Inwieweit ist es möglich, sexuellen Missbrauch an Kindern in Kinderzeichnungen festzumachen?


Seminararbeit, 2013
66 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Die Augen offen halten

2. Wesentliche Aspekte bei der Bildinterpretation von Kinderzeichnungen

3. Fallbeispiele

4. Abgrenzung der Auffälligkeiten sexuell attackierter Kinder zu anderen Besonderheiten

5. Auf den Punkt gebracht

6. Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
6.3 Internetquellen

7. Abbildungsverzeichnis

8. Abbildungen

1. Die Augen offen halten:

Kinder haben ein sehr ausgeprägtes Bedürfnis nach Geborgenheit, Schutz und kommunikativen Austausch. Dabei überwiegt in der frühkindlichen Entwicklung bis hin zum Vorschulalter naturgemäß die Emotionalität. Sachlichkeit sowie rationales Urteils- und Bewertungsvermögen prägt sich erst viel später, mit dem Sammeln von Wissen und Erfahrungen aus. Das zeigt sich auch in kommunikativen Prozessen, die vorrangig über frühkindliche Gefühlsäußerungen, mentale Verhaltensweisen und später durch phantasievolle theatralische und zeichnerische Darstellungen zum Ausdruck kommen.

Pädagogische Kräfte nehmen, neben den Erziehungsberechtigten, sowohl eine erzieherische Funktion als auch die Rolle einer Vertrauens- und Bezugsperson für die ihnen anvertrauten Kinder ein. Ihren Erziehern gegenüber versuchen die Kinder oftmals nonverbal, mit Verhaltens- und Gefühlsäußerungen - ab dem Kleinkindalter auch mit Hilfe von Zeichnungen - ihren Gefühlen, und Gedanken Ausdruck zu verleihen und den kommunikativen Austausch zu suchen. Kinderzeichnungen gelten somit oftmals als Beweis für Zuneigung und Vertrauen gegenüber dem jeweiligen Pädagogen bzw. der Pädagogin.

Auf diese Art der Kommunikation versuchen sich Kinder auch von psychischen Belastungen frei zu machen und ihren Gefühlen und Gedanken freien Lauf zu lassen. Vor allen anderen Formen von Gefühlsausbrüchen haben Kinder fast immer das Bedürfnis, ihre Befindlichkeiten mit Hilfe von Bildern auszudrücken.

Dies gilt insbesondere für Kinder, die mit sexueller Gewalt in Berührung kommen. Diese Kinder ringen in ihrer Verwirrung um Klarheit, die eine Mitteilung überhaupt möglich macht. Teil dieses inneren Kampfes ist die bange Frage, ob sie der Person des Erziehers/der Erzieherin tatsächlich vertrauen können, ob diese sie nicht in großer Not alleine lässt und stark genug ist, sie vor weiteren Gewalttaten zu schützen.1

Unter diesem Aspekt wäre ein vorschnelles, unüberlegtes und unprofessionelles Einschreiten pädagogischer Kräfte bei einem vorliegenden Verdacht auf sexuelle Gewalt an Kindern zerstörerisch. Es besteht die Gefahr, ganzen Familien und dem mitunter doch vorhandenem Grundvertrauen des Kindes zu seinem menschlichen Umfeld zu schaden. Das Sprechen des Kindes, entgegen allen Drohungen erwachsener Bezugspersonen, u. U. sogar der Erziehungsberechtigten, ist seine einzige und letzte Chance auf Hilfe. Interpretationen von Kinderzeichnungen durch Betreuer, Erzieher oder Lehrer bedürfen des Gesprächs mit dem Kind, bei Verdachtsmomenten ist sogar Beistand durch einen Kinderpsychologen oder medizinische Unterstützung angeraten bevor man öffentlich aktiv werden kann.

