Kurzbeschreibung des ABX Modells von Westley/MacLean
Der Schwachpunkt vieler ereignis-orientierter Modelle ist die Reduktion auf nur ein Strukturelement, das für den Kommunikator steht und somit keine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Arten von Kommunikatoren zulässt. Mit dieser Frage einer genaueren Rollendifferenzierung setzten sich Westley und MacLean auseinander.(1)
Entscheidend hierfür ist die Einführung einer neuen Rolle, der “channel role” (Kanalrolle) neben der “advocacy role” (Anwaltsrolle).
Westley und MacLean unterscheiden die “advocacy role” (A-Rolle) von der “channel role” (C-Rolle) mit Hilfe des Kriteriums der Absicht oder des Zwecks, der jeweils mit der Aussage verbunden ist. Der Träger einer A-Rolle ist Kommunikaitonsinteressent und verfolgt als “Anwalt” eigener oder fremder Interessen die Absicht, den Träger
einer B-Rolle (Handlungsrolle, Bürger, Rezipient) von seiner Sicht der Ereignisse oder der Realität allgemein, zu überzeugen. A ist also Meinungsgeber, er will B beeinflussen und kommuniziert somit intentional. Träger dieser Rolle sind zum Beispiel PR-Leute, Werbeleute oder Politiker.(2)
Der Träger einer C-Rolle verbindet dagegen mit seiner Aussage keine derartigen Absichten. Er ist “Agent” des Publikums und wirkt nur in dessen Interesse. Er wählt aus dem Angebot der Ereignisse oder der Aussagen von den A-Rollenträgern diejenigen aus, die den B-Rolltenträgern zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse, konkret
zur Problemlösung und Orientierung, dienlich sind. Der A-Rollenträger wählt also die relevanten Aussagen aus, bearbeitet sie und gibt sie an die B-Rollenträger weiter. Dies geschieht unintentional. Träger dieser Rolle sind zum Beispiel Journalisten und
Redakteure.(2)
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1 Vgl. Modell von Westley/MacLean im Anhang
2 Vgl. WAGNER, Hans: Reader zur Vorlesung: Einführung in die Kommunikationswissenschaft (Zeitungswissenschaft): Theorieansätze und Modellkonstruktionen für Kommunikation und Massenkommunikation. Wintersemester 1998/99. Ludwig-Maximilians-Universität München
(unveröffentlichte Schrift) S. XXf. .
Inhaltsverzeichnis
1 Kurzbeschreibung des ABX-Modells von Westley/MacLean
2 Das Problem der Definition von objektiver Realität
2.1 Gedanken des Realismus
2.2 Gedanken des Konstruktivismus
3 Das Problem der objektiven Realitätsdarstellung im Journalismus
3.1 Verzerrung durch Selektion
3.2 Abhängigkeiten und Zwänge des Journalisten
3.2.1 von übergeordneten Systemen
3.2.2 von den Bedürfnissen der Rezipienten
4 Westley und MacLean vor dem Hintergrund der Objektivitätsdebatte
5 Anforderungen an einen objektiven Journalismus
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das ABX-Modell von Westley und MacLean im Hinblick auf die Idealvorstellung einer objektiven Realitätsvermittlung durch Journalisten. Dabei wird analysiert, wie das Modell die Rolle des "Kanalhalters" (Channel Role) definiert und mit welchen strukturellen sowie systembedingten Problemen eine objektive Berichterstattung in der Praxis konfrontiert ist.
- Funktionsweise und Rollendifferenzierung im ABX-Modell
- Gegensätzliche Positionen von Realismus und Konstruktivismus
- Strukturelle Verzerrungen durch journalistische Selektionsprozesse
- Abhängigkeiten des Journalisten von Systemzwängen und Rezipienteninteressen
- Anforderungen an die Objektivität im modernen Journalismus
Auszug aus dem Buch
1 Kurzbeschreibung des ABX Modells von Westley/MacLean
Der Schwachpunkt vieler ereignis-orientierter Modelle ist die Reduktion auf nur ein Strukturelement, das für den Kommunikator steht und somit keine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Arten von Kommunikatoren zulässt. Mit dieser Frage einer genaueren Rollendifferenzierung setzten sich Westley und MacLean auseinander.
