Die Bilder der Macht und die Ohnmacht der Bilder


Seminararbeit, 2004

9 Seiten, Note: keine Benotung


Leseprobe

Einleitung

In dem Text „Die Bilder der Macht und die Ohnmacht der Bilder“ schreibt Welzer (Welzer 1995, 165ff.) über den Einsatz medialer Instrumente durch das NS-Regime zur Geschichtsgestaltung und deren Interpretation. Dazu führt er aus, daß Geschichte aus Bildern bestünde, die medial konserviert, eine Überzeitlichkeit annähmen, obgleich sie lediglich mikroskopisch kleine Geschehens- oder Lebensausschnitte seien. Weiterhin beschreibt Welzer, daß diese Art der Inszenierung einen zentralen Stellenwert in der Herrschaftsstrategie der Nazis gehabt habe.

Nach allgemeineren Ausführungen über die Macht der Bilder fokussiert der Autor weiter auf die Zeit des Dritten Reiches. Welzer nimmt sodann eine Dreiteilung des Textes in „Bilder der Macht - Macht der Bilder“ und „Bilder der Ohnmacht - Ohnmacht der Bilder“, sowie „Strategien der Destrukturierung“ vor.

Im ersten Teil beschreibt er, wie das Nazi-Regime durch den Einsatz verschiedenster Medien das Volk propagandistisch zu beeinflussen suchte, um sowohl die vergangene als auch die neu zu schreibende Geschichte nach ihren Maßstäben neu zu definieren.

Im zweiten Teil stellt Welzer heraus, wie der Holocaust, also die Vernichtung der Juden im Dritten Reich, durch kontrollierte Nichtkommunikation und Nichtdokumentation quasi nebenbei geschehen sollte.

Abschließend gibt der Autor in „Strategien der Destrukturierung“ Denkanstöße, wie das vorhandene Muster der Interpretation des Gesehenen neu zu ordnen und dadurch besser zu verstehen sei. Um sich schließlich selbst zu wiedersprechen, indem er die „Verstehensgrenze“ (Welzer 1995, 189) erwähnt. Demnach könne der Holocaust nicht begriffen werden und dies sei das einzige, was noch Hoffnung aufscheinen ließe.

Ziel des nachfolgenden Textes ist es, eine Zusammenfassung der Argumentationen und Ausführungen Welzers zu geben und diese zu interpretieren.

Zudem wird die Hauptthese Welzers, daß das „Hineinreichen der Vergangenheit in die Gegenwart auf der Ebene der Bilder“ Faktum sei, auf heutige Geschehnisse übertragen. Dabei wird deutlich, wie auch in der jüngeren Vergangenheit die genannten Methoden zu Tage treten und sich die Geschichte, zumindest methodisch ähnlich, wiederholt. Auch dadurch ist ein Argument dafür gefunden, daß die NS-Zeit eben nicht als absoluter „Zivilisationsbruch“ (Welzer 1995, 166) zu sehen ist.

Bearbeitung der Fragestellung

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen zitiert Welzer Beschreibungen Klees, über die pompöse Inszenierung des Reichsparteitages 1936. Er greift sich das Phänomen des „Lichtdoms“ (Welzer 1995, 167) heraus, um zu beschreiben, wie die Wirkung auf die Massen sich entfaltet. So habe der Lichtdom nicht die Zeiten überdauert, weil er zigtausende von Augenzeugen beeindruck hat, sondern weil er vielfältig abgebildet und medial weitertransportiert worden sei.

Der schon in der Überschrift des Teilabschnittes verwandte Begriff „Macht der Bilder - Bilder der Macht“ reflektiert auf das handelnde Subjekt, hier die Nazis, die Macht ausüben und diese dokumentieren. Röhrich faßt unter dem Begriff „Macht“ aktives Beeinflussen, oder auch unterdrücken, zusammen (Röhrich 1991, 986)

Weiter unten beschreibt Welzer, daß diese besondere Art der Darstellung und besonders die „unablässige Wiederholung“ [gemeint ist wiederholende Darstellung in den Medien] (Welzer 1995, 168) dieser und anderer Ereignisse die Masse und deren Denken beeinflußt hat. So seien diese Bilder präzise komponiert und von den Nazis selbst inszeniert worden. Dadurch glichen die Reichsparteitage gigantischen Aufführungen, in der Statist Darsteller und Publikum zugleich gewesen sei. Dies hat insbesondere eine positive Wirkung auf die Massen gehabt, da sich die Nazis der Präferenz der Kultur bewußt waren, die das Visuelle außerordentlich bevorzugt habe. Die Inszenierung der formierten Massen sei im Grunde gar nicht mehr notwendig gewesen, da sie real existiert hatten. Jedoch sei die Präsentation der vollständigen Formierung ein zentraler Zweck der Reichsparteitags-Inszenierungen gewesen, der sich so erfolgreich realisierte, daß die Suggestion noch bis heute wirke.

Die Protagonisten waren sich des artifiziellen Charakters der Massenereignisse durchaus bewußt. Wobei erst die mediale Verbreitung des ästhetischen Erlebens über Volksempfänger zur kollektiven Identifizierung und Erinnerung werden ließe. Hermanni schreibt dazu, daß die „Politik (...) Entscheidungsträger der Macht“ sei. Und weiter, daß der Meinungsbildungsprozeß durch die Medien „am Laufen“ gehalten werde (Hermanni 1988, 15).

Direkt im Anschluß daran zeigt Welzer auf, was de facto heute Bestand hat. Demnach ginge das Bild, was wir heute von den Nazis haben auf Skizzen zurück, die sie selbst entworfen hätten. Durch diese Aussage wird deutlich, wie weit die Manipulation der öffentlichen Meinung in die, aus damaliger Sicht, Zukunft hereinragt. Alles, was die Nazis getan und im wörtlichen Sinne propagiert haben, wird heute noch so wahrgenommen, wie es deren Absicht war. Welzer formuliert dies wie folgt: „Sie haben das Interpretament für die Deutung der Zeit ihrer Herrschaft schon mitgeliefert“ (Welzer 1995, 169).

Weiterhin wird deutlich, wie das zentralistisch organisierte, ästethische „Gesamtkonzept“ (Welzer 1995, 170) funktionierte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Bilder der Macht und die Ohnmacht der Bilder
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Einführung in die Kulturwissenschaften
Note
keine Benotung
Autor
Jahr
2004
Seiten
9
Katalognummer
V27096
ISBN (eBook)
9783638292283
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit behandelt einen Essay aus dem Werk Macht und Ohnmacht der Bilder von Harald Welzer.
Schlagworte
Bilder, Macht, Ohnmacht, Einführung, Kulturwissenschaften
Arbeit zitieren
Jessica Scheffold (Autor), 2004, Die Bilder der Macht und die Ohnmacht der Bilder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27096

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