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Anwendung des Öffentlichkeitsbegriff Luhmanns auf ein aktuelles Öffentlichkeitsthema

Title: Anwendung des Öffentlichkeitsbegriff Luhmanns auf ein aktuelles Öffentlichkeitsthema

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Daniel Hess (Author)

Communications - Mass Media
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"Öffentlichkeit gilt als irgendeine Art von Kollektiv, das sich in bestimmter Weise verhalten kann: Sie ist beunruhigt, interessiert sich, meint dies und das, fordert auch. (Neidhardt 1989, S. 25)"

Diese Beschreibung mag keine Unwahrheiten enthalten - lässt dafür aber eine wissenschaftliche Exaktheit und Problemlösungswillen vermissen. Da sich Neidhardt aber nicht mit dieser Definition zufriedengeben hat, lässt sich vermuten, dass seine Absicht keine exakte Beschreibung sein sollte. Er hat vielmehr die Schwierigkeit veranschaulicht, den Begriff Öffentlichkeit auf einen allgemeingültigen Nenner zu bringen. Einen weiteren Versuch, dem Öffentlichkeitsbegriff näher zu kommen, hat Niklas Luhmann mit einem frühen Text zur öffentlichen Meinung (Luhmann 1971) vor dem autopoietischen Paradigmenwechsel unternommen. Sein Öffentlichkeitsbegriff ist zwar genauer bestimmt, wie noch zu zeigen sein wird, erregt jedoch Kritik anderer Art:

"Mit seiner [Luhmanns, DH] Terminologie läßt sich jedes Problem darstellen, ohne unbedingt zur Klärung beizutragen (Stöber 1999, S.89)." Bei Luhmann "...gibt es Öffentlichkeit im Sinne eines empirisch beobachtbaren Phänomens nicht mehr... (Raupp 1999, S.113)" Raupp macht Luhmann den Vorwurf, dass sein Öffentlichkeitsbegriff ein rein theoretischer ohne Anwendbarkeit auf die Wirklichkeit sei und damit keinen praktischen Nutzen habe. Stöber geht noch weiter und behauptet dies nicht nur für den Öffentlichkeitsbegriff, sondern für jedes Problem.

Mit dieser Arbeit will ich mich der Frage nach der empirischen Anwendbarkeit des Öffentlichkeitsbegriff Luhmanns stellen. Die Fragestellung lässt sich metaphorisch auch so stellen, ob man mit der Brille "Öffentlichkeitsbegriff Luhmanns" mehr von der Wirklichkeit sieht, als ohne. Als exemplarisches Beispiel habe ich den "Amoklauf von Erfurt mit direkten Reaktionen darauf" im April/Mai 2002 gewählt. Falls ich mit diesem einen Beispiel einen Nutzen im Falle des Öffentlichkeitsbegriffs zeigen kann, ist Raupps These im Sinne Poppers falsifiziert und damit auch die weitergehende These Stöbers.

Excerpt


Gliederung

1. Stellungnahmen aus der Literatur

2. Methodische Vorüberlegungen

3. Öffentliche Meinung als Themenwissen

3.1. Theoretische Abgrenzung zu Habermas

3.2. Definition des empirischen Themas

4. Kontingenz der öffentlichen Meinung

4.1. Kontingenz in sachlicher Hinsicht

4.1.1. Die Aufmerksamkeitsregeln

4.1.2. Kontingenz der Aufmerksamkeitsregeln

4.1.3. Auswirkungen auf politische Entscheidungen

4.2. Kontingenz in zeitlicher Hinsicht

4.2.1. Die Themenkarriere

4.2.2. Einzelne Phasen der Themenkarriere

4.2.3. Zunehmende Anzahl von Meinungen

4.2.4. Zunehmende Abstraktion von Werten

4.3. Kontingenz in sozialer Hinsicht

4.3.1. Unterstellbarkeit der Akzeptiertheit von Themen

4.3.2. Bedeutung der politischen Prominenz

4.3.3. Umgang mit der öffentlichen Meinung

4.4. Einheit der öffentlichen Meinung

5. Anwendbarkeit der Theorie

6. Anhang

6.1. Quellenverzeichnis

6.2 Grafiken

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die empirische Anwendbarkeit des Öffentlichkeitsbegriffs von Niklas Luhmann am Beispiel der Medienberichterstattung über den Amoklauf von Erfurt im Jahr 2002. Ziel ist es zu prüfen, ob Luhmanns systemtheoretische Konzepte – wie die Kontingenz der öffentlichen Meinung – die Realität der Themenbildung und Berichterstattung besser erklären können als traditionelle Ansätze.

  • Systemtheoretische Analyse der öffentlichen Meinung als institutionalisiertes Themenwissen.
  • Untersuchung der Kontingenz der öffentlichen Meinung in sachlicher, zeitlicher und sozialer Hinsicht.
  • Überprüfung von Aufmerksamkeitsregeln und deren Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse.
  • Analyse der Themenkarriere eines medialen Ereignisses sowie der Rolle politischer Prominenz.

