Digitale Bibliotheken. Wie man das Wissen der Welt digitalisiert


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. WAS SIND DIGITALE BIBLIOTHEKEN?
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Entstehung Digitaler Bibliotheken
2.3 Ausgewählte Projekte
2.3.1 ͣGoogle Books“
2.3.2 „Open Library“
2.3.3 „Europeana“
2.3.4 „Deutsche Digitale Bibliothek“

3. WAS LEISTEN DIGITALE BIBLIOTHEKEN UND WAS NICHT?
3.1 Probleme konventioneller Bibliotheken
3.2 Vorteile der Digitalisierung
3.3 Nachteile der Digitalisierung

4. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

QUELLENVERZEICHNIS

SELBSTSTÄNDIGKEITSERKLÄRUNG

1. Einleitung

Bibliotheken existieren seit der Erfindung der Schrift und des Papiers und noch heute sind sie unerlässlich - beispielsweise für den Studenten, der seine Hausarbeit schreibt oder den Bü- cherwurm, der Kosten sparen möchte. Doch der Weg zum benötigten Buch ist zeit- und ar- beitsaufwändig. Zunächst muss man wissen, welche Bibliothek man aufsuchen muss, um das Buch der Wahl zu erhalten: die kleine Stadtteilbibliothek oder vielmehr die Universitätsbibli- othek oder sogar die Nationalbibliothek? Dank onlinegestützter Kataloge, sogenannter OPACs, kann man zwar von zu Hause aus herausfinden, wo man das gewünschte Buch fin- det, dennoch muss man sich auf den Weg machen und in der Bibliothek Regale durchstö- bern. Bei der Ausarbeitung einer Hausarbeit erkämpft man sich dann mit einem Stapel Bü- cher im Arm einen der raren Arbeitsplätze und durchforstet anschließend Seite für Seite die Literatur. Nach erledigter Arbeit muss ein Bibliotheksmitarbeiter die Bücher zurück ins Regal sortieren und man darf nicht vergessen, geliehene Bücher bei Zeiten zurückzugeben, sonst drohen unnötig Kosten. Wie oft wünscht man sich in diesem Prozess der Wissenserarbei- tung, zu Hause bleiben zu können, Bücher mit Hilfe einer Volltextsuche zu durchsuchen oder Textstellen markieren zu können, ohne sie vorher kopieren oder gar abschreiben zu müssen. Seit den 1990er Jahren gibt es nun die Idee, diesen Prozess zu vereinfachen. Sogenannte Digitale Bibliotheken (DB) sollen das Wissen der Welt bequem für jeden immer und überall zugänglich machen. Dies ist jedoch nicht der einzige Antrieb. Katastrophen und Unfälle kön- nen ganze Wissensbestände vernichten, denkt man z.B. an den Brand der Bibliothek von Alexandria, dem Zehntausende, wenn nicht sogar Hunderttausende von Schriftstücken[1] un- wiederbringlich zum Opfer fielen. Auch Kriege, Wasser, Schimmelpilze, Insekten, Tintenfraß und säurehaltiges Papier sind und waren Ursachen für die Vernichtung von Büchern. Nicht zuletzt muss hier auch der Bibliotheksbenutzer benannt werden, der durch die Benutzung von Büchern ebenfalls zu deren Verfall beiträgt. Eine komplett digitalisierte Bibliothek hätte mit solchen Problemen nicht zu kämpfen.

Das Wissen der Welt - H.G. Wells hatte 1937 bereits die Idee einer ͣPermanent Global Encyclopedia“, um Wissen zu sammeln, zu katalogisieren und allen zur Verfügung zu stellen[2].

Zudem sollte diese Enzyklopädie alle Museen, Kunstgalerien, Bibliotheken, Studien und At- lanten der Welt beherbergen.[3] DB könnten diese Vision Wells‘ verwirklichen.

Diese Hausarbeit soll einen Überblick geben über die Entwicklung und Umsetzung Digitaler Bibliotheken, einzelne Projekte genauer vorstellen und sowohl Möglichkeiten als auch der- zeitige Hindernisse in der Schaffung globaler digitaler Wissenssammlungen aufzeigen.

