Entwicklung eines Konzeptes zur Berichtgestaltung für das Integrated Reporting


Masterarbeit, 2013

94 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Integrated Reporting
2.1 Einführung
2.1.1 Begriffserklärung
2.1.2 Hintergründe und Status Quo
2.1.3 Ansatz
2.2 Kapitalarten
2.3 Informationskategorien
2.4 Vorgaben zur Gestaltung und Präsentation
2.5 Wechselwirkungen und daraus resultierende Herausforderungen
2.5.1 Bestandteile eines Integrated Reporting Berichts
2.5.2 Wechselwirkungen zwischen den Informationen
2.5.3 Aus Wechselwirkungen resultierende Herausforderungen
2.5.3.1 Unübersichtlichkeit
2.5.3.2 Komplexität
2.5.3.3 Informationsflut
2.6 Zusammenfassung der Erkenntnisse und daraus abgeleitete Anforderungen an ein Visualisierungskonzept

3 Erkenntnisse bei der Informationsübermittlung im internen Berichtswesen zur Anwendung auf das Integrated Reporting
3.1 Controlling und Internes Berichtswesen
3.1.1 Controlling
3.1.2 Internes Berichtswesen
3.1.3 Vergleichbarkeit von Integrated Reporting und internem Berichtswesen
3.2 Informationsgrundlagen
3.2.1 Information
3.2.2 Informationsbereitstellung
3.3 Informationsflut und Informationsüberlastung
3.4 Ursachen der Informationsüberlastung
3.4.1 Menschliche Einschränkungen bei der Aufnahme von Berichtsinformationen
3.5 Auswirkungen der Informationsüberlastung
3.6 Anforderungen an das Berichtswesen bei der Informationsübertragung an das Management
3.6.1 Informationsökonomie
3.6.2 Allgemeine Gestaltungsmerkmale für verständliche Texte
3.6.3 Gestaltungsmerkmale für Unternehmensberichte
3.6.4 Bestimmungsgrößen bei der Wirkung von Berichten
3.6.5 Anforderungen an einen optimalen Berichtsumfang
3.7 Informationsverdichtung im internen Berichtswesen mit Hilfe von Kennzahlensystemen
3.7.1 Kennzahlen
3.7.2 Ermittlung eines optimalen Berichtsumfangs zur Vermeidung einer Informationsüberlastung anhand einer Studie
3.7.3 Kennzahlensysteme
3.7.4 Return on Investment Kennzahlensystem
3.7.5 Tableau de Bord
3.7.6 Balanced Scorecard
3.8 Zusammenfassung der Erkenntnisse und daraus abgeleitete Anforderungen an ein Visualisierungskonzept

4 Visualisierungskonzept zur Übermittlung der Informationen des Integrated Reporting
4.1 Darstellung von Netzwerken
4.1.1 Anwendungsnutzen für das Integrated Reporting
4.1.2 Darstellung von künstlichen neuronalen Netzen
4.1.3 Informationsvisualisierung im semantischen Web mit Hilfe einer Gruppierungskarte
4.2 Farbwirkungen
4.3 Softwarelösungen zur Umsetzung des Visualisierungskonzeptes
4.3.1 Einsatz von Informationstechnologie beim Integrated Reporting
4.3.2 Extensible Business Reporting Language - XBRL
4.3.3 Structured Query Language - SQL Server
4.3.4 Prezi
4.3.5 Weitere Programme
4.4 Weitere Anforderungen an ein Visualisierungskonzept
4.5 Visualisierungskonzept für das Integrated Reporting
4.5.1 Vorgaben und Grundgerüst
4.5.2 Erste Detailebene
4.5.3 Erste Abstraktionsebene
4.5.4 Zweite Detailebene

5 Zusammenfassung und kritische Würdigung

6 Fazit

Anlage 1 - Ergebnistabelle: Anzahl der Wechselwirkungen im Zusammenhang zu der Anzahl der Informationselemente

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Schema zum Aufbau des Integrated Reporting,

Abb. 2 IR Bericht und ergänzende Informationen,

Abb. 3 Aufbauschema zum Integrated Reporting,

Abb. 4 Beispielszenario innerhalb eines IR Berichts,

Abb. 5 Vereinfachte Visualisierung der Wechselwirkungen beim Integrated Re- porting,

Abb. 6 Informationspyramide,

Abb. 7 Informationsüberlastungsschwelle,

Abb. 8 Informationsbedarf, -nachfrage und -angebot,

Abb. 9 Ausprägungsskala für die optimale Verständlichkeit eines Textes,

Abb. 10 ROI Kennzahlensystem,

Abb. 11 Beispiel eines Tableau de Bord für die Geschäftsführung,

Abb. 12 Beispiel-Aufbau für die Gesamtstruktur eines Tableau de Bord,

Abb. 13 Ursache-Wirkung-Beziehung der Balanced Scorecard,

Abb. 14 Darstellungen künstlicher neuronaler Netze,

Abb. 15 Gruppierungskarte am Beispiel von Informationen über Stellenangebote für eine Controlling Tätigkeit,

Abb. 16 Aufbau des IR Visualisierungskonzeptes,

Abb. 17 Informationszusammenhänge zwischen zwei Informationskategorien mit und ohne zusammenfassender Aussage je Kategorie,

Abb. 18 Darstellung aus dem IIRC Rahmenwerk zur Zusammensetzung des In- tegrated Reporting,

Abb. 19 Startansicht des Integrated Reporting mit Prezi,

Abb. 20 Vergrößerte Ansicht einer Informationskategorie,

Abb. 21 Ansicht auf das Geschäftsmodell,

Abb. 22 Beispielhafte Ansicht auf eine Verbindugnslinie zwischen Geschäftsmodell und Unternehmensführung und Vergütugssystem,

Abb. 23 Darstellung der Abstraktionsebene des IR,

Abb. 24 In Prezi eingebettete zweite Detailebene,

Tabellenverzeichnis

Tab. 1 Berechnung der Anzahl der Verbindungen zwischen 120 Informations- elementen,

Tab. 2 Berechnung der Lesedauer von IR Berichten,

Tab. 3 Beispiel einer Balanced Scorecard,

Tab. 4 Beispiel zur Datenerfassung für die Abstraktionsebene des IR Visualisie- rungskonzeptes,

1 Einleitung

Zurzeit entwickelt eine internationale Organisation namens International Integrated Reporting Council (IIRC) eine neue Form der externen Berichterstattung. In ihrem vor- läufigen Rahmenwerk stellen sie ein sog. Integrated Reporting (IR) vor. Heutzutage stellen die meisten Unternehmensberichte finanzielle und nicht-finanzielle Informatio- nen nur unabhängig voneinander dar. Die Hauptzielgruppe des IR sind finanzielle In- vestoren. Diesen soll durch das aufzeigen von Wechselwirkungen zwischen internen und externen und finanziellen und nicht finanziellen Unternehmensinformationen ein besseres Gesamtbild über die künftige Wertentwicklung eines Unternehmens vermittelt werden. Auf diese Weise sollen potenzielle Finanzgeber mithilfe des IR zu Investitionen angeregt werden.

