Die Ereignisse des Frühjahres 2014 auf der Krim sind Ausdruck des seit Langem gespannten Verhältnisses zwischen Ukrainern und Russen. Auch nach knapp 25 Jahren Unabhängigkeit sitzt die Ukraine noch immer zwischen den Stühlen: verwurzelt im Osten, aber an der Schwelle zum Westen – und sucht nach ihrer eigenen Identität.
Auf der einen Seite wartet der große Bruder Russland, mit dem die Ukraine geschichtlich und kulturell viel verbindet. Und auf der anderen Seite lockt die Europäischen Union, die ihr nicht nur gesellschaftlichen, sondern auch wirtschaftlichen Fortschritt verspricht. Nach der Orangenen Revolution 2004 schien der Weg gen Westen klar, doch mit Janukowitsch orientierte sich das Land wieder stärker an Putins Großmacht. Dieses Buch zeichnet den politischen und gesellschaftlichen Konflikt der Ukraine nach.
Aus dem Inhalt:
Tschernobyl und der Untergang der Sowjetunion
Ethnische Grenzziehung und nationale Identität
Mythos der Brüderlichkeit
Ukraine und die EU im Schatten Russlands
Westintegration: Geostrategische Analyse
Außen- und Innenpolitik unter Janukowitsch
Inhaltsverzeichnis
Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl als Mitauslöser für den Untergang der Sowjetunion. Der ukrainische Weg in die Unabhängigkeit von Josef Schopf (2011)
Einleitung
Als die Ukraine noch unverseucht war
Der Super-GAU in Cornobyl
„Zelenyj svit“ und „Ruch“
Eine unabhängige Ukraine
Fazit
Literaturverzeichnis
Ethnische Grenzziehung als Absicherung der nationalen Identität der Ukrainer von Elzbieta Szumanska (2008)
Einleitung
Ethnische Grenzziehung
Die Abgrenzungsversuche der Ukrainer
Fazit
Literaturverzeichnis
Der Mythos der Brüderlichkeit des russischen und ukrainischen Volkes von Maryna Zühlke (2005)
Einleitung
Sowjetische Tradition
Der Mythos und seine Sprache
Sowjetisch-ukrainische Kunst
Zusammenfassung
Bibliographie
Anhang
Der Weg der Ukraine in die EU im Schatten Russlands (bis zum Jahr 2010) von Yevgeniy Voytsitskyy (2010)
Einleitung
Die Ukraine zwischen Europa und Russland
Die historischen Überlegungen
Die Ukraine und die EU
Russland außerhalb und innerhalb Europas
Russland und die Ukraine
Das Dreieck der Beziehungen von EU, Ukraine und Russland im Kontext der EU-Erweiterung
Fazit
Literaturverzeichnis
Ever westward? Die Westintegration der Ukraine in der geostrategischen Analyse von Sebastian Baumann (2009)
Einleitung
Der Westen und die ukrainischen Streitkräfte
Der Westen und die ukrainische Wirtschaft
Die ukrainische Politik
Die öffentliche Meinung in der Ukraine
Russland und die Ukraine
Russland und die Westintegration
Fazit
Quellen- und Literaturverzeichnis
Die Position der Ukraine in der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) Bilanz der Außen- sowie der Innenpolitik unter dem Präsident Janukowitsch in der Ukraine von Nataliya Rybalko (2011)
Einleitung
EU-Ukraine Beziehung vor der ENP
Die neue Europäische Nachbarschaftspolitik (ENP)
Kritikpunkte an der ENP aus der ukrainischer Sicht
Implementierung und Reformprozess in der Ukraine im Rahmen des Aktionsplans
Schlussfassung
Eine Bilanz der Innen- und Außenpolitik der Ukraine im ersten Amtsjahr von Präsident Janukowitsch.
Literaturverzeichnis
Anhang
Einzelbände
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe geostrategische Position der Ukraine zwischen der Europäischen Union und Russland. Im Fokus steht dabei die Frage, wie die Ukraine ihre nationale Identität und außenpolitische Ausrichtung in einem Spannungsfeld aus historischen Prägungen, wirtschaftlicher Abhängigkeit und dem Streben nach demokratischer sowie europäischer Integration gestalten kann.