2. Was sind Digitale Bibliotheken?

Der Begriff Digitale Bibliotheken evoziert eine Vielzahl von Vorstellungen, was man darunter verstehen kann. Auch wird der Begriff auf unterschiedlichste Art und Weise gebraucht, so findet sich beispielsweise eine CD-Kollektion mit dem Namen ͣDigitale Bibliothek“, die eine Reihe von ͣGrundlagentexten geisteswissenschaftlicher Disziplinen elektronisch zu erfas- sen“[4] versucht. Die ͣDigiBib“ ist ein Angebot des Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen, über das ͣparallel große Bibliothekskataloge und Literaturdatenban- ken aus aller Welt“[5] durchsucht werden können und der Nutzer uskunft erhält, ͣwie ein gefundener Text verfügbar ist - ob online, per Dokumentlieferung, in einer Bibliothek oder bei einem Online-Buchhändler.“[6]

Da beide Begriffserläuterungen nicht die Breite Digitaler Bibliotheken abdecken, soll in die- sem Abschnitt der Begriff erläutert werden. Anschließend wird ihre Entwicklung beschrieben und anhand einiger ausgewählter Beispiele die bisherige Weite des Angebots exemplarisch erläutert.

2.1 Begriffsbestimmung

Die Literatur zu Digitalen Bibliotheken gibt nur wenig her bezüglich einer klaren Begriffsbe- stimmung. Durch die Mannigfaltigkeit ihrer Anwendung ist eine einzige Definition auch gar nicht möglich. Im Folgenden muss jedoch jene Form Digitaler Bibliotheken erläutert werden, auf die sich diese Hausarbeit bezieht. Besonders gut eignet sich die Definition der Council on Library and Information Resources von 1998:

“Digital libraries are organizations that provide the resources, including the special- ized staff, to select, structure, offer intellectual access to, interpret, distribute, preserve the integrity of, and ensure the persistence over time of collections of digital works so that they are readily and economically available for use by a defined community or set of communi- ties.”[7]

Ähnlich definierten es Endres und Fellner im Jahr 2000:

Eine Digitale Bibliothek ͣ[i]st eine Einrichtung,

- die Texte, Bilder, Animationen Ton- und Videoaufnahmen auf elektronischen Daten- trägern vorhält (elektronische Bibliothek)
- die eine Vielzahl von Bibliotheksdiensten in einem ortsübergreifenden Verbund an- bietet (virtuelle Bibliothek)
- deren Bestände und deren Dienste integriert sind, die einen effizienten Zugriff darauf über eine einheitliche Systemoberfläche gestattet und deren ͣSystemintelligenz“ über die der Teile hinausgeht“[8]

DB integrieren also elektronische und virtuelle Bibliotheken und können daher eine Vielzahl von Diensten anbieten. Neben dem breiten Spektrum der Wiedergabeformate und dem Ziel, Vollständigkeit und Kontinuität der Daten zu erhalten, bieten DB ebenso wie konventionelle Bibliotheken (KB) Angebote für die unterschiedlichen Nutzergemeinschaften. Der wesent- lichste Unterschied zu KB besteht darin, dass die DB eine intelligente Anwendungsplattform bietet. Anders als KB ermöglichen DB Volltextsuchen, Integration verschiedener Medien, zeitsparende ortsübergreifende Verfügbarkeit und damit eine benutzerfreundlichere Ar- beitsgrundlage. Auf die Vor- und Nachteile wird in Kapitel 3 eingegangen werden.

2.2 Entstehung Digitaler Bibliotheken

1996 ging der Karlsruher Virtuelle Katalog, eine Metasuchmaschine für Bibliotheks- und Buchhandelskataloge, online. Mit nur einer Suchanfrage kann der Nutzer die Bestände zahl- reicher deutscher sowie internationaler Kataloge abrufen.[9] Auch die Deutsche Nationalbibli- othek bietet seit 2004 eine solche Suchplattform an. Diese und andere Metasuchmaschinen gelten als Vorstufe für Digitale Bibliotheken. Als weitere Beispiele können hier der NASA Technical Reports Server, welcher seit 1994 wissenschaftliche und technische Materialien sowohl für Studenten als auch Forscher zur Verfügung stellt[10], und GPO Access, ein Angebot des U.S. Government Printing Office, das ebenfalls seit 1994 Zugang zu allen Gesetzestexten und anderen Produkten der Regierungsarbeit gewährleistet[11], genannt werden.