Dennoch bauen viele Pädagogen sehr stark auf die Aussagekraft von Kinderzeichnungen. In den USA dienen Kinderzeichnungen sogar als Beweismitteln bei Gerichtsprozessen. Die Einschätzungen von sogenannten

"Experten" erweisen sich jedoch später des Öfteren als Fehlbeurteilungen mit dramatischen Konsequenzen für alle Beteiligten.2

Da drängt sich die Frage auf: Kann man Symptome für sexualisierte bzw. sexuelle Gewalt anhand von Kinderzeichnungen erkennen und wie sollte man mit solchen Erkenntnissen umgehen? Darauf aufbauend sind dann Überlegungen anzustellen: Wie gelingt es bei Betreuern, Erziehern, ja bei allen pädagogischen Kräften dafür ein besonderes Gespür zu entwickeln? In diesem Sinne soll im Folgenden versucht werden, auf wichtige Anzeichen und Merkmale zu dieser Problematik aufmerksam zu machen.

Bei den hier vorgenommenen Betrachtungen ist zu berücksichtigen, dass alles aus dem Blickwinkel des europäischen bzw. westlichen Kulturkreises geschrieben ist. In anderen Regionen spielen für uns nicht nachvollziehbare Traditionen, wie frühere Ehemündigkeit oder sogar frühkindliche Eheversprechungen, Beschneidungen u. v. a. m. eine nicht zu unterschätzende Rolle. Psychische Wirkungen sexueller Unterwerfung von Kindern in diesen Kulturen sind deshalb auch völlig anders zu bewerten.3

Selbst in Gemeinschaften und Familien der westlichen Welt findet man hinsichtlich der Werte, Normen und Tabus auf dem Gebiet der Sexualität eine starke Differenziertheit und unterschiedliche Toleranzschwellen vor.

Die vorliegende Hausarbeit kann nur einen Standpunkt wiedergeben, inwieweit es möglich ist, einen Verdacht auf sexuelle Gewalt anhand von Kinderzeichnungen festzumachen. Um subjektive Erkenntnisse möglichst zu objektivieren, erfolgten dazu auch weitergehende umfangreiche Literaturrecherchen.4 Eine umfangreichere Beschäftigung mit dieser Thematik ist angesichts der gegenwärtigen öffentlichen Diskussionen dringend angeraten, würde aber in der vorliegenden Arbeit den vorgegebenen Rahmen sprengen.5

ihren ersten Bildern aufzeichnen", zitiert nach Lebéus, Angelika-martina: Kinderbilder und was sie uns sagen, Weinheim und Basel 2001, S. 26.

2. Wesentliche Aspekte bei der Bildinterpretation von Kinderzeichnungen:

Zu Beginn einer intensiven Bildanalyse-und Interpretation einer Kinderzeichnung, sollte sich der Pädagoge folgende differenzierte Fragen als Orientierungshilfen stellen: Welches Gefühl vermittelt das Bild? Was ist auffällig? Was fehlt? Was bedeutet das fehlende Element und was bedeutet es eventuell für die malende Person? Was steht im Mittelpunkt? Denn Dinge und Menschen, die in den Mittelpunkt gezeichnet werden, sind wichtig. Unwichtige Menschen und Gegenstände fehlen entweder völlig oder werden an den Rand gezeichnet.

Hilfreich und sinnvoll ist es, das Kind zusätzlich selbst über das Bild erzählen zu lassen, um das Risiko zu verringern, dass eine Deutung nicht ein simples Motiv übersieht oder etwas überbewertet.6

In diesem Sinne ist es wichtig für die Interpretation eines Bildes, sich selbst in das Bild hineinzuversetzen, in ihm sozusagen spazieren zu gehen. Welche Empfindungen löst dies in mir aus, welche Geräusche und Gerüche nehme ich wahr, wo fühle ich mich wohl, welche Stellen im Bild möchte ich lieber meiden? Mit dem Kind zusammen einen Spaziergang in seinem Bild zu machen, ist eine gute Gelegenheit, sich mit einem einzelnen Kind intensiver zu beschäftigen. So kann man Wesentliches aus seinem Leben erfahren und seine Wünsche, Bedürfnisse, Ängste und Zweifel nachfühlen.

