Anfangs erfolgt eine kurze Zusammenfassung des Dramas und Untersuchungen zur formalen Gestaltung, um dem Rezipienten den Einstieg in die weiterführende literarische Analyse zu erleichtern.
Es folgen soziologische und historische Hintergründe des Dramas, die in den Kontext des Werkes eingeordnet werden. Im Speziellen wird sich mit der Diktatur in Chile, sowie anderen Möglichkeiten zur Interpretation beschäftigt, da der Handlungsort von Ariel Dorfmann nicht explizit genannt wird und es so möglich ist den Inhalt des Dramas auf viele weitere Staaten zu übertragen, die eine Diktatur in ihrer Geschichte zu verzeichnen haben.
Des weiteren wird eine psychologische Analyse der Protagonistin vorgenommen, um die Auswirkungen von Folter und sexueller Gewalt auf das Individuum zu erklären und für den Leser mögliche Schlussfolgerungen abzuleiten, um diese auf das eigene Leben übertragen zu können und ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie belastende Lebenssituationen – nicht nur zur Zeit einer Diktatur – die psychische Konstitution eines Menschen negativ verändern können. So steht es dem Rezipienten frei, mit folgenden Ausführungen zu wachsen diese positiv auf sich selbst anzuwenden.
Zum Schluss erfolgt eine Reflexion der vorhergegangenen Untersuchungen in Form einer Schlussbemerkung, um abschließend die Frage zu klären, wie sich die Vergangenheitsbewältigung der Protagonistin im sozio-psychologischen Kontext des Dramas auswirkt und welchen Schluss der aufmerksame Rezipient aus den Untersuchungen ziehen kann – für sich, die Familie, die Gesellschaft und alle Menschen, die ihm wichtig sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhaltliche Zusammenfassung und formale Gestaltung
3. Soziologischer und historischer Kontext
3.1 Die Diktatur in Chile
3.2 Andere Möglichkeiten zur Interpretation im Rahmen einer Diktatur
4. Psychologische Analyse der Protagonistin
4.1 Opferrolle
4.1.1 Ängstlichkeit und Misstrauen als Triebmotive der Opferrolle
4.1.2 Unterwürfigkeit als Triebmotiv für die Opferrolle
4.1.3 Psychopathologie des Vergessens als Auslöser und Indikator der Opferrolle
4.2 Täterrolle
4.2.1 Wandel vom Opfer zum Täter
4.2.2 Psychopathologie als Folge der Belastungen als Opfer und Täter
4.2.3 Manifestation der psychopathologischen Ausdrucksformen Macht und Dominaz
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die psychologischen und soziologischen Auswirkungen der Diktaturerfahrung auf die Protagonistin Paulina Salas im Drama „La muerte y la doncella“ von Ariel Dorfman, um unter der zentralen Forschungsfrage zu klären, wie sich ihre Vergangenheitsbewältigung im sozio-psychologischen Kontext des Werkes auswirkt.
- Psychologische Analyse der Opfer- und Täterrolle der Protagonistin
- Einfluss posttraumatischer Belastungsstörungen auf das Handeln
- Soziopolitischer Kontext der chilenischen Diktatur und deren Übertragbarkeit
- Familiendynamiken als Spiegel innerpsychischer Zustände
- Forensisch-psychologische Aspekte der Traumatisierung
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Ängstlichkeit und Misstrauen als Triebmotive der Opferrolle
Schon der Schauplatz des Geschehens, der sich am Anfang des Stückes dem Rezipienten darstellt, kann als raumpsychologisches Mittel, sowie als Reflektion der psychischen Konstitution Paulina Salas interpretiert werden. So lebt die Protagonistin abseits der Zivilisation an einem unbekannten Ort der Küste Chiles, „a esta punta no llega ni Cristo“ (vgl. 1. Akt, 2. Szene, S. 11, Z. 8). Der Handlungsort kann folglich als Spiegel des Bewusstseinszustands Paulinas verstanden und infolgedessen als bewusst verwendetes Stilmittel interpretiert werden, das die temporären Persönlichkeitsmerkmale der Protagonistin so in der Umgebung widerspiegelt. Abseits der Öffentlichkeit wird das Haus, in dem Paulina lebt, somit symbolisch für die aufgrund der psychischen Belastungen entstandene Angststörung, sowie die bereits als stabiles Persönlichkeitsmerkmal konstituierte Introversion verwendet, die ebenfalls eine Folge der posttraumatischen Belastungsstörung darstellt.
