Am 15.09.2013 wurde die schwarz-gelbe Regierungskoalition in Bayern abgewählt und eine Woche später konnte sich auch auf Bundesebene das Bündnis zwischen Union und FDP nicht durchsetzen. In Bayern kann die CSU auf Grund ihrer absoluten Mehrheit alleine regieren doch auf Bundesebene beginnen nun die Koalitionsverhandlungen. Dies gibt einen Anlass zu untersuchen, welche Koalitionstheorien bei solchen Prozessen zum Zuge kommen. Im Rahmen meines migrations- und integrationspolitischen Forschungsinteresses werden hierbei die Union und FDP in den Fällen Bayern und Baden-Württemberg für die Zeitpunkte 2006 und 2008 untersucht und die konkurrierenden Konfrontations- und Salienzhypothesen getestet. Die unabhängige Variable sind hierbei die Parteien und die abhängige Variable die Parteipositionen. Diese Variable wird in der Operationalisierung in einen beobachtbaren Sachverhalt übersetzt. Dafür werden die Parteiprogramme beider Parteien auf migrations- und integrationspolitischen Inhalt untersucht und zudem analysiert, welche Partei welche Standpunkte in den Koalitionsverhandlungen durchsetzen konnte. Anhand dieser Ergebnisse werden die beiden Hypothesen getestet und ausgewertet, ob eine (oder beide) den beobachteten Prozess ausreichend beschreiben kann. Anschließend gibt es eine Zusammenfassung der erforschten Ergebnisse.
Getestet werden die Konfrontations- und Salienzhypothese an der CDU/CSU und FDP in den Ländern Bayern und Baden-Württemberg.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung/ Untersuchungsrahmen
2 Fallauswahl
3 Theorie: Konfrontations- und Salienzhypothese
4 Operationalisierung
5 Messung
6 Auswertung und Darstellung
7 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Ziel dieses Forschungspapiers ist es, die migrations- und integrationspolitischen Standpunkte von Union und FDP anhand der Beispiele Bayern und Baden-Württemberg zu vergleichen und zu prüfen, ob sich die Koalitionspartner eher nach der Konfrontationshypothese oder der Salienzhypothese verhalten.
- Analyse migrationspolitischer Parteiprogramme
- Vergleich von Koalitionsverhandlungen in Bayern und Baden-Württemberg
- Überprüfung konkurrierender Koalitionstheorien
- Methodische Verknüpfung von quantitativer Schlagwortsuche und qualitativer Textanalyse
- Untersuchung der Durchsetzungsfähigkeit von Parteipositionen
Auszug aus dem Buch
2. 1 Konfrontationshypothese
Die Vertreter der Konfrontationstheorie untersuchen den Sachverhalt, wenn eine Partei in einem Themengebiet einen anderen Standpunkt vertritt als die andere Partei. Demnach gibt es einen Interessenskonflikt, den es in den Koalitionsverhandlungen zu lösen gilt. Einfach formuliert heißt dies, dass die eine Partei auf einer Skala rechts und die andere links positioniert ist und in den Koalitionsverhandlungen so lange debattiert wird, bis man sich auf einen Kompromiss einigt. Diese Methode dient laut Downs (1968) vor Allem dem Zweck der Gewinnung von Wählerstimmen. Sollten sich Parteien in ihren ideologischen Standpunkten zu sehr annähern, verlieren sie damit die Wählerstimmen der Extremisten. Zwar wäre der Gewinn der Stimmen des Medianwählers höher als der Verlust extremistischer Wähler, die koalierenden Parteien würden jedoch insgesamt an Stimmen verlieren, da sie sich gegenseitig „die politische Mitte wegnehmen“ und könnten so von extremistischen Parteien überholt werden (S. 156). Dies führt dazu, dass die Parteien in Koalitionsverhandlungen ihren eigenen Standpunkt durchsetzen wollen, um die um sie „gescharten Wähler“ (S. 156) nicht durch Eingeständnisse zu verlieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung/ Untersuchungsrahmen: Vorstellung der Forschungsfrage sowie des methodischen Vorgehens zur Untersuchung der migrations- und integrationspolitischen Positionen von Union und FDP.
2 Fallauswahl: Begründung für die Auswahl der Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg basierend auf deren Regierungszusammensetzung und migrationspolitischen Relevanz.
3 Theorie: Konfrontations- und Salienzhypothese: Theoretische Einführung in die Koalitionsforschung, wobei die Konfrontations- und die Salienztheorie als konkurrierende Erklärungsmodelle gegenübergestellt werden.
4 Operationalisierung: Erläuterung der angewandten Messmethode, bei der Parteiprogramme mittels einer Schlagwortliste quantitativ und qualitativ ausgewertet werden.
5 Messung: Durchführung der empirischen Untersuchung anhand der identifizierten Schlagwörter sowie Einbeziehung von Experteninterviews zur Validierung der Parteistandpunkte.
6 Auswertung und Darstellung: Analyse der Messergebnisse zur Überprüfung der Hypothesen und Diskussion der erfolgreichen Durchsetzung von Parteistandpunkten in den Koalitionsverträgen.
7 Zusammenfassung und Fazit: Zusammenfassende Darstellung der Forschungsergebnisse, die zur Falsifizierung der Konfrontationstheorie und zur Bestätigung der Salienztheorie führen.
Schlüsselwörter
Migrationspolitik, Integrationspolitik, Koalitionsforschung, Konfrontationshypothese, Salienzhypothese, Parteiprogramme, Koalitionsverhandlungen, Bayern, Baden-Württemberg, CDU/CSU, FDP, politische Positionierung, Wahlerfolg, politische Kommunikation, Parteienwettbewerb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Unterschiede in den migrations- und integrationspolitischen Standpunkten von Union und FDP und analysiert, wie sich diese Parteien innerhalb von Regierungskoalitionen positionieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Migrations- und Integrationspolitik, die inhaltliche Ausrichtung der Parteiprogramme sowie das Verhalten der Parteien in Koalitionsverhandlungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, wie stark und auf welche Weise sich Union und FDP in ihren migrationspolitischen Standpunkten unterscheiden und ob dabei die Konfrontations- oder die Salienzhypothese zur Anwendung kommt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein methodischer Mix aus quantitativer Schlagwortanalyse der Parteiprogramme und qualitativer Inhaltsanalyse sowie der Auswertung von Experteninterviews genutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Analyse der Parteiprogramme von CDU/CSU und FDP sowie der Koalitionsvereinbarungen der Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Migrationspolitik, Koalitionstheorien, Salienzhypothese und politische Positionierung der Parteien.
Warum wurde die Konfrontationshypothese falsifiziert?
Die Analyse ergab keine gegensätzlichen Positionen der Parteien bei identischen Themen, was der Grundannahme der Konfrontationstheorie widerspricht.
Warum wird die Salienzhypothese in der Arbeit bestätigt?
Die empirischen Daten belegen, dass die Parteien in der Praxis unterschiedliche Themenfelder besetzen, anstatt sich in direkten inhaltlichen Konflikten zu reiben, was der Salienztheorie entspricht.
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- Tatjana Brütting (Author), 2013, Union und FDP: Vergleich der Standpunkte zur Migrations- und Integrationspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270836