Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Linguistik

Fiktionalität und Sprechakt

Titel: Fiktionalität und Sprechakt

Hausarbeit , 2013 , 17 Seiten

Autor:in: Lisa Atzler (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, ob und wenn ja inwieweit die Sprechakttheorie auf fiktionale Texte anwendbar ist.

In diesem Zusammenhang muss geklärt werden, was einen fiktionalen von einem faktualen Text unterscheidet und welche Autorintentionen jeweils anzunehmen sind. Aufgrund dieser kann die besondere Produktions- und Rezeptionshaltung gegenüber fiktionalen Texten genauer bestimmt werden.

Zudem muss generell überprüft werden, ob ein Text die Kriterien einer Sprechakttheorie erfüllt. Zum einen also, ob der Aufforderungscharakter einzelner Äußerungen auf komplexe Äußerungen übertragen werden kann und wie der Zusammenhang von einzelnen zu komplexen Aussagen ist. Zum anderen, ob schriftliche Sprache den Eigenschaften von gesprochener Sprache insofern ähnelt, als dass man von einer Sprachakttheorie mit den gleichen kommunikationstheoretischen Begrifflichkeiten ausgehen kann.

Ich werde im Laufe der Arbeit zu dem Schluss kommen, dass fiktionale Texte als Sprachakt zu deuten sind, die – wenn sie gelingen – den Produzenten und den Rezipienten in ein Rollenspiel fallen lassen, das als besondere Kommunikationssituation zu deuten ist.

Beginnen möchte ich hierfür mit einer kurzen Darstellung der Sprechakttheorie und ihrer Erweiterung auf mehrere bzw. komplexe Äußerungen, um im Anschluss abzuwägen, welches Textverständnis zugrunde liegen muss, um neben einer Sprech- auch von einer Sprachakttheorie auszugehen. Ist dies geklärt, widme ich mich den fiktionalen Texten und untersuche die besondere Kommunikationssituation zwischen Autor, Text und Leser bzw. zwischen Erzähler, Erzählung und Rezipient, um mit dem Rollenspiel-Vergleich die These zu schließen, dass ein fiktionaler Text als Sprachakt zu deuten ist.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Sprechakttheorie

1.1 Ein-Satz-Ebene (John Searle)

1.2 Mehrere-Sätze-Ebene

2. Sprache und Sprechen

3. Fiktionaler Text als Sprachakt?

3.1 ,Fiktionalitätʻ

3.2 Gemeinsam Handeln: Autor und Leser

3.3 Erzähler und Rezipient

4. Fiktionalität erkennen

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der klassischen Sprechakttheorie auf fiktionale Texte. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Kommunikation zwischen Autor, Text und Leser bzw. Erzähler und Rezipient unter Berücksichtigung der Fiktionalität als komplexer Sprachakt zu verstehen ist.

  • Grundlagen der Sprechakttheorie nach John Searle und John Austin
  • Übertragung der Sprechaktanalyse auf komplexe Textstrukturen
  • Differenzierung zwischen faktualer Kommunikation und fiktionalem Erzählen
  • Die Rolle des Rollenspiels (Make-believe) in der literarischen Rezeption
  • Bestimmung von Fiktionalität als Merkmal der Kommunikationssituation

Auszug aus dem Buch

3.2 Gemeinsam Handeln: Autor und Leser

Wie unter Punkt 2 erläutert wurde, kann auch ein Text als Sprachhandlung verstanden werden, die ein besonderes Ziel verfolgt. Diese Ziele können sehr vielfältig und weitreichend formuliert werden – als „[…] bestimmte Verhaltensreaktionen beim Adressaten […] “23 beschrieben werden. Man kann jedoch auch zusammenfassend zwei Ziele unterscheiden. Zum einen, den Leser über bestimmte Sachverhalte zu informieren wie es in Sachtexten der Fall ist, und zum anderen, den Leser von etwas zu überzeugen. Motsch unterscheidet daher zwischen einer Feststellung und einer Behauptung, wobei letztere im Gegensatz zur ersten voraussetzt, dass die Aussage des Textes „nach Auffassung des Sprechers nicht ohne weiteres vom Hörer einsehbar ist.“24 Dieser muss also überzeugt werden, dem Text zu glauben.

Ob es sich allerdings eher um eine Feststellung oder eine Behauptung handelt, kann rein auf der Textebene nicht erschöpfend entschieden werden, „denn ob eine Sachverhaltsbeschreibung als wahr anerkannt wird oder nicht, hängt vom gemeinsamen Wissen der Kommunikationspartner“25 ab.

