl. ebd., S, 187). Es entsteht eine gewisse Fassadenhaftigkeit, in dem die Eltern zunächst so tun, als wären sie die leiblichen Eltern (vgl. ebd.). Erfolgt dann die Aufklärung des Adoptivkindes, bleibt den Adoptiveltern als Bewältigungsstrategie einerseits die Möglichkeit, die Bedeutung einer genetischen Verwandtschaft herunterzuspielen oder andererseits Ähnlichkeiten zu suchen (vgl. ebd.).

Die einzige Person, die Auskünfte über die frühe Kindheit, Verwandtschaftsverhältnisse und die Gründe für die Adoptionsfreigabe geben kann, ist oft nur die leibliche Mutter und die steht meist nicht oder noch nicht zur Verfügung. Auch deshalb begeben sich Adoptivkinder später häufig auf die Suche nach den leiblichen Eltern. Das Gesetz gibt ihnen in dieser Beziehung Rückhalt, denn ab 16 Jahren, darf jeder erfahren, von wem er abstammt (vgl. Hoksbergen u.a. 1993, S: 216).

Diskreditierungen

Diskreditierungen des Adoptivstatus können entweder außerhalb oder innerhalb der Familie stattfinden (vgl. Ebertz 1994, S. 103).

Eine Diskreditierung außerhalb der Familie kann beispielsweise die Enthüllung des Adoptivstatus als bewusste Schikane durch Außenstehende (Nachbarn, Lehrer) sein (vgl. ebd.). Auch in der Schulzeit können Adoptivkinder mit psychischer Gewalt durch Mitschüler konfrontiert sein, die Kinder fühlen sich dann meist ausgeliefert und diskriminiert (vgl. ebd., S. 105). Sie sind auf einmal Gesprächsgegenstand, stehen im Mittelpunkt, erfahren Ablehnung, sehen sich Vorurteilen ausgesetzt und werden vielleicht sozial ausgegrenzt (vgl. ebd.). Besonders schlimm werden diese Erfahrungen erlebt, wenn die Familie als Schutzsystem nicht funktioniert, also Erklärungen, Bestärkung und Anteilnahme ausbleiben, die Adoption vielleicht sogar tabuisiert wird.

Innerfamiliäre Diskreditierungen bestehen beispielsweise darin, dass der Adoptivstatus von den Eltern in Konfliktsituationen bewusst hervorgehoben wird, um das Adoptivkind herabzusetzen und die eigene Position zu stärken (vgl. ebd., S. 115). Sie "[…] lassen sich unwillkürlich zu solchen Äußerungen hinreißen […], welche die Unkündbarkeit der Eltern-Kind-Beziehung für den Adoptierten in Frage stellen" (Ebertz 1994, S. 152).

psychische Probleme

Jedes Adoptivkind hat eine Vergangenheit. Einige sind krank, manche haben die Erlebnisse noch nicht verarbeitet, andere sind traumatisiert. Leider fehlen bislang empirische Daten über die Traumatisierung von Adoptivkindern durch die Trennung von der leiblichen Mutter (vgl. Riedle u.a. 2007, S. 68). Es zeigte sich jedoch, dass es vor allem zu Traumatisierungen kam, verloren Kinder innerhalb des ersten Lebensjahres wiederholt Bindungspersonen (vgl. ebd.). Dies kann zu schweren Schädigungen, wie Verwahrlosung, Bindungsstörungen und Deprivation führen (vgl. ebd.). Da alle Adoptivkinder in gewisser Weise eine Art Trennungserfahrung gemacht haben, weisen viele, aber längst nicht alle Adoptivkinder in gewisser Weise eine Schädigung auf (vgl. ebd.). Je älter das Kind jedoch bei der Adoption ist, desto traumatischer waren auch die Erfahrungen bezüglich der Trennung von der Mutter und desto häufiger fanden Trennungen von Betreuungspersonen statt, was für die Entwicklung des Kindes schwerwiegende Folgen haben kann (vgl. Ebertz 1994, S. 27). Wichtig ist jetzt jedoch, wie sich die Kinder nach der Adoption entwickeln, wie sie diese Trennung verarbeiten, wie sie wieder glücklich sein können und wie sie die bisherigen schlechten Erfahrungen ausgleichen. "Längst nicht alle Kinder, die Entwicklungsrisiken ausgesetzt sind, leiden unter den nachteiligen Folgen, viele von ihnen entwickeln sich völlig normal, einige sogar besonders günstig" (Laucht 2003, S. 70, zit. nach Riedle u.a. 2007, S. 70).