- Analyse des historischen Erbes und der Identitätsbildung in der Ukraine.
- Untersuchung der geostrategischen Dynamik zwischen EU, Ukraine und Russland.
- Bewertung des Einflusses politischer Krisen und Reformprozesse auf die europäische Integration.
- Diskussion der Auswirkungen von Energiepolitik und wirtschaftlichen Verflechtungen.
- Einfluss der öffentlichen Meinung auf die außenpolitische Entscheidungsfindung.
Auszug aus dem Buch
Der Super-GAU in Cornobyl
Aus heutiger Sicht dürften sowohl Konstruktionsmängel, fehlende Sicherheitsvorrichtungen als auch menschliches Versagen dafür gesorgt haben, dass es in der Nacht vom 25. auf den 26. April im nordukrainischen Cornobyl zu einer Havarie mit katastrophalen Umweltzerstörungen gekommen ist. Bei einem Testversuch stieg die Leistung des Atomreaktors sprunghaft an, was zu einer Überhitzung, dann zu einer chemischen Explosion und weiterführend zur Zerstörung des Reaktors führte.48
Im folgenden Kapitel dieser Arbeit soll nun genauer auf die Ereignisse der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986 eingegangen werden. Das heißt, dass versucht werden soll, den Hergang der Katastrophe überblicksmäßig nachzustellen und sich noch einmal der Frage zu widmen, aus welchen Gründen es zu dieser Katastrophe kam. Darauffolgend wird die Reaktion der ukrainischen sowie der sowjetischen Führung auf die Nachricht dieser Katastrophe untersucht werden. Denn gerade die sowjetische Informationspolitik über das Unglück ist wahrscheinlich bis heute nur schwer nachvollziehbar. Darum soll ein Blick darauf geworfen werden, wann von den sowjetischen Behörden welche Maßnahme durchgeführt wurde. Des Weiteren soll auch hinterfragt werden, ob manche Evakuierungen zu spät stattfanden oder aber auch, ob ein Austeilen von notwendigen Hilfsmitteln ausblieb.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl als Mitauslöser für den Untergang der Sowjetunion. Der ukrainische Weg in die Unabhängigkeit von Josef Schopf (2011): Die Arbeit analysiert die verheerenden Auswirkungen der Tschernobyl-Katastrophe und zeigt auf, wie diese zum Katalysator für eine ukrainische Unabhängigkeitsbewegung wurde, die das Ende der Sowjetunion maßgeblich beeinflusste.
Ethnische Grenzziehung als Absicherung der nationalen Identität der Ukrainer von Elzbieta Szumanska (2008): Dieses Kapitel beleuchtet, wie die Ukraine durch bewusste Abgrenzungsprozesse gegenüber dem russischen Einfluss versucht, ihre junge nationale Identität nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu festigen.
Der Mythos der Brüderlichkeit des russischen und ukrainischen Volkes von Maryna Zühlke (2005): Die Autorin dekonstruiert den sowjetischen Propagandamythos der unzertrennlichen Brüderlichkeit beider Völker und untersucht die Instrumentalisierung dieser Erzählung zur Stärkung der sowjetischen Dominanz.
Der Weg der Ukraine in die EU im Schatten Russlands (bis zum Jahr 2010) von Yevgeniy Voytsitskyy (2010): Hier werden die diplomatischen Bemühungen der Ukraine um eine EU-Integration analysiert, wobei das ständige Spannungsfeld zwischen europäischen Ambitionen und dem strategischen Druck durch Russland im Mittelpunkt steht.
Ever westward? Die Westintegration der Ukraine in der geostrategischen Analyse von Sebastian Baumann (2009): Die Untersuchung widmet sich den militärischen, ökonomischen und innenpolitischen Aspekten der Westbindung und hinterfragt die realistischen Erfolgsaussichten einer Integration unter Berücksichtigung der komplexen geostrategischen Lage.
