Haben Lügen kurze Beine?

Können "Lügenexperten" immer Wahrheit und Lüge auseinander halten?


Seminararbeit, 2010

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einleitung und Fragestellung

2. Arten von Lügen

3. Experten und Lügen  
3.1 Lügendetektion durch Experten
3.2 Facial Acting Coding System (FACS)
3.3 Erste Studie (Ekman & O’Sullivan, 1991)  
3.3.1 Warum sind Geheimagenten bessere Lügenentdecker?  
3.4 Zweite Studie (Ekman, O’Sullivan & Frank, 1999)
3.4.1 Welche Indikatoren für Lügen gibt es? 
3.4.2 Gibt es wirklich eindeutige Indikatoren für Lügen? 
3.5 Vergleich mit einigen vorangegangenen Studien
3.6 Diskussion und Kritik

4. Fazit

Literatur

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Zusammenfassung

Trotz zahlreicher Studien und verschiedener Arten von Forschungen ist es leider immer noch nicht möglich, mit hundertprozentiger Sicherheit Lügen zu erkennen. Auch „Experten“, bzw. Personen, die aus beruflichen Gründen öfter mit „Lügnern“ oder mit der Situation, Lügner entlarven zu müssen, konfrontiert werden, sind trotz Erfahrung und entsprechendem Wissen nicht immer im Stande, Wahrheit und Lüge mit Sicherheit auseinander zu halten. Sie sind  zwar besser als andere Gruppen von Menschen, jedoch keine perfekten, menschlichen Lügendetektoren. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine bedeutsame Rolle. Zwei Studien aus den 1990er Jahren zeigen hierbei deutlich die Grenzen und die Fehlbarkeit von Lügenexperten auf.

1. Einleitung und Fragestellung

Warum lügen Menschen? Jeder von uns kann viele Gründe dafür finden: Egoismus oder Feigheit sind oft die Antworten derjenigen, die angelogen wurden (DePaulo, 2009). Einige Lügen sind jedoch auch altruistischer Natur (Ekman, 2009).

Lügen sind ein zentrales Thema unseres Lebens und das Verstehen, warum man lügt, ist wichtig für fast alle Menschen (Ekman, 2009). Lügen können uns in verschiedenen Bereichen unseres Alltags begleiten, wie zum Beispiel zu Hause oder bei der Arbeit (Ekman & O’Sullivan, 1991), und das Begreifen von Lügen kann auch beim Verstehen zwischenmenschlicher Beziehungen helfen (Ekman, 2009). Es stellt sich daher eine Reihe von Fragen, die die Wissenschaft seit Jahren zu beantworten versucht, wovon zwei für die vorliegende Arbeit von besonderer Bedeutung sind: Ist es überhaupt möglich, Lügen zu erkennen? Und wenn ja, gibt es Menschen, die Experten in Lügendetektion sind??

Nach einem Überblick über die Arten von Lügen, die Gegenstand empirischer Forschung sind, werden zwei Studien des amerikanischen Psychologieprofessors Paul Ekman und seiner Kollegen aus den 1990er Jahren dargestellt, die verschiedene Gruppen von „Lügenexperten“ – unter diesen auch Psychologen – hinsichtlich der Fähigkeit zu menschlicher Lügendetektion vergleicht. Aufgrund der chronologischen Ordnung der Durchführung und Veröffentlichung werde ich diese Studien in dieser Arbeit als „erste Studie“ (Ekman & O’Sullivan, 1991) und „zweite Studie“ (Ekman, O’Sullivan & Frank, 1999) bezeichnen. Diese Studien zeigen, dass Lügenexperten, d.h. Menschen, die sich mit Lügen und Lügnern aus beruflichen Gründen oder aus Interesse beschäftigen, wie zum Beispiel Polizisten, Juristen und Psychologen, einerseits bei der Unterscheidung von Lüge und Wahrheit teilweise bessere Ergebnisse als andere Menschen erzielen, andererseits aber auch, dass sie bei weitem nicht im Stande sind, diese Aufgabe fehlerfrei zu erledigen. Ebenso wird ein Überblick über die Untersuchungsmethodik von Paul Ekman – das Facial Acting Coding System (FACS) – gegeben. Diese Methodik verwendete er in seinen Studien, da sie es ermöglichen soll, Lügen anhand von Gesichtsausdrücken zu erkennen. Auf dieser Methode basiert interessanterweise auch die amerikanische TV-Serie „Lie to me“, bei der Ekman als Berater fungiert. Die Serie handelt von einem Lügenwissenschaftler, der anhand der Analyse von Gesichtsausdrücken Lügner entlarvt und dabei mit der Polizei zusammenarbeitet, um Straftäter zu überführen (siehe Internetquelle 1: http://www.spyingforlying.com/2009/06/paul-ekman-with-lie-to-me-writer-josh.html).