Es gibt auch bereits mehrere Indizien dafür, dass das IR nicht nur ein Mode-Thema bleibt, über das in ein paar Jahren niemand mehr reden wird. So erfährt das IIRC bereits eine große Unterstützung und erhält positive Rückmeldungen von Unternehmen, Be- richtsempfängern und Regulierern. Auch in Deutschland ist damit zu rechnen, dass sich das IR Konzept in der Unternehmensberichterstattung zunehmend verbreiten wird.1

Wie auf der Internetseite des IIRC http://www.theiirc.org/ unter der Rubrik IIRC Re- sources Emerging Integrated Reporting Database erkennbar ist, versuchen Unter- nehmen bereits weltweit die IR Prinzipien in ihren Berichten umzusetzen. Allerdings hat es, auch nach der Meinung des IIRC selbst, bisher kein Unternehmen geschafft, das IR im Sinne des Rahmenwerkes vollständig umzusetzen. Diese Arbeit befasst sich da- her mit der Frage, wieso bisher kein Unternehmen das IR vollständig umsetzen konnte und es wird versucht, darauf eine Antwort zu finden und einen entsprechenden Lö- sungsvorschlag zu entwickeln.

Dass es bisher noch kein Unternehmen geschafft hat, das IR vor allem bezüglich der Wechselwirkungen zwischen den Informationen vollständig zu realisieren, könnte in genau diesen Informationszusammenhängen selbst begründet liegen. Wenn die Zusam- menhänge zwischen allen Wertetreibern eines Unternehmens in einem Bericht darge- stellt werden sollen, dann impliziert diese Anforderung eine daraus resultierende hohe Komplexität, Informationsflut und Unübersichtlichkeit. Dies könnte zu weiteren negati- ven Folgen, wie einer Informationsüberlastung bei den Berichtsempfängern und einer daraus folgenden mangelnden Bereitschaft zur Auswertung der IR Berichte, führen.

Das Ziel dieser Arbeit ist zunächst den vom IIRC vorgegebenen Aufbau eines IR zu untersuchen, um daraus die Auswirkungen auf die Komplexität der dargestellten Inhalte und dessen mögliche negative Folgeerscheinungen ableiten zu können. Nachdem das Ausmaß der Problemstellung ermittelt wurde, ist es das Hauptziel dieser Arbeit einen Lösungsvorschlag zur Vermeidung der o. g. Probleme mithilfe eines Visualisierungskonzeptes für das IR zu erarbeiten.

Dazu wird im folgenden Kapitel zunächst näher auf den Aufbau und die Inhalte eines IR gemäß Rahmenwerk des IIRC eingegangen. Daraus wird die Problemstellung hinsichtlich der Komplexität etc. erarbeitet, was wiederum als Grundlage zur Ermittlung erster Anforderungen an ein Visualisierungskonzept dienen wird.

Das Controlling befasst sich speziell im internen Berichtswesen bereits seit langer Zeit mit der Reduzierung der Informationsflut, um eine Informationsüberlastung bei dessen Berichtsempfängern zu vermeiden. Deshalb werden im dritten Kapitel aus den Methoden und Instrumenten des Controllings zum Umgang mit Informationen Erkennt- nisse zur Komplexitätsreduzierung im IR abgeleitet. Diese Erkenntnisse werden zur Ermittlung weiterer Anforderungen an ein Visualisierungskonzept dienen.

Im vierten Kapitel werden zunächst weitere Anforderungen zur Darstellung eines IR aus Erkenntnissen über Netzwerkdarstellungen, Farbwirkungen und den Anwendungs- möglichkeiten von Informationstechnologien abgeleitet. Anschließend wird aus allen gesammelten Anforderungen ein Visualisierungskonzept für das IR entwickelt. Dieses Konzept zur Berichtgestaltung soll dazu beitragen, die Komplexität, Informationsflut, Unübersichtlichkeit und die weiteren daraus resultierenden negativen Folgen zu redu- zieren.

Ob das Visualisierungskonzept die zuvor erarbeiteten Anforderungen zur Verbesserung eines IR erfüllt, wird im fünften Kapitel kritisch beurteilt, um im sechsten Kapitel zu einem Fazit zu gelangen.

2 Integrated Reporting

2.1 Einführung

2.1.1 Begriffserklärung

Unter Integrated Reporting (IR) versteht man einen periodischen, extern zugänglichen Bericht, der über die kurz-, mittel- und langfristige Wertentwicklung eines Unternehmens informiert. Dieser Bericht wird als integriert bezeichnet, weil er die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen der Strategie, der Corporate Governance, den Zukunftsaussichten und den finanziellen und nicht finanziellen Leistungskennzahlen innerhalb eines Unternehmens und mit dessen Umwelt verdeutlicht.2

Investoren sind i. d. R. an Unternehmen mit Aussicht auf langfristiger Fortführung der Geschäfte und an einer positiven Wertentwicklung interessiert. Ihre Interessen stimmen daher weitestgehend mit denen anderer Stakeholder (= Interessengruppen), wie der Geschäftsführung, den Mitarbeitern, den Kunden, den Lieferanten, den Geschäftspartnern und staatlichen Institutionen überein. Aus diesem Grund wurden die Investoren als primäre Zielgruppe des IR festgelegt.3

In der derzeitigen Ausgestaltung und mit der Ausrichtung auf Investoren ist das IR vor allem für kapitalmarktorientierte Unternehmen ein interessantes Kommunikations- instrument. Das Konzept des IR kann jedoch aufgrund der Relevanz für alle Stakeholder auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ohne Börsennotierung Anwen- dung finden.4

