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Das Verhältnis von Mensch und Natur bei Christoph Ransmayr

Eine vergleichende Analyse des verschwindenden Helden in "Strahlender Untergang" und "Die Schrecken des Eises und der Finsternis"

Title: Das Verhältnis von Mensch und Natur bei Christoph Ransmayr

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Elena Schefner (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Betrachtet man Christoph Ransmayrs literarisches Gesamtwerk, so ist auffällig, dass seine Erzählungen „unablässig an der Aus-der-Welt-Schaffung ihrer Protagonisten“ arbeiten. Seine Figuren begeben sich an die Peripherien der Welt, auf der Suche nach Dingen, die sie am Ende nicht finden können. Stattdessen verlieren sie sich in extremen Landschaften oder verschwinden ganz bewusst darin. Ob Eis und Kälte in "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" (1984), die Wüste in "Strahlender Untergang" (1982) oder die Naturkatastrophen und Klimastürze in "Die letzte Welt" (1991) – Ransmayr entwirft in seinen Erzählungen menschenfeindliche Welten mit extremen Naturbedingungen und setzt seine Protagonisten darin aus, um sie mit ihren persönlichen Wahrheiten zu konfrontieren.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit eben dieser Faszination Ransmayrs und geht der Frage nach, welche Funktion die extreme Naturdarstellung in seinen Werken erfüllt. Besonders das Verhältnis von Mensch und Natur steht dabei im Vordergrund. Die Untersuchung der Haltung der Protagonisten zur Natur soll zur Deutung des „verschwindenden Helden“ bei Ransmayr herangezogen werden. Handelt es sich bei dem Verschwinden tatsächlich um eine Art der Identitätsfindung, wie es in der Forschungsliteratur oftmals heißt oder ist es im Gegenteil die Auflösung jeglicher Identität?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klima- und Naturdarstellung bei Ransmayr

2.1 Bedeutung der Wüste in Strahlender Untergang

2.2 Bedeutung der Eislandschaft in Die Schrecken des Eises und der Finsternis

2.3 Wüste und Eiswüste im Vergleich

3. Das Motiv des verschwindenden Helden

3.1 Verschwinden des „Herrn der Welt“ als Notwendigkeit

3.2 Die Identitätslosigkeit des Josef Mazzini

3.3 Das Verschwinden der Protagonisten in der Natur

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Mensch und Natur im literarischen Werk von Christoph Ransmayr, wobei insbesondere die Funktion extremer Naturlandschaften für das Motiv des „verschwindenden Helden“ in den Romanen „Strahlender Untergang“ und „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ analysiert wird.

  • Analyse der Bedeutung von Wüsten- und Eislandschaften als literarische Topoi
  • Untersuchung des Motivs des „verschwindenden Helden“
  • Vergleich der Naturdarstellungen in den beiden ausgewählten Werken
  • Kritische Betrachtung des Zivilisations- und Fortschrittsstrebens
  • Hinterfragung der Identitätsfindung durch das Verschwinden in der Natur

Auszug aus dem Buch

Die Identitätslosigkeit des Josef Mazzini

Ähnlich wie der „Herr der Welt“ vor der Entwässerung scheint auch Mazzini keine eigene Identität zu besitzen. Beeinflusst von den Helden, von denen seine Mutter ihm erzählt, flüchtet er sich von Kindheit an in fantastische Abenteuergeschichten, in denen er die Vergangenheit neu entwirft. Denn die Vergangenheit erscheint als „übermächtig und malerisch“, während die Gegenwart in seiner Kindheit sich aus Streitereien der Eltern und dem „Arbeitsgeräusch“ aus der Werkstatt des Vaters zusammensetzt. Auch die Erwartung des Vaters, Mazzini werde sein Erbe und sei für eine bessere Zukunft bestimmt, kann dieser nicht erfüllen. Im Gegenteil beginnt er „gegen jede Vorschrift zu leben“ und wird „schwierig“. Sein Umzug von Triest nach Wien, in die Heimatstadt des Vaters, wird vom Erzähler mit „den trotzigen Fluchtphantasien“ des Vaters in Verbindung gebracht. Es scheint als würde Mazzini sich ganz bewusst von der Identität seines Vaters abgrenzen, um nicht das gleiche Schicksal zu erfahren wie dieser. Diese Abgrenzung von der Familie und vor allem von den Erwartungen des Vaters geht mit einer Loslösung von jeglicher Identität einher, die sich im Verlauf der Handlung immer weiter vollzieht. In Wien scheint er sich auf nichts festlegen zu wollen. Er wohnt zur Untermiete und arbeitet nur gelegentlich als Aushilfsfahrer. Sein eigentliches Interesse gilt dem „Spiel mit der Wirklichkeit“. Er denkt sich Abenteuer aus und prüft dann in geschichtlichen Nachforschungen die Wahrheit seiner Erfindungen. Denn er geht davon aus, dass alles was er fantasiert, tatsächlich auch schon stattgefunden haben muss. Auf diese Weise glaubt er die Vergangenheit und somit die Wirklichkeit neu erfinden zu können. Die Obsession mit der Vergangenheit nimmt noch zu, als er Payers Bericht von der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition zu lesen bekommt. Diese fasziniert ihn so sehr, dass er immer mehr in ihren Sog gerät, bis ihm schließlich die Rekonstruktion der Geschichte nicht mehr ausreicht und er diese auch real nacherleben muss.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Faszination Ransmayrs für menschenfeindliche, extreme Landschaften dar und formuliert die Forschungsfrage zur Funktion der Naturdarstellung sowie zur Deutung des verschwindenden Helden.