Im Weiteren sollte dann auf einzelne Aspekte des Bildes im Gespräch eingegangen werden. Wie wird zum Beispiel mit Hemmnissen oder Hindernissen in Form von Personen oder Gegenständen umgegangen? Eine Beziehungslosigkeit zwischen zwei einzelnen Gegenständen auf dem Bild kann ein Hindernis oder einen Konflikt darstellen.

Einer pädagogischen Kraft sollte immer auch bewusst sein, dass die Suche nach einer Symboldeutung bei Kinderzeichnungen zumeist unnötig ist, da Kinder spontan malen. Das heißt, dass sie sich grundsätzlich an Vorstellungen orientieren, die sie gerade gesehen haben bzw. erwarten oder, dass sie gerade Erlebtes zeichnen.

Wichtig ist die Betrachtung von Größenverhältnissen. Kinder malen Wichtiges groß und Unwichtiges klein - egal, wie es sich in der Realität tatsächlich verhält.

Kinderbilder weisen oft ungenaue Formen auf, was auf die Malentwicklung oder die augenblicklichen Befindlichkeiten zurückzuführen ist. So können bei Kinderzeichnungen verzerrte Formen nur im Vergleich erkannt werden.7

Wiederholungen in Kinderbildern sind eher die Regel als die Ausnahme. Kinder malen über lange Zeit hinweg ähnlich strukturierte Bilder, wobei sie diese zunehmend ausschmücken oder die Einzelelemente verbessern. Man kann sie mit neuen Erlebnissen und anderen Materialien dazu bringen, Neues auszuprobieren, neue Themen zu bearbeiten. Auf keinen Fall sollte Kritik geübt werden, wenn sie lange Zeit hinweg immer dasselbe malen. Für das Kind liegt der Sinn der Wiederholung auch in der Übung, der Verbesserung der Stiftführung, der Farbgebung, der Strichführung. Kinder lieben Wiederholungen, wie das auch der Wunsch nach dem Erzählen immer derselben Geschichte zeigt. Kinder brauchen zu ihrer Sicherheit Wiederholungen, Rituale und gewohnte Strukturen. Dies gilt auch für ihre Bilder.

Kinderbilder werden meist von vorn gemalt, und alles auf dem Bild ist fein säuberlich aufgereiht. Manchmal wird jedoch innerhalb des Bildes die Perspektive gewechselt. Das Kind malt das Haus von der Rückseite aus, den Menschen, der vor dem Haus steht, aber so, dass er den Betrachter ansieht. Irgendetwas scheint uns dann auf dem Bild zu stören, und wir bemerken zunächst gar nicht, dass dies mit der unterschiedlich gemalten Perspektive zu tun hat. Dies kann auf einen inneren oder äußeren Konflikt hinweisen. Entweder will sich das Kind von etwas abwenden oder im Malprozess etwas anderes neu entwickeln. Es kann auch sein, dass es spontan eine neue Sichtweise ausprobieren möchte.

Kinder, die in ihren Bildern Gegenstände oder Menschen schwarz ausmalen, drücken damit aus, dass etwas mit dem Bildobjekt nicht in Ordnung ist. Menschen, die Angst haben oder depressiv sind werden entweder leicht schattiert gemalt oder schwarz ausgefüllt. Aber auch Menschen und Dinge, die bedrohlich sind. Jedoch ist auch hier Vorsicht geboten. Wenn Kinder Menschen ausmalen könnte es sein, dass sie entweder einfach einen Dunkelhäutigen malen wollen oder der Person ein dunkles Kleidungsstück anziehen.

Selten malen Kinder ihre Bilder über den Rand hinaus. Wenn Gegenstände aber am Rand unvollständig gemalt sind und eigentlich Platz für das ganze Objekt gewesen wäre ist dies ein Zeichen, dass etwas Unbefriedigendes stattgefunden hat oder etwas am Rande passiert ist.8 Kinder malen in der Regel von der Blattmitte beginnend nach rechts und links. Wenn ein Kind aber einen großen Teil des Blattes unbemalt lässt und fast am Ende des rechten oder linken Bildrandes mit dem Malen beginnt, so kann auf Unsicherheit geschlossen werden. Und diese Unsicherheit hängt mit dem Gemalten zusammen.