Aber dieses gemeinsame Wissen scheint zudem die grundlegende Voraussetzung zu sein, textuell zu kommunizieren und Wirkung beim Rezipienten zu haben: „Wenngleich das Verstandenwerden nicht das alleinige Ziel sprachlichen Handelns sein kann, so ist es doch eine der grundlegenden Voraussetzungen dafür […]“26

Zusammenfassung der Kapitel

1. Sprechakttheorie: Dieses Kapitel führt in die Grundlagen der Sprechakttheorie ein, erläutert die Bedeutung des Handelns durch Sprache und differenziert zwischen Lokution, Illokution und Perlokution.

1.1 Ein-Satz-Ebene (John Searle): Fokus auf die Analyse einzelner Satzäußerungen und deren Funktionen bei John Searle sowie die Beschreibung von Gelingensbedingungen anhand des Sich-Bedankens.

1.2 Mehrere-Sätze-Ebene: Untersuchung der Übertragbarkeit von Sprechakten auf komplexe Äußerungen und Einordnung der Illokutionshierarchie.

2. Sprache und Sprechen: Diskussion über die Anwendung der Sprechakttheorie auf schriftliche Texte unter Einbeziehung kommunikationstheoretischer Modelle.

3. Fiktionaler Text als Sprachakt?: Herleitung der Fragestellung nach der Funktion fiktionaler Texte und der Rolle des Autors im Kommunikationsakt.

3.1 ,Fiktionalitätʻ: Gegenüberstellung von linguistischen und texttheoretischen Ansätzen zur Bestimmung von Fiktionalität.

3.2 Gemeinsam Handeln: Autor und Leser: Analyse der Interaktion zwischen Autor und Leser, insbesondere im Kontext von Behauptungen und Informationsvermittlung innerhalb fiktionaler Rahmen.

3.3 Erzähler und Rezipient: Erläuterung des Modells vom fiktionalen Rollenspiel, bei dem Autor und Leser spezifische fiktionale Rollen einnehmen.

4. Fiktionalität erkennen: Untersuchung der Frage, wie Fiktionalität jenseits textinterner Marker durch Einbeziehung textexterner Gegebenheiten erkannt und verhandelt wird.

5. Fazit: Zusammenfassende Darstellung, dass fiktionales Schreiben als übergeordneter Sprachakt verstanden werden kann, der ein Rollenspiel zwischen den Kommunikationspartnern etabliert.

Schlüsselwörter

Sprechakttheorie, Fiktionalität, Sprachakt, Kommunikation, Rollenspiel, John Searle, Literaturwissenschaft, Autor, Rezipient, Pragmatik, illokutionärer Akt, Erzählsituation, Textualität, Kommunikationstheorie, Make-believe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, inwieweit die Konzepte der Sprechakttheorie, die ursprünglich für einzelne Aussagen entwickelt wurden, auf fiktionale Texte übertragen werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Analyse bewegt sich an der Schnittstelle zwischen pragmatischer Linguistik und Literaturwissenschaft, wobei vor allem die Kommunikationsbedingungen bei fiktionalen Werken im Zentrum stehen.

Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu belegen, dass ein fiktionaler Text als ein komplexer Sprachakt zu deuten ist, der durch ein gemeinsames "Rollenspiel" zwischen Autor und Leser funktioniert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin bzw. der Autor stützt sich auf theoretische Ansätze der Sprachphilosophie und Textlinguistik, insbesondere auf John Searle, Kendall Walton und Gregory Currie, um fiktionale Kommunikation zu systematisieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Sprechakttheorie, deren Erweiterung auf komplexe Textstrukturen und die detaillierte Analyse der Interaktionsbeziehungen zwischen Autor, Erzähler, Text, Leser und Rezipient.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sprechakttheorie, Fiktionalität, Rollenspiel, Kommunikationsakt und die Unterscheidung zwischen lokutionären, illokutionären und perlokutionären Akten.

Inwiefern unterscheidet sich die Kommunikation im fiktionalen Text von einer realen Sprechsituation?

Im fiktionalen Text gibt es laut Arbeit eine "Kluft" zwischen realer und fiktiver Illokutionskraft, da der Autor lediglich vorgibt, Sprechakte zu vollziehen, um den Leser in ein fiktives Szenario einzubinden.

Was besagt die "Make-believe"-Theorie in Bezug auf literarische Texte?

Sie besagt, dass Autor und Leser während des Leseprozesses eine Art Rollenspiel eingehen, bei dem der Leser bewusst die Rolle eines fiktionalen Rezipienten annimmt, anstatt den Text als faktuale Information zu begreifen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Fiktionalität und Sprechakt
Hochschule
Universität Stuttgart
Autor
Lisa Atzler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V271106
ISBN (eBook)
9783656631071
ISBN (Buch)
9783656631040
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fiktionalität sprechakt
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lisa Atzler (Autor:in), 2013, Fiktionalität und Sprechakt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271106
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  17  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum