Sigmund Freud. Das Unbehagen in der Kultur

Eine Auseinandersetzung mit dem freudschen Kulturpessimismus unter philosophischer Perspektive


Hausarbeit, 2012
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Hauptteil
2.1) Von dem Ozeanischen Gefühl
2.2) Von der Kritik an der Religion
2.3) Von dem Streben nach dem Glück
2.4) Von dem Unbehagen in der Kultur
2.5) Von dem Kulturbegriff
2.6) Von den Anfängen der Kultur
2.7) Von der genitalen und der zielgehemmten Liebe
2.8) Von der Nächstenliebe
2.9) Von der Feindesliebe
2.10) Von den Treiben Eros und Thanatos
2.11) Von dem psychischen Apparat, Ich, Über-Ich und Es
2.12) Von der Entstehung des Schuldgefühls
2.13) Von dem freudschen Kulturpessimismus

3) Schlussteil

1) Einleitung

Sigmund Freud (1856-1939), österreichischer Arzt und Begründer der Psychoanalyse publizierte 1930 sein Spätwerk „Das Unbehagen der Kultur“, welches Grundlage dieser Hausarbeit ist. Wie bereits der Titel verrät, geht es in seinem Werk vorrangig um ein Gefühl des Unbehagens, das der Mensch in Zuge der Kulturentwicklung verspürt. Freund geht davon aus, dass Menschen zur Triebversagung bzw. zu einem Bedürfnisaufschub fähig sein müssen um kulturelle Leistungen überhaupt erst erbringen zu können. Zu kulturellen Leistungen zählt Freud unter anderem Zusammenschlüsse der Menschen zu Familie und Gemeinschaft, Bau von Wohnstätten sowie technische und medizinische Errungenschaften. Freud geht in seiner Argumentation sogar auf die Anfänge der Menschheitsgeschichte zurück und rekonstruiert die Kulturentwicklung des Menschen aus seiner Sichtweise heraus. Eros, der Liebes- oder Sexualtrieb und Tanatos, der Aggressionstrieb werden als zentrale menschliche Triebe dargestellt und genauer beleuchtet, da gerade diese nach Freuds Meinung durch kulturelle Prozesse in ihrem natürlichen Ausprägungsgrad beschnitten werden. Einmal mehr möchte Freud damit zeigen, dass die vorrangig triebgeleitete menschliche Natur der Kultur, welche auf Sozialisationsprozesse angewiesen ist, entgegensteht. Falsch wäre es jedoch anzunehmen, Freud würde der Kultur jegliche Sinnhaftigkeit absprechen. Er betont sogar, dass kulturelle Prozesse wichtig sind, jedoch nicht wesentlich zu einem gesteigerten Glücksempfinden der Menschheit beitragen oder diesem teilweise sogar im Wege stehen würden, woran unter anderem auch Freuds skeptisches und pessimistisches Menschenbild abzulesen ist.

Auch in seiner Schrift zum Unbehagen in der Kultur geht Freud ebenfalls auf seine Theorie zum Triebtrias Ich, Über-Ich und Es ein, und beschreibt deren Auswirkungen auf den Kulturprozess genauer. Erkennbar ist auch, dass der jüdische Autor an verschiedenen Stellen des Textes eher atheistische Einstellungen durchblicken lässt. Freud übt Kritik an der Religion als Teil der Kulturleistung, da auch sie vom Menschen scheinbar Unmögliches verlange. Beispielsweise hält er das Gebot der Feindesliebe für nicht umsetzbar und die Religion verlange von den Menschen schmerzliche Verzichtleistungen.

Auf der Grundlage dieser Annahmen, wendet sich Freud den Fragen zu:

- Was ist Kultur?
- Wozu braucht der Mensch Kultur?
- Warum entsteht beim Menschen ein Unbehagen durch Kultur?
- Wo sind Grenzen der Kultur erkennbar?

2) Hauptteil

2.1) Von dem Ozeanischen Gefühl

Bevor Freud tiefer in seine Überlegungen zum Kulturbegriff einsteigt, berichtet er dem Leser von einem seiner Freunde. Besagter Mann beschrieb in einem Brief an Freud die Quelle religiösen Ursprunges als: „Ein Gefühl, das er die Empfindung der Ewigkeit nennen möchte, ein Gefühl von etwas Unbegrenztem, Schrankenlosen, gleichsam Ozeanischem.“[1]

Dieses Gefühl, als eine subjektive Tatsache im Menschen ist nach besagtem Herr auch Legitimationsgrundlage für religiöse Empfindungen. Freud steht dieser Ansicht kritisch gegenüber, da er in sich selbst dieses Gefühl nicht festzustellen vermag, bestreitet er jedoch nicht dessen Existenz bei andern Menschen. Im weiteren Verlauf stellt Freud dar, dass uns Menschen nichts gesicherter erscheint, als das Gefühl unseres Selbst, welches wir bis auf einige Ausnahmen stets klar von der Außenwelt abgrenzen können. Bei starker Verliebtheit oder auch bei Erkrankungen der Psyche des Menschen kann die Abgrenzung nach außen für das Individuum unsicher werden. Nun weist der Autor des Textes darauf hin, dass besagtes Ichgefühl eines Erwachsenen keinesfalls schon im Kindes- oder gar Säuglingsalter von der Umwelt derart abgegrenzt ist. Beim Kleinkind lasse sich demnach zunächst ein allumfassendes Ich feststellen, von dem das Kind später die Umwelt aufgrund von drohenden Unlusterfahrungen absondert. Die Aussage: „Ursprünglich enthält das Ich alles, später scheidet es eine Außenwelt von sich ab. Unser heutiges Ichgefühl ist also nur ein eingeschrumpfter Rest eines weit umfassenderen[2] stellt hier die freudsche Kernthese dar.

Für Freund stellt sich jetzt nun die Frage, ob dieses ursprüngliche, allumfassende Ich vollständig durch ein gewachsenes neues Ichgefühl abgelöst wird, oder ob dieses primäre Gefühl zumindest in Teilen in uns fortbesteht. Hierzu zieht Freud den Vergleich der seelischen Vergangenheit eines Menschen mit der Vergangenheit der Stadt Rom, muss jedoch im weiteren Verlauf des Textes einräumen, dass dieses Beispiel eher ungeeignet ist, den beschriebenen Sachverhalt in analoger Weise darzustellen. Für Freud bleibt es dennoch Faktum, dass nur auf seelischer, nicht auf körperlicher Ebene des Menschen alle Vorstufen neben dem Endzustand erhalten bleiben können. Dass also Vergangenes im Seelenleben nicht zwingend einer Zerstörung oder Überschreibung unterliegt. Auf dieser Annahme, dass die Erhaltung vergangener Ereignisse im Seelenleben mehr Regel als Ausnahme ist, stützt sich auch Freunds Konzept der Psychoanalyse. Diese versucht die prägenden Ereignisse im Leben eines Menschen aufzudecken um so zur besseren Bewältigung der Gegenwart beizutragen. So führt Freund auch abschließend zum ersten Kapitel das zuvor beschriebene Ozeanische Gefühl auf frühere Phasen des Ichgefühls zurück und Freud vermutet an dieser Stelle, dass es erst nachträglich in Beziehung zur Religion gesetzt wurde.

2.2) Von der Kritik an die Religion

Im folgenden Kapitel geht Freud nun genauer auf den Religionsbegriff ein und lässt nun explizit erkennen, was er vorher nur andeutete – Kritik an den Religionen des Menschen.

Religion ist nach Freud für den Menschen etwas Wirklichkeitsfremdes, ein sogenanntes „System von Lehren und Verheißungen das ihm einerseits die Rätsel der Welt mit beneidenswerter Vollständigkeit aufklärt, andererseits ihm zusichert, daß eine sorgsame Vorsehung [..] etwaige Versagungen in einer jenseitigen Existenz gutmachen wird.“¹ Der allgemeine Mensch beruft sich hierbei auf die Vorstellung eines großartig erhöhten Vaters, was Freud für offensichtlich infantil hält. In einem weiteren Schritt versucht der Autor zu erklären, warum unter den Menschen Religionen entstehen, obwohl sie so offenkundig wirklichkeitsfremd sind. Freuds Antwort besteht darin, dass das Leben oft schwer zu ertragen ist; mit Leid, Schmerz und Entbehrungen verbunden sei. Der Mensch schafft sich deshalb Linderungsmittel, die ihm das Leben auf unterschiedliche Weise erleichtern sollen. Hierzu zählen nach Freund Ablenkungen und Ersatzbefriedigungen, welche im ersten Fall das Elend geringer erscheinen lassen, oder im zweiten Fall es verringern sollen. Zu diesen Hilfsmitteln zur Leidensverringerung zählt Freud auch die Religion, welche den Zweck des menschlichen Lebens zu erklären versucht. Die Beantwortung der Frage nach dem Lebenszweck stößt jedoch an die Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit und kann deshalb nicht beantwortet werden, weshalb sich der Mensch hierbei der Religion behilft. Unbestreitbar ist für Freud darüber hinaus, dass Religionen auch eine Quelle menschlichen Leidens darstellen können, indem sie beispielsweise vom Menschen Triebversagungen abverlangen und ihn so in seiner Freiheit zu beschneiden suchen.

2.3) Von dem Streben nach dem Glück

Ziel und Zweck des menschlichen Lebens ist nach Freund das Streben des Menschen nach dem Glück, welches zwei verschiedene Methoden kennt. Einerseits strebt der Mensch danach starke Lustgefühle zu empfinden und zu vermehren, andererseits versucht er Schmerz- und Unlustempfindungen abzuwenden. So sei nach Freud das Lustprinzip dafür verantwortlich, dem Menschen seine Lebensziele zu setzen und beherrsche auch den seelischen Apparat des Menschen. Der Autor führt weiter aus, dass durch unsere Konstitution auch unsere Glücksmöglichkeiten sehr beschnitten werden. So sei der Mensch nicht zu einem dauerhaften Glücksempfinden fähig, sondern nur in der Lage stärkere Kontraste intensiv zu genießen. Glück sei deshalb vielmehr eine augenblickliche Erscheinung als ein Dauerzustand. Hinzu kommt, dass drei verschiedene Leidensquellen den Menschen auf seinem Lebensweg begleiten, welche Freud im weiteren Verlauf des Textes genauer darstellt.

[...]


[1] Freud, Sigmund 1974, S. 197

[2] Freud, Sigmund 1974, S. 200

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sigmund Freud. Das Unbehagen in der Kultur
Untertitel
Eine Auseinandersetzung mit dem freudschen Kulturpessimismus unter philosophischer Perspektive
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (FB 5: Institut für Erziehungswissenschaften / Philosophie)
Veranstaltung
Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur und andere kulturtheoretische Schriften
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V271006
ISBN (eBook)
9783656628231
ISBN (Buch)
9783656628217
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sigmund Freud, Kulturpessimismus, Kulturtheorie, Unbehagen in der Kultur
Arbeit zitieren
Eric Engel (Autor), 2012, Sigmund Freud. Das Unbehagen in der Kultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271006

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