2.1.2 Hintergründe und Status Quo

Im Laufe der Zeit haben zwei Faktoren die Entwicklung der Unternehmensberichter- stattung beeinflusst. Zum einen ist die zunehmende Wertorientierung in der Unterneh- mensberichterstattung zu nennen. Der Fokus liegt hierbei auf der Informationsversor- gung von Investoren, damit diese die künftig zu erwartenden Zahlungsströme und damit die Entwicklung des Unternehmenswertes beurteilen können. Zum anderen steigt die Erwartung der Kunden an die Unternehmen, mehr Verantwortung für Gesellschaft und Nachhaltigkeit zu übernehmen. Die Stakeholder achten demnach verstärkt darauf, ob die Unternehmen bei ihren wirtschaftlichen Entscheidungen auch dessen Einflüsse auf ihr ökologisches und soziales Umfeld berücksichtigen.5

Der erhöhte Informationsbedarf durch Investoren, Kunden etc. führt andererseits dazu, dass die Berichterstattung immer komplexer und umfangreicher wird.6Die Stakeholder fordern also nicht nur mehr Informationen, sondern auch, dass diese Informationen transparent und übersichtlich von den Unternehmen kommuniziert werden.7

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen entstand das International Integrated Reporting Council (IIRC, Internationales Komitee zum Integrated Reporting). Diese Institution ist eine Vereinigung aus Standardsettern, Unternehmen und Investment Gesellschaften. Das Ziel des IIRC ist die Erstellung eines international gültigen Rahmenwerks, welches vor allem von den Berichterstellern in den Unternehmen, von Investoren und von Standardsettern anerkannt werden soll.8

Bisher existiert noch keine finale Version dieses Rahmenwerks. Das aktuell vom IIRC veröffentlichte Dokument ist ein Entwurf zum Rahmenwerk, welches die Zielgruppen des IR zu gezielten und konstruktiven Rückmeldungen aufruft. Auf der Grundlage dieser Rückmeldungen soll eine finale und international gültige Version des Rahmenwerks zum IR entwickelt werden. Die Veröffentlichung dieses Dokuments ist für Dezember 2013 geplant.9Wenn in dieser Arbeit das Rahmenwerk erwähnt wird, dann ist damit der bisher veröffentlichte Entwurf zum Rahmenwerk gemeint.

Die Geschäftsberichte für das Jahr 2011 der DAX 30 Unternehmen wurden in einer Studie hinsichtlich der Umsetzung des IR nach dem Regelwerk des IIRC ausgewertet. Die Auswertung ergab u. a., dass bereits die Mehrzahl der DAX 30 Unternehmen die Prinzipien des IR mehr oder weniger umfangreich in ihren Berichten umgesetzt hat. Es fiel jedoch auf, dass vor allem bei der Verknüpfung von Informationen und die entspre- chende Darstellung der Zusammenhänge die größten Optimierungspotenziale beste- hen.10

2.1.3 Ansatz

Bei den Vorgaben zur Erstellung eines IR Berichts verfolgt das IIRC einen auf Prinzi- pien basierenden Ansatz. Demnach gibt es bei der Erstellung keine messbaren Vorga- ben, die sich anhand von Leistungskennzahlen (Key Performance Indicators, KPI) überprüfen lassen. Es werden einzuhaltende Prinzipien und Inhalte bzgl. bestimmter Kapitalarten und Informationskategorien vorgeschlagen. Durch diese Flexibilität in der Gestaltung soll erreicht werden, dass das Rahmenwerk zur Erstellung eines IR Berichts international angewendet werden kann. Durch das Einhalten dieser Vorgaben sollen die IR Berichte dennoch vergleichbar sein.11

Die nach dem IIRC bevorzugte Ausgestaltung des IR sieht die jährliche Erstellung eines einzelnen IR Berichts vor, der alle nach dem Rahmenwerk vorgegebenen Informa- tionen enthält. Die Erstellung soll nach den im Rahmenwerk angeführten Grundprinzi- pien erfolgen. Um den Informationsbedürfnissen aller Stakeholder gerecht zu werden, sollte der IR Bericht zu anderen externen Unternehmensberichten, wie Jahresabschluss, Nachhaltigkeitsbericht und auch zur Unternehmenswebsite verlinkt sein.12Als Orientie- rung für die Festlegung der Bestandteile eines Jahresabschlusses können die Vorgaben für Konzerne aus den International Financial Reporting Standards (IFRS) herangezogen werden. Der Jahresabschluss setzt sich demnach aus der Bilanz, der Gewinn- und Ver- lustrechnung (GuV), erläuternden Angaben im Anhang, Kapitalflussrechnung, Eigen- kapitalveränderungsrechnung, Segmentberichterstattung und dem gemäß Handelsge- setzbuch (HGB) ebenfalls als Pflichtbestandteil anzusehenden Lagebericht zusammen.13 Die folgende Abbildung 1 verdeutlicht den Aufbau eines IR an einem ersten groben Schema.

Abb. 1: Schema zum Aufbau des Integrated Reporting14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zum Zweck der weitestgehenden Flexibilität bei gleichzeitiger Sicherstellung einer Vergleichbarkeit der IR Berichte hat das IIRC ein Rahmenwerk entwickelt. In diesem Rahmenwerk werden Prinzipien, Kapitalarten und Informationskategorien für das IR vorgeschlagen, die ein Unternehmen bei der Berichterstellung berücksichtigen sollte.15Da das Rahmenwerk keine Mindestinhalte festlegt, bleiben Berichtsumfang und Informationsdichte grundsätzlich dem Unternehmen überlassen.16

2.2 Kapitalarten

Gemäß des IIRC Rahmenwerks gibt es sechs Kapitalarten in jedem Unternehmen. Dazu zählen Finanzkapital, Produktives Kapital, Intellektuelles Kapital, Humankapital, Sozial- und Beziehungskapital und Umweltkapital.17

Das Finanzkapital ist der Bestand an Geldmitteln, der dem Unternehmen zur Produktion von Gütern bzw. zum Anbieten von Dienstleistungen zur Verfügung steht. Dieser Bestand setzt sich aus Fremd- und Eigenkapital, Subventionen, Umsatzerlösen und Investitionen zusammen.18

Unter dem produktiven Kapital werden alle Objekte verstanden, die ein Unternehmen zur Herstellung von Gütern und Dienstleistungen verwenden kann. Dazu zählen u. a. Gebäude, Büroausstattungen und Infrastruktur. Zum produktiven Kapital zählt nicht nur solches, das ein Unternehmen besitzt, sondern alles, was ein Unternehmen zur Erfüllung seines Geschäftszweckes verwendet.19