Entscheidend hierfür ist die Einführung einer neuen Rolle, der “channel role” (Kanalrolle) neben der “advocacy role” (Anwaltsrolle). Westley und MacLean unterscheiden die “advocacy role” (A-Rolle) von der “channel role” (C-Rolle) mit Hilfe des Kriteriums der Absicht oder des Zwecks, der jeweils mit der Aussage verbunden ist. Der Träger einer A-Rolle ist Kommunikaitonsinteressent und verfolgt als “Anwalt” eigener oder fremder Interessen die Absicht, den Träger einer B-Rolle (Handlungsrolle, Bürger, Rezipient) von seiner Sicht der Ereignisse oder der Realität allgemein, zu überzeugen. A ist also Meinungsgeber, er will B beeinflussen und kommuniziert somit intentional. Träger dieser Rolle sind zum Beispiel PR-Leute, Werbeleute oder Politiker.
Der Träger einer C-Rolle verbindet dagegen mit seiner Aussage keine derartigen Absichten. Er ist “Agent” des Publikums und wirkt nur in dessen Interesse. Er wählt aus dem Angebot der Ereignisse oder der Aussagen von den A-Rollenträgern diejenigen aus, die den B-Rolltenträgern zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse, konkret zur Problemlösung und Orientierung, dienlich sind. Der A-Rollenträger wählt also die relevanten Aussagen aus, bearbeitet sie und gibt sie an die B-Rollenträger weiter. Dies geschieht unintentional. Träger dieser Rolle sind zum Beispiel Journalisten und Redakteure.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Kurzbeschreibung des ABX-Modells von Westley/MacLean: Einführung in das Modell und die zentrale Differenzierung zwischen Anwaltsrolle und Kanalrolle.
2 Das Problem der Definition von objektiver Realität: Theoretische Gegenüberstellung von Realismus und Konstruktivismus hinsichtlich der Erkennbarkeit objektiver Wirklichkeit.
3 Das Problem der objektiven Realitätsdarstellung im Journalismus: Analyse der Faktoren, die eine objektive Berichterstattung erschweren, insbesondere Selektionszwänge und äußere Abhängigkeiten.
4 Westley und MacLean vor dem Hintergrund der Objektivitätsdebatte: Vergleich des Modells mit anderen wissenschaftlichen Ansätzen zur journalistischen Vermittlung.
5 Anforderungen an einen objektiven Journalismus: Diskussion über die ethischen Ansprüche an Journalisten und die Notwendigkeit, trotz Konstruktion von Wirklichkeit eine sachliche Distanz zu wahren.
Schlüsselwörter
ABX-Modell, Westley, MacLean, Kanalrolle, Anwaltsrolle, Objektivität, Journalismus, Konstruktivismus, Realismus, Selektion, Massenkommunikation, Medienethik, Wirklichkeitskonstruktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das ABX-Kommunikationsmodell von Westley und MacLean und untersucht, inwieweit dessen Anspruch an eine objektive Vermittlung von Realität durch Journalisten in der Realität haltbar ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Rollendifferenzierung zwischen Anwalts- und Kanalrolle, die erkenntnistheoretische Debatte zwischen Realismus und Konstruktivismus sowie die praktischen Zwänge journalistischer Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Stärken und Schwächen des Modells aufzuzeigen und kritisch zu hinterfragen, ob Journalisten als absichtslose "Kanalhalter" fungieren können oder ob systemische Zwänge diese Rolle unterlaufen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auseinandersetzung mit kommunikationswissenschaftlichen Theorien und Modellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Selektionsproblematik, die Abhängigkeiten von Journalisten gegenüber Arbeitgebern sowie Rezipienten und ordnet das Modell in die breitere wissenschaftliche Debatte zur journalistischen Objektivität ein.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind das ABX-Modell, journalistische Objektivität, Kanalrolle, Wirklichkeitskonstruktion und Selektionszwang.
Wie unterscheiden Westley und MacLean zwischen intentionaler und unabsichtlicher Kommunikation?
Die Autoren unterscheiden dies über die Absicht des Aussageträgers: Während die "Anwaltsrolle" (A) bewusst Interessen verfolgt und beeinflussen will, agiert die "Kanalrolle" (C) als unbeteiligter Vermittler im Interesse des Publikums.
Warum ist journalistische Objektivität nach Ansicht des Konstruktivismus schwierig?
Da Journalisten die Welt durch ihren eigenen sozialen und kognitiven Filter wahrnehmen, ist jede Berichterstattung zwangsläufig eine Interpretation und Konstruktion, keine reine Abbildung einer objektiven Realität.
- Quote paper
- Eva Pisinger (Author), 1999, Das ABX-Modell von Westley/MacLean. Die Idealvorstellung der objektiven Vermittlung von Realität durch die Träger der ´Kanalrolle´., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2707