[...] Sie werden aufwendig und effektvoll, oft auch mit erfahrenen Filmschauspielern, von Regisseuren inszeniert. Es gibt Videos, die den dargestellten Künstler zu einer Art Gottheit erheben und Videos, die den Zuschauer abstoßen. So, wie gemalte, komponierte oder niedergeschriebene Kunst Geschmacksache ist, kommt es bei Musikvideos auf die jeweiligen Vorlieben des Betrachters an. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, über Musikvideos aber durchaus. Spätestens seit dem Sendestart von MTV im August 1981 geriet das Genre Musikvideo immer mehr in den Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen. Sind Musikvideos Kunst oder Kommerz? Kann man Musikclips als postmodern bezeichnen? Schadet das Gezeigte den Jugendlichen? Besonders in den 80er und 90er Jahren meldeten sich viele Kritiker zu Wort, die sich mit der Wirkung von Musikvideos, den ökonomischen Zusammenhängen und vor allem der Einordnung in die Postmoderne befassten. Viel beachtete Werke stammen unter anderem von den Autoren E. Ann Kaplan, Andrew Goodwin und Jack Banks. Bezüglich der gesellschaftlichen Akzeptanz ist seit der ersten Sendung von MTV eine positive Entwicklung zu erkennen. Das Genre Musikvideo ist ständig in Bewegung. Jede Woche werden neue Clips auf den Musikkanälen gezeigt, ständig werden neue Techniken und Effekte ausprobiert und immer wieder erscheinen neue Künstler und Bands auf der Bildfläche, die oft nach kurzer Zeit wieder verschwunden sind. Dabei ist unbestritten, dass Musikfernsehen für Jugendliche heute zum Leben gehört wie das Radio oder das Internet. Was in den 80ern noch als Bedrohung für die Entwicklung der Jugendlichen verteufelt wurde, hat heute einen bedeutenden Einfluss auf Gesellschaft, Kunst, Kultur und Musik. Diese Arbeit soll zeigen, wie sich das Genre Musikvideo seit seiner Entstehung inhaltlich und technisch verändert hat, welche Faktoren bei der Produktion eines Musikvideos eine tragende Rolle spielen und welche Auswirkungen die Politik der Musiksender auf die Vielfalt in der Musiklandschaft hat. Von der aktuellen Absatzkrise ist nicht nur die Musikindustrie betroffen, sondern auch die „Zulieferer“ der Musikvideos, also die Produktionsfirmen. Wohin könnte sich der ständig fließende Markt in der Zukunft orientieren? Die Arbeit wird sich auf Literatur aus allen drei Jahrzehnten des Musikfernsehens beziehen, auf aktuelle Zeitungsberichte, ebenso wie auf Informationen aus Interviews mit Personen aus dem Musikbusiness.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Geschichte – Die Vorläufer des Musikvideos
1.1 Visuelle Musik
1.2 Promotional Films
2 Klassifikation – Die Einteilung nach Inhalt und Aufbau
2.1 Verschiedene Musikvideo-Modelle
2.2 Ausdrucksmittel verschiedener Musikrichtungen
2.3 Das Genre und seine Verwandten
2.3.1 Musikvideo-Ästhetik
2.3.2 Pastiche und Parodie – Der Bezug zum Kino
3 Rezeption – Die Wirkung von Musikvideos
3.1 Die Menschliche Wahrnehmung
3.2 Das Zusammenspiel von Bild und Ton
3.3 Nutzung von Musikfernsehen durch Jugendliche
3.4 Jugendsubkulturen und die Auswirkung von Musikvideos auf das soziale Verhalten
3.5 Kommerzialisierung und Standardisierung
4 Produktion – Die Herstellung eines Musikvideos
4.1 Der Künstler
4.2 Die Plattenfirma
4.2.1 Die Rolle der Plattenfirma bei der Produktion eines Musikvideos
4.2.2 Musik-Marketing – Der richtige Medien-Mix bringt den Erfolg
4.2.3 Die aktuelle Krise in der Musikbranche
4.3 Die Produktionsfirma
4.3.1 Produktionsablauf
4.3.2 Regisseure und Produzenten
4.3.3 Visuelle Umsetzung von Musik
4.4 Der Musiksender
4.4.1 Die Geschichte von MTV
4.4.2 Musikfernsehen in Deutschland
4.4.3 Musiksender als Gatekeeper
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Diplomarbeit untersucht die wechselseitigen Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen Plattenlabels, Produktionsfirmen und Musiksendern bei der Erstellung von Musikvideos sowie deren Einfluss auf die jugendliche Wahrnehmung und Konsumgewohnheiten.