Zum intellektuellen Kapital gehören alle immateriellen Güter, über die ein Unternehmen verfügt. Dies umfasst z. B. Patente, entwickelte Software, Lizenzen, spezielle Produktionsabläufe, Markenrechte und der Ruf des Unternehmens.20

Das Humankapital besteht aus den für das Unternehmen dienlichen Fähigkeiten seiner Mitarbeiter. Dazu zählen Fachwissen, Erfahrung, Bereitschaft zur Entwicklung und Umsetzung von Innovationen, Loyalität, Wertvorstellungen, soziale Kompetenzen, Risikobewusstsein, Führungsqualitäten, Kooperationsbereitschaft usw.21

Unter Sozial- und Beziehungskapital wird die Fähigkeit eines Unternehmens verstan- den, die Beziehungen der Mitarbeiter und Führungskräfte innerhalb der Organisation und mit den Stakeholdern außerhalb der Organisation zu leiten. Dies kann mithilfe be- stimmter Einrichtungen, wie einem Software gestützten Kundenbeziehungsmanage- ment, einem Verhaltenskodex, einem Betriebsrat und Anti-Korruptionsrichtlinien umgesetzt werden.22

Das Umweltkapital umfasst alle erneuerbaren und nicht erneuerbaren natürlichen Ressourcen, dessen Nutzung bzw. Verarbeitung zum Erfolg des Unternehmens beitragen. Hierzu zählen u. a. Luft, Wasser, Mineralien, Holz, die Erhaltung der Tierartenvielfalt und ein sich im Gleichgewicht befindliches ökologisches Umfeld.23

Der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens beruht darauf, wie sich dessen Kapi- talarten entwickeln. Die Kapitalarten fließen in den gesamten Wertschöpfungsprozess eines Unternehmens direkt oder indirekt, also als Eingangs- oder Ausgangsgrößen ein.24 Durch die Unternehmensprozesse verändern sich die Kapitalarten. Sie können anstei- gen, stagnieren, sinken oder sich in andere Kapitalarten umwandeln. Es herrscht eine ständige Veränderung innerhalb und zwischen den Kapitalarten. Wenn ein Unterneh- men z. B. durch die Schulung seiner Mitarbeiter sein Humankapital steigert, dann senkt es durch die Ausgaben für die Schulungsmaßnahmen sein Finanzkapital. So kann die Entwicklung des Unternehmenswertes auch als Veränderung der Summe aller Kapital- arten eines Unternehmens verstanden werden.25

Trotz der Bedeutung für Unternehmenserfolg und Unternehmenswert ist es laut Rah- menwerk des IIRC nicht erforderlich, alle Kapitalarten zu berücksichtigen. Darüber hinaus ist die Relevanz der Kapitalarten für jedes Unternehmen unterschiedlich. Man- che Kapitalarten könnten somit für die Erstellung und damit auch für die Visualisierung des IR ohne Relevanz sein. Die im Rahmenwerk aufgeführten Kapitalarten dienen daher mehr als eine Art Checkliste, um sicherzustellen, dass die Unternehmen bei der Be- richterstellung alle für sie relevanten Kapitalarten berücksichtigt haben. Daher gib es gemäß Rahmenwerk auch keine Leistungsindikatoren für die einzelnen Kapitalarten.26

2.3 Informationskategorien

Gemäß Rahmenwerk des IIRC soll das IR idealerweise die folgenden sieben Informa- tionskategorien enthalten. Dazu zählen das Geschäftsmodell, Unternehmen und Markt- umfeld, Unternehmensführung und Vergütungssystem, Chancen und Risiken, Strategie und Ressourceneinsatz, Leistung und Zukunftsperspektive.27

Im Geschäftsmodell soll dargestellt werden, wie die für das Unternehmen wichtigsten Eingangsgrößen in die Geschäftsabläufe einfließen, verarbeitet werden und zu welchen Ergebnissen in Form von z. B. Produkten, Dienstleistungen, Umsatz und Gewinn diese Verarbeitung der Kapitalarten führt. Zu den Eingangsgrößen zählen die im Kapitel 2.1.4 erläuterten Kapitalarten.28

In der Kategorie Unternehmen und Marktumfeld soll der IR Bericht den Stakeholdern einen Überblick über die Geschäftsfelder des Unternehmens und die Marktsituation, in der es sich befindet, verschaffen. Wichtig ist, dass hierbei bereits der Kontext zwischen den Unternehmensaktivitäten, der Unternehmensvision und dem Marktumfeld heraus- gestellt wird.29

Mithilfe der Kategorie Unternehmensführung und Vergütungssystem sollte ein IR Bericht Angaben zu den Entscheidungsprozessen der Führungsebenen enthalten.30Zu- sätzlich sollte aufgezeigt werden, wie potenzielle Risiken bei den strategischen Ent- scheidungen berücksichtigt und wie im Unternehmen Innovationen vorangebracht wer- den.31

Ferner sollte in einem IR Bericht auch das Vergütungssystem erläutert werden. Hier- bei ist vor allem von Interesse, ob und wie die Vergütungshöhe des Managements an einen Beitrag zur kurz-, mittel- und langfristigen Wertentwicklung des Unternehmens geknüpft ist.32

Der Teil des IR Berichts über Chancen und Risiken sollte sich damit befassen, welche für die Wertentwicklung relevanten Möglichkeiten und Gefahren das Unternehmen identifiziert hat und wie es diese bei seinen wirtschaftlichen Entscheidungen berück- sichtigt. Bei der Ermittlung der Chancen und Risiken gilt es zu unterscheiden, welche davon das Unternehmen selbst beeinflussen kann und auf welche es nur reagieren bzw. ihnen vorbeugen kann.33

Um die positive Wertentwicklung eines Unternehmens nachvollziehbar zu vermitteln, sollte ein IR Bericht in der Kategorie Strategie und Ressourceneinsatz auf die strategi- schen Ziele und auf die Ressourcen zur Zielerreichung eingehen. Dem Bericht sollte auch zu entnehmen sein, wie die erfolgreiche Umsetzung der gesetzten Ziele gemessen wird.34

Eine weitere Informationskategorie im IR soll über die Leistung des Unternehmens informieren. Hierbei geht es sowohl um quantitative als auch um qualitative Kennzahlen. Diese sollen zur Beurteilung der Zielerreichung und des finanziellen Erfolges eines Unternehmens dienen.35

