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Körperwelten - endlich unsterblich oder würdelose Leichenshow?

Title: Körperwelten - endlich unsterblich oder würdelose Leichenshow?

Term Paper , 2001 , 33 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jana Werner (Author)

Ethics
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Einleitung

Kaum eine Ausstellung in den letzten Jahrzehnten hat die Öffentlichkeit so polarisiert, wie es den „Körperwelten“ gelungen ist. Das Interesse an der Ausstellung, wobei mehr als 200 echte menschliche Plastinate gezeigt werden, ist nach wie vor ungebrochen. Das durch den Anatomieprofessor von Hagens entdeckte Verfahren der Plastination und die damit verbundene Möglichkeit der dauerhaften Konservierung von Organen, Gewebsresten und Toten, wurde 1994 zum ersten Mal, beim Tag der offenen Tür des anatomischen Instituts in Heidelberg, einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Das positive Echo vieler Besucher fand letztendlich seinen Ausdruck in der populärwissenschaftlichen Ausstellung „Körperwelten“, die nun seit vielen Jahren ununterbrochen in deutschen und internationalen Städten gastiert. Seitdem wird über die Legitimität der Ausstellung vehement diskutiert. Namhafte Theologen, Philosophen, Mediziner und Rechtswissenschaftler sind daran beteiligt, wobei die Meinungen unterschiedlich dimensioniert sind. Kritiker werfen ihm den Verstoß gegen die Menschwürde nach Artikel 1 des Grundgesetzes vor. Von Hagens wird der Leichenfledderei bezichtigt, er degradiere die Menschen zur Biomasse, wobei er mit „Leichen spiele, wie ein Kind mit Puppen“. Er wird als Vertreter der Generation bezeichnet, die für den Verfall von Sitten und Werten einer Spaß- und erlebnisorientierten Konsumgesellschaft verantwortlich zu machen ist. Der Tabubruch der mit der Ausstellung echter Toter vollzogen wurde, ist ein Verstoß gegen das Gebot der Totenruhe, welches nicht nur geltende Gesetze, sondern auch gegen das kirchliche „Memento mori“ verstößt.

Andere wiederum scheuen keinen Vergleich zum Nationalsozialsozialismus und setzen Körperwelten mit den Verbrechen des Naziregimes auf eine Stufe. Andererseits befürworten viele Geistes- und Naturwissenschaftler, abgesehen von der Zustimmung eines überwiegenden Teils der Bevölkerung, die Ausstellung. Sie begrüßen die Demokratisierung der Anatomie und die Möglichkeit der Betrachtung des großartigen Wunderwerkes der Schöpfung. Das didaktische Konzept gebe auch Laien, die Möglichkeit eines Erkenntnisgewinns über die Gestalt, Form und Innerlichkeit ihres eigenen Körpers. Diese Möglichkeit der Selbsterkenntnis könnte darüber hinaus zur Achtung und Ehrfurcht vor dem Leben führen, wie dies auch schon Albert Schweitzer proklamiert hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Körperwelten im Spiegelbild von medizinisch, säkularer-naturalistischer, christlich-religiöser und rechtlicher Betrachtungsweisen

2.1. Die medizinische Sichtweise

2.1.1. Ein Exkurs in die Geschichte der Anatomie

2.1.2. Die moderne Anatomie-tabuisiert für die Allgemeinheit

2.1.3 Die Plastination

2.1.4 Die Bedeutung der Plastination

2.1.5. Das Theater Anatomicum-vom Inhalt der Ausstellung

2.2 Die naturalistisch-säkulare Sichtweise

2.3. Körperwelten aus religiöser Sicht

2.4. Körperwelten aus juristischer Sicht

3. Die Zukunft von Körperwelten-mögliche Handlungsalternativen

3.1. Verbot der Ausstellung „Körperwelten“

3.2. Verbot der Ausstellung von Ganzkörperplastinaten

3.3. Genehmigung der Ausstellung mit der Entfernung einiger Ganzkörperplastinate

3.4. Die tabulose Anerkennung und ständige Präsentation der Ausstellung

4. Das Wertekorsett unserer Gesellschaft-Körperwelten im Blickpunkt gesetzlicher, religiöser und philosophischer Normen

4.1. gesetzliche Bestimmungen

4.1.1. Die Körperspende

4.1.2. Die Bestattungspflicht und Totenfürsorge

4.2. Menschenwürde aus rechtlicher und philosophischer Sicht

4.3. Menschenwürde und Leiblichkeit aus theologischer Sicht

5. Ein persönlicher Rückblick auf Körperwelten

5.1. Aufklärung und Plastinat

5.2. Körperwelten und Tod

5.3. Körperwelten, Körperspender und Gesellschaft

5.3.1. Körperwelten und Gesellschaft

5.4. Körperwelten und Menschenwürde

5.5. Kritik an Körperwelten

6. Ein Ausblick in die Zukunft

Zielsetzung und Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die ethische und rechtliche Untersuchung der Ausstellung "Körperwelten", um die kritische Frage zu beantworten, ob die Präsentation menschlicher Plastinate eine Verletzung der Menschenwürde und Totenruhe darstellt oder einen legitimen Beitrag zur medizinischen Aufklärung leistet.