2. Klima- und Naturdarstellung bei Ransmayr: Dieses Kapitel analysiert die symbolische und geografische Bedeutung von Wüste und Eislandschaft als Gegenbilder zur Zivilisation und Projektionsflächen für die Protagonisten.

3. Das Motiv des verschwindenden Helden: Hier wird das Verschwinden der Protagonisten in der Natur als zivilisationskritisches Motiv und problematische Form der Identitätsfindung untersucht.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Ransmayr durch die Konfrontation der Helden mit extremen Naturgewalten das gestörte Verhältnis des modernen Menschen zur Natur und sein destruktives Fortschrittsstreben kritisiert.

Schlüsselwörter

Christoph Ransmayr, Naturdarstellung, Wüste, Eislandschaft, verschwindender Held, Identitätsfindung, Zivilisationskritik, Fortschritt, Strahlender Untergang, Die Schrecken des Eises und der Finsternis, Mensch und Natur, Entfremdung, Moderne, Postmoderne, Arktis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das literarische Werk von Christoph Ransmayr, insbesondere die Rolle von extremen Naturlandschaften und das Motiv des Helden, der in diesen Landschaften verschwindet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, die Kritik an der modernen Zivilisation und am Fortschrittsstreben sowie die Frage nach der Identität des Individuums.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es zu untersuchen, welche Funktion die extreme Naturdarstellung bei Ransmayr erfüllt und ob das Verschwinden der Protagonisten als echte Identitätsfindung oder als Auflösung von Identität zu interpretieren ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin führt eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse der ersten zwei Erzählwerke Ransmayrs durch, gestützt auf fachliche Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Natur als Symbolik, die Analyse der Identitätslosigkeit der Protagonisten (insbesondere Josef Mazzini) und die vergleichende Betrachtung ihres Verschwindens in der Natur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Zivilisationskritik, Natur als Gegenwelt, Identitätsverlust, Entfremdung und die Ransmayr-typischen extremen Schauplätze charakterisieren.

Warum spielt das Verschwinden der Helden in Ransmayrs Werk eine so zentrale Rolle?

Das Verschwinden dient als ironisches Mittel und als Konsequenz der Zivilisationskritik, um die Nichtigkeit des Menschen gegenüber der Naturgewalt aufzuzeigen.

Inwiefern unterscheidet sich der "Herr der Welt" von Josef Mazzini in seinem Verschwinden?

Während das Verschwinden in "Strahlender Untergang" als systematischer, fast schon notwendiger Abschluss einer Identitätsfindung dargestellt wird, ist Mazzinis Verschwinden in "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" eher das Ergebnis einer gescheiterten Flucht in unauthentische Fantasien.

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Details

Title
Das Verhältnis von Mensch und Natur bei Christoph Ransmayr
Subtitle
Eine vergleichende Analyse des verschwindenden Helden in "Strahlender Untergang" und "Die Schrecken des Eises und der Finsternis"
College
Free University of Berlin  (Philosophie und Geisteswissenschaften)
Grade
1,7
Author
Elena Schefner (Author)
Publication Year
2012
Pages
23
Catalog Number
V271207
ISBN (eBook)
9783656630005
ISBN (Book)
9783656629993
Language
German
Tags
Ransmayr Strahlender Untergang Die Schrecken des Eises und der Finsternis mensch und natur untergang Wüste Eismeer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elena Schefner (Author), 2012, Das Verhältnis von Mensch und Natur bei Christoph Ransmayr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271207
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