Das Thema Professionalität ist von anhaltender Relevanz für die Diskussion im Bereich
der Theorie der sozialen Arbeit, wie auch das Curriculum der vergangenen Veranstaltung
zeigen konnte. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwieweit
Selbstreflexion und Biografiearbeit zu Professionalität in der sozialen Arbeit beitragen
können. Ebenfalls soll der Zusammenhang zwischen Professionalität der Sozialarbeiterin
und ihrem Wohlbefinden untersucht werden. Hierbei soll sich im Wesentlichen auf die
Theorie der Salutogenese von Antonovsky gestützt werden (vgl. Benge et al., 2001).
Da die These verfolgt wird, dass Biografiearbeit auf bestimmte Weise erfolgen soll, um
sinnvoll zu sein, wird anschließend der Begriff der Achtsamkeit definiert und definiert, was
unter achtsamer Biografiearbeit verstanden werden kann. Gestützt auf empirische
Forschungsergebnisse wird der konkrete Nutzen der Achtsamkeitspraxis erörtert.
Abschließend werden Formen dieser Praxis in einem Überblick dargestellt.
Als Abschluss der Arbeit wird aufgeführt, welche Konsequenzen für die Ausbildung und
Praxis der sozialen Arbeit aus den gewonnen Erkenntnissen resultieren. Die Arbeit wird
durch ein Resümee abgerundet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Professionalität und Wohlbefinden
2.1 Der Begriff der Professionalität
2.2 Der Zusammenhang von Professionalität und Wohlbefinden
3 Biografiearbeit
3.1 Definition von Biografiearbeit
3.2 Biografiearbeit und Professionalität
3.3 Herausforderungen im Rahmen der Biografiearbeit
4 Achtsamkeit
4.1 Der Begriff der Achtsamkeit
4.2 Empirische Forschungsergebnisse zur Achtsamkeitspraxis
4.3 Praxis der Achtsamkeit
5 Konsequenzen für das Studium der sozialen Arbeit
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Achtsamkeit im Rahmen der Biografiearbeit, um Studierende der Sozialen Arbeit bei der Entwicklung ihrer professionellen Identität zu unterstützen und krisenhafte Aneignungsprozesse zu minimieren.
- Zusammenhang zwischen Professionalität und persönlichem Wohlbefinden
- Bedeutung der Selbstreflexion und Biografiearbeit in der Ausbildung
- Herausforderungen in der biografischen Selbstreflexion
- Wirksamkeit von Achtsamkeitspraxis (MBSR) in der Sozialen Arbeit
- Prävention von Burnout und Helfer-Syndrom
Auszug aus dem Buch
Reflexion individueller Berufswahlmotive
Auch wenn man sich für die Soziale Arbeit nicht „berufen" fühlen muss, ist die Berufswahl doch individuell motiviert, gelegentlich bis hin zur Wahl des Arbeitsfeldes und der Zielgruppe. Die Studienmotive beziehen sich auf das Helfenwollen aus eigener Bedürftigkeit, auf das Bedürfnis nach Selbsterkundung oder Selbstverwirklichung (Ackermann / Seeck 1999; Heinemeier 1994; Daigler 2008). Weitere Motive sind die Orientierung an einem bewunderten Vorbild (z. B. der Jugendgruppenleiterin), die Bearbeitung eigenen Erleidens (z. B. durch den alkohol- oder drogenabhängigen Vater), der Wunsch, ein besserer Erzieher zu sein als die eigene Mutter bzw. der Vater. Es gibt aber auch die Berufswahl aus "Verlegenheit" (z. B. wenn der Notendurchschnitt nicht für das Medizinstudium reicht) oder in Unkenntnis des Berufsbildes und der Perspektiven. Fachkräfte sollten sich die Entwicklungsgeschichte ihrer Berufswahl vergegenwärtigen, um zu entscheiden, welche eigenen Anteile sie reflektieren und teilweise auch neutralisieren müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Themenfelder Professionalität, Biografiearbeit und Achtsamkeit ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach deren Zusammenhang und Nutzen für die Soziale Arbeit.
2 Professionalität und Wohlbefinden: Dieses Kapitel definiert Professionalität über handlungs- und wirkungsorientierte Kompetenzen und verknüpft diese mittels Antonovskys Modell der Salutogenese mit dem individuellen Wohlbefinden.
3 Biografiearbeit: Es werden Kernmerkmale von Biografien beleuchtet und die Bedeutung der Biografiearbeit für die reflexive Kompetenz im beruflichen Handeln erarbeitet.
4 Achtsamkeit: Das Kapitel erläutert den Begriff der Achtsamkeit, führt in das MBSR-Programm ein und untermauert dessen Wirksamkeit durch empirische Forschungsergebnisse.
5 Konsequenzen für das Studium der sozialen Arbeit: Hier werden konkrete Vorschläge zur Integration von Selbstreflexion und Achtsamkeitspraxis in die Ausbildung angeführt, um Studierende besser auf die Praxis vorzubereiten.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, das „Werkzeug Persönlichkeit“ durch achtsame Biografiearbeit professionell zu begleiten.
Schlüsselwörter
Achtsamkeit, Biografiearbeit, Professionalität, Soziale Arbeit, Selbstreflexion, Salutogenese, MBSR, Wohlbefinden, Kompetenzentwicklung, Burnout-Prävention, Helfer-Syndrom, Studierendenkrisen, Persönlichkeitsentwicklung, Transformationsprozesse, Stressbewältigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Achtsamkeit als Methode in der Biografiearbeit dazu beitragen kann, die professionelle Identität von Sozialarbeitenden zu stärken und das eigene Wohlbefinden zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Professionalität im Kontext der Sozialen Arbeit, die Bedeutung der Biografiearbeit, das Konzept der Achtsamkeit (MBSR) und die Anwendung dieser Methoden während des Studiums.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Studierende der Sozialen Arbeit durch achtsame Biografiearbeit krisenhafte Lernprozesse bewältigen und ihr „Werkzeug Persönlichkeit“ reflektierter einsetzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie auf die Analyse empirischer Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit von Achtsamkeitspraxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Professionalität und Biografiearbeit, die detaillierte Vorstellung des Achtsamkeitskonzepts sowie die Ableitung von Konsequenzen für die hochschulische Ausbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Achtsamkeit, Biografiearbeit, Professionalität, Salutogenese, reflexive Kompetenz und Stressbewältigung.
Wie korrespondieren Professionalität und Wohlbefinden?
Über das Modell der Salutogenese von Antonovsky wird aufgezeigt, dass Professionalität eine signifikante Schnittmenge mit dem Kohärenzgefühl aufweist, welches wiederum die Basis für psychische Gesundheit und Wohlbefinden bildet.
Welche Rolle spielen „Krisen“ im Studium der Sozialen Arbeit?
Krisen entstehen oft durch die Konfrontation mit neuen, biografisch irritierenden Inhalten; die Arbeit plädiert dafür, dieses Krisenpotenzial durch Achtsamkeit zu minimieren, statt es als „notwendiges Übel“ hinzunehmen.
Wie unterscheidet sich achtsame Biografiearbeit von herkömmlicher Reflexion?
Der entscheidende Unterschied liegt im „Wohlwollen“ und der „Nicht-Beurteilung“: Die achtsame Haltung verhindert, dass Erkenntnisse über die eigene Biografie zu destruktiver Selbstkritik führen.
- Quote paper
- Stephan Müller (Author), 2014, Achtsame Biografiearbeit als Weg für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter zu Professionalität und Wohlbefinden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271062