Es ist eine Beobachtung unserer Zeit, die für viele Pädagogen im Laufe ihrer schulischen Tätigkeit zu einer Gewissheit reift: viele Kinder haben größte Schwierigkeiten bei der fehlerfreien Anwendung der deutschen Sprache. Es spielt dabei eine erhebliche, aber nicht ausschließliche Rolle, ob die Kinder in ihrer Familie auf einen Migrationshintergrund blicken. Relevanter für die Entstehung und Verfestigung von Mängeln im bildungssprachlichen Bereich scheint die soziale Herkunft zu sein, mit den entscheidenden Fragen: inwieweit ist Bildungssprache zuhause die natürliche Umgangssprache? Gibt es sprachliche Vorbilder, die regelgerechtes Deutsch sprechen? Gibt es Ressourcen, die den Kindern aus schulfachlicher Sicht bei Rückfragen oder bei der Bewältigung von Hausaufgaben zur Verfügung stehen?
Und so weiter.
Je größer der Anteil an Fragen ist, die negativ beantwortet werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für die Notwendigkeit sprachfördernder Maßnahmen in einem schulischen Rahmen, der die Kinder ganztägig betreut.
Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen betrifft die Schülerinnen und Schüler des Hermann-Hesse-Gymnasiums in Berlin-Kreuzberg in besonderem Maße. Ein Anteil an Berlin-Pass-Inhabern von bis zu 75 Prozent pro Klasse sowie ein Migrationsanteil von bis zu 100 Prozent pro Klasse verdeutlichen rein statistisch diesen besonderen Förderbedarf - ein solches Bild ist in urbanen Ballungsräumen keine Seltenheit und die daraus resultierenden Schwierigkeiten spätestens seit der Sarrazin-Debatte einer breiteren Öffentlichkeit hinlänglich bekannt.
Im gebundenen ganztägigen Unterrichtsbetrieb des Hermann-Hesse-Gymnasiums werden Schülerinnen und Schüler auf die allgemeine Hochschulreife vorbereitet. Sie benötigen dabei die besondere Unterstützung sprachbildender Sequenzen in jedem Unterrichtsfach, das Fach Sport bildet da keine Ausnahme.
Die Lehramtsanwärter meines Fachseminars haben sich nun - angesichts dieser evidenten Bedarfslage, die sie zu großen Teilen aus ihren eigenen Schulen in Neukölln kennen - der Aufgabe gewidmet, im Rahmen einer Unterrichtsreihe sprachfördernde Elemente zu integrieren, um einen konstruktiven Beitrag zu dieser gesellschaftlichen Diskussion zu leisten.
Mit Schülerinnen und Schülern der Klasse 7a führten sie eine Unterrichtsreihe zur Trendsportart "Le Parkour" durch und installierten dabei Sprach- und Analysewerkzeuge der durchgängigen Sprachbildung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Planung und Durchführung der Unterrichtseinheit
2.1 Planung
2.2. Durchführung
3. Auswertung der Sprache
3.1. Interventionsgruppe
3.2. Durchführung
3.3. Methode
3.4. Auswertung - Quantitativ
3.5. Qualitativ
3.6. Diskussion
4. Bewertung
4.1. Allgemeines
4.2. Durchführung
4.3. Bewertungstabelle
4.4. Auswertung
5. Fazit
5.1. Positive Aspekte
5.2. Alternativen
6. Literatur
Zielsetzung und Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Integration sprachfördernder Elemente in den Sportunterricht am Hermann-Hesse-Gymnasium, um dem hohen Förderbedarf der Schülerschaft mit Migrationshintergrund zu begegnen. Die Forschungsfrage untersucht, wie durch die Trendsportart "Le Parkour" in Kombination mit Methoden wie "Scaffolding" gezielte Sprachanlässe geschaffen und bildungssprachliche Kompetenzen sowie Fachwortschatz verbessert werden können.
- Integration von Sprachförderung in den Sportunterricht
- Einsatz der Trendsportart "Le Parkour" als Sprachanlass
- Anwendung der Methode des "Scaffolding" zur Wortschatzerweiterung
- Systematische Erhebung sprachlicher Fortschritte mittels C-Tests
- Entwicklung eines Bewertungskonzepts für motorische und sprachliche Leistungen
Auszug aus dem Buch
3.6. Diskussion
Warum fällt den Schülern die Zuordnung der richtigen Präpositionen am schwierigsten? Wie kann die Spracharbeit verbessert werden? Aus den Ergebnissen geht eindeutig hervor, dass die Schüler hauptsächlich im Bereich der Zuordnung der Präpositionen Verbesserungsbedarf haben. Dieser Bereich könnte geschult werden, indem die Schüler in einer speziellen Übung von ihrem Partner genaue Bewegungsvorschriften bekommen. Bei dessen Ausführung erfahren die Schüler dann beispielsweise die Unterschiede zwischen „von Bank zu Bank“ und „über die Bank/Bänke“. Die Schüler lernen folglich, dass nur bei präziser und korrekter Beschreibung die Bewegung vom Partner entsprechend ihrer Ideen ausgeführt wird. Zudem erfahren sie die Bedeutung einer richtigen Verwendung von Präpositionen, zur Vermeidung von Missverständnissen. Als Erweiterung könnte ein abgesicherter Blindenparkour erstellt werden, welcher nur durch die richtige Verwendung von Präpositionen zum Ziel führt.