  • Analyse der medizinischen, säkularen, religiösen und juristischen Perspektiven auf die Plastination.
  • Prüfung der Vereinbarkeit der Ausstellung mit geltenden Normen und Bestattungsbestimmungen.
  • Untersuchung der Motive von Körperspendern und der gesellschaftlichen Wirkung der Schau.
  • Kritische Reflexion des didaktischen Konzepts im Kontext einer modernen Erlebnisgesellschaft.

Auszug aus dem Buch

Die Plastination

Die übliche Methode der Konservierung von Toten oder Teilen des Körpers, um sie vor der Verwesung zu bewahren, wird mittels Formalin herbeigeführt. Von Hagens entdeckte 1977 das Verfahren der Plastination, dabei wird dem Körper im Vakuumverfahren, dass Körperwasser entzogen und durch Spezialkunstoffe (Silikonkautschuk und Expoxidharz) ersetzt. Die Körperzellen und das natürliche Oberflächenrelief bleiben in ihrer ursprünglichen Form, bis in den mikroskopischen Bereich naturgetreu und dauerhaft erhalten. Dies ermöglicht eine Anschaulichkeit von Poren, feinsten Härchen und Gewebestrukturen. Die Präparate sind trocken und geruchsfrei im Unterschied zur Formalinkonservierung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kontroverse öffentliche Debatte um die "Körperwelten"-Ausstellung und formuliert die zentralen ethischen sowie rechtlichen Fragestellungen der Arbeit.

2. Körperwelten im Spiegelbild von medizinisch, säkularer-naturalistischer, christlich-religiöser und rechtlicher Betrachtungsweisen: Dieses Kapitel analysiert die Ausstellung aus verschiedenen wissenschaftlichen und weltanschaulichen Blickwinkeln, von der anatomischen Lehre bis zur juristischen Rechtsnatur der menschlichen Leiche.

3. Die Zukunft von Körperwelten-mögliche Handlungsalternativen: Hier werden verschiedene Szenarien für den Umgang mit der Ausstellung diskutiert, die von einem vollständigen Verbot bis hin zu einer teilweisen Einschränkung der ausgestellten Exponate reichen.

4. Das Wertekorsett unserer Gesellschaft-Körperwelten im Blickpunkt gesetzlicher, religiöser und philosophischer Normen: Die Arbeit untersucht die Vereinbarkeit der Plastination mit gesetzlichen Bestimmungen, der Bestattungspflicht sowie dem philosophischen und theologischen Verständnis der Menschenwürde.

5. Ein persönlicher Rückblick auf Körperwelten: Die Autorin reflektiert ihre eigenen Erfahrungen beim Ausstellungsbesuch, bewertet das didaktische Konzept sowie die Motive der Körperspender und diskutiert die Kritikpunkte am Merchandising.

6. Ein Ausblick in die Zukunft: Das letzte Kapitel schätzt die zukünftige Bedeutung der "Körperwelten" ein und unterstreicht die Notwendigkeit eines fortwährenden ethischen Diskurses.

Schlüsselwörter

Körperwelten, Plastination, Menschenwürde, Anatomie, Leiche, Totenruhe, Ethik, Rechtsnatur, Aufklärung, Körperspende, Bestattungspflicht, Medizin, Transzendenz, Biomasse, Didaktik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kritisch die ethischen und rechtlichen Aspekte der Ausstellung „Körperwelten“ und setzt sich mit der Frage auseinander, ob die Zurschaustellung menschlicher Plastinate vertretbar ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen die Menschenwürde, das Gebot der Totenruhe, die wissenschaftliche Aufklärung durch Plastination sowie die gesellschaftliche Akzeptanz von Grenzerfahrungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, den Vorwurf der Menschenwürdeverletzung zu prüfen und zu klären, warum eine Relativierung des negativen Urteils gegenüber der Ausstellung möglich ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine systematische Positionsanalyse vorgenommen, die rechtliche, theologische und naturalistisch-philosophische Standpunkte vergleicht und mit der persönlichen Reflexion der Autorin verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Anatomie, die technische Methode der Plastination, die rechtliche Bewertung von Körperspenden sowie eine kritische Debatte über das gesellschaftliche Wertekorsett.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Plastination, Menschenwürde, Totenruhe, Anatomie und medizinische Aufklärung charakterisiert.

Wie bewertet die Autorin den Unterschied zwischen Körperwelten und dem kirchlichen Reliquienkult?

Die Autorin sieht in beiden Fällen eine öffentliche Zurschaustellung menschlicher Überreste und stellt die moralische Überlegenheit des religiösen Kults infrage, da beides letztlich eine weltanschauliche Interpretation ist.

Warum hält die Autorin die Plastination für eine Form der postmortalen Würde?

Die Autorin argumentiert, dass der respektvolle Umgang mit dem erklärten Willen des Körperspenders, nach dem Tod als Plastinat weiterzubestehen, ein Akt der Selbstbestimmung und somit Ausdruck postmortaler Würde ist.

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Details

Title
Körperwelten - endlich unsterblich oder würdelose Leichenshow?
College
University of Applied Sciences Berlin  (Pflegemanagement)
Grade
1,0
Author
Jana Werner (Author)
Publication Year
2001
Pages
33
Catalog Number
V27087
ISBN (eBook)
9783638292214
ISBN (Book)
9783638649339
Language
German
Tags
Körperwelten Leichenshow
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jana Werner (Author), 2001, Körperwelten - endlich unsterblich oder würdelose Leichenshow?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27087
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