In der Kategorie Zukunftsperspektive soll das Unternehmen die künftige Entwicklung des Unternehmens einschätzen. Hierzu soll es im IR Bericht eine exakte und nachvollziehbare Analyse unter den drei folgenden Aspekten durchführen: Zum einen sollen die Einschätzungen der mittleren und oberen Führungsebene bzgl. der Entwicklung der Unternehmensumwelt einfließen. Aus diesen Erkenntnissen sollen die Auswirkungen auf das Unternehmen ermittelt werden. Abschließend folgt eine Beurteilung, inwiefern das Unternehmen den künftigen Herausforderungen gewachsen ist.36

Ähnlich zu den Kapitalarten stellen auch die Informationskategorien keine Mindestinhalte dar, die zwingend in einem IR Bericht enthalten sein müssen. Sie sind ebenfalls vielmehr als eine Art Checkliste zu verstehen. Ein Unternehmen sollte daher alle Kategorien hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Wertentwicklung beurteilen. Sofern es bestimmte Inhalte als unwesentlich erachtet, kann es diese bei der Erstellung des IR Berichts auslassen, ohne gegen die Vorgaben aus dem Rahmenwerk zu verstoßen. Im Anhang sollten diese Auslassungen jedoch begründet werden.37

Alle Informationskategorien beeinflussen sich gegenseitig. Das übergeordnete Ziel des IR ist die Darstellung der Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen den ausgewählten Kategorien. Auf diese Weise sollen den Berichtsempfängern nachvollziehbare Informationen zur Beurteilung der Wertentwicklung eines Unternehmens zur Verfügung gestellt werden.38

Zur Erstellung eines Visualisierungskonzeptes für das IR bedarf es konkreter Vorgaben. Zu diesem Zweck werden alle Informationskategorien und Kapitalarten als Mindestinhalte angesehen, die ein IR Bericht zwingend enthalten soll.

Für den weiteren inhaltlichen Verlauf in dieser Arbeit werden die Informationskatego- rien und die Kapitalarten von großer Bedeutung sein. Dadurch werden die Begriffe In- formationskategorien, Kapitalarten und Informationselemente häufig auftauchen. Um Verwirrungen zu vermeiden, sei darauf hingewiesen, dass der Begriff Informationsele- mente alle Informationskategorien und alle Kapitalarten umfasst. Der Begriff Informati- onselemente ist somit nicht gleichbedeutend mit dem Begriff Informationskategorien.

2.4 Vorgaben zur Gestaltung und Präsentation

Um die zuvor erläuterten Kapitalarten und Informationskategorien verständlich und übersichtlich in einem IR Bericht darzustellen, enthält das Rahmenwerk grobe Gestaltungsvorgaben. Demnach soll der IR Bericht im jährlichen Turnus gemeinsam mit dem Jahresabschluss erstellt werden.39

Außerdem sollten im IR Bericht zusätzliche Informationen in den Anhang ausgelagert werden. Dazu gehört eine Stellungnahme der Geschäftsführung inwiefern die Vorgaben des IIRC Rahmenwerks eingehalten wurden. Hierbei sollten auch die mit der Erstellung des Berichts und der damit einhergehenden Informationssammlung, -auswertung und - darstellung betreuten Mitarbeiter und deren Funktionen innerhalb des Unternehmens aufgeführt werden.40

In einem weiteren Anhang sollte der Wesentlichkeitsbestimmungsprozess und dessen Ergebnisse erläutert werden. In diesem Prozess werden potenziell wesentliche Informa- tionen und Sachverhalte zunächst lokalisiert und dann hinsichtlich ihrer Bedeutung für die künftige Wertentwicklung des Unternehmens beurteilt und priorisiert.41Sofern be- stimmte Kapitalarten oder Informationskategorien ausgelassen wurden, sollte das Un- ternehmen in einem zusätzlichen Anhang die Gründe dafür erklären.42 Darüber hinaus sollte das Unternehmen im Anhang die Eingrenzung des Berichtsum- fangs erläutern. Welche Informationen ein Unternehmen in seinen IR Bericht einfließen lässt, hängt von zwei Kategorien ab. Auf der organisatorischen Ebene sollte es festle- gen, welche Tochterunternehmen, Subunternehmen, Kooperationen etc. es berücksich- tigt. Darüber hinaus können aber auch unternehmensfremde Organisationen, wie Wett- bewerber, Dienstleister und staatliche Institutionen in den Bericht einfließen, sofern, sie einen Einfluss auf die Wertentwicklung des Unternehmens ausüben könnten.43Auch hier legt das Rahmenwerk keine Mindestinhalte fest, sondern überlässt es dem Unter- nehmen, den Berichtsumfang individuell zu bestimmen.

2.5 Wechselwirkungen und daraus resultierende Herausforderungen

2.5.1 Bestandteile eines Integrated Reporting Berichts

Die Hauptbestandteile eines IR Berichts sind die sieben Informationskategorien. Dazu zählen Geschäftsmodell, Unternehmen und Marktumfeld, Unternehmensführung und Vergütungssystem, Chancen und Risiken, Strategie und Ressourceneinsatz, Leistung, Zukunftsperspektive.44

Auch die Kapitalarten haben einen maßgeblichen Einfluss auf den Unternehmenserfolg und sind daher ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des IR. Hierzu gehören Finanzkapital, Produktives Kapital, Intellektuelles Kapital, Humankapital, Sozial- und Beziehungskapital und Umweltkapital.45

Zwar sollte ein IR Bericht alle wesentlichen Informationen über das Unternehmen enthalten und unabhängig von anderen Berichtsarten als alleinstehender Bericht erstellt werden. Er sollte jedoch auch zu ergänzenden Informationen verlinkt sein. Dazu zählen der Jahresabschluss, der Nachhaltigkeitsbericht und ein Verweis auf die Internetseite des Unternehmens.46Der Jahresabschluss setzt sich aus der Bilanz, der GuV, der Kapi- talflussrechnung, der Eigenkapitalveränderungsrechnung, der Segmentberichterstattung, dem Lagebericht und einem extra Abschnitt mit erläuternden Angaben zum Jahresab- schluss zusammen.47

Laut Rahmenwerk des IIRC sollten im IR weitere Verweise auf ergänzende Informationen enthalten sein. Dies umfasst eine Stellungnahme der Geschäftsführung, Erläuterung und Ergebnisse des Wesentlichkeitsbestimmungsprozesses, Begründung über das Auslassen bestimmter vom IIRC vorgeschlagenen Informationskategorien und Kapitalarten und eine Eingrenzung des Berichtsumfangs.48

Auf den Anhang zur Begründung über das Auslassen von Informationskategorien und Kapitalarten kann im Visualisierungskonzept verzichtet werden, da dieses zum Zwecke der Vergleichbarkeit keine solchen Auslassungen zulässt.