In Adoptivfamilien ist kommt es häufig vor, das Probleme vorschnell auf die Adoption geschoben werden. Diese kann der Grund für Probleme sein, muss es aber nicht. Alle Kinder haben schwierige Phasen, und zahlreiche Erziehungsratgeber zum Thema Aggressivität, Einnässen, Lügen, etc. zeigen, dass auch Eltern, die keine Adoptivkinder haben, mit Verhaltensauffälligkeiten zu kämpfen haben (vgl. ebd., S. 133).

Gründe für psychische Störungen oder Verhaltensauffälligkeiten kann es also viele geben - "[…] beispielsweise gestörte frühkindliche Beziehungen, späte Adoption, traumatische oder späte Aufklärung über den Adoptivstatus, Tabuisierung der Adoption, psychische Erkrankung der Adoptiveltern (insbesondere der Mütter), konfliktreiche Ehebeziehungen beziehungsweise Ehescheidung, Überforderung, Überbehütung, starke Kontrolle, Erziehungsunsicherheit, kein Setzen von Grenzen oder Zurückweisung" (Hoksbergen u.a. 1993, S. 62).

Bindungsstörungen

Grundsätzlich ist zwischen mehreren Formen der Bindungsstörung zu unterschieden: keine Anzeichen von Bindungsverhalten, Bindungsverhalten mit Rollenumkehr, undifferenziertes, übersteigertes, gehemmtes oder aggressives Bindungsverhalten (vgl. Riedle u.a. 2007, S. 136). Da Bindung ein Prozess ist, spricht man von Bindungsstörung erst, wenn ein bestimmten Verhalten länger als sechs Monate anhält (vgl. ebd.). Bei Adoptiveltern ist es zu beobachten, das diese sehr schnell eine Beziehung zu ihrem Kind aufbauen, die Kinder brauchen jedoch manchmal länger, um Vertrauen aufzubauen (vgl. ebd.). Man sollte deshalb nicht vorschnell von einer Bindungsstörung sprechen, zumal es erst nach dem ersten Lebensjahr, nachdem die Phase des Fremdelns durchschritten wurde, möglich ist, eine solche zu diagnostizieren (vgl. ebd., S. 135).

Um eine Bindungsstörung zu vermeiden, sollten die Eltern stets verlässlich und sensibel sein. Sie sollten immer versuchen, sich in die Situation des Adoptivkindes hineinzuversetzen und es vor allem am Anfang nicht mit zu hohen Erwartungen zu überfordern (vgl. ebd., S. 137). Für Babies, die sehr früh adoptiert werden, eignet sich beispielsweise das Adoptivstillen, um die Mutter-Kind-Bindung zu stärken und Bindungsstörungen zu vermeiden (vgl. Herrmann 2012, S. 101).

2.6 Wichtigkeit der Aufklärung der Adoptivkinder

Früher nahm man an, es sei das Beste für das Kind, wenn es nicht wüsste, dass es adoptiert sei, es könne die Wahrheit einfach nicht verstehen und verarbeiten. Von dieser These ist man jedoch abgekommen, denn für eine gelungene Integration des Adoptivkindes in die Familie ist es von enormer Wichtigkeit, die Adoption offen zu thematisieren (vgl. Riedle u.a. 2007, S. 166). Deshalb gibt es heute kaum noch Kinder, die im Erwachsenenalter zufällig von ihrem Adoptivstatus erfahren, da auch die meisten Adoptiveltern es befürworten, die Adoption nicht zu verschweigen (vgl. ebd.). Dadurch bleibt es ihnen erspart, ein Netz aus Lügen und Ausflüchten zu spinnen, denn schlussendlich wird die Wahrheit sowieso ans Licht kommen, denn Behörden, Bekannte, Krankenkasse und noch viele andere wissen von der Adoption. Spätestens im Erwachsenenalter lässt es sich also kaum noch verheimlichen.

Hat man als Adoptiveltern also die Entscheidung getroffen, offen mit der Adoption umzugehen und sein Kind über die Besonderheit seiner Entstehung aufzuklären, stellen sich sogleich viele Fragen. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Welche Worte soll ich wählen? Wird das Kind es schon verstehen? Wann ist das richtige Alter? Wird mein Kind mich nach dem Gespräch noch als Mama/Papa sehen?

