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Kritik am Besitzbürgertum in Theodor Fontanes "Frau Jenny Treibel"

Title: Kritik am Besitzbürgertum in Theodor Fontanes "Frau Jenny Treibel"

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 25 Pages , Grade: 1 -

Autor:in: Andrea Becker (Author), Maren Reyelt (Author)

German Studies - Modern German Literature
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1. Einleitung

Theodor Fontane hat im Laufe der Jahre in vielen Briefen seine Abneigung gegen die Bourgeoisie bekundet, die er als „protzig, engherzig und ungebildet“ bezeichnet hat. Diese Charakterisierung hat er literarisch verarbeitet: besonders in seinem Roman Frau Jenny Treibel (1892) findet sich dieser harte Ton wieder. So läßt er denn auch Professor Wilibald Schmidt über die Besitzbürger Treibel feststellen: „Sie liberalisieren und sentimentalisieren beständig, aber das alles ist Farce; wenn es gilt, Farbe zu bekennen, dann heißt es: >Gold ist Trumpf<, und weiter nichts.“

In diesen Zitaten finden sich all die für Fontane kritikwürdigen Facetten wieder, die er seiner Protagonistin, der Kommerzienrätin Jenny Treibel, auf den Leib geschrieben hat: Prestigegewinn siegt dabei über Bildung und Wissen, Geldbesessenheit über Liebesheirat und Herzensbildung; Sentimentalität stellt die Verbindung zwischen den Facetten her. Das hier beschr iebene Bild und damit Fontanes Kritik speziell am Besitzbürgertum stellt den Schwerpunkt dieser Hausarbeit dar. Dabei wollen wir der Fragestellung nachgehen, wie Fontane seine Kritik im Text umsetzt. Dies soll exemplarisch anhand der Titelfigur untersucht werden. An ihr wird die Diskrepanz zwischen ideellem Schein (der Hang zum „Höheren“) und materiellen Sein (die Geldmentalität), die Fontane für zeittypisch hielt, herausgearbeitet. Zwar hat Fontane auch den Rückzug des Bildungsbürgertums aus dem gesellscha ftlichen Leben in die egozentrische Bildungsidylle aufgedeckt und kritisiert. Dieser Aspekt bleibt hier aber unberücksichtigt, um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen. Nur an ausgewählten Stellen werden wir auf darauf eingehen. Im folgenden soll kurz unsere Gliederung vorgestellt werden: an erster Stelle steht eine kurze Erläuterung von Fontanes Realismuskonzept, um ein Grundverständnis für seinen Schreibstil herzustellen. Im Anschluß wird zum besseren Verständnis der Lektüre ein Abriß über den gesellschaftshistorischen Hintergrund in seiner Relevanz für den Roman wiedergegeben. Der Hauptteil befaßt sich dezidiert mit der Figur Jenny Treibel. Zum einen geht es um ihr Repräsentationsgehabe und ihre damit verbundene eingebildete Bildung, zum anderen um ihre Sentimentalität und Selbsttäuschung. In der Schlußbemerkung sollen alle aufgeführten Aspekte, die sich in der Titelfigur wiederspiegeln, beleuchtet werden. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fontanes poetisches Realismuskonzept

3. Gesellschaftshistorischer Hintergrund

4. Fontanes Kritik am Besitzbürgertum

4.1 „Ein Musterstück von einer Bourgeoise“: Geltungsdrang und eingebildete Bildung

4.2 „Wo sich Herz zum Herzen find’t“: Sentimentalität und Selbsttäuschung

5. Schlußbemerkung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Theodor Fontanes Roman „Frau Jenny Treibel“ (1892) mit dem Ziel, seine kritische Auseinandersetzung mit dem Besitzbürgertum des späten 19. Jahrhunderts zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Fontane diese Kritik literarisch durch die Titelfigur und deren Diskrepanz zwischen ideellem Schein und materiellem Sein umsetzt.

  • Analyse des Realismuskonzepts von Theodor Fontane als Grundlage der Gesellschaftskritik.
  • Untersuchung des gesellschaftshistorischen Hintergrunds im Kontext des aufsteigenden Besitzbürgertums.
  • Dekonstruktion des Geltungsdrangs und der eingebildeten Bildung der Figur Jenny Treibel.
  • Aufdeckung der Sentimentalität und Selbsttäuschung als Mittel zur Verschleierung materieller Interessen.

Auszug aus dem Buch

4.1 „Ein Musterstück von einer Bourgeoise“: Geltungsdrang und eingebildete Bildung

Im Mittelpunkt der bourgeoisen Mentalität steht das, was Wilibald Schmidt mit den Worten „Gold ist Trumpf“ (88) umschreibt. Über Geld definiert das Besitzbürgertum seine Stellung und sein gesellschaftliches Ansehen. Geldbesitz, Geldbesessenheit und Geltungsdrang hängen dabei eng zusammen. Ganz im Sinne von Fontanes Kritik am Repräsentationsgebaren des Besitzbürgertums, ist Jenny Treibel ein „Musterstück“ (13) dieses Verhaltens.