Wie diese Ausführungen zeigen, besteht das IR zwar nur aus einem einzelnen Bericht. Zum Zweck der Vollständigkeit der Informationen soll dieser Bericht jedoch mit mehreren weiterführenden Informationen verknüpft werden. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse kann die bisherige grobe Übersicht über den Aufbau des IR erweitert werden. Dies ermöglicht eine schrittweise Annäherung an das Visualisierungskonzept. Den ausgeweiteten Überblick zeigt die folgende Abbildung 2, in welcher alle ergänzenden Informationen in einer Auflistung dargestellt sind.

Abb. 2: IR Bericht und ergänzende Informationen49

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.5.2 Wechselwirkungen zwischen den Informationen

Das Wesen50und zugleich die größte Herausforderung51beim IR ist die Darstellung der Wechselwirkungen zwischen den Informationen. Dazu folgt zunächst ein Überblick darüber, welche Unternehmensinformationen laut IIRC Rahmenwerk miteinander verknüpft sind.

Ein IR Bericht sollte die Wechselwirkungen zwischen allen sieben Informationskate- gorien aufzeigen. Innerhalb dieser Informationskategorien gibt es weitere Informations- arten, zwischen denen Wechselwirkungen bestehen. Dazu zählen Zusammenhänge zwi- schen Informationen über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des Unternehmens, sowie zwischen den sechs Kapitalarten, zwischen quantitativen und qua- litativen Informationen, zwischen internen und externen Unternehmensinformationen und zwischen dem IR Bericht selbst und anderen Reports, wie Jahresabschluss, GuV und Lagebericht.52

Laut IIRC Rahmenwerk ist das Geschäftsmodell das Herzstück eines jeden Unter- nehmens53und hat somit den größten Einfluss auf den Unternehmenserfolg und dessen Wertentwicklung.54In der Informationskategorie über das Geschäftsmodell werden die Unternehmensprozesse erläutert. Die sechs Kapitalarten dienen dazu als Eingangsgrö- ßen für die Prozesse. Sie werden durch die Prozesse im Unternehmen verändert und spiegeln sich auch in den Ausgangsgrößen, also in den Produkten und Dienstleistungen des Unternehmens, wider.55

Da das Geschäftsmodell laut Rahmenwerk als Herzstück des Unternehmens angese- hen wird,56sollte es auch beim Visualisierungskonzept eine zentrale Rolle spielen. Das Geschäftsmodell sollte demnach im Zentrum beim Aufbau eines IR platziert werden. Die Kapitalarten sind ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells57und sollten somit innerhalb dieser Informationskategorie angeordnet werden. Die Informationen aus dem Geschäftsmodell wirken sich auf die anderen Informationskategorien aus. Die Ka- pitalarten beeinflussen sich untereinander und haben als Bestandteile des Geschäftsmo- dells Wechselwirkungen mit den anderen Informationskategorien.58

Diese Erkenntnisse können verwendet werden, um den Aufbau eines IR weiter zu verfeinern. Mit dem Geschäftsmodell und den darin enthaltenen Kapitalarten als Aus- gangspunkt für Wechselwirkungen zu den anderen Informationskategorien zeigt die folgende Abbildung 3 einen genaueren Überblick über den Aufbau des IR. Die Verbin- dungslinien symbolisieren die Wechselwirkungen zwischen den Informationen. Bei konsequenter Umsetzung der Vorgaben aus dem IIRC Rahmenwerk müsste diese Abbildung um einige weitere Verbindungslinien erweitert werden, da demnach Zusammenhänge zwischen allen Informationskategorien bestehen.59Dies würde jedoch zu Lasten der Übersichtlichkeit dieser Abbildung geschehen.

Abb. 3: Aufbauschema zum Integrated Reporting60

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.5.3 Aus Wechselwirkungen resultierende Herausforderungen

2.5.3.1 Unübersichtlichkeit

In einem IR Bericht bestehen zum einen innerhalb der Kategorie Geschäftsmodell Wechselwirkungen zwischen den Kapitalarten untereinander. Zum anderen bestehen Wechselwirkungen zwischen den Kapitalarten und den anderen sechs Informationskate- gorien und allen darin enthaltenen Detailinformationen.61Bei konsequenter Umsetzung müsste ein IR Bericht demnach mehrere Szenarien abbilden und erklären. Ein Szenario stellt eine mögliche Situation in der Zukunft dar. In einem Szenario wird jedoch nicht nur das abgeschlossene Zukunftsbild gezeigt. Es zeigt auch, welche Ereignisse und Entwicklungen zu diesem Zukunftsbild führen.62

Ein Beispiel für ein solches Szenario: Eine Investition in Schulungsmaßnahmen der Mitarbeiter (= Humankapital) reduziert durch die gestiegenen Schulungskosten das Finanzkapital. Dies hat jedoch gleichzeitig positive Auswirkungen auf den Umsatz und somit auf die Infokategorie Leistung. Die Gewinne aus den höheren Umsatzerlösen wiederum wirken sich wieder positiv auf das Finanzkapital aus. Das gestiegene Kapital könnte dann dazu eingesetzt werden, um in eine neue Produktionshalle zu investieren. Dadurch würde das produktive Kapital steigen und das Finanzkapital wieder sinken. Dieses Szenario kann unendlich weiter gedacht werden. Zur visuellen Unterstützung sei dieses Szenario in der folgenden Abbildung 4 dargestellt.

Abb. 4: Beispielszenario innerhalb eines IR Berichts63

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ohne solche Szenarien und unter der vereinfachenden Annahme, dass keine weiteren Detailinformationen in den Informationskategorien enthalten sind, gäbe es dennoch zwischen allen sechs Kapitalarten aus dem Geschäftsmodell und den anderen sechs In- formationskategorien Wechselwirkungen.64Allein im Überblick und unter diesen ver- einfachenden Annahmen, ergibt sich aus diesen Wechselwirkungen ein dichtes Netz aus Verbindungslinien. In Abbildung 5 wird dieses Netz aus Wechselwirkungen dargestellt.

Der große blaue Kreis in der Mitte der Abbildung symbolisiert die Informationskate- gorie Geschäftsmodell, in welcher die sechs Kapitalarten enthalten sind. Diese sind als kleinere schwarze Kreise dargestellt. Um das Geschäftsmodell herum sind die anderen sechs Informationskategorien als kleinere blaue Kreise angeordnet. Zwischen allen zwölf Elementen bestehen Wechselbeziehungen, die mithilfe schwarzer Verbindungsli- nien gekennzeichnet sind. Der zusätzliche Verweis auf weitere Unternehmensberichte ist durch eine Verbindungslinie auf ein blaues Rechteck rechts oben in der Abbildung angedeutet.