Grundsätzlich ist sinnvoll, so früh wie möglich anzufangen, über das Thema zu sprechen (vgl. Riedle u.a., S. 167). Das Kind sollte mit etwa zwei Jahren darüber aufgeklärt werden, dass es adoptiert ist (vgl. Harms u.a. 2004, S. 41). Je selbstverständlicher und offener man als Eltern mit der Adoption umgeht, desto leichter fällt es auch, darüber zu sprechen. Natürlich kann ein Baby oder Kleinkind die Hintergründe einer Adoption oder deren Bedeutung kaum begreifen, aber so kann vermieden werden, dass die Adoption verschwiegen wird oder man zu lange abwartet, um das Gespräch mit dem Kind zu suchen (vgl. Riedle u.a., S. 167). Eine amerikanische Studie[1] legt dar, dass vier- bis fünfjährige Kinder eine Adoption mit der Geburt gleichsetzen, deren Bedeutung also noch nicht erfassen können. Sie denken noch, alle Kinder wären adoptiert. Den Unterschied zwischen Geburt und Adoption erfassen Kinder erst ab dem siebten Lebensjahr, wenn sie durch ihr Umfeld Werte und Normalitäten mitbekommen (vgl. Swientek 1996, S. 29). Die Gespräche über die Adoption sollten also früh beginnen und im Laufe der Zeit nicht abreißen, da sich auch die Sichtweise der Kinder darauf immer wieder verändert. Ab etwa zweieinhalb Jahren will das Kind wissen, woher die Babies kommen, woher es selbst kommt, ob es in Mamas Bauch war und ob die Geschwister auch aus Mamas Bauch kommen (vgl. ebd., S. 88). Im Vorschulalter beginnen die Kinder zu fragen, warum die leibliche Mutter sie nicht behalten konnte und warum das Kind gerade zu diesen Eltern gekommen ist (vgl. ebd.). Im weiteren Entwicklungsverlauf beginnen die Kinder konkretere Fragen zu stellen. Sie wollen etwa wissen, warum sie abgegeben wurden, wer der Vater ist, ob es noch andere Verwandte gibt, wo die Eltern jetzt sind und vieles mehr (vgl. ebd.). Wichtig dabei ist, dass die Kinder immer die Möglichkeit haben, über das Thema zu sprechen. Das Bedürfnis danach ist jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Einige Kinder interessieren sich nur wenig für die Tatsache, dass sie adoptiert sind, andere wiederum wollen sämtliche Einzelheiten darüber wissen (vgl. Riedle u.a. 2007, S. 167).

Geht es dann ans Gespräch mit dem Kind über die Adoption stellt sich für die Eltern die Frage, was genau sie dem Kind mitteilen sollen. Oftmals kennen sie selbst die genauen Umstände der Adoption nicht oder wissen nicht, ob sie ihrem Kind auch die unangenehmen Details mitteilen sollen. Grundsätzlich gilt, dass man nichts erfinden sollte. Wissen die Adoptiveltern nicht, warum das Kind freigegeben wurde, so sollten sie auch keine Gründe dafür erfinden, um das Vertrauen des Kindes nicht zu gefährden. Sie sollten jedoch unbedingt betonen, dass es nicht die Schuld des Kindes ist, das die Situation sich so entwickelte.

Weiterhin empfiehlt es sich zu versuchen, schon während der Adoptionsvermittlung, so viel wie möglich über die leiblichen Eltern zu erfahren, um spätere Fragen des Kindes so gut wie möglich beantworten zu können (vgl. Swientek 1996, S. 138). Auch nach Fotos des Adoptivkindes als Baby, Fotos der Mutter, Briefe oder Spielzeug sollten die Adoptiveltern bewusst fragen, um ihrem Kind eine Art "Andenken" an die Zeit vor der Adoption zu ermöglichen (vgl. ebd.).

Für die Aufklärung eigenen sich besonders Bilderbücher, die das Thema Adoption aufgreifen und bei einem spielerischen Einstieg helfen können.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll nun erklärt werden, welche Arten von Adoptionsbilderbücher es gibt, welche Funktionen sie erfüllen können und wie es um den Forschungsstand zum Thema Adoption im Bilderbuch steht. Des weiteren sollen Fragen an das Bilderbuch gestellt werden, aus denen dann ein Kriterienkatalog entstehen wird.

3 Grundlagen zum Bilderbuch

3.1 Definition des Mediums Bilderbuch

Voraussetzung für die Erforschung des Aspektes Adoption in Kinderbüchern ist es zunächst, das Medium Bilderbuch zu definieren.

