Der bereits vor mehr als 20 Jahren eingeleitete Prozess der gemeinsamen Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Kindern war mit der Schulgesetzesänderung 1990 Schwerpunkt der damaligen Bildungspolitik und findet seine Fortsetzung in dem durch die UN-BRK (Behindertenrechtskonvention) geprägten Begriff der Inklusion. Mit der Ratifizierung der UN - BRK durch die Bundesregierung gilt die Schaffung von inklusiven Bildungsstrukturen als eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe des Bildungswesens. Gegenwärtig hat die Inklusionsdebatte in Deutschland eine hohe Dynamik. Mit dem Inkrafttreten der BRK der Vereinten Nationen 2009 auch hierzulande wird allen Schülern mit einem geistigen oder körperlichen Handicap das Recht garantiert, zusammen mit gesunden Gleichaltrigen unterrichtet zu werden. Anstelle der bisherigen Politik der Integration soll dabei die Inklusion treten: Menschen mit Behinderungen sollen sich dazugehörig fühlen, um damit die Unterschiedlichkeit zur Normalität werden zu lassen. Wie der Weg dorthin aussehen soll, darüber gehen die Meinungen der Politiker, Experten und Eltern stark auseinander. Dieser Begriff kennzeichnet einen Systemwechsel, der in den allgemeinbildenden Schulen den Schwerpunkt auf die Förderung aller individuellen Besonderheiten und Fähigkeiten der Kinder legt.
Die Schule – eine Institution, die schon immer polarisierte – liefert gegenwärtig durch die Inklusionsdebatte neue Impulse für Diskussionen. Dieser Diskurs findet mehr oder weniger aufgeregt in Fachkreisen oder im öffentlichen Leben statt und entwickelt sich zu einem medialen Dauerbrenner.
In dem vorliegenden Projekt wurde diese Thematik am Beispiel einer Berliner Grundschule, die schon seit den 80/90er Jahren integrativ arbeitet, aufgegriffen. Wie nun gelingt es dort aktuell den unterschiedlichen Professionen an dieser Schule inklusive Strukturen aufzubauen? Wie setzen sie sich mit der Umgestaltung auseinander? Was fördert und was hemmt diesen Prozess?
Durch meine Tätigkeit als Familien- und Einzelfallhelferin ist die Zusammenarbeit mit Lehrer/-innen und Erzieher/-innen ein Teil meiner Arbeit. So war es für mich eine interessante Herausforderung und Annäherung an diesen Bereich, den ich durch das Projekt aus einer anderen Perspektive entdecken konnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Projektziel
1.1 Problemstellung
1.2 Fragestellung des Projekts
1.3 Begriffsbestimmung
1.4 Theoretische Grundlage des Projektes
1.5 Zugang zum Feld
2 Forschungsdesign
2.1 Forschungsansatz und Methode
2.2 Begründung der Auswahl der Personen
2.3 Struktur des Interviewleitfadens
2.4 Form der Interviewauswertung
2.5 Kategorienbildung
3 Auswertung der Daten
3.1 Darstellung der Interviews
3.1.1 Perspektive Schulleiterin/Regelschulpädagogin
3.1.2 Perspektive Koordinierender Erzieher
3.1.3 Perspektive Sonderpädagogin
3.2 Analyse und Vergleich
3.3 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
4 Reflexion des Projektverlaufes
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Ziel dieses Projekts ist die Untersuchung des inklusiven Schulentwicklungsprozesses an einer Berliner Grundschule. Dabei wird analysiert, wie die verschiedenen Professionen (Schulleitung, Lehrkräfte, Erzieher, Sonderpädagogen) den Wandel von der Integration zur Inklusion erleben, welche methodischen Umsetzungen stattfinden und welche förderlichen sowie hinderlichen Rahmenbedingungen den Prozess beeinflussen.
- Umsetzung inklusiver Strukturen im schulischen Alltag
- Mehrperspektivische Betrachtung durch verschiedene pädagogische Professionen
- Vergleich zwischen den Konzepten der Integration und der Inklusion
- Bedeutung der Teamkooperation und Förderplanung
- Einfluss von Politik, Gesellschaft und finanziellen Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
1.4 Theoretische Grundlage des Projektes
Den fachlichen Bezugsrahmen dieses Projekts bildet die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Begriffen Integration und Inklusion im Hinblick auf inklusive Schulentwicklung. Georg Feuser verwandte den Begriff Integration dem Grunde nach in unserem heutigen Verständnis als Synonym für Inklusion. Er definierte Integration als kooperatives Spielen, Lernen und Arbeiten aller auf unterschiedlichem individuellem Niveau am gleichen Gegenstand (vgl. Feuser 1995, S.168).