Ihr Lebensstil zeigt einen deutlichen Hang zur Äußerlichkeit: Die Treibelsche Villa ist ein „reiche[s] und auf Repräsentation gestellte[s] Haus“ (25), im Baustil wie auch in den Umgangsformen spiegelt sich eine Orientierung am Adel wider. So ist die Villa, ähnlich einem adligen Gutsherrenhof, auf dem Fabrikgelände gebaut worden, und zwar als „modische Villa mit kleinem Vorder- und parkartigem Hintergarten“ (14).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Fontanes Abneigung gegen die Bourgeoisie ein und umreißt die Fragestellung zur Umsetzung dieser Kritik anhand der Titelfigur Jenny Treibel.

2. Fontanes poetisches Realismuskonzept: Das Kapitel erläutert Fontanes literarisches Verständnis, in dem Realismus durch Humor das Wahre hinter der empirischen Wirklichkeit aufdecken soll.

3. Gesellschaftshistorischer Hintergrund: Hier wird der ökonomische Aufstieg des Besitzbürgertums im wilhelminischen Zeitalter sowie der gleichzeitige Bedeutungsverlust des Bildungsbürgertums beleuchtet.

4. Fontanes Kritik am Besitzbürgertum: Dieser Hauptteil analysiert die protzige Zurschaustellung von Reichtum und die Entleerung des Bildungsbegriffs als Kern von Fontanes Gesellschaftskritik.

4.1 „Ein Musterstück von einer Bourgeoise“: Geltungsdrang und eingebildete Bildung: Dieses Unterkapitel untersucht Jenny Treibels Repräsentationsbedürfnis und ihren Hang zu äußerlichen Statussymbolen zur Festigung ihres Prestiges.

4.2 „Wo sich Herz zum Herzen find’t“: Sentimentalität und Selbsttäuschung: Hier wird analysiert, wie Jenny Treibel ihre Sentimentalität als Lebenslüge nutzt, um ihre materiellen Interessen zu tarnen.

5. Schlußbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Jenny Treibel als „Typus“ einer Bourgeoise fungiert und Fontane durch Humor und Ironie eine allgemeingültige Wahrheit hinter ihrem Verhalten freilegt.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Frau Jenny Treibel, Besitzbürgertum, Realismuskonzept, Gesellschaftskritik, Bourgeoisie, Geltungsdrang, Bildung, Sentimentalität, Selbsttäuschung, Repräsentation, 19. Jahrhundert, Literarische Analyse, Sozialkritik, Preußen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Theodor Fontanes Roman „Frau Jenny Treibel“ als eine scharfe Kritik am deutschen Besitzbürgertum des späten 19. Jahrhunderts.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Die zentralen Themen sind die Diskrepanz zwischen Schein und Sein, das Repräsentationsbedürfnis der Neureichen, der Missbrauch von Bildung als Statussymbol und die Rolle der Sentimentalität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fontane durch die Titelfigur Jenny Treibel die Verlogenheit und Geldbesessenheit einer ganzen gesellschaftlichen Schicht entlarvt.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Die Autoren nutzen eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans, gestützt durch Briefzeugnisse Fontanes und zeitgenössische sowie moderne Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Jennys Geltungsdrang, ihrer eingebildeten Bildung sowie ihrer Nutzung von Sentimentalität als Selbsttäuschung und Taktik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Besitzbürgertum, Bourgeoisie, Verklärungskonzept, Repräsentationsgehabe und das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Aufstieg und kulturellem Anspruch.

Welche besondere Rolle spielt das Lied „Wo sich Herz zum Herzen find’t“ im Roman?

Das Lied dient als zentrales Symbol für Jennys verlogene Sentimentalität, da sie es zur Selbstdarstellung nutzt, während ihr tatsächliches Handeln ausschließlich von materiellen Interessen geleitet wird.

Wie bewertet der Roman die Figur des Professors Wilibald Schmidt?

Schmidt fungiert als ein Spiegel für Jenny Treibel, der ihr Verhalten durch Ironie entlarvt, obwohl er selbst an den gesellschaftlichen Bedingungen seiner Zeit nicht vorbeikommt.

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Details

Title
Kritik am Besitzbürgertum in Theodor Fontanes "Frau Jenny Treibel"
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Institut für Germanistik)
Course
Seminar: Epoche des Realismus II: Theodor Fontane
Grade
1 -
Authors
Andrea Becker (Author), Maren Reyelt (Author)
Publication Year
2002
Pages
25
Catalog Number
V27069
ISBN (eBook)
9783638292092
Language
German
Tags
Kritik Besitzbürgertum Theodor Fontanes Frau Jenny Treibel Seminar Epoche Realismus Theodor Fontane
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Becker (Author), Maren Reyelt (Author), 2002, Kritik am Besitzbürgertum in Theodor Fontanes "Frau Jenny Treibel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27069
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