Die psychischen Erkrankungen in Deutschland haben in den letzten Jahrzenten kontinuierlich zugenommen. Im Krankheitsgeschehen rangieren die Psychischen und Verhaltensstörungen seit 2011 an dritter Position unter den Diagnosegruppen (F-Diagnosen, Kapitel V der Klassifikation ICD 10) bei den Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland. Die dramatische Entwicklung sorgt für eine neue mediale und politische Wahrnehmung der Thematik, denn insbesondere in Kombination mit den Effekten des demografischen Wandels sind die Folgen der Entwicklung für Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt gravierend.
Für die Krankenkassen sind die psychischen Erkrankungen auf Grund ihrer Dauer mit vielen Krankengeldfällen verbunden. Damit rücken Möglichkeiten der Prävention psychischer Erkrankung und die Förderung psychischer Gesundheit ins zentrale Blickfeld der Krankenkassen und der Sozialsysteme. Ein Rückgang oder zumindest keine weitere Zunahme der psychischen Erkrankungen, liegen im Interesse aller Beteiligten. Gelänge dies, könnte man ohne Übertreibung von einer Win-Win-Win-Situation sprechen. D. h., mehr Wohlbefinden und Gesundheit für Beschäftigte, weniger Arbeitsausfälle und Kosten sowie mehr Produktivität für Betriebe und weniger Ausgaben und Belastungen für die Sozialsysteme.
Ziel der Arbeit ist es, die instrumentellen und methodischen Möglichkeiten der Betrieblichen Gesundheitsförderung den psychischen Erkrankungen präventiv zu begegnen und die psychische Gesundheit zu fördern, darzustellen, und die Faktoren für eine erfolgreiche Umsetzung betrieblicher Gesundheitsförderung in der Praxis zu identifizieren. In Kombination mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen und den politischen Trends in Deutschland, werden abschließend Handlungsansätze für eine breitere betriebliche Akzeptanz der Gesundheitsförderung diskutiert. Hierzu ist es zunächst notwendig, ein einheitliches Verständnis der Fachbegriffe herzustellen, die Entwicklung der psychischen Erkrankungen zu skizzieren und die damit verbundenen Folgen mit dem Fokus auf den finanziellen Auswirkungen zu erörtern. Es wird gezeigt, in welchem politischen und gesetzlichen Rahmen sich die Betriebliche Gesundheitsförderung bewegt, welche Ansätze sie zur Förderung der psychischen Gesundheit verfolgt und welche Faktoren ein Hindernis für die Umsetzung in der Praxis bedeuten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gesundheit – Belastung – Beanspruchung – Erkrankung
2.1 Die Salutogenese
2.2 Psychische Belastung, Beanspruchung, Erkrankung
3 Entwicklung, Bedeutung und Folgen der psychischen Erkrankungen
3.1 Psychische und Verhaltensstörungen
3.2 Burnout
3.3 Frühberentungen
3.4 Folgen der Entwicklung
4 Die Arbeitswelt als Auslöser
4.1 Der Wandel der Arbeitswelt
4.2 Risikofaktor oder Ressource
5 Handlungsmöglichkeiten und Akteure
5.1 Gesetzliche Rahmenbedingungen
5.2 Rahmenbedingungen für die Betriebliche Gesundheitsförderung
6 Betriebliche Gesundheitsförderung für die psychische Gesundheit
6.1 Architektur einer ganzheitlichen Betrieblichen Gesundheitsförderung
6.2 Hemmnisse der Betrieblichen Gesundheitsförderung
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die steigende Prävalenz psychischer Erkrankungen in der Arbeitswelt und analysiert den Handlungsbedarf sowie die methodischen Möglichkeiten der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF), um diesen präventiv zu begegnen und die psychische Gesundheit nachhaltig zu stärken.