Von einem solchen Verständnis aus, bietet der Inklusionsbegriff nichts Neues, sondern bezeichnet das was der Integrationsbegriff meint, vielleicht etwas systematischer, elaborierter und weniger vordergründig auf Behinderung bezogen, vielmehr wegweisend in andere Heterogenitätsdimensionen (vgl. Hinz 2008 S.41).
Der Anspruch auf Inklusion bezieht seine Legitimität aus den Menschen – und Kinderrechten (vgl. Wagner 2013, S.22). Eines der wenigen inklusiven Praxiskonzepte ist der Ansatz vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung, der im Rahmen von Kinderwelten vom Berliner Institut für den Situationsansatz entwickelt und bundesweit erprobt wurde. Aus langjährigen Erfahrungen mit der Implementierung vorurteilsbewusster Erziehung in Kitas und Schulen ergeben sich folgende Schlussfolgerungen. Ein inklusives Praxiskonzept zu realisieren ist:
langwierig, da das Lernen rund um Inklusion/Exklusion sowohl institutionell als auch individuell lange dauert und nur mit Qualitätseinbußen zu beschleunigen wäre
kooperativ, denn um zu Einsichten und Erkenntnissen zu kommen, benötigt man ein Team als Lerngemeinschaft, das kritisch die eigene Praxis reflektiert
anspruchsvoll, weil es keine Rezepte gibt und Ziele sowie Prinzipien systematisch im eigenen Kontext gesehen werden müssen
aufwendig, weil notwendigerweise unterschiedliche Verantwortungsebenen mit einzubinden sind
Zusammenfassung der Kapitel
Projektziel: Hier wird der Grundkonsens der gemeinsamen Erziehung an der ausgewählten Schule beschrieben und die Fragestellung definiert, wie Inklusion im täglichen Handeln umgesetzt wird.
Forschungsdesign: Dieses Kapitel erläutert die Wahl des leitfadengestützten Experteninterviews als qualitative Methode sowie die deduktive Kategorienbildung.
Auswertung der Daten: Die Ergebnisse aus den drei Interviews mit den unterschiedlichen Professionen werden dargestellt, analysiert und abschließend mit der Theorie abgeglichen.
Reflexion des Projektverlaufes: Der Autor reflektiert den eigenen Lernprozess sowie die methodischen Herausforderungen bei der Durchführung der Experteninterviews.
Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Inklusion primär eine Frage der Haltung ist und die Teilhabe aller Kinder durch kooperative Förderstrukturen ermöglicht werden kann.
Schlüsselwörter
Inklusion, Integration, Schulentwicklung, Grundschule, Pädagogik, Sonderpädagogik, Förderplanung, Teamarbeit, Inklusionsdebatte, Bildungsstruktur, Schulleitung, Kooperation, Jugendamt, Heterogenität, Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Projekt grundsätzlich?
Es geht um die Untersuchung, wie eine Berliner Grundschule den Übergang von integrativen zu inklusiven Arbeitsweisen gestaltet und welche Herausforderungen die beteiligten pädagogischen Fachkräfte dabei bewältigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die theoretische Differenzierung von Integration und Inklusion, die praktische Unterrichtsgestaltung, die Bedeutung von Teamarbeit und kooperativer Förderplanung sowie die Auswirkungen politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Status quo der inklusiven Schulentwicklung an einer konkreten Schule aus der Perspektive der dort arbeitenden Fachkräfte zu erfassen und förderliche sowie hemmende Faktoren zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurden problemzentrierte Experteninterviews mit drei verschiedenen Professionen geführt und diese mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Phillip Mayring ausgewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Darstellung der Interviewergebnisse, den systematischen Vergleich der Expertenperspektiven zu vier Leitthemen sowie die Interpretation der Ergebnisse vor dem Hintergrund bestehender inklusiver Praxiskonzepte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Inklusion, Förderplanung, Teamkooperation, Haltung, Schulentwicklung und professionelle Handlungskompetenz.
Wie bewertet die Schulleiterin die aktuelle Umsetzung der Inklusion?
Sie sieht die Schule auf einem guten Weg, betont jedoch, dass das System aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung und der Abhängigkeit von Statusdiagnostiken noch nicht vollständig inklusiv arbeiten kann.
Welche Bedeutung misst der Koordinierende Erzieher der Teamarbeit bei?
Er hält die Teamarbeit für essenziell und betont, dass der Einbezug der Erzieher in den Unterricht mit zehn Stunden pro Woche eine wichtige Ressource für die Inklusion darstellt.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of science Katrin Fischer (Autor:in), 2014, Von der Integration zur Inklusion. Die Förderung im gemeinsamen Unterricht am Beispiel einer Berliner Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271228