Die Umsatzerlöse bilden eine essentielle Komponente für nahezu jedes operativ tätige Industrieunternehmen und deren Stakeholder. Im Hinblick auf die Bewertung der wirtschaftlichen Lage spielen Kennzahlen wie die Umsatzrentabilität eine wesentliche Rolle im Jahresabschluss und seiner zu dienenden Informationsfunktion. Eine der wichtigsten Eigenschaften ist die periodengerechte Erlösrealisierung zur Erlangung eines getreuen und stichtagsbezogenen Bildes des Unternehmens.
Besonders in zunehmend komplexen Geschäftsfeldern ist es oft nicht eindeutig, zu welchem Zeitpunkt in welcher Höhe eine erfolgswirksame Umsatzrealisierung vorzunehmen ist. Langfristige Verträge mit einer Vielzahl an erbrachten Leistungen erschweren es den Finanzleitern erheblich, den adäquaten Betrag in der adäquaten Periode zu realisieren. Die Frage, ob und wann eine als einzeln zu bewertende Transaktion Umsatzgenerierung auslöst, liegt daher auch ein wenig im Ermessen des jeweiligen Unternehmens. Als internationale Bilanzierungsstandards gelten einerseits die IFRS mit den Standards IAS 11 und 18, während nach US GAAP allgemeine Realisationsprinzipien aus SFAC 5 und SAB 101 Topic 13, sowie branchen-spezifische Richtlinien Anwendung finden.
Aufgrund der unterschiedlichen Umsatzrealisationsstandards wurde von den Standardsetzern IASB und FASB ein gemeinsames Konvergenzprogramm eingeleitet. Die Vielzahl an kritischen Kommentaren zum ersten Exposure Draft hat dafür gesorgt, dass am 14.11.2011 eine bereits überarbeitete Version des Standardentwurfs publiziert und zur Kommentierung freigegeben wurde. Der noch nicht finalisierte Standard ist darauf ausgelegt, Einheitlichkeit in der Bilanzierung zu schaffen und die aufrechten Regeln beider Rechnungslegungsstandards weitestgehend zu ersetzen. Nun stellt sich die Frage, welche bilanzrechtlichen und erfolgswirtschaftlichen Auswirkungen eine Inkraftsetzung des vereinheitlichten Standards haben könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung und Forschungsfragen
1.3. Wissenschaftliche Methodik
1.4. Aufbau der Arbeit
2. Umsatzrealisierung nach IFRS
2.1. Begriffsinterpretation
2.2. IAS 11 langfristige Fertigungsaufträge
2.2.1. Definition und Anwendung
2.2.1.1.Festpreisverträge
2.2.1.2.Kostenzuschlagsverträge
2.2.2. Angaben im Anhang und Darstellung im Jahresabschluss
2.3. IAS 18 Umsatzerlöse
2.3.1. Verkauf von Erzeugnissen und Waren
2.3.1.1.Rückgaberecht des Käufers
2.3.1.2.Unerfüllte Nebenleistungen
2.3.2. Dienstleistungen
2.3.3. Zinsen, Lizenzen und Dividenden
2.3.4. Mehrkomponentenverträge
3. Umsatzrealisierung nach US GAAP
3.1. Allgemeine Grundvoraussetzungen
3.2. Branchenspezifische Umsatzrealisierungsstandards
3.3. Mehrkomponentenverträge nach ASC 605-25
3.3.1. Definition
3.3.2. Identifikation einzelner Vertragsbestandteile
3.3.3. Anteilszuweisung der Vertragskomponenten anhand Vendor Specific Objective Evidence
3.3.4. Praxisbeispiele eines Mehrkomponentenvertrages
3.3.4.1.Beispiel basierend auf VSOE der Verkaufspreisstruktur
3.3.4.2.Beispiel basierend auf separat erzielbaren Einzelverkaufspreis
4. Konvergenzprogramm IASB/FASB zu Rechnungslegungsstandards
4.1. Entstehung und Hintergrund
4.2. Überarbeitung des Exposure Drafts
4.3. Kernkonzept des Standardentwurfs ED/2011/06
4.4. Ausblick zu möglichen Auswirkungen auf bestehende IFRS und US-GAAP Standards
4.4.1. Bilanzrechtliche Auswirkungen
4.4.2. Erfolgswirtschaftliche Auswirkungen
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Unterschiede in den Rechnungslegungsvorschriften von IFRS und US-GAAP im Bereich der Umsatzrealisierung und untersucht, wie ein vereinheitlichtes Konvergenzprogramm die Bilanzierungspraxis und den Unternehmenserfolg beeinflussen könnte.
- Vergleich der IFRS-Standards (IAS 11/18) mit den US-GAAP-Regelungen (ASC 605).
- Analyse der Problematik von Mehrkomponentenverträgen.
- Untersuchung der Entstehungsgeschichte und des Kernkonzepts des IASB-FASB Konvergenzprojekts.