Eine besondere Stellung nehmen unzeitgemäße Darstellungen ein. Vielleicht erwartet das Kind etwas Besonderes, auf das es sich freut oder vor dem es sich fürchtet? Es gibt dafür zwei Erklärungsmuster: Eine harmlose Deutung, die auf momentane Wunschvorstellung hinweist und eine Problematisierende. Eine Interpretation ohne Befragung des Kindes könnte hierbei auf die falsche Spur führen.

Einschlüsse und Einzäunungen können zunächst auch ganz harmlose Erklärungen haben. Eingeschlossen sein kann Geborgensein symbolisieren, aber auch Ausgrenzung. Fühlt das Kind sich ausgegrenzt oder hat es Angst vor anderen Kindern um sich herum und möchte sich deshalb mit einer Grenze umgeben?

Kinder fühlen sich unsicher und oft hilflos. Sie versehen sich selbst mit Symbolen der Macht und der Durchsetzungsfähigkeit, auch auf ihren Bildern. Dasselbe was für besonders lange Gegenstände gilt, gilt auch für Gegenstände, die Macht symbolisieren, entweder sind dies Maschinen, Autos oder auch Personen, denen man sich überlegen fühlt.

Kinder schreiben ihren Namen in der Regel vorn auf das Bild. Kinder, die noch nicht schreiben können, geben der Erzieherin den Auftrag, ihren Namen auf der Rückseite zu vermerken. Wenn etwas auf die Rückseite gezeichnet ist, so bedeutet dies häufig, dass die Dinge auf der Rückseite nicht mit dem Bild auf der Vorderseite harmonieren. Wenn etwas vergessen wird und dann noch auf die Rückseite gezeichnet wird, kann auch dies eine Bedeutung haben, da "Vergessen werden" ein unbewusster, aber oft mit Problemen oder Konflikten verbundener Vorgang sein kann.

Kinder malen selten auf die Rückseite eines Blattes. Sie verwenden lieber zwei verschiedene Blätter. Eine harmlose Erklärung für Bilder auf der Rückseite könnten mangelnde Malblätter sein. Also muss auch auf die örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten wie z.B. das Repertoire von Materialien geachtet werden, bevor ein Bild interpretiert wird.9

Unterstreichungen sind relativ selten im Kindergarten zu beobachten. Die Dinge und Menschen stehen meist auf einem festen Fundamen, zum Beispiel einer Wiese oder Erdboden und sind dadurch natürlicherweise "unterstrichen".

Wenn bei Zeichnungen eine einzelne Person unterstrichen ist, so fehlt dieser das Fundament. Wenn alle Personen unterstrichen sind und nur eine einzelne Person nicht, so ist diese Einzelperson besonders "standfest".

Sie benötigt kein zusätzliches Fundament. Kinder stellen sich selten in den "freien Raum". Sie fühlen sich noch zu unsicher, um auf eine feste Basis verzichten zu können.

Die Verwendung der verschiedenen Farben ist gekoppelt mit dem Charakter des Kindes, seinen sonstigen Vorlieben, seinem Temperament und seinen momentanen Stimmungen.10 Kinder probieren verschiedene Farben aus, malen in der Regel bunte Bilder und verwenden viele verschiedene Farben. Sie versuchen, je älter sie werden, möglichst naturgenau zu malen und benötigen dazu viele Zwischentöne und Farbabstufungen.

Da Kinderbilder meist von Anfang an farbig gemalt werden, geschieht es selten, dass etwas ausradiert wird. Sie nehmen lieber ein anderes Blatt und beginnen von neuem. Es passiert häufig, dass Kinder mit ihren Bildern unzufrieden sind und immer wieder von vorne beginnen; vor allem, wenn sie sich an einem neuen Motiv versuchen. Dies hat nichts zu bedeuten, es zeigt lediglich eine Erprobungsphase.