Seit 2005 entstanden eine Reihe Projekte, die den Grundstein für die Digitalisierung von Bibliotheksbeständen und die anschließende Veröffentlichung im Internet legten. Das u.s.amerikanische Projekt ͣOpen Content lliance“ ist ein solches. Hier arbeiten seit 2005 Organisationen aus dem kulturellen und technologischen Bereich sowie Nonprofit-Unternehmen und staatliche Institutionen zusammen mit dem Ziel, ein freies, dauerhaftes Online-Archiv multilingualer digitalisierter Texte und Multimedia zu schaffen.[12] Der Nutzer findet hier sowohl urheberrechtlich geschütztes Material sowie freie Web-Inhalte.[13]

ls europäisches Pendant wurde 2006 ͣThe European Library“ (TEL) als eigenständiges euro- päisches Digitalisierungsprogramm aller europäischer Nationalbibliotheken ins Leben geru- fen.[14] Die Leitidee hier ist es, die europäische Identität anhand vierer Säulen aufzuzeigen und zu erklären: sowohl das europäische Denken, als auch die Demokratie und die Freiheitsrech- te, als auch die Nationalen Identitäten bzw. die Europäische Identität sowie der gesamte Europäische Raum sollen mit Hilfe unterschiedlichster Texte, Hör- und Videomaterialien er- läutert und ihre geschichtlichen wie politischen und kulturellen Entwicklungen beschrieben werden.[15]

Beide Projekte, sowohl die ͣOpen Content lliance“ als auch ͣThe European Library“ waren die Vorreiter zweier Digitaler Bibliotheken: die ͣOpen Library“ und die ͣEuropean Digital Library“ oder ͣEuropeana“. Beide sollen neben weiteren Projekten im nächsten Abschnitt näher erläutert werden.

2.3 Ausgewählte Projekte

Aus den zentralen Zugangsportalen für Bibliotheken aber auch unabhängig davon entwickelten sich verschiedene Projekte, die heute aus unterschiedlichem Antrieb heraus mehr oder minder bekannt ein breites Spektrum an Literatur, Film-, Animations- und Hörmaterial sowohl kostenlos als auch kommerziell anbieten. Folgende Projekte sollen im Anschluss näher erläutert werden: Das Google-Projekt ͣGoogle Books“, die u.s.-amerikanische ͣOpen Library“, das europäische Projekt ͣEuropeana“ sowie die ͣDeutsche Digitale Bibliothek“ und ͣ merican Memory“ als kleinere Projekte.

2.3.1 „Google Books“

ls nunmehr wohl bekannteste Digitale Bibliothek bietet ͣGoogle Books“ mehrere Millionen digitalisierter Bücher zur Buchsuche im Internet. Heute sind es 7 Millionen, 2015 sollen es schon 15 Millionen digitalisierte Bücher sein. Seit 2004 erhält der Google-Nutzer Buchergeb- nisse bei der Google-Suchanfrage. Dies ist das Resultat aus der Zusammenarbeit der Google Inc. mit unterschiedlichen Verlagen, Bibliotheken und Autoren. Nach Anmeldung in der Google-Bibliothek lassen sich persönliche Bücherregale zusammenstellen und verwalten. Ob ein Buch urheberrechtlich geschützt oder nicht geschützt ist, entscheidet, inwieweit der Nut- zer auf den digitalisierten Seiten blättern kann. Ist ein Buch nicht mehr geschützt, kann man es vollständig auf der ͣGoogle Books“-Seite aufrufen und lesen. Bei urheberrechtlich ge- schützten Schriftstücken kann der Verlag bzw. der Autor des Schriftwerks festlegen, ob der Leser nur Auszüge oder sogar ganze Kapitel eines Buches einsehen kann.

[...]


[1] Die Zahlen schwanken zwischen 40.000 bis 700.000 Bücher.

[2] Vgl. Rayward 1999, S. 558ff.

[3] Rayward 1999, S. 563.

[4] www.digitale-bibliothek.de.

[5] www.digibib.net.

[6] Ebd.

[7] Council on Library and Information Resources 1998.

[8] Endres/Fellner 2000, S. 4.

[9] Vgl. Karlsruher Virtueller Katalog.

[10] Vgl. ntrs.NASA.gov.

[11] Vgl. www.gpoaccess.gov.

[12] Vgl. www.opencontentalliance.org.

[13] Vgl. Sühl-Strohmenger 2008, S. 101.

[14] Vgl. ebd.

[15] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Digitale Bibliotheken. Wie man das Wissen der Welt digitalisiert
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die Buchwissenschaft
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V271244
ISBN (eBook)
9783656633259
ISBN (Buch)
9783656633242
Dateigröße
846 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
digitale, bibliotheken, wissen, welt
Arbeit zitieren
Stephanie Lihs (Autor), 2010, Digitale Bibliotheken. Wie man das Wissen der Welt digitalisiert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271244

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