In einer Diskussion der Ergebnisse und einer Kritik an den Studien wird ein kurzer Vergleich mit den vorangegangenen Studien vorgenommen und anhand der empirischen Befunde der dargestellten Studien aufgezeigt, dass auch Experten nicht im Stande sind, Lügen mit hinreichender Sicherheit zu erkennen. Hierbei spielen die Faktoren Erfahrung, Indikatoren von Lügen, Motivation und Eigenschaften des Lügners eine entscheidende Rolle.

2.Arten von Lügen

Die folgenden wissenschaftlichen Studien haben Lügen bzw. Unwahrheiten zum Gegenstand, die vom Lügner auch als solche empfunden werden und dieser den Unterschied zwischen Wahrheit und Unwahrheit auseinander zu halten im Stande ist (Ekman, 2009). Die Lügner in den Studien sind auch fähig, selbständig die Wahrheit zu sagen und lügen folglich, wenn sie jemanden mit Absicht in die Irre führen wollen. Der genannte Typus ist von pathologischen Lügnern abzugrenzen, die an die von ihnen erzählten Lügen glauben. Ebenso existieren Menschen, die einen verfälschten Eindruck von sich geben, wie zum Beispiel die Vorgabe von Reichtum, obwohl man über diesen gar nicht verfügt (Ekman, 2009). Diese Arten von Lügen sind nicht Gegenstand der in dieser Arbeit berücksichtigten empirischen Studien.

3.Experten und Lügen

Wissenschaftliche Untersuchungen der letzten 30 Jahre haben gezeigt, dass Menschen nicht fähig sind, Lügner mit hinreichender Sicherheit zu entlarven (Ekman et al., 1991; Vrij, 2004). In diesen Studien hatten Versuchspersonen, die angeben sollten, ob das, was sie in einem Video gesehen oder in einer Tonaufnahme gehört haben, einer Lüge oder der Wahrheit entspricht, eine maximale durchschnittliche Erfolgsquote von 60% erreicht (Ekman et al., 1991). Die Probanden waren in den meisten Studien Studenten (Ekman et al., 1991), d.h. eine Gruppe von Menschen, die keinen speziellen Grund haben, „Lügen“ und „Täuschungen“ entlarven zu lernen (Ekman et al., 1991). Es stellt sich also die Frage, ob andere Gruppen von Menschen, die professionell mit Lügnern und Unwahrheiten zu tun haben und diese aus beruflichen Gründen enttarnen müssen, ihre Aufgabe der als menschliche Lügendetektoren besser erfüllen. Polizisten behaupten, dass sie das gut können (Vrij, 2004). Studien, wie zum Beispiel die von Ekman und Kollegen aus den 1990er Jahren, zeigen jedoch das Gegenteil (Ekman et al., 1991; Ekman et al., 1999).

3.1  Lügendetektion durch Experten

Die zwei Untersuchungen von Ekman und O’Sullivan (in der zweiten Studie arbeitet auch der Wissenschaftler Frank mit) konfrontieren, wie erwähnt, verschiedene Gruppen angeblicher „Experten“, mit Lügen. Beide Studien haben das Ziel, die Genauigkeit der Beobachtergruppen zu testen (Ekman et al., 1991; Ekman et al., 1999). In beiden Studien werden Videos unterschiedlicher Menschen gezeigt, die eine Meinung äußern (Ekman et al., 1991; Ekman et al., 1999). Die Hälfte dieser Äußerungen sind gelogen. Die unterschiedlichen Beobachtergruppen (u.a. die Expertengruppe) sollen jeweils erkennen, ob eine Aussage gelogen ist oder nicht und ihre Einschätzung sofort nach jeder Aussage abgeben (Ekman et al., 1991; Ekman et al., 1999). Um sicherzustellen, dass es einen Unterschied zwischen Wahrheit und Unwahrheit gibt, verwenden die Wissenschaftler als Messmethode das Facial Acting Coding System (FACS), welches Ekman und Friesen in den 1970er Jahren entwickelt haben (Ekman & Friesen, 19971; Ekman, 1991; Ekman 2005).