Die Position der Ukraine in der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) Bilanz der Außen- sowie der Innenpolitik unter dem Präsident Janukowitsch in der Ukraine von Nataliya Rybalko (2011): Das Kapitel zieht eine Bilanz der politischen Entwicklung unter Präsident Janukowitsch und zeigt auf, wie interne autoritäre Tendenzen und das Lavieren zwischen Ost und West die europäische Nachbarschaftspolitik beeinflussen.
Schlüsselwörter
Ukraine, Russland, Europäische Union, Unabhängigkeit, Tschernobyl, Sowjetunion, Geopolitik, Integration, Identität, Nationale Souveränität, Energiepolitik, Reformprozess, Orangene Revolution, Osteuropa, Außenpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikationssammlung?
Die vorliegenden Texte befassen sich mit den vielschichtigen politischen, historischen und gesellschaftlichen Prozessen, die die Ukraine seit der Auflösung der Sowjetunion bis etwa 2011 geprägt haben.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die Beiträge fokussieren sich auf die Unabhängigkeitsbewegung, die Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, die Suche nach nationaler Identität, die Integrationsbemühungen in Richtung EU sowie die volatilen Beziehungen zur Russischen Föderation.
Was ist das primäre Ziel dieser Forschungsarbeiten?
Ziel ist es, das komplexe Spannungsfeld aufzuzeigen, in dem sich die Ukraine bei ihrem Versuch bewegt, eine eigenständige, demokratische und europäisch ausgerichtete Staatlichkeit zu etablieren, während sie gleichzeitig mit internen Instabilitäten und externem Druck konfrontiert ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Autoren nutzen eine Kombination aus historischer Analyse, politikwissenschaftlicher Untersuchung des geostrategischen Status der Ukraine sowie der Auswertung von Umfragedaten und offiziellen Dokumenten der EU und ukrainischer Institutionen.
Was wird im Hauptteil der verschiedenen Bände behandelt?
Behandelt werden unter anderem der Einfluss des sowjetischen Erbes, die Bedeutung ethnischer Abgrenzungsprozesse, die Analyse der EU-Nachbarschaftspolitik und die wechselvolle politische Entwicklung unter verschiedenen Präsidenten wie Juschtschenko und Janukowitsch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die in den Texten diskutierten Inhalte?
Zentrale Begriffe sind nationale Identität, Geopolitik, EU-Integration, Transformation, innenpolitische Instabilität, Energieabhängigkeit und die historische Aufarbeitung von Mythen und Traumata.
Wie hat sich die Wahrnehmung der Tschernobyl-Katastrophe politisch ausgewirkt?
Die Katastrophe von Tschernobyl wird in den Bänden als entscheidendes Ereignis für das nationale Erwachen und die Bildung antisowjetischer Oppositionen hervorgehoben, da sie das Vertrauen in die Moskauer Zentrale nachhaltig erschütterte.
Welche Rolle spielt der Mythos der „Brüderlichkeit“ in den ukrainisch-russischen Beziehungen?
Der Mythos dient laut der Forschung als sowjetisches Konstrukt, das dazu genutzt wurde, die nationale Eigenständigkeit der Ukraine zu unterdrücken und sie als Juniorpartner in einer zentralistischen russisch dominierten Union zu zementieren.
Wie bewerten die Autoren die Rolle der „Orangen Revolution“?
Die Revolution wird als demokratischer Wendepunkt betrachtet, der zwar den europäischen Kurs der Ukraine maßgeblich vorantrieb, aber auch eine Phase massiver politischer Polarisierung und innenpolitischer Blockaden einleitete.
- Arbeit zitieren
- Josef Schopf (Autor:in), Elzbieta Szumanska (Autor:in), Maryna Zühlke (Autor:in), Yevgeniy Voytsitskyy (Autor:in), Sebastian Baumann (Autor:in), Nataliya Rybalko (Autor:in), 2014, Die Ukraine und Russland: Eine Hassliebe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270852