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Ketzerbewegungen des späten Mittelalters: Die Lollarden und die Hussiten

Title: Ketzerbewegungen des späten Mittelalters: Die Lollarden und die Hussiten

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 36 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Andrea Becker (Author), Uwe Deutschmann (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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„Als Hüterin der allgemeingültigen Ideologie fühlte sich [die Kirche] verpflichtet, alle Andersdenkenden, von ihrem Dogma Abweichenden, die Häretiker, sowie die nicht nach ihrer Norm, nach ihren Canones Handelnden, gefänglich einzuziehen, vor Gericht zu stellen und sie als Ketzer oder Hexer zu verurteilen, aus ihrer Gemeinschaft auszuschließen und vom ‚weltlichen Arm’ deren Hinrichtung zu verla ngen.“ Auch der Oxforder Theologieprofessor John Wyclif 2 (etwa 1320 - 1384) und der Prager Philosophieprofessor Jan Hus (etwa 1370 - 1415) zählten zu den im Zitat dargestellten Andersdenkenden, zu den vom Dogma der Kirche Abweichenden. Beide wurden aufgrund ihrer vom christlichen Glauben abweichenden Lehren als Ketzer verfolgt, Jan Hus am 06. Juli 1415 in Konstanz zudem öffentlich verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 3 Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den aus Wyclifs und Hus’ Lehren her-vorgegangenen Ketzerbewegungen des späten Mittelalters, den englischen Lo llarden und den böhmischen Hussiten. Schwerpunktmäßig soll dabei dargestellt werden, wie diese theologischen Lehren miteinander verbunden sind und sich in den jeweiligen Ketzerbewegungen fortsetzten. Das ausgehende Mittelalter weist neben den unübersehbaren Anzeichen des institutionellen Verfalls auch eine Reihe von Indizien für das Anbrechen einer neuen Zeit auf. Die Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst um die Macht hatte das Königtum weitgehend für sich entschieden, so daß die Grundlagen für die Herausbildung eines starken nationalen Königtums gelegt waren. So kam es im späten Mittelalter in zunehmenden Maße zur Verbindung der Ki rche mit der jeweiligen politischen Macht. Zudem setzte sich das landeskirchliche Prinzip immer mehr durch. Dieses aufkommende nationale Denken gab den Anlaß für eine Reihe von häretischen Bewegungen, deren Neuartigkeit und Popularität nicht zuletzt auf der Grundforderung beruhte, die Kirche von fremder Einflußnahme zu befreien. 4 Im England des 14. Jahrhunderts formierte sich der Widerstand gegen die frankreichfreundliche Politik der päpstlichen Kurie in Avignon. Von initiierender Bedeutung wurde dabei John Wyclif, der die heilige Schrift zur alleinigen Autorität in Glaubensfragen und somit das „Gesetz Gottes“ zur maßgeblichen Richtschnur für alle Gläubigen erklärte. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ketzerbewegungen des späten Mittelalters

2.1 John Wyclif

2.2 Die Lollarden

2.3 Jan Hus und seine Lehren

2.4 Die Hussiten

3. Der Ketzerprozeß um Jeanne D’Arc

4. Schlußbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theologischen Lehren von John Wyclif und Jan Hus sowie deren Einfluss auf die daraus hervorgegangenen Ketzerbewegungen der Lollarden in England und der Hussiten in Böhmen. Ein zentrales Ziel ist es, die Verbindung zwischen diesen spätmittelalterlichen Häresien und dem Ketzerprozess gegen Jeanne D’Arc im Jahr 1431 aufzuzeigen, um politische und gesellschaftliche Hintergründe der Ketzerverfolgung freizulegen.

  • Theologische Grundlagen und Kirchenkritik von John Wyclif und Jan Hus
  • Entwicklung und Ausrichtung der Lollarden-Bewegung in England
  • Strukturen und innere Spaltung der hussitischen Bewegung in Böhmen
  • Der Ketzerprozess um Jeanne D’Arc im Spannungsfeld politischer Interessen
  • Analyse der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verketzerten Lehren

Auszug aus dem Buch

2.1 John Wyclif

In den Jahren 1414 bis 1418 versammelten sich zahlreiche Fürsten und Prälaten aus der ganzen Christenheit zum Konzil von Konstanz. Dieser größte Kongreß des Mittelalters sollte zur Überwindung der Kirchenspaltung beitragen, eine Verbesserung der kirchlichen Zustände herbeiführen sowie für die Niederschlagung der Ketzerei sorgen. Mit der Absetzung der Päpste Johannes XXIII. und Benedikt XIII., der Abdankung Gregors XII. sowie der Wahl Odo Colonnas als Martin V. zum Papst konnte das Schisma schließlich beendet werden. Für eine tiefgreifende Kirchenreform aber fand sich kein Konsens. Mehr Erfolg hatte das Konzil bei der Ketzerverfolgung: mit dem Prozeß gegen Jan Hus und dessen Verbrennung 1415 brachte die Papstkirche die Stimme eines der lautesten und deutlichsten Kirchenkritikers dieser Zeit zum Schweigen. Doch es blieb nicht bei Hus. Neben Hieronymus von Prag, der 1416 verbrannt wurde, ordnete das Konzil 1418 die Exhumierung und Verbrennung der Gebeine John Wyclifs an, dessen Tod zu diesem Zeitpunkt schon mehr als dreißig Jahre zurück lag.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Rahmen der Untersuchung, stellt die Akteure Wyclif, Hus und Jeanne D’Arc vor und benennt die Forschungsfrage hinsichtlich der Verknüpfung ihrer Ketzerprozesse.