3.2  Facial Acting Coding System (FACS)

Das Facial Acting Coding System (FACS) ist die erste objektive, psychophysiologische Technik, die die Gesichtsausdrücke bzw. die Gesichtsaktivität (Gesichtsbewegungen) erfasst (Ekman, 2005). Der beobachtete Ausdruck wird durch die Analyse der Bewegung der elementaren Gesichtsmuskeln in Teile zerlegt. Mithilfe dieser Methode wird es möglich, Lügen zu erkennen. Ekman (2009) konnte sogar nachweisen, dass diese Methode innerhalb einer Stunde erlernbar ist. Die Wissenschaftler und die mit dieser Technik trainierten Menschen können die „echten“ Emotionen – oder Mischungen davon – durch bestimmte Muskelbewegungen festlegen. Folglich können sie durch einen Vergleich der Muskelbewegungen von Wahrheit und Lüge feststellen, ob jemand gerade lügt. In diesem Zusammenhang sind zwei Komponenten zu berücksichtigen:

1.Ekman fand in vielen empirischen Befunden Nachweise für die erbliche Bedingtheit zahlreicher emotionaler Ausdrücke, darunter die von ihm unterschiedenen sieben Basisemotionen Verachtung, Ekel, Furcht, Fröhlichkeit, Wut, Traurigkeit und Überraschung, die kulturübergreifend bei allen Menschen in gleicher Weise erkannt und ausgedrückt werden (Ekman, 2003). Ein Vergleich des beobachteten Gefühls mit dem „originalen“ Basisausdruck kann zeigen, ob die Person lügt oder nicht (Ekman, 2005). Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn der Beobachter in Kenntnis darüber ist, welches Gefühl die beobachtete Person ausdrücken will (Ekman, 2005)
2.Die Mikroausdrücke im Gesicht (Ekman, 2005; Ekman et al., 1991) sind ein wichtiger Bestandteil des FACS, d.h. jeder Lügner zeigt für weniger als eine fünftel Sekunde eine Gesichtsbewegung, die dem wahren Gefühl entspricht, das die Person zu verbergen versucht (Ekman, 2005). Dieser Ausdruck ist ein Hinweis auf das echte Gefühl bzw. die Meinung der Person (Ekman, 2003).

Nicht erfasst werden darin jedoch nicht-emotionale Ausdrücke, die ca. 70% aller Gesichtsausdrücke ausmachen, sowie Körperausdrücke (Ekman, 2005).

3.3  Erste Studie (Ekman & O’Sullivan, 1991)

In der ersten Studie von Ekman und O’Sullivan (1991) sehen die Beobachter ein Video einer Länge von zehn Minuten, in dem zehn Frauen im Studentenalter erzählen, wie sie sich fühlen, während sie einen Film sehen (Ekman et al., 1991). Fünf Frauen von zehn lügen: Sie haben die Aufgabe zu erzählen, dass sie positive Gefühle haben, wobei die Hälfte von ihnen einen grausamen Film sieht, in dem Verstümmelungen und Amputationen gezeigt werden, anstatt einen Dokumentarfilm über Natur (Ekman et al, 1991). In dieser Studie wird nicht erwähnt, was die Frauen beruflich machen, aber in seinen Büchern „Telling Lies“ (2003) und „What the face reveals“ (2009) erklärt Ekman genau, dass die Frauen werdende Krankenschwestern sind, die angeblich zeigen können, wie gut sie ihre Gefühle verbergen können, wenn sie mit Patienten interagieren, die schwere Verletzungen erlitten haben, oder wenn sie sich im Operationssaal befinden (Ekman, 2005; Ekman, 2009). Es werden sieben Beobachtergruppen gebeten, ihr Urteil abzugeben (Ekman et al., 1991). Um sich zu vergewissern, dass einige Gruppen Interesse an dem Thema „Lügendetektion“ haben, fragt Ekman die Menschen, die sich für seine Seminare mit dem selben Thema nach der ersten Veröffentlichung seines Buches „Telling Lies“ im Jahre 1985 angemeldet haben (Ekman et al., 1991). Die Teilnehmer werden eingeladen, an dieser Studie teilzunehmen, bevor sie das Buch gelesen und bevor sie an dem Seminar teilgenommen haben (Ekman, 1999).

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Details

Titel
Haben Lügen kurze Beine?
Untertitel
Können "Lügenexperten" immer Wahrheit und Lüge auseinander halten?
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V270801
ISBN (eBook)
9783656622628
ISBN (Buch)
9783656622574
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
haben, lügen, beine, können, lügenexperten, wahrheit, lüge
Arbeit zitieren
Elena Tecchiati (Autor), 2010, Haben Lügen kurze Beine?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270801

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