Wenn ein Kind jedoch einen mehrmals gemalten Gegenstand oder eine Person ausstreicht, übermalt oder das Bild zerreißt und dies öfter passiert, so ist es an der Zeit zu hinterfragen und sich zu informieren.

Welches Bild, welcher Gegenstand, welche Person geraten immer wieder in die Kritik und gelingen nicht zufriedenstellend? Welche Ursache wird vom Kind selbst dafür genannt? Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem übermalten Gegenstand oder der geschwärzten Person können verschiedene Ursachen haben. Wenn das übermalte durch Neues ersetzt wird und dies besser gelingt, so ist dies als positives Zeichen zu werten. Oft werden solche Erneuerungen auch vorgenommen, weil der eigene Anspruch höher ist als die Fähigkeit, dies auf das Bild zu bringen.

In Kinderbildern befinden sich Sprechblasen oder der eigene Namenszug. Es ist wichtig, dass andere wissen, von wem dieses Bild stammt und dass es dem Träger dieses Namens gehört. Das hat mit dem Stolz auf das eigene Werk zu tun. Bilder, die nicht gut gelingen, werden selten mit Namen versehen und namenlos verschenkt oder weggeworfen. Kinder malen Geschichten und erklären diese auch, sobald sie schreiben können mit zusätzlichen Worten, die sie einfügen. Sie sollen die Bedeutung, die das Kind dem Bild gibt unterstreichen und schützen oft vor Fehlinterpretationen.

Jedoch handelt es sich bei übergroß eingeschriebenen Namen oder "liebenswerten" Texten11 um unspezifische Merkmale. Sie sind oft in Kinderzeichnungen anzutreffen, die im Ergebnis von Konfliktsituationen entstehen und tauchen weniger in unbelasteten Zeichnungen auf.

Teilweise tauchen solche Merkmale jedoch bei Vorschulkindern auf, die mit den Texten in ihren Bildern Freude ausdrücken möchten, dass man unter Umständen mit der Hilfe der Eltern schon schreiben kann. Durch den eigenständig geschriebenen Text bietet sich dem Kind die Möglichkeit sich der eigenen Leistung selbst zu versichern.

Am oberen Rand eines Kinderbildes wird in der Regel ein blauer Streifen für den Himmel gemalt. Er ist Symbol für das Unabänderliche, kann aber auch, je nachdem wie dunkel diese Linie ausfällt als bedrohlich gelten. Eingesperrt sein, aber auch Geborgenheit können so allein durch Farbnuancen zum Ausdruck gebracht werden.

In einer bestimmten Phase der Malentwicklung ist es normal, dass man durch Dinge hindurch auf Dahinterliegendes sehen kann. Alles, was man weiß, wird gemalt, auch, wenn es sich hinter einer Wand befindet. Wenn dem gegenüber ältere Kinder oder Erwachsene Wände oder Körper durchsichtig malen, so drücken sie damit aus, dass sie ungeschützt sind oder sich kontrolliert fühlen.

Für jede Zeichnung gilt, dass die Reihenfolge der Zeichnung auch für die Wichtigkeit der gezeichneten Personen und Dinge steht. Das Wichtigste wird in der Regel zuerst gemalt (anders ist das bei "versteckten" Botschaften). Bei Kinderbildern ist dies meist die eigene Person, die nicht nur in den Mittelpunkt gerückt wird, sondern auch zuerst gemalt wird. Aus der Beobachtung, was Kinder zuerst auf ihr Blatt malen, ergeben sich Hinweise auf die Bedeutung, die sie dem Bild geben wollen. Die erste Malphase bringt dann die Bezüge, die sich mit dem ersten Motiv verbinden. Die nachfolgende Zeit verbringt das Kind dann mit Ausschmückungen und Ergänzungen.

Kinder malen Bilder in Etappen. Da sie sich emotional mit dem Gemalten auseinandersetzen und auch ihre Hand bald müde wird, entschließen sie sich manchmal dazu, später weiter zu malen. Aus der Reihenfolge, wie sich beim Malvorgang ein Bild entwickelt lassen sich mitunter auch wichtige Botschaften, die das Kind vermitteln will, ableiten.

