„Wie ungerecht, daß man Tausende von Krankheiten haben kann, aber nicht einmal zwei Gesundheiten.“ (Peter Hohl 2001: 56)
Gesundheit und Krankheit, zwei Worte welche die Menschen aller Schichten und in allen Zeiten beschäftigen. Ein unersättliches Thema, zu welchem es tausende Meinungen gab, gibt und geben wird. Jeder Mensch ist sein eigener Experte und eine ultima ratio wird es wahrscheinlich nie geben.
Lange Zeit ist dies das Thema der Medizin, welche im wesentlichen als Krankheitswissenschaft fungiert und ihren Fokus auf das Vermeiden von Krankheit und auf die Kuration dieser legt. Gesundheitsversorgung stellt unter pathogenetischer Betrachtungsweise Beschwerden und Symptome des Patienten (nicht des Menschen), sowie deren Behandlung in den Mittelpunkt ihres Handelns. In den letzten drei Jahrzehnten werden jedoch die Grenzen der kurativen Medizin erkennbar, die Vernachlässigung der Individualität des Menschen beklagt und es kommt zu einer gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Neuorientierung.
Die bisherige pathogen orientierte Frage nach den Ursachen einer Krankheit, wird vom Soziologen Aaron Antonovsky umgekehrt und er fragt nach der Entstehung von Gesundheit. Anhand dieser Fragestellung entwickelt Antonovsky das Konzept der Salutogenese, welches er in seinen beiden Hauptwerken von 1979 und 1987 vorstellt.
Das deutsche Gesundheitssystem, setzt sich aus drei aufeinander aufbauenden Elementen zusammen, der Prävention, der Kuration und der Rehabilitation. Diese bauen aufeinander auf und bedingen sich gegenseitig. Gerade in den Bereichen Prävention und Rehabilitation, scheinen die Möglichkeiten eines Einflusses durch das salutogenetische Modell am größten.
Diese Hausarbeit wird im Rahmen des Diplomstudiums „Pflegemanagement“ im Fach Gesundheitswissenschaften erarbeitet. Sie dient der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Salutogenetischen Konzeptes und seinen möglichen Stellenwert für die Prävention und Rehabilitation.
Hierzu wird im ersten Teil eine kurzer Überblick über das System der Gesundheitsversorgung, der Frage, was ist Gesundheit und dem Entstehungs-hintergrund des salutogenetischen Modells gegeben. Im zweiten Teil wird das Konzept der Salutogenese von Antonovsky anhand seiner Hauptkomponenten zusammenfassend dargestellt. Anschließend erfolgt die Darlegung der Stärken und Schwächen des Modells. Im Fokus der Betrachtung steht im dritten Teil die Prävention und Rehabilitation.(...)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entstehungshintergrund
2.1 Grundlegendes zum System der Gesundheitsversorgung
2.2 Was ist Gesundheit ?
2.3 Der Vater der Salutogenese
3 Grundlagen und Hauptkomponenten des Konzeptes der Salutogenese
3.1 Salutogenetische Fragestellung
3.2 Das salutogenetische Modell
3.3 Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
3.3.1 Stressoren und Spannungszustand
3.3.2 Widerstandsressourcen
3.4 Kohärenzgefühl
3.4.1 Verstehbarkeit
3.4.2 Handhabbarkeit
3.4.3 Bedeutsamkeit/Sinnhaftigkeit
3.5 Überblick über das salutogenetische Gesamtmodell
4 Bewertung des salutogenetischen Modells
4.1 Stärken des Modells
4.2 Schwächen des Modells
5 Prävention und Rehabilitation
5.1 Definition Prävention
5.2 Definition Rehabilitation
5.3 Stellenwert des salutogenetischen Modells für die Prävention und Rehabilitation
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich wissenschaftlich mit dem Konzept der Salutogenese nach Aaron Antonovsky auseinander. Ziel ist es, das Modell in seinen Grundzügen zu erläutern, kritisch zu bewerten und den spezifischen Stellenwert sowie die Anwendungsmöglichkeiten für die Bereiche Prävention und Rehabilitation im deutschen Gesundheitssystem zu untersuchen.