Abb. 5: Vereinfachte Visualisierung der Wechselwirkungen beim Integrated Reporting65

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.5.3.2 Komplexität

Komplexität ist eine Eigenschaft, die alle sozialen Systeme und damit auch Unter- nehmen besitzen. Sie ist jedoch nicht objektivierbar. Vielmehr wird sie von allen Men- schen unterschiedlich intensiv wahrgenommen.66Tendenziell gilt jedoch der folgende Zusammenhang: Die empfundene Komplexität eines Systems steigt mit der Anzahl der Elemente und deren Wechselbeziehungen zueinander.67Neben der Anzahl der Elemente und Wechselwirkungen sind mangelnde Übersichtlichkeit bzw. unklare Strukturen wei- tere Komplexitätstreiber.68

Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass ein IR Bericht mit den Informati- onskategorien und Kapitalarten aus mehreren Elementen besteht. Zwischen allen Ele- menten bestehen Wechselwirkungen. Damit spiegelt der IR Bericht die Zusammenhän- ge zwischen den wesentlichen Wertetreibern eines Unternehmens wider.69Die zuvor ausgeführte Komplexitätsproblematik bei Unternehmen kann somit auf die Berichtsgestaltung im IR übertragen werden.

Je mehr Wechselwirkungen zwischen den Informationen eines IR Berichts erklärt werden müssen, desto höher wird auch die gesamte Informationsmenge, die von den Berichtsempfängern erst einmal gelesen werden muss. Um die Komplexität und die damit einhergehende Informationsmenge quantifizieren zu können, wird im Folgenden eine Beispielrechnung durchgeführt.

Ein IR Bericht besteht aus zwölf Informationselementen. Dazu zählen die sechs Kapi- talarten innerhalb der Informationskategorie Geschäftsmodell zuzüglich der weiteren sechs Informationskategorien (siehe Kapitel 2.2 und 2.3). Es sei die Annahme unter- stellt, dass je Informationselement zehn Detailinformationen benötigt werden, um eine hinreichende Informationsversorgung je Element zu gewährleisten. Da zwischen allen Informationen gewisse Wechselwirkungen bestehen (siehe Kapitel 2.5.2), existieren in diesem Beispiel 12 * 10 = 120 sich gegenseitig beeinflussende Informationen.

Zunächst wird die Anzahl der Zusammenhänge zwischen den 120 Informationen be- rechnet. Dazu dient eine Formel aus der Kombinatorik, einem Themengebiet aus der Mathematik:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 70

Mit Hilfe dieser Formel kann die Anzahl der Kombinationen (Verbindungen) zwi- schen n Elementen berechnet werden. Dabei ist stets die Anzahl von k Elementen mitei- nander kombiniert, ohne dass sich die Kombinationen wiederholen.71Alle Elemente werden demnach nur ein einziges Mal miteinander kombiniert. Es handelt sich somit um ein vereinfachtes Rechenbeispiel, da ohne Wiederholung der Kombinationen zwi- schen den Informationen die im vorigen Kapitel beschriebenen Szenarien unberücksich- tigt bleiben. Des Weiteren bleiben die Wechselwirkungen zu den Informationen in den Anhängen zum IR unberücksichtigt.

Die Variable n steht für die Anzahl der Elemente, die miteinander kombiniert werden können und k steht für die Anzahl der Elemente, zwischen denen eine Kombination bzw. Verbindung hergestellt wird.72Es werden nur die Kombinationen zwischen zwei Informationselementen gezählt. Daher hat k den Wert 2. Im Beispiel gibt es insgesamt 120 Informationen in einem IR Bericht. Dadurch erhält n den Wert 120.

Das direkt nach den Variablen angeführte Ausrufungszeichen steht für die Rechen- operation Fakultät. Die Fakultät einer Variablen, die die Anzahl von n bzw. k einneh- men kann, ist das Produkt aller natürlichen Zahlen von 1 bis n bzw. von 1 bis k.73

Setzt man die angenommenen Werte von n und k in die o. g. Formel ein, so erhält man das Ergebnis Cn(k) = 7.140 Kombinationen bzw. einmalige Wechselwirkungen zwischen den Informationen. Die folgende Tabelle 1 fasst die Beispielrechnung zur Ermittlung der Verbindungen zwischen den 120 Informationselementen zusammen.

Tab. 1: Berechnung der Anzahl der Verbindungen zwischen 120 Informationselementen74

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Trotz der vereinfachenden Annahme, dass eine Kombination zwischen zwei Informa- tionselementen nur ein einziges Mal besteht, müssen in einem vollständig umgesetzten IR 7.140 Zusammenhänge zwischen den Informationselementen erklärt werden. Hinzu kommen die 120 Informationen selbst, die ebenfalls noch mit mindestens einem Satz erklärt werden müssten. In Summe enthält ein IR Bericht demnach 7.260 Informatio- nen.

2.5.3.3 Informationsflut

Unter der ebenfalls vereinfachenden Annahme, dass eine Information nur mit einem Satz erklärt werden kann, wird nun die Lesedauer eines IR Berichts berechnet. Dazu werden weitere Größen benötigt: Für die mittlere Satzlänge im deutschen Sprachge- brauch wird mit 20 Worten pro Satz gerechnet.75Die durchschnittliche Länge eines deutschen Wortes wird mit 6,5 Zeichen angesetzt.76Die Länge einer Normseite beträgt 1.500 Zeichen.777.260 Informationen multipliziert mit 20 Worten pro Satz und 6,5 Zei- chen pro Wort, geteilt durch 1.500 Zeichen pro Normseite ergeben 629,2 Normseiten. Ein IR Bericht mit zwölf Informationselementen und jeweils zehn Detailinformationen hätte demnach einen Umfang von 629 Seiten. Bei einer durchschnittlichen Lesedauer von 90 Sekunden pro Seite78und umgerechnet auf Stunden würde ein Mensch 15,73 also knapp 16 Stunden benötigen, um einen einzigen IR Bericht zu lesen.

