Analyse und Interpretation des Kinderbuchs "Das Dschungelbuch" von Rudyard Kipling und seinen Verfilmungen. Möglichkeiten der Anwendung im Grundschulunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge

3. Einordnung des Buches in seine Entstehungszeit

4. Sachanalytischer Vergleich von Buch und Film

5. Möglichkeiten des Einsatzes im Unterricht

6. Zusammenfassung

7. Literatur

1. Einleitung

Rudyard Kipling[1] war ein englischer Autor, der vor allem durch „Das Dschungelbuch“, welches 1894 erschien, bekannt wurde. Besonders beliebt waren die Geschichten des Menschenjungen Mowgli.[2] Bei dem „Dschungelbuch“ handelt es sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten, wobei lediglich die ersten drei der insgesamt sieben Erzählungen von Mowgli und seinen Abenteuern erzählen. Kipling schildert zunächst in Mowglis Brüder, wie es zu Mowglis Aufnahme in das Wolfsrudel kam. Ein kleiner Junge wird bei der Flucht vor dem Tiger Shir Khaan von seinen Eltern getrennt und lebt fortan bei den Wölfen des Dschungels. Die Fehde zwischen Shir Khaan und Mowgli spitzt sich im Laufe der Jahre zu, bis der Knabe letztendlich zu den Menschen zurückkehrt.

Kaas Jagdtanz erzählt eine Geschichte, die sich im Verlauf der ersten abspielt. Baloo lehrt Mowgli das Gesetz des Dschungels und lässt ihn die Meisterworte aller Völker auswendig aufsagen. Dieser Unterricht macht sich bezahlt, als Mowgli von den Bandar-log, dem gesetzlosen Affenvolk, entführt wird. Mithilfe seines Wissens und seinen Freunden gelingt Mowgli die Flucht.

Als Fortsetzung der ersten Erzählung dient Tiger! Tiger!. Mowgli lebt nun als Büffeltreiber bei den Menschen. Shir Khaan hat ihn nicht vergessen und ist wieder auf seiner Spur. Doch dem Jungen gelingt durch eine List der Sieg über den Tiger, aufgrund dessen er von den Bewohnern des Dorfes verstoßen wird. Mowgli verlässt die Menschen und lebt fortan wieder im Dschungel.

Die Weiß e Robbe handelt von Kotick, der als erste und einzige weiße Robbe geboren wird. Als er eine Robbenschlachtung beobachtet, begibt er sich auf eine lange Reise, um einen sicheren Ort für alle Robben zu finden. Er schwimmt durch die Meere der Welt, doch erst nach Jahren findet er die Seekühe, denen er bis zu einer einsamen Bucht folgt. Fortan leben die Robben dort friedlich.

Die nächste Geschichte versetzt den Leser zurück nach Indien. Rikki-Tikki-Tavi erzählt von dem Mungo Rikki-Tikki, der von einer indischen Familie aufgenommen wird. Rikki-Tikki dankt, indem er der Familie mehrere Male das Leben rettet und schlussendlich derenGarten von den gefährlichen Schlangen Nag und Nagaina befreit.

Toomai, der Liebling der Elefanten handelt von Toomai, einem kleinen Jungen, der davon träumt, Elefantenjäger zu werden. Petersen Sahib bietet ihm eine solche Karriere an, sollte der Junge den Tanz der Elefanten beobachten können, was dem Kind schlussendlich gelingt.

Die letzte Erzählung trägt den Titel Ihrer Majestät Diener und beschreibt einen Menschen, der die Tiere einer Militärparade eines Nachts im Lager belauscht. Maultiere, Ochsen, Kamel und Schwadronspferd unterhalten sich über die Dinge, vor denen sie sich fürchten.[3]

Es existieren zahlreiche Verfilmungen des „Dschungelbuchs“. Schauspielerisch dargestellt wurden Mowglis Geschichten das erste Mal im Jahr 1942 unter der Regie von Zoltan Korda. Die Realverfilmung basiert auf Rudyard Kiplings Erzählungen.[4] Roman Dawydow verfilmte „Das Dschungelbuch“ 1970 hingegen nach den genauen Vorgaben des Originaltextes. 1967 nimmt sich Walt Disney Mowglis Geschichten an und lässt sich dabei von Rudyard Kiplings Schilderungen inspirieren. Mit der ursprünglichen Erzählung hat der Film jedoch nur noch wenig gemein. Zudem erschienen vor allem durch den Walt Disney Konzern zahlreiche Ableger der Geschichte, die teilweise sogar ohne die Hauptfigur Mowgli auskommen. Hier sind als Beispiel Serien wie „Käpt‘n Baloo und seine tollkühne Crew“ oder „Dschungelbuch-Kids“ zu nennen. Diese Aufzählung beinhaltet jedoch bei weitem nicht alle tatsächlichen Verfilmungen des Buchklassikers.[5] Die Kurzgeschichten Toomai, der Liebling der Elefanten und Rikki-Tikki-Tavi wurden in dem gleichnamigen Zeichentrickfilm[6] beziehungsweise der Zeichentrickserie Elefantenjunge aufgegriffen.[7]