- Evaluierung der Auswirkungen des neuen Standardentwurfs ED/2011/06.
- Beurteilung bilanzrechtlicher und erfolgswirtschaftlicher Konsequenzen bei Inkraftsetzung neuer Standards.
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Verkauf von Erzeugnissen und Waren
Umsatzrealisierung hervorgehend aus dem Verkauf von Erzeugnissen und Waren ist vorzunehmen, wenn die folgend angeführten Kriterien erfüllt sind (vgl. Epstein/Jermakowicz 2008, S.219):
- Sowohl der Risikoübergang als auch die Übertragung der Verfügungs- oder Beherrschungsmacht sind dem Käufer übertragen worden (vgl. IASB 2014/ S.A671, Rz 14).
- Der Verkäufer verfügt über keinerlei weiterer Eigentums- oder Kontrollrechte an den verkauften Produkten (vgl. KPMG Audit Committee Institute 2013, S.831).
- Die Höhe des Umsatzes ist ebenso wie die angefallenen Kosten verlässlich ermittelbar (vgl. Epstein/Jermakowicz 2008, S.219).
- Dem Unternehmen werden wirtschaftliche Vorteile zukommen (vgl. Hassler/Beyhs/Kerschbaumer 2010, S.123).
Hinsichtlich des letzten Kriteriums kann es bei Exportgeschäften zu länderspezifischen Restriktionen wie zum Beispiel einem Verbot für Auslandsüberweisungen kommen, die durchaus in der Lage sind, eine Umsatzrealisierung temporär zu verhindern (vgl. Epstein/Jermakowicz 2008, S.220).
Hat der Kunde im Zeitpunkt der Lieferung bereits Zahlungsschwierigkeiten, darf keine Ertragsrealisation vorgenommen werden. Entsteht das Liquiditätsproblem erst nach dem Lieferzeitpunkt oder war der Verkäufer nicht darüber informiert, ist kein Realisationsverbot vorhanden. (vgl. Bohl/Riese/Schlüter 2009, S.587, Rz 16)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit hinsichtlich der Harmonisierung internationaler Umsatzrealisierungsstandards.
2. Umsatzrealisierung nach IFRS: Erläutert die bestehenden Standards IAS 11 für Fertigungsaufträge und IAS 18 für allgemeine Umsatzerlöse und Mehrkomponentenverträge.
3. Umsatzrealisierung nach US GAAP: Detailliert die US-amerikanischen Anforderungen, insbesondere die branchenspezifischen Standards und die komplexe Regelung zu Mehrkomponentenverträgen gemäß ASC 605-25.
4. Konvergenzprogramm IASB/FASB zu Rechnungslegungsstandards: Analysiert den Entstehungsprozess, den Standardentwurf ED/2011/06 und die potenziellen Auswirkungen auf die Rechnungslegung.
5. Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet die Herausforderungen und Fortschritte des Konvergenzprojekts.
Schlüsselwörter
Umsatzrealisierung, IFRS, US-GAAP, IAS 11, IAS 18, ASC 605-25, Konvergenzprogramm, IASB, FASB, Mehrkomponentenverträge, Percentage-of-Completion-Methode, Ertragsrealisierung, Rechnungslegung, Exposure Draft, Bilanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der internationalen Rechnungslegung im Hinblick auf die Umsatzrealisierung und den Harmonisierungsprozess zwischen den IFRS und US-GAAP Standards.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die bestehenden Realisationsprinzipien von IFRS und US-GAAP, die Behandlung von Mehrkomponentenverträgen sowie die Inhalte und Auswirkungen eines gemeinsamen Konvergenzprojekts.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Unterschiede der Standards gegenüberzustellen und zu untersuchen, ob die Einführung eines vereinheitlichten Standards signifikante Auswirkungen auf die Bilanzierung und den Unternehmenserfolg hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die wissenschaftliche Methode basiert ausschließlich auf einer fundierten Literaturrecherche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der aktuellen IFRS- und US-GAAP-Regelungen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem gemeinsamen Konvergenzprogramm der Standardsetter IASB und FASB.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Umsatzrealisierung, IFRS, US-GAAP, Mehrkomponentenverträge, Konvergenzprogramm und Bilanzierung.
Welche Rolle spielen Mehrkomponentenverträge im Vergleich der Standards?
Während IFRS hier grundlegend agieren, bietet US-GAAP mit der Richtlinie ASC 605-25 spezifische Vorschriften, insbesondere die Methode der Anteilszuweisung anhand von Vendor Specific Objective Evidence.
Was ist das Kernkonzept des Standardentwurfs ED/2011/06?
Das Kernkonzept sieht einen Übergang von einem risikobasierten zu einem vertragsbasierten Modell vor, bei dem die „Übergabe der Verfügungsmacht“ als zentrales Kriterium für die Umsatzrealisierung dient.
- Arbeit zitieren
- Gernot Klement (Autor:in), 2014, Das IASB-FASB Konvergenzprogramm im Hinblick auf Revenue Recognition, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270824