Dietschi Keller beispielsweise definiert das Bilderbuch als "[…] ein reich illustriertes Buch, das speziell für Kinder - vorwiegend für Kinder, die noch nicht lesen können, also Klein- und Vorschulkinder - von Erwachsenen geschrieben und gestaltet wird" (Dietschi Keller 1995, S. 17). Sie ordnet weiterhin das Bilderbuch der Kinderliteratur zu und fügt hinzu, dass die Illustrationen den Text dominieren (vgl. ebd.). Thiele lehnt sich an Dietschi Keller an und fügt der Definition hinzu, dass ein Bilderbuch nicht mehr als 30 Seiten haben und eine enge Wechselwirkung zwischen Bild und Text vorhanden sein sollte (vgl. Thiele/Steitz-Kallenbach 2003, S. 71).

Bilderbücher sind in erster Linie an Kinder gerichtet, doch auch Erwachsene haben meist Spaß, sie zu betrachten (vgl. vom Wege/Wessel 1999, S. 41). Kinder und Erwachsene können also gleichermaßen Adressaten von Bilderbüchern sein. Das Bilderbuchalter bei Kindern liegt zwischen zwei und zehn Jahren (vgl. Thiele 1985, S. 19).

Bilderbücher haben, im Gegensatz zu digitalen Medien, den Vorteil ständig verfügbar und nutzbar zu sein. Sie können alleine oder gemeinsam durchgeschaut, sie können vorgelesen oder angeschaut werden (vgl. ebd., S. 42).

3.2 Einteilung von Bilderbüchern

Bilderbücher können nach verschiedenen Aspekten eingeteilt werden: nach Themen, nach dem Erzählstil, nach formalen Besonderheiten oder nach der Gattung.

Die Einteilung nach Themen ist selbsterklärend. Bilderbücher werden nach Themen wie Tiere, Fantasie, Abenteuer, Märchen, Umwelt usw. kategorisiert (vgl. vom Wege/Wessel 1999, S. 42).

Bei der Einteilung aufgrund der Erzählstile kann man zwischen wirklichkeitsnahen und fantastischen Bilderbuchgeschichten unterscheiden (vgl. ebd.). Wirklichkeitsnahe Bilderbücher erzählen Geschichten aus der tatsächlichen Umwelt, handeln Themenbereiche logisch und sachlich ab, Illustrationen oder Fotos sind wirklichkeitsnah dargestellt (vgl. ebd., S. 43). Fantastische Bilderbuchgeschichten hingegen beschäftigen sich mit Wünschen, Träumen, Problemen und Ängsten (vgl. ebd.). Text und Bild geben teilweise alltägliche Situationen wieder, die Probleme werden aber meist ungewöhnlich und originell gelöst (vgl. ebd.). Handlungsträger sind oft Tiere, personifizierte, lebendig gewordene Dinge oder fiktive Wesen (vgl. ebd.). In dieser Art Bilderbuch ist alles möglich. Farben und Formen der Dinge stimmen nicht mehr mit der Realität überein, Größenverhältnisse, Kommunikationsarten und andere Tatsachen stimmen einfach nicht mehr (vgl. ebd., S. 44).

Teilt man Bilderbücher nach ihrer Gattung ein, so erhält man folgende Typen: Elementarbilderbücher, Szenenbilderbücher, Märchenbilderbücher, Sachbilderbücher und Bilderbücher mit besonderer Gestaltung (vgl. ebd.). Sie sind nach ihren Besonderheiten kategorisiert, jeder Typ entspricht einem bestimmten Entwicklungsalter (vgl. ebd.).

[...]


[1] nachzulesen in: Brodzinsky/Schechter/Brodzinsky 1986, Children's knowledge of adoption: Developmental changes and implications for adjustment. In: R.D. Ashmore/D.M. Brodzinsky (Hrsg.) Thinking about family. Views of parents and children (S. 205-232) Hilldale: Erlbaum

Ende der Leseprobe aus 70 Seiten

Details

Titel
Adoption im Bilderbuch. Entwicklung und exemplarische Anwendung von Qualitätskriterien
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Pädagogik / Erziehungswissenschaften
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
70
Katalognummer
V270658
ISBN (eBook)
9783656615927
ISBN (Buch)
9783656615897
Dateigröße
3260 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adoption, Bilderbuch, Qualität, Qualitätskriterien, Kriterien, Bilderbücher
Arbeit zitieren
Daniela Kuck (Autor), 2013, Adoption im Bilderbuch. Entwicklung und exemplarische Anwendung von Qualitätskriterien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270658

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