Die Hauptzielgruppe eines IR sind Investoren. Angenommen, ein Investor möchte die IR Berichte der aktuell im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten 30 Unternehmen79 lesen. Bei den zuvor berechneten knapp 16 Stunden pro Bericht, angenommenen acht Stunden Arbeitszeit pro Tag, fünf Arbeitstagen pro Woche und 4 Arbeitswochen pro Monat würde ein Investor knapp 3 Monate zum Lesen der IR Berichte der 30 DAX Un- ternehmen benötigen. Hierbei ist die Zeit zum Verstehen, Vergleichen und Auswerten der Berichte noch nicht berücksichtigt. Sofern die IR Berichte quartalsweise veröffent- licht werden, würde der Investor ausschließlich mit dem Lesen und evtl. Auswerten dieser 30 Berichte befasst sein. Es bliebe dem Investor nach dieser Beispielrechnung keine Zeit mehr, um aus den gewonnenen Erkenntnissen Investitionsentscheidungen bzgl. dieser 30 Unternehmen abzuleiten und umzusetzen.

Das IR verfolgt jedoch mit dem Aufzeigen der Informationszusammenhänge das Ziel, den Investoren eine Entscheidungsgrundlage für Investitionen zu bieten. Durch die Komplexität des IR würde es seinem eigenen Hauptziel selbst im Wege stehen.

7.260 Informationen, 629 Seiten, knapp 16 Stunden Lesedauer je Bericht und knapp drei Arbeitsmonate Lesedauer für die Berichte der 30 DAX Unternehmen implizieren eine sog. Informationsflut. Unter einer Informationsflut versteht man eine subjektiv empfunden sehr hohe Menge an verfügbaren Informationen. Diese Informationsflut kann zu einem Information Overload bzw. zu einer Informationsüberlastung80der Be- richtsempfänger führen.

Die folgende Tabelle 2 fasst die Ergebnisse der Beispielrechnung in einer Übersicht zusammen. Die Anlage 1 bietet ergänzend dazu eine aufsteigende Ergebnistabelle über die Anzahl der Verbindungen im Zusammenhang zu der Anzahl der Informationsele- mente eines IR Berichts, berechnet nach der oben aufgeführten Formel aus der Kombi- natorik.

[...]


1Vgl. Fuhrmann, C.; Haller, Prof. Dr. A., Entwicklung der Lageberichterstattung, 2012, S. 32

2Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 8

3Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 8

4Vgl. Fuhrmann, C.; Haller, Prof. Dr. A., Entwicklung der Lageberichterstattung, 2012, S. 461

5Vgl. Arbeitskreis Externe Unternehmensrechnung der Schmalenbach Gesellschaft, 2013, S. 876

6Vgl. Behncke, N. et al., Auf dem Weg zum Integrated Reporting, 2012, S. 63

7Vgl. Fuhrmann, C.; Haller, Prof. Dr. A., Entwicklung der Lageberichterstattung, 2012, S. 461

8Vgl. IIRC, The IIRC, 2013, S. 1

9Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 1

10Vgl. Behncke, N. et al., Integrated Reporting, 2012, S. 67

11Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 9

12Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 9

13Vgl. Schäffer, U.; Weber, J., Einführung in das Controlling, 2011, S. 117

14Quelle: In Anlehnung an: Behncke, N. et al., Integrated Reporting, 2012, S. 13

15Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 5

16Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 34f.

17Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 12 f.

18Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 12

19Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 12

20Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 12

21Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 12

22Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 13

23Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 13

24Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 11

25Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 12

26Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 13 f.

27Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 5

28Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 14

29Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 24

30Vgl. Behncke, N. et al., Auf dem Weg zum Integrated Reporting, 2012, S. 65

31Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 25

32Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 25

33Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 26

34Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 26

35Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 28

36Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 29

37Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 24

38Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 24

39Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 30

40Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 32

41Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 21, 30

42Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 7

43Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 33

44Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 24

45Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 11ff.

46Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 9

47Vgl. Schäffer, U.; Weber, J., Einführung in das Controlling, 2011, S. 117

48Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 7

49Quelle: In Anlehnung an: Behncke, N. et al., Integrated Reporting, 2012, S. 13

50IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 18

51Vgl. Behncke, N. et al., Integrated Reporting, 2012, S. 67

52Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 18f.

53Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 14

54Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 6

55Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 14

56Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 14

57Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 14

58Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 18f.

59Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 18f.

60Quelle: In Anlehnung an: IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 7

61Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 18f.

62Vgl. Gaßner, R.; Kosow, H., Zukunfts- und Szenarioanalyse, 2008, S. 9 f.

63Quelle: Eigene Darstellung

64Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 18f.

65Quelle: Eigene Darstellung

66Vgl. Denk, R., Komplexitätsmanagement, 2009, S. 15

67Vgl. Denk, R., Komplexitätsmanagement, 2009, S. 18

68Vgl. Denk, R., Komplexitätsmanagement, 2009, S. 21

69Vgl. IIRC, Consultation Draft, 2013, S. 18f.

70Vgl. Kraft, R. et al., Mathematik 1 für Nichtmathematiker, 1990, S. 187

71Vgl. Kraft, R. et al., Mathematik 1 für Nichtmathematiker, 1990, S. 187

72Vgl. Kraft, R. et al., Mathematik 1 für Nichtmathematiker, 1990, S. 187

73Vgl. Kraft, R. et al., Mathematik 1 für Nichtmathematiker, 1990, S. 35

74Quelle: Eigene Darstellung

75Vgl. Plag, I., …und Englisch ist doch komplexer, o.J., S. 8

76Vgl. Ahting, K.; Berger, T. von, Berechnung von Übersetzungen, 2005, S. 3

77Vgl. Verwertungsgesellschaft Wort, Wissenschaftliche Zeitschriften, 2013, S. 1

78Vgl. Burda News Group, reading time, 2013, S. 3

79Vgl. Deutsche Börse AG, DAX-Indexwelt, 2011, S. 6

80Vgl. Ballod, M., Informationsökonomie, 2007, S. 31 f.

Ende der Leseprobe aus 94 Seiten

Details

Titel
Entwicklung eines Konzeptes zur Berichtgestaltung für das Integrated Reporting
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,9
Autor
Jahr
2013
Seiten
94
Katalognummer
V270772
ISBN (eBook)
9783656617600
ISBN (Buch)
9783656617594
Dateigröße
1875 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzen, Finanzierung, Accounting, Finance, Buchhaltung, Berichterstattung, externe Rechnungslegung, Reporting, Integrated Reporting, Integriertes Reporting, IFRS, IRS
Arbeit zitieren
B.B.A. Paul Ladewig (Autor), 2013, Entwicklung eines Konzeptes zur Berichtgestaltung für das Integrated Reporting, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270772

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