2. Ketzerbewegungen des späten Mittelalters: Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehung der lollardischen und hussitischen Bewegungen, ihre theologische Fundierung durch Wyclif und Hus sowie die sozio-politischen Rahmenbedingungen.

2.1 John Wyclif: Es wird die Biographie und das theologische Wirken Wyclifs analysiert, insbesondere seine Kritik an der verweltlichten Institution Kirche und seine Lehre vom göttlichen Gesetz.

2.2 Die Lollarden: Hier wird die Entwicklung der Lollarden als Bewegung betrachtet, die sich durch Predigt und volkssprachliche Bibellektüre auszeichnete, aber nach dem Bauernaufstand von 1381 zunehmend unter Druck geriet.

2.3 Jan Hus und seine Lehren: Dieses Kapitel beschreibt den Einfluss Wyclifs auf den Prager Magister Jan Hus sowie dessen zentralen Kampf für eine Kirchenreform und seine Rolle als tschechische Identifikationsfigur.

2.4 Die Hussiten: Es wird die Ausbreitung des Hussitismus in Böhmen, die Spaltung in gemäßigte Utraquisten und radikale Taboriten sowie der Kampf um religiöse und nationale Eigenständigkeit thematisiert.

3. Der Ketzerprozeß um Jeanne D’Arc: Dieser Abschnitt untersucht den Prozess gegen die Jungfrau von Orléans als Instrument im Machtkampf zwischen England und Frankreich, wobei die Anklagepunkte der Ketzerei im Kontext ihrer göttlichen Sendung gedeutet werden.

4. Schlußbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Gemeinsamkeiten zwischen den untersuchten Ketzerbewegungen und dem Prozess gegen Jeanne D’Arc, insbesondere die Bedeutung machtpolitischer Interessen hinter den Vorwürfen der Ketzerei.

Schlüsselwörter

Häresie, Ketzer, Lollarden, Hussiten, Jeanne D’Arc, John Wyclif, Jan Hus, Kirchenkritik, Konzil von Konstanz, Kirchenspaltung, Laienkelch, Apostolische Armut, Inquisition, Mittelalter, Reformation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert spätmittelalterliche Ketzerbewegungen, insbesondere die Lollarden in England und die Hussiten in Böhmen, und setzt diese in Bezug zum Ketzerprozess gegen Jeanne D’Arc.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Kirchenkritik von John Wyclif und Jan Hus, den daraus entstandenen Reformbewegungen und den politischen Motiven, die hinter der Verfolgung dieser Gruppen und Jeanne D’Arc standen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die theologischen Verbindungen zwischen den Lehren von Wyclif und Hus sowie deren Wirkung in der Praxis aufzuzeigen und dabei die Verurteilung von Jeanne D’Arc in diesen komplexen historischen Kontext einzuordnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung von Fachliteratur und zeitgenössischen Quellen basiert, um die ideengeschichtlichen und politischen Rahmenbedingungen zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Wyclif’schen Lehren, der daraus hervorgegangenen Lollarden, der Lehren des Jan Hus und der darauf folgenden hussitischen Bewegung sowie eine detaillierte Analyse des Ketzerprozesses gegen Jeanne D’Arc.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Häresie, Ketzer, Lollarden, Hussiten, Jeanne D’Arc, Kirchenkritik und das Ringen um eine Kirchenreform charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die lollardische von der hussitischen Bewegung?

Während die Lollarden in England eher eine weniger stark organisierte, von Laien und Wanderpredigern getragene Bewegung bildeten, spaltete sich der Hussitismus in Böhmen in eine organisierte, gesellschaftlich breiter getragene Bewegung mit einem dezidierten Aktionsprogramm („Vier Prager Artikel“) auf.

Warum war der Prozess gegen Jeanne D’Arc politisch motiviert?

Der Prozess diente vor allem dazu, die Legitimität der Krönung Karls VII. zu untergraben und die militärische Bedrohung, die Jeanne für die englischen Interessen in Frankreich darstellte, durch ihre Diffamierung als Hexe und Ketzerin zu neutralisieren.

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Details

Title
Ketzerbewegungen des späten Mittelalters: Die Lollarden und die Hussiten
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Institut für Geschichte)
Course
Jeanne D'Arc und ihre Zeit: Geschichte und ihre filmische Darstellung
Grade
1,0
Authors
Andrea Becker (Author), Uwe Deutschmann (Author)
Publication Year
2002
Pages
36
Catalog Number
V27067
ISBN (eBook)
9783638292078
Language
German
Tags
Ketzerbewegungen Mittelalters Lollarden Hussiten Jeanne Zeit Geschichte Darstellung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Becker (Author), Uwe Deutschmann (Author), 2002, Ketzerbewegungen des späten Mittelalters: Die Lollarden und die Hussiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27067
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