Die Arbeit behandelt die Problematik der Schichtvererbung. Dafür werden zum einen die Theorien von Piere Bourdieu, Klaus Hurrelmann und Basil Bernstein aufgegriffen, die Wirkung der Niveaugruppen-Unterteilung ab Sekundarstufe 1 analysiert und mögliche Folgen von bildungspolitischen Programmen wie dem Betreuungsgeld und der Gesamtschule aufgeführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ungleichheit im Bildungssystem durch Sozialisation und Habitus
3. Prägung des Kindes durch Beruf und Lebenslage der Eltern
4. Strukturreproduktion im Bildungssystem
5. Auswirkungen bildungspolitischer Programme
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen sozialer Ungleichheit im Bildungssystem sowie die Mechanismen der Reproduktion dieser Ungleichheiten durch familiäre Sozialisationsprozesse und schulische Strukturen.
- Die Rolle der Familie als primäre Sozialisationsinstanz für Bildungschancen.
- Die Bedeutung von Habitus und Kapitalressourcen nach Pierre Bourdieu.
- Einfluss der elterlichen Lebenslage und Berufstätigkeit auf die kindliche Entwicklung.
- Mechanismen der Strukturreproduktion im gegliederten Schulsystem.
- Wirkung bildungspolitischer Maßnahmen wie Betreuungsgeld und Gesamtschulen.
Auszug aus dem Buch
2. Ungleichheit im Bildungssystem durch Sozialisation und Habitus
Die These, dass Sozialisation zumindest zum Teil für soziale Ungleichheit verantwortlich sein muss, setzte bereits in den 1960er Jahren ein.
Nach Hurrelmann bezeichnet Sozialisation einen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung in Auseinandersetzung mit der inneren Realität (körperliche und psychische Faktoren, wie die Genetik, Intelligenz oder grundlegende Persönlichkeitsstrukturen) und der äußeren Realität (soziale und physikalische Umwelt, wie Familie, soziale Organisationen oder Medien), der ein Leben lang dauert. Dabei kann man die Bildung, die Erziehung und die Enkulturation als Unterbegriffe der Sozialisation bezeichnen und die Reifung als das Ergebnis eines gelungenen Sozialisationsprozesses. Unter Bildung, in einem moderneren Sinne, versteht man „die Förderung der Eigenständigkeit und Selbstbestimmung eines Menschen […], die durch die intensive sinnliche Aneignung und gedankliche Auseinandersetzung mit der ökonomischen, kulturellen und sozialen Lebenswelt entsteht“. Die Erziehung bildet „alle gezielten und bewussten Einflüsse auf den Bildungsprozess“ und damit auch auf den Prozess der Persönlichkeitsbildung. Enkulturation bezeichnet das Erlernen kultureller Besonderheiten und Merkmale, besonders der Sprache. Die Reifung steht für einen „Entwicklungsstand der Persönlichkeit […], bei dem ein optimales Maß von Verhaltenssicherheit und sozialer Orientierung erreicht ist, sodass ein Mensch in bestmöglichem Einklang mit seinen persönlichen Ressourcen den Anforderungen der Umwelt gerecht werden kann und zu einer vollen Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben in der Lage ist“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die bildungssoziologische Fragestellung ein und erläutert, wie soziale Herkunft und familiäre Sozialisation den Bildungserfolg prägen.
2. Ungleichheit im Bildungssystem durch Sozialisation und Habitus: Dieses Kapitel erläutert den Sozialisationsbegriff und analysiert mit Pierre Bourdieus Habitus-Konzept, wie klassenspezifische Bedingungen Bildungschancen beeinflussen.
3. Prägung des Kindes durch Beruf und Lebenslage der Eltern: Hier wird dargelegt, wie die berufliche Tätigkeit und der Bildungsgrad der Eltern über Erziehungsstile und sprachliche Kompetenzentwicklung die Bildungsbiografie ihrer Kinder maßgeblich mitbestimmen.
4. Strukturreproduktion im Bildungssystem: Das Kapitel befasst sich mit der Rolle der Schule bei der Aufrechterhaltung sozialer Hierarchien durch Selektionsmechanismen und die Einordnung in verschiedene Schulzweige.
5. Auswirkungen bildungspolitischer Programme: Es wird die Debatte um bildungspolitische Instrumente wie das Betreuungsgeld und die Gesamtschule hinsichtlich ihrer Eignung zur Förderung der Chancengleichheit kritisch reflektiert.
6. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Problematik der Bildungskompensation und kommt zu dem Ergebnis, dass eine vollständige Chancengleichheit bei fortbestehenden außerschulischen Einflüssen schwer zu erreichen ist.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Bildungssystem, Sozialisation, Habitus, Pierre Bourdieu, Hurrelmann, Bildungschancen, Schichtvererbung, Familiensozialisation, Strukturreproduktion, Gesamtschule, Betreuungsgeld, Leistungsselektion, Bildungsinflation, Sprachdefizite.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen sozialer Herkunft, familiärer Sozialisation und den daraus resultierenden ungleichen Bildungschancen im deutschen Schulsystem.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen Sozialisationstheorien, den Habitus-Begriff, die Bedeutung der ökonomischen und kulturellen Ressourcen des Elternhauses sowie die Funktion der Schule bei der Reproduktion sozialer Schichten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es darzulegen, wie soziale Ungleichheit in Familien entsteht und inwiefern das derzeitige Bildungssystem durch seine Strukturen eine Schichtvererbung fördert oder behindert.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden genutzt?
Die Autorin stützt sich primär auf die Sozialisationstheorien von Klaus Hurrelmann sowie auf die gesellschaftstheoretischen Ansätze von Pierre Bourdieu zur Analyse von Kapitalformen und Habitus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Sozialisation, der Einfluss der elterlichen Lebenslage, die Mechanismen der schulischen Strukturreproduktion und die Effekte spezifischer bildungspolitischer Programme diskutiert.
Was zeichnet die Arbeit aus?
Die Arbeit ist durch eine interdisziplinäre Verbindung von Bildungssoziologie und bildungspolitischer Debatte gekennzeichnet, die aktuelle gesellschaftliche Probleme mit klassischen theoretischen Modellen verknüpft.
Wie bewertet die Arbeit die Einführung des Betreuungsgeldes?
Die Arbeit thematisiert die politische Kontroverse, in der das Betreuungsgeld einerseits als Instrument der elterlichen Wahlfreiheit, andererseits als "Kita-Fernhalte-Prämie" kritisiert wird, die bildungsferne Schichten von frühkindlicher Förderung abhalten könnte.
Welche Rolle spielt die Gesamtschule in der Analyse?
Die Gesamtschule wird als ein Versuch diskutiert, durch längeres gemeinsames Lernen eine stärkere Heterogenisierung zu erreichen und damit die frühe Selektion und die damit verbundenen sozialen Benachteiligungen abzumildern.
- Arbeit zitieren
- Marika Bierau (Autor:in), 2013, Schichtvererbung durch Schichtsozialisation und ungleiche Bildungschancen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271146