In diesem Kontext kann auch die mit der Angststörung einhergehende Furcht vor Übergriffen verstanden werden, die am Anfang des Stückes durch das Geräusch eines herannahenden Automobiles an-getriggert wird und in einem Selbstschutzmechanismus mündet, im Zuge dessen sich die Protagonistin mit einer Pistole bewaffnet, um die scheinbare Gefahr eines erneuten Übergriffes auf ihre eigene Person zu verhindern: „se levanta, va hasta el living, mira por la ventana, retrocede, busca algo, y […] tiene en sus manos un revólver“ (vgl. 1. Akt, 1. Szene, S. 3, Z. 8-11). Durch diese Handlungsweise wird deutlich, wie sich Paulina Salas Verhalten in ihren Handlungen spiegelt, die zu diesem Zeitpunkt bereits keinen Bestandteil ihrer autonomen Willensbildung mehr darstellen und somit bei fehlender therapeutischer Intervention eine Gefahr für sich und andere darstellt, was im späteren Verlauf des Dramas deutlich wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Seminararbeit führt in die psychologische und soziologische Analyse des Dramas ein und definiert die zentrale Forschungsfrage zur Vergangenheitsbewältigung der Protagonistin.
2. Inhaltliche Zusammenfassung und formale Gestaltung: Es erfolgt ein Überblick über das Drama, die Einführung der Protagonistin Paulina Salas sowie die formale Struktur des Theaterstücks.
3. Soziologischer und historischer Kontext: Dieses Kapitel verortet das Drama in der chilenischen Militärdiktatur und diskutiert die Übertragbarkeit auf andere historische Diktaturregime.
4. Psychologische Analyse der Protagonistin: Eine detaillierte forensisch-psychologische Untersuchung der Opferrolle sowie des Rollenwandels zur Täterin im Verlauf des Dramas.
5. Schlussbemerkungen: Die Ergebnisse werden reflektiert und die Wichtigkeit einer Aufarbeitung von Traumata sowie mögliche Ansätze für zukünftige Forschung aufgezeigt.
Schlüsselwörter
La muerte y la doncella, Ariel Dorfman, chilenische Diktatur, Vergangenheitsbewältigung, Paulina Salas, Opferrolle, Täterrolle, Psychotraumatologie, Angststörung, posttraumatische Belastungsstörung, Psychose, Familiendynamik, forensische Psychologie, Macht, Dominanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die psychischen Auswirkungen einer erlittenen Diktatur auf die Hauptfigur Paulina Salas im Drama „La muerte y la doncella“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören Traumafolgestörungen, der Wandel von der Opfer- zur Täterrolle und die systemische Analyse familiärer Machtstrukturen unter dem Einfluss psychischer Disharmonie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu ergründen, wie die Vergangenheitsbewältigung der Protagonistin in ihrem sozio-psychologischen Umfeld wirkt und welche psychologischen Mechanismen ihr Verhalten steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine forensisch-psychologische Analyse, wobei wissenschaftliche Erkenntnisse und eine individualpsychologische Betrachtung des Charakters kombiniert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des soziopolitischen Kontexts sowie eine tiefgehende Analyse der Opferrolle und der anschließenden Transformation der Protagonistin zur Täterin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind PTBS, Psychose, Diktaturerfahrung, Machtdynamik und die forensische Psychologie der Protagonistin.
Wie wirkt sich die Angststörung auf die Handlungen von Paulina Salas aus?
Die Angststörung führt bei der Protagonistin zu einem permanenten Misstrauen und Selbstschutzmechanismen, die im Verlauf des Dramas in aggressive, dominante Verhaltensweisen umschlagen.
Warum wird die Rolle des Ehemannes in die Analyse einbezogen?
Die Kommunikation zwischen Paulina und ihrem Mann Gerado verdeutlicht die gestörte Familiendynamik, welche die psychische Belastung von Paulina durch eine patriarchale Hierarchie zusätzlich verstärkt.
- Quote paper
- Tobias Tuk (Author), 2014, Die chilenische Diktatur: Vergangenheitsbewältigung im Drama "La muerte y la doncella" von Ariel Dorfman, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271011