[...]


1 Vgl. Steinhage, Rosemarie: Sexuelle Gewalt Kinderzeichnungen als Signal, Hamburg 1992, S. 158 159.

2 Vgl. http://www.uni-bamberg.de/kommunikation/news/artikel/kinderzeic/ (17.05.2013).

3 Anmerkung: Angelika-martina Lebéus gibt einen intensiven Einblick in die Entwicklung des Kindes und dessen Kinderzeichnungen, sowie deren Gefühlswelt. Besonders hinzuweisen wäre, zum Thema über kulturelle Unterschiede in Kinderzeichnungen und ihrer Analyse und Interpretation, auf das Kapitel "Die Elemente der Bilder" (S. 26 37).

Dort weist Lebéus auf den Völerkundler Richard Karutz hin und seinem Buch "Ursprache der Kunst" hin. Karutz geht davon aus, dass "sich in verschiedenen Ritzbildern fr ü her Menschheitskulturen ä hnliche Strukturen und Ornamente erkennen lassen, wie Kinder sie in

4 Besonders hervorzuheben sind hierbei Rosemarie Steinhage, Hans-Günther Richter, Angelikemartina Lebéus, Detlev von Uslar und Annette Frieske.

5 Anmerkung: Interessant wären zum Beispiel die Untersuchung geschlechtsspezifischer Unterschiede bei Jungen und Mädchen, die mit sexueller Gewalt in Berührung gekommen sind und die Anwendung verschiedener Testverfahren wie zum Beispiel den "Baumtest" und "Familie in Tieren".

6 Anmerkung: Für Kinder ist es erst ab ca. dem 5. Lebensjahr möglich, realistisch zu malen. Somit besteht bis dahin ein besonders hohes Risiko zur Fehlinterpretation von Kinderzeichnungen.

7 Anmerkung: So kann Unlust am Malen durch verzerrte Formen ausgedrückt werden. Anders sieht es aus, wenn nur ein Gegenstand oder Bereich besonders verzerrt erscheint und der Rest des Bildes sehr sorgfältig ausgearbeitet ist. So hat eine solche Darstellungsweise wahrscheinlich eine tiefere Bedeutung.

8 Anmerkung: Bei diesem Aspekt ist es wichtig das Alter des Kindes mit einzubeziehen. Bei kleineren Kindern im sogenannten "Kritzelstadium" ist es normal, dass diese über den Rand des Papiers zeichnen. Bei älteren Kindern zwischen den 5. und 6. Lebensjahr und älter ist es auch gewöhnlich, dass höchstens die Ränder leicht übermalt werden, um ganze Flächen auszumalen.

9 Vgl. Steinhage, Hamburg 1992, S. 20 22.

10 Anmerkung: Es existieren zu diesem umfangreichen Aspekt zahlreiche unterschiedliche Theorien zur Farbsymbolik.

11 Vgl. Uslar, Detlev von: Entwicklungspsychologie im Spiegel der Kinder- und Jugendzeichnung, Würzburg 2006, S.186 187.

Ende der Leseprobe aus 66 Seiten

Details

Titel
Inwieweit ist es möglich, sexuellen Missbrauch an Kindern in Kinderzeichnungen festzumachen?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Kunstpädagogisches Institut (Fachbereich 9))
Veranstaltung
Menschen- und Raumdarstellung in der Kinderzeichnung
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
66
Katalognummer
V270732
ISBN (eBook)
9783656622185
ISBN (Buch)
9783656622178
Dateigröße
3124 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sexueller, Missbrauch, Gewalt, Kinder, Angst, Zeichnungen, Ausdruck, Merkmale, Symptome, Verhalten, Bilder, Interpretationen, Entwicklung, Störungen, psychische, Strukturen, Gespräch, Kinderpsychologe
Arbeit zitieren
Ann-Sophie Parker (Autor), 2013, Inwieweit ist es möglich, sexuellen Missbrauch an Kindern in Kinderzeichnungen festzumachen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270732

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