- Grundlagen und Entstehungshintergrund des salutogenetischen Modells
- Analyse der Hauptkomponenten: Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, Stressoren und Kohärenzgefühl
- Kritische Bewertung der Stärken und Schwächen des Modells
- Bedeutung der Salutogenese für Präventions- und Rehabilitationsstrategien
- Diskussion über die Integration ressourcenorientierter Ansätze in die medizinische Praxis
Auszug aus dem Buch
3.3 Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
Aus den bisherigen Ausführungen, wird deutlich, dass das von Antonovsky entwickelte salutogenetische Konzept auf der Annahme basiert, dass es keinen absoluten Zustand von gesund oder krank gibt. Dieser Dichotomie entgegen, setzt Antonovsky, seine Vorstellungen von einem Kontinuum mit zwei Polen.
Zur Erklärung befindet sich auf dem einen Pol Gesundheit – health ease und auf dem anderen Krankheit – health dis-ease. In diesem Kontinuum von health ease / health dis-ease bewegt sich der Mensch ohne jedoch absolut einen Pol zu erreichen. Die Beschreibung des durch Antonovsky beschriebenen Kontinuums findet sich umgangssprachlich in Formulierungen wieder, wie „es geht mir heute recht gut“, „ich fühle mich besser“ oder „mir ist heute ein wenig unwohl“. Die Betreffenden bewegen sich also im Kontinuum auf den einen oder anderen Pol zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema Gesundheit und Krankheit sowie Vorstellung der Zielsetzung der Hausarbeit unter dem Aspekt des salutogenetischen Konzepts.
2 Entstehungshintergrund: Beleuchtung der aktuellen gesundheitspolitischen Lage sowie biographische Informationen zu Aaron Antonovsky und dem Ursprung seiner Forschungsarbeit.
3 Grundlagen und Hauptkomponenten des Konzeptes der Salutogenese: Detaillierte Darstellung der Kernbegriffe wie Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, Stressoren, Widerstandsressourcen und das zentrale Kohärenzgefühl.
4 Bewertung des salutogenetischen Modells: Kritische Auseinandersetzung mit den Stärken, wie der hohen Integrationskraft, und den Schwächen, wie der schwierigen empirischen Überprüfbarkeit des Modells.
5 Prävention und Rehabilitation: Untersuchung des Nutzens und des Stellenwerts des salutogenetischen Modells für präventive und rehabilitative Maßnahmen im Gesundheitssystem.
6 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung des Modells sowie ein Ausblick auf die zukünftige Bedeutung salutogenetischer Ansätze in einer sich wandelnden Gesundheitslandschaft.
Schlüsselwörter
Salutogenese, Aaron Antonovsky, Kohärenzgefühl, Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, Prävention, Rehabilitation, Widerstandsressourcen, Stressoren, Gesundheitsförderung, Psychosomatik, Ressourcenorientierung, Gesundheitswesen, Entropie, Medizinsoziologie, Patientenaktivierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und der praktischen Bedeutung des salutogenetischen Konzepts nach Aaron Antonovsky innerhalb der Prävention und Rehabilitation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Dynamik von Gesundheit, die Rolle von Widerstandsressourcen und das Verständnis des Kohärenzgefühls als gesundheitsrelevante Grundhaltung des Individuums.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den potenziellen Stellenwert der Salutogenese für die moderne Gesundheitsversorgung zu evaluieren und zu hinterfragen, inwieweit das Modell als handlungsleitende Theorie fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die existierende Forschungsergebnisse, Fachliteratur und das Originalmodell von Antonovsky zusammenführt und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen (Modell, Kohärenzgefühl, Stressoren), die Bewertung des Modells durch Fachliteratur sowie die explizite Anwendung auf die Bereiche Prävention und Rehabilitation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Salutogenese, Kohärenzgefühl, Ressourcenorientierung, Prävention und das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum.
Warum spielt das „Kohärenzgefühl“ eine so zentrale Rolle im Modell?
Das Kohärenzgefühl entscheidet laut Antonovsky darüber, wie ein Mensch mit Belastungen umgeht und ob er die notwendigen Ressourcen zur Spannungsbewältigung aktivieren kann.
Was kritisiert der Autor an der aktuellen medizinischen Praxis?
Der Autor kritisiert die rein pathogenetische Orientierung am Symptom und an der Krankheit sowie die mangelnde Berücksichtigung ganzheitlicher, ressourcenorientierter Ansätze in der heutigen Regelversorgung.
- Arbeit zitieren
- Andreas Cott (Autor:in), 2014, Das Modell der Salutogenese von Aaron Antonovsky. Stellenwert und Nutzung für die Prävention und Rehabilitation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271040