- Entwicklung und Bedeutung psychischer Erkrankungen in Deutschland
- Wandel der Arbeitswelt als psychischer Belastungsfaktor
- Gesetzliche und betriebliche Rahmenbedingungen der Gesundheitsförderung
- Implementierung ganzheitlicher BGF-Strategien in Unternehmen
- Überwindung von Implementierungshürden, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)
Auszug aus dem Buch
4.2 Risikofaktor oder Ressource
Psychische Belastungen sind "Risikofaktoren" psychischer Fehlbeanspruchungen, die im Sinne einer "Gefährdung" potenziell zu Beeinträchtigungen des Wohlbefindens oder zu Schädigungen der Gesundheit führen können, ohne eine bestimmte Eintrittswahrscheinlichkeit zu prognostizieren, zu verstehen (Oppolzer, S. 14-15). Sie wirken von Außen auf das Individuum bzw. die Beschäftigten ein. Im betrieblichen Setting sind die Arbeitsbedingungen die Einflussfaktoren, die Belastungen mit sich bringen können. Sie lassen sich nach den folgenden Bereichen systematisieren (Joiko, S. 9):
• Arbeitsaufgabe (z. B.: Wie ist Art und Umfang der Tätigkeit? Verantwortung, Anspruch, Monotonie)
• Arbeitsmittel (z. B.: ist die Technische Ausstattung gesundheitsförderlich gestaltet oder sind sie nicht optimal? Werkzeuge und Maschinen, Mensch-Maschine Schnittstelle, Informationen über die Bedienung, Ausstattung des Arbeitsplatzes selbst)
• Arbeitsumgebung (physikalisch-chemisch-biologische Arbeitsumgebung; z. B.: Beleuchtung, Schall, Klima, Farbe, Raumluft, Schadstoffe)
• Soziale Arbeitsumgebung (z. B.: Betriebsklima, Führungsverhalten, kollegiales Miteinander)
• Arbeitsorganisation (z. B.: Arbeitszeitgestaltung, Pausenregelungen, Urlaubsregelungen, Arbeitsabläufe
Ob die Belastungen aufgrund der Arbeitsbedingungen zu Fehlbeanspruchungen und Erkrankungen führen, ist in großem Maße von der Gestaltung der Arbeitsbedingungen abhängig. Hierzu zählt nicht nur eine gesundheitsförderliche Ausstattung der Arbeitsplätze,
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung thematisiert den Anstieg psychischer Erkrankungen als gesundheitspolitische Herausforderung und definiert das Ziel der Arbeit, präventive Ansätze der BGF zu identifizieren.
2 Gesundheit – Belastung – Beanspruchung – Erkrankung: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen wie die Salutogenese und das Belastungs-Beanspruchungskonzept, um ein wissenschaftliches Verständnis der Fachbegriffe zu etablieren.
3 Entwicklung, Bedeutung und Folgen der psychischen Erkrankungen: Hier wird der Anstieg psychischer Leiden anhand von Gesundheitsdaten und Arbeitsunfähigkeitsstatistiken dargelegt und die gravierenden Konsequenzen für Betroffene und Sozialsysteme analysiert.
4 Die Arbeitswelt als Auslöser: Das Kapitel analysiert, wie sich der Wandel der Arbeitswelt und spezifische Arbeitsbedingungen als Risikofaktoren auf die psychische Gesundheit auswirken können.
5 Handlungsmöglichkeiten und Akteure: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen und die Akteure des Gesundheitsschutzes diskutiert, die den Rahmen für eine effektive betriebliche Gesundheitsförderung bilden.
6 Betriebliche Gesundheitsförderung für die psychische Gesundheit: Dieses Kapitel beschreibt die Architektur eines ganzheitlichen betrieblichen Gesundheitsmanagements und identifiziert Hemmnisse bei dessen praktischer Umsetzung, besonders in kleinen Unternehmen.
7 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Relevanz der BGF zusammen und betont die Notwendigkeit, dass Betriebe proaktiv gesundheitsförderliche Strukturen etablieren, um langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Mitarbeitergesundheit zu sichern.
Schlüsselwörter
Psychische Belastung, Betriebliche Gesundheitsförderung, BGF, Salutogenese, Fehlbeanspruchung, Psychische Erkrankungen, Arbeitsschutz, Prävention, Arbeitswelt, Gesundheitsmanagement, BGM, Arbeitsunfähigkeit, Burnout, Stressmodell, KMU
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Zunahme psychischer Belastungen im beruflichen Umfeld und untersucht, wie die Betriebliche Gesundheitsförderung präventiv dazu beitragen kann, psychische Erkrankungen zu reduzieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die gesundheitswissenschaftlichen Grundlagen, die statistische Entwicklung der psychischen Erkrankungen, der Einfluss der modernen Arbeitswelt sowie Strategien zur Implementierung von Gesundheitsmanagement in Betrieben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, instrumentelle und methodische Möglichkeiten der BGF aufzuzeigen und Faktoren zu identifizieren, die eine erfolgreiche Umsetzung in der Praxis ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Gesundheitsberichte, arbeitswissenschaftlicher Modelle und gesetzlicher Rahmenbedingungen.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der Arbeitswelt als Auslöser, den gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie der Architektur und den Herausforderungen bei der Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Psychische Belastung, Betriebliche Gesundheitsförderung, Prävention, Arbeitswelt und Gesundheitsmanagement.
Warum ist das Salutogenese-Modell für diese Arbeit relevant?
Das Modell nach Antonovsky bildet die theoretische Grundlage, da es den Fokus weg von reiner Krankheitsbetrachtung hin zur Stärkung individueller Ressourcen und gesundheitsförderlicher Strukturen lenkt.
Welche besonderen Hindernisse werden für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) identifiziert?
Oft mangelt es KMU an personellen und finanziellen Ressourcen, Fachwissen zur Umsetzung sowie an einer entsprechenden Unternehmenskultur, um BGF-Maßnahmen nachhaltig zu etablieren.
- Arbeit zitieren
- Oliver Hasselmann (Autor:in), 2013, Psychische Belastungen in der Arbeitswelt. Handlungsbedarf für die Betriebliche Gesundheitsförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270660