Diese Arbeit befasst sich mit der Analyse des Buches, sowie der Verfilmung durch Walt Disney unter Berücksichtigung der Entstehungszeit. Im Anschluss daran soll aufgrund der Erkenntnisse festgestellt werden, inwieweit „Das Dschungelbuch“ für den Einsatz in Grundschulen zu verwenden ist.

2. Entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge

Die im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eingeführte Schulpflicht ermöglichte allen Kindern das Lesen und Schreiben zu erlernen. Kinder und Jugendliche rücken in den Fokus und bedingten einen quantitativen Zuwachs an Lesematerial für ihre Altersklasse. Kinder- und Jugendliteratur unterzieht sich einer Trennung in zwei eigenständige Gattungen. Märchen, Tiergeschichten und realistische Erzählungen bilden sich, ebenso wie die Phantastik, heraus.

Die Zeit der Jahrhundertwende gilt als Beginn der reformpädagogischen Bewegung, deren Leitbegriff die Erziehung „vom Kinde aus“ wurde.[8] Realistische Kinderbücher, die eine kindliche Lebensumwelt aufzeigten, entstanden und lösten Werke mit idealisierter kindlicher Realität ab.[9] Tierdichtungen, die teilweise idyllisch gehalten waren, wurden durch Elemente der natürlichen Auslese und des Überlebenskampfes bereichert. Diese Entwicklung basierte unter anderem auf Charles Darwins Evolutionstheorie, die er Mitte des 19. Jahrhunderts veröffentlichte.

Das Interesse für fremde Kulturen und Länder steigerte sich möglicherweise durch die Völkerschauen im 19. Jahrhundert. Dieser Trend wurde durch das Genre der Abenteuerliteratur und Kolonialromane von Autoren aufgegriffen. DieWerke zielten vor allem auf männliche Leser ab, während die geschlechtergetrennte Literatur für die Mädchen Backfisch- und Kränzchenliteratur vorsah. Grundlegende inhaltliche Kongruenz prägt die Mädchenliteratur. Thematisiert wird die Entwicklung eines damenhaftem Mädchens mit tadellosem Verhalten zu einer angesehen Ehefrau im traditionellen Familienmodell. Verschont wurden die Jungen von Adoleszenzliteratur, der Augenmerk lag unter anderem auf einer Erziehung zu naturwissenschaftlicher und technischer Kompetenz und der Prägung durch die bereits angesprochene Abenteuerliteratur.

Die wenigen vorhandenen Entwicklungsgeschichten männlicher Jugendlicher führten, von den tagtraumartigen Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Stories einmal abgesehen, eine vergleichsweise verzagte, angepasste bzw. „eingefrorene“ Adoleszenz vor.

Im Hintergrund der Geschichten floss stets die Vermittlung von Moralvorstellungen ein. Ebenso befanden sich naturalistische Elemente in vielen Werken, die dazu dienten, dem Leser die Welt der Geschichte zu veranschaulichen.[10]

3. Einordnung des Buches in seine Entstehungszeit

„Das Dschungelbuch“ entstand und spielt zu einer Zeit, in der Indien unter britischer Kolonialherrschaft stand. Dies wird im Buch mehrere Male angedeutet. Die Weiß e Robbe bedient das Fernweh und das Exotische des Handlungsortes als einzige Geschichte auch außerhalb Indiens.

Moralische Wertvorstellungen vermittelt Rudyard Kipling in jeder seiner Geschichten. Die Wertevermittlung zieht sich durch das gesamte Buch als ein Gesetz, das niemals in Frage gestellt wird. Beschrieben werden allerdings auch Verhaltensweisen und Ansichten wie Hass oder Rache, Bereitschaft zu Kampf und Gewalt und Machtposition des Menschen.

„Das Dschungelbuch“ beinhaltet in seinen Erzählungen neben menschlichen Protagonisten hauptsächlich Tiere. Diese sprechen zwar nicht die Menschensprache, dennoch wird Kommunikation durch die Tatsache, dass die Menschen die tierische Sprache verstehen, möglich. Die natürliche Selektion kommt durch die Feinde der einzelnen Hauptfiguren deutlich zur Geltung.