- Analyse der historischen Entwicklung und Klassifikation von Musikvideos.
- Untersuchung der psychologischen Wirkungsmechanismen von Musikvideos auf Jugendliche.
- Darstellung der ökonomischen Prozesse und Akteure in der Musikvideo-Produktionskette.
- Bewertung der Rolle von Musiksendern als "Gatekeeper" im Markt.
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Plattenfirma bei der Produktion eines Musikvideos
Der Product Manager oder Video Commissioner befasst sich mit der Produktion eines Musikvideos. Er vermittelt über ein Briefing die gewünschten Inhalte an die Musikvideoproduzenten, fordert Konzept- und Kalkulationsvorschläge bei Produktionsfirmen an (Pitch), stimmt die Konzeption des Videos mit den restlichen Marktaktivitäten ab, überwacht die Umsetzung des Konzeptes am Set und die Endfertigung in der Post Production und nimmt das Video ab, das heißt er gibt das Einverständnis zum fertigen Produkt.
Er muss also darauf achten, dass das Konzept sich mit den übrigen Überlegungen des Unternehmens deckt, mit dem kleinstmöglichen Budget ein größtmöglicher Effekt erzielt wird und das Timing, das mit den übrigen Marketingaktivitäten einen Gesamteffekt bringt, eingehalten wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Geschichte – Die Vorläufer des Musikvideos: Beleuchtet die Ursprünge der visuellen Musik, von frühen Avantgarde-Filmen bis hin zu den ersten Promotion-Filmen der Beatles.
Klassifikation – Die Einteilung nach Inhalt und Aufbau: Kategorisiert Musikvideos anhand verschiedener Modelle, etwa nach E. Ann Kaplan oder Holger Springsklee, und analysiert die spezifische Ästhetik.
Rezeption – Die Wirkung von Musikvideos: Untersucht die psychologischen Aspekte der menschlichen Wahrnehmung und wie Musikvideos als "visueller Orgasmus" die Aufmerksamkeit Jugendlicher binden.
Produktion – Die Herstellung eines Musikvideos: Beschreibt detailliert die Rollen der beteiligten Akteure (Band, Label, Produzent, Sender) sowie die technischen und finanziellen Anforderungen im Musikbusiness.
Fazit: Resümiert die Bedeutung des Musikfernsehens als Gatekeeper und die Herausforderungen der Musikbranche in Zeiten sinkender Budgets und sich ändernder Konsumgewohnheiten.
Schlüsselwörter
Musikvideo, Musikfernsehen, MTV, VIVA, Musikindustrie, Plattenlabel, Produktionsfirma, Musikmarketing, Rezeption, Jugendkultur, Musikvideo-Ästhetik, Konsum, Gatekeeper, Produktion, Image.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Interdependenzen zwischen Plattenlabels, Produktionsfirmen und Musiksendern bei der Herstellung und Vermarktung von Musikvideos im Kontext der Musikbranche.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung des Musikvideos, dessen Klassifizierung, der Wirkung auf die jugendliche Rezeption und den ökonomischen Produktionsabläufen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die wechselseitigen Abhängigkeiten der Akteure darzustellen und aufzuzeigen, wie Musikvideos als Marketinginstrumente und kulturelle Produkte fungieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer Auswertung von Experteninterviews mit Vertretern der Musikindustrie und Musiksender-Programmierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Geschichte, Klassifikation, Rezeption durch Jugendliche und die detaillierte Beschreibung der Produktionsprozesse von Musikvideos.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Musikvideo, Musikfernsehen, Musikindustrie, Marketing, Rezeption, Gatekeeper und Produktionsabläufe.
Welche Rolle spielen Musiksender wie MTV und VIVA bei der Produktion?
Sie agieren als Gatekeeper, die über die Aufnahme in die Rotation entscheiden, und geben durch Programmformatvorgaben den Rahmen für das "Packaging" der Künstler vor.
Wie hat die aktuelle Krise der Musikbranche die Videoproduktion beeinflusst?
Die Krise führt zu rigorosen Budgetkürzungen, sinkender musikalischer Bandbreite, verstärktem Fokus auf etablierte Stars und einem Trend zu günstigeren, digitalen Produktionsweisen.
- Quote paper
- Anja Seifried (Author), 2004, Die Interdependenz von Plattenlabel, Produktionsfirma und Musiksender bei der Herstellung eines Musikvideos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27121