Als Ergänzung zur Wortschatzarbeit könnte für die richtige Nennung der Gerätenamen ein Quiz ausgeteilt werden, bei dem die Schüler der Abbildung von Geräten ihre richtigen Namen zuordnen müssen. Zur Verbesserung der Bewegungsverben bietet sich schließlich an Möglichkeiten zu schaffen, diese in Verbindung mit einem Gerätenamen zu lernen z.B. „mit dem Seil schwingen“, „an dem Holm aufstützen“ und die Bedeutung der Bewegungsrichtung, welche durch das Bewegungsverb ausgedrückt wird hervorheben. Schließlich kann bei der Ausarbeitung des Run-Protokolls die Vorschrift lauten, zu jedem Gerät sowohl ein Bewegungsverb wie auch eine korrekte Präposition zu finden, ohne welche die Läufer nicht zum Run zugelassen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Beschreibt die Ausgangslage am Hermann-Hesse-Gymnasium und die Notwendigkeit, sprachfördernde Maßnahmen in den Sportunterricht zu integrieren.
2. Planung und Durchführung der Unterrichtseinheit: Erläutert die didaktische Konzeption der Parkour-Einheit inklusive der Vorbereitung von Stationen und der Einführung sprachlicher Hilfsmittel.
3. Auswertung der Sprache: Analysiert quantitativ und qualitativ die Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler anhand von Pre- und Post-Tests.
4. Bewertung: Stellt das Kriteriensystem für die Leistungsbeurteilung vor, das sowohl motorische als auch sprachliche Aspekte der Schülerleistungen gewichtet.
5. Fazit: Reflektiert die Wirksamkeit des Konzepts und diskutiert Alternativen für die zukünftige Durchführung, insbesondere hinsichtlich der Gruppengröße.
6. Literatur: Listet die verwendeten theoretischen Quellen und Online-Materialien auf.
Schlüsselwörter
Sprachförderung, Sportunterricht, Le Parkour, Scaffolding, Bildungssprache, Bewegungsverb, Präposition, Gerätenamen, Sprachdiagnose, C-Test, Fachsprache, Unterrichtseinheit, Leistungsbewertung, Migration, Sprachbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration von durchgängiger Sprachbildung in den Sportunterricht am Beispiel der Trendsportart Le Parkour, um die Sprachkompetenz von Schülern mit Migrationshintergrund zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die fachsprachliche Förderung im Sport, die Anwendung von Scaffolding-Methoden im Unterricht sowie die Verknüpfung von motorischem Lernen mit sprachlicher Artikulation.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Ziel ist es, den Schülern durch die gezielte Verwendung von Wortgeländern und Protokollen zu helfen, ihren Wortschatz in den Bereichen Verben, Präpositionen und Gerätenamen zu erweitern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Interventionsstudie durchgeführt, bei der der Sprachzuwachs vor und nach der Unterrichtseinheit mithilfe eines C-Tests gemessen und quantitativ sowie qualitativ ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Planung der Unterrichtseinheit, deren Durchführung in drei Doppelstunden, die Auswertung der Testergebnisse und die Entwicklung eines Bewertungsschemas.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Sprachförderung, Le Parkour, Scaffolding, fachsprachliche Kompetenz und Bewegungsbeschreibung charakterisieren.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "von Bank zu Bank" und "über die Bank" eine Rolle?
Diese Unterscheidung ist für die Präzision der Sprache entscheidend; die korrekte Wahl der Präposition ist notwendig, damit die Mitschüler die Bewegungsanweisungen beim Durchlaufen des Parkours fehlerfrei umsetzen können.
Wie wirkt sich die Bewertung durch Mitschüler auf die Gesamtnote aus?
Die Bewertung durch Mitschüler nimmt einen größeren Anteil (60%) an der Note ein als die Bewertung durch die Lehrkraft (40%), was die Schüler dazu motiviert, sich gegenseitig kritisch und konstruktiv zu begleiten.
- Quote paper
- Robin Lackas (Author), 2014, Sprachförderung im Sportunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271170