Jeder Protagonist im „Dschungelbuch“ vollzieht während seiner Geschichte eine Weiterentwicklung, die jedoch zeitgemäß nichts mit dem Erwachsenwerden zu tun hat. Vielmehr zeigt sich hier die „Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Story“[11].

Naturalistisch betrachtet, bietet „Das Dschungelbuch“ einige Textstellen, in denen die Natur detailgetreu beschrieben wird. Als Beispiele ist hier das Aussehen Shir Khaans oder die Heimat Koticks zu nennen. Allerdings schien Rudyard Kipling von einem „viktorianischen Zivilisationsbewusstsein“ geprägt, das einer „vorurteilsfreien Naturschilderung“ entgegen stand.[12]

[...]


[1] Rudyard Kipling wurde 1865 in Bombay, Indien, geboren, verbrachte seine Kindheit jedoch in Großbritannien. (Vgl. The Nobel Foundation: The Nobel Prize in Literature 1907 - Rudyard Kipling. URL: http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/1907/kipling-bio.html (Stand: 04.09.2012)).

[2] Vgl.: Küper, Stefanie: Rudyard Kipling: Das Dschungelbuch. In: Kretschmer, Christine (Hg.): Grundschule Lebendiges Lernen - Kinderliteratur im Klassenzimmer, 1. Auflage, Berlin 2004, Cornelsen Verlag, S. 28.

[3] Vgl.: Kipling, Rudyard: Das Dschungelbuch. Mit Bildern von Adolf Born, übersetzt von Dagobert von Mikusch, 1. Auflage, München 2007, cbj Verlag, S. 9-259.

[4] Vgl.: Filmredaktion: Das Dschungelbuch (1942). URL: http://www.film.at/das_dschungelbuch_1942/ (Stand: 29.08.2012).

[5] Vgl.: Groschwitz, Helmut: „Das Dschungelbuch“ - Vom Stoff zur Marke. In: Schmitt, Christoph (Hg.): Erzählkulturen im Medienwandel, Münster 2008, Waxmann Verlag, S.181-185.

[6] Vgl.: Progress-Filmredaktion: Rikki-Tikki-Tawi. URL: http://www.progress-film.de/de/filmarchiv/film.php?id=1473&back=true (Stand 01.09.2012).

[7] Vgl.: IMDb-Redaktion: Elephant Boy. URL: http://www.imdb.de/title/tt0163443/ (Stand: 01.09.2012).

[8] Vgl.: Schikorsky, Isa: Schnellkurs - Kinder- und Jugendliteratur. Originalausgabe, Köln 2003, DuMont Literatur und Kunst Verlag, S. 84-87.

[9] Vgl.: Kargl, Tanja: Studienarbeit - Realistische Kinder- und Jugendliteratur. 1. Auflage, Norderstedt 2001, Grin Verlag, S. 2.

[10] Vgl.: Ewers, Hans-Heino: Erfahrung schrieb's und reicht's der Jugend. Geschichte der deutschen Kinder- und Jugendliteratur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Gesammelte Beiträge aus drei Jahrzehnten. Kinder- und Jugendkultur, -literatur und -medien. Theorie – Geschichte – Didaktik Bd. 68. Frankfurt/Main 2010, Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaft, S. 167 ff.

[11] Vgl.: Ewers, Hans-Heino: Erfahrung schrieb's und reicht's der Jugend. Geschichte der deutschen Kinder- und Jugendliteratur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Gesammelte Beiträge aus drei Jahrzehnten. Kinder- und Jugendkultur, -literatur und -medien. Theorie – Geschichte – Didaktik Bd. 68. Frankfurt/Main 2010, Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaft, S. 168.

[12] Vgl.: Kretschmer, Anja: Mediale Verwandlung - Das Dschungelbuch als Zeichentrickfilm. In: Kretschmer, Christine (Hg.): Grundschule Lebendiges Lernen - Kinderliteratur im Klassenzimmer, 1. Auflage, Berlin 2004, Cornelsen Verlag, S. 32.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Analyse und Interpretation des Kinderbuchs "Das Dschungelbuch" von Rudyard Kipling und seinen Verfilmungen. Möglichkeiten der Anwendung im Grundschulunterricht
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V271080
ISBN (eBook)
9783668096202
ISBN (Buch)
9783668096219
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, interpretation, kinderbuchs, dschungelbuch, rudyard, kipling, verfilmungen, möglichkeiten, anwendung, grundschulunterricht
Arbeit zitieren
Rebecca Kania (Autor), 2013, Analyse und Interpretation des Kinderbuchs "Das Dschungelbuch" von Rudyard Kipling und seinen Verfilmungen. Möglichkeiten der Anwendung im Grundschulunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271080

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