Auszug aus dem Buch

4.1.3. Auswirkungen auf politische Entscheidungen

Es sei nochmals daran erinnert, dass nicht nur politische Themen in der öffentlichen Meinung als Themenwissen existieren. Jedoch nimmt das politische System in der Umwelt der öffentlichen Meinung eine besonderen Bezugspunkt ein, denn die Aufmerksamkeitsregeln haben insbesondere Auswirkungen auf dieses System.

"Aufmerksamkeitsregeln steuern die Konstruktion politischer Themen; Entscheidungsregeln steuern die Meinungsbildung,... (Luhmann 1971, S. 16)." Aufmerksamkeitsregeln wählen zwar die politische Themen auf die Agenda, ohne sie jedoch zu entscheiden. Diese These bringt er aus Sicht des politischen Systems auf den Punkt: Ein Thema wird nicht deshalb in der Politik behandelt, weil es sinnvoll und richtig ist, sondern nur, weil es den Filter der Aufmerksamkeitsregeln durchlaufen hat. Das politische System kann und soll keine sinnvollen Entscheidungen treffen, weil es nach Luhmann kein übergeordnetes System mit einer allgemeingültigen Rationalität ist.

Als Reaktion auf Erfurt bekommen zwei politische Vorschläge Titelseitenrang: Die Verschärfung des Waffenrechts und die Eindämmung von Mediengewalt im Falle des Fernsehens und der Computerspiele (vgl. Höll/Käppner 2002 30.Apr, S.1). Die Vorschläge sollten nach Luhmann nicht zwingend sinnvoll oder richtig sein, sondern nur das Produkt von Aufmerksamkeitsregeln.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Stellungnahmen aus der Literatur: Beleuchtung der Kritik an Luhmanns Öffentlichkeitsbegriff und die Einordnung der Forschungsarbeit in den wissenschaftlichen Diskurs.

2. Methodische Vorüberlegungen: Darlegung der Entscheidung, Zeitungsartikel als Indikator für die öffentliche Meinung zu nutzen und methodische Eingrenzung der Untersuchung.

3. Öffentliche Meinung als Themenwissen: Theoretische Abgrenzung zu Habermas und Definition der öffentlichen Meinung als institutionalisierte Themenstruktur.

4. Kontingenz der öffentlichen Meinung: Detaillierte Untersuchung der drei Dimensionen (sachlich, zeitlich, sozial) und deren Auswirkung auf die mediale und politische Verarbeitung.

5. Anwendbarkeit der Theorie: Fazit zur empirischen Bestätigung der theoretischen Konzepte Luhmanns sowie Reflexion über die Grenzen und den Erkenntniswert der systemtheoretischen Perspektive.

6. Anhang: Auflistung der verwendeten Literaturquellen und der Grafiken zur Visualisierung der Daten.

Schlüsselwörter

Luhmann, Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, Themenwissen, Kontingenz, Aufmerksamkeitsregeln, Themenkarriere, Systemtheorie, Amoklauf Erfurt, Agenda-Setting, politische Prominenz, Medienberichterstattung, soziale Integration, Kommunikation, Komplexitätsreduktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretische Brauchbarkeit des systemtheoretischen Ansatzes von Niklas Luhmann zur Erklärung realer medialer und politischer Prozesse anhand eines konkreten Ereignisses.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die systemtheoretische Soziologie, die Theorie der öffentlichen Meinung sowie die empirische Analyse von Medieninhalten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, zu zeigen, ob man mit der "Brille" der Luhmannschen Systemtheorie Phänomene der gesellschaftlichen Kommunikation präziser erfassen kann als ohne sie.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine qualitative Analyse von Zeitungsartikeln (Süddeutsche Zeitung) der ersten Wochen nach dem Amoklauf von Erfurt als Indikator für die öffentliche Meinung durchgeführt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie das Ereignis "Amoklauf" durch Aufmerksamkeitsregeln gefiltert wurde, welche Phasen die Themenkarriere durchlief und welche Rolle politische Akteure dabei spielten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Luhmann, Öffentlichkeit, Themenwissen, Kontingenz, Aufmerksamkeitsregeln und Systemtheorie sind die prägenden Begriffe.

Wie bewertet der Autor die Kritik an Luhmann, seine Theorie sei nicht anwendbar?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Anfangsthese, Luhmanns Begriff sei nicht anwendbar, durch das Beispiel des Amoklaufs widerlegt werden konnte.

Warum wurde gerade der Amoklauf von Erfurt als Beispiel gewählt?

Das Ereignis diente als exemplarisches Fallbeispiel, da es eine hohe mediale Resonanz auslöste und somit die theoretischen Mechanismen der Themenbildung besonders deutlich sichtbar werden ließ.

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Details

Title
Anwendung des Öffentlichkeitsbegriff Luhmanns auf ein aktuelles Öffentlichkeitsthema
College
University of Bamberg  (Kommunikationswissenschaft)
Course
HS Massenmedien und Öffentlichkeit
Grade
1,7
Author
Daniel Hess (Author)
Publication Year
2002
Pages
23
Catalog Number
V27083
ISBN (eBook)
9783638292191
Language
German
Tags
Anwendung Luhmanns Massenmedien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Hess (Author), 2002, Anwendung des Öffentlichkeitsbegriff Luhmanns auf ein aktuelles Öffentlichkeitsthema, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27083
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