Dass sich an der Musik die Geister scheiden, ist keine überragende Neuigkeit, sondern ein weitgehend akzeptiertes Faktum, das die Beschäftigung mit musikalischen Phänomenen
erst richtig spannend machen und das nachhaltige Interesse an der Musik gewährleisten kann. Da Musikkritik stets auf die individuelle Perspektive der jeweiligen Kritikerin / des
jeweiligen Kritikers angewiesen ist, herrscht gerade in dieser Textsorte – beziehungsweise natürlich generell bei Rezensionen aller Art – ein hohes Maß an Subjektivität, was dazu führt, dass sich laufend unterschiedliche Ansichten gegenüberstehen.
Es wird daher unter anderem durch Rezensionen versucht, bestimmte Ansichten bzw. subjektive Erkenntnisse – mittels persuasiver Strategien – zu prägen. Dies kann weitreichende
Folgen mit sich bringen, da die Musikpresse eine nicht unwesentliche Rolle bei der Vermarktung eines Tonträgers spielen und in weiterer Konsequenz auch den Erfolg eines
Werkes mitbestimmen kann und will.
Diese Arbeit soll sich ebendiesem Phänomen widmen. Dazu sollen vier verschiedene Rezensionen zu dem aktuellsten Album der britischen Rockgruppe Kasabian, welches den
Titel Velociraptor! trägt, betrachtet und einander gegenübergestellt werden. Im Zuge dieser Untersuchung soll vor allem darauf geachtet werden, welche Möglichkeiten sich MusikkritikerInnen bieten, um ihre Erkenntnisse zu begründen bzw. den LeserInnen nachvollziehbar zu gestalten. Aus dem doch eher bescheidenen Umfang dieser Untersuchung resultiert, dass lediglich ein exemplarischer Überblick angestrebt werden kann.
Ziel der Arbeit soll demnach sein, die expliziten und impliziten Aspekte der Persuasion in den Beispieltexten aufzudecken und dementsprechend zu zeigen, wie in der Praxis ein solcher Persuasionsprozess erfolgen kann. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bedarf es natürlich eines einführenden Überblicks über die Persuasionstheorie. Bevor nun jedoch
die Persuasionstheorie per se Behandlung findet, soll erst einmal die Textsorte Rezension näher fokussiert werden.
Erst nach der genaueren Betrachtung der Textsorte und der Erörterung der jeweiligen Bestimmungen im Rahmen der Persuasionstheorie scheint es sinnvoll, die Textbeispiele
in dieser Hinsicht zu analysieren und einander gegenüberzustellen. Anhand der konkreten Beispielrezensionen soll schließlich ausführlich aufgezeigt werden, wie sich
Persuasion im Konkreten gestalten kann und mit welchen sprachlichen Mitteln ein solcher Persuasionsprozess herbeigeführt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 TEXTSORTE
3 THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER PERSUASIONSFORSCHUNG
3.1 ARGUMENTATION
3.1.1 Begriffsbestimmung
3.1.2 Enthymemargumentation
3.1.3 Beispielargumentation
3.1.4 Topik
3.1.5 Argumentation im Text
3.2 PRÄSUPPOSITION
3.2.1 Begriffsbestimmung
3.2.2 Präsuppositionen der Produzentin / des Produzenten
3.2.3 Präsupposition im Text
3.3 KONTEXT UND KONTEXTUALISIERUNG
3.3.1 Begriffsbestimmung
3.3.2 Kontextualisierungsstrategien
3.3.3 Kontextualisierung im Text
3.4 EMOTION UND SPRACHE
3.4.1 Lexikalische und syntaktische Phänomene
3.4.2 Satzübergreifende Phänomene
3.4.3 Emotionalisierung
3.4.4 Emotionalisierung im Text
4 RESÜMEE
5 ANHANG
5.1 REZENSION 1
5.2 REZENSION 2
5.3 REZENSION 3
5.4 REZENSION 4
6 LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das persuasive Potenzial von Musikrezensionen, indem sie analysiert, wie Musikkritiker ihre subjektiven Einschätzungen durch sprachliche und strategische Mittel für den Leser nachvollziehbar oder überzeugend gestalten. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Anwendung theoretischer Persuasionsmodelle innerhalb dieser spezifischen, oft monologisch geprägten Textsorte.
- Analyse persuasiver Strategien in der Musikkritik
- Anwendung der Persuasionstheorie auf Rezensionstexte
- Untersuchung von Argumentationsmustern und Präsuppositionen
- Bedeutung von Kontextualisierung und emotionaler Sprache in Rezensionen
Auszug aus dem Buch
3.1 Argumentation
Auch abseits der Wissenschaft besteht weitgehend Konsens, dass die Argumentation einen zentralen Stellenwert einnimmt, wenn ein bestimmter Standpunkt gestützt werden soll. Wie Argumentation im Konkreten funktioniert und wie allgegenwärtig das Phänomen im Grunde ist, soll im folgenden Kapitel näher erläutert werden. Um auch zeigen zu können, wie sich Argumentation im Text manifestieren kann, sollen konkrete Textanalysen der theoretischen Beschreibung des Phänomens nachgestellt werden.
In Anlehnung an das Metzler Lexikon Sprache soll folgende Definition des Begriffs Argumentation zur elementaren Erörterung der wesentlichen Merkmale des Phänomens herangezogen werden:
Typus sprachl[ichen]. Handelns, dessen genauer theoret[ischer]. Status noch immer umstritten ist. Versuchen, A[rgumentation]. als Sprechakt zu bestimmen, stehen solche gegenüber, die A[rgumentation]. eher als Sprechhandlungsfolge analysieren. [...] Charakterist[isch]. für Argumentationen ist, dass in ihnen zwischen zwei Interaktanten strittige, konkurrentielle Wissenselemente durch verbale Interaktion in ihrem Status geklärt werden sollen. A[rgumentation]. kommt also für das wechselseitige Überzeugen der Interaktanten eine große Bedeutung zu. (Ehlich 2010, 57f.)
Diese kurze Textpassage suggeriert bereits die elementaren Eigenschaften von Argumentation. Das Zustandekommen einer Argumentation ist zu allererst einmal gebunden an das Vorliegen eines strittigen Sachverhalts (vgl. auch Ottmers 1996, 67), wobei die Kommunizierenden versuchen, einen Konsens herzustellen. Erst wenn ein Streitpunkt vorhanden ist, werden Argumente – also weitgehend unstrittige Aussagen – wichtig, um einen Standpunkt oder eine Einstellung gegenüber dem Opponenten zu verteidigen. Kienpointner (vgl. 2008, 702) beschreibt Argumente als jene Aussagen, mit denen der zentrale Sprechakt der Argumentation, das Argumentieren, vollzogen wird und erreicht damit eine gute begriffliche Differenzierung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die persuasiven Aspekte von vier ausgewählten Plattenrezensionen des Albums Velociraptor! zu untersuchen und exemplarisch darzustellen.
2 TEXTSORTE: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Textsorte Rezension und arbeitet deren Charakteristika wie mediale Einbettung und kommunikative Funktionen heraus.
3 THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER PERSUASIONSFORSCHUNG: Hier werden wissenschaftliche Konzepte wie Argumentation, Präsupposition, Kontextualisierung und emotionale Kommunikation als Instrumente persuasiven Handelns ausführlich definiert und auf ihre Anwendbarkeit in Rezensionstexten geprüft.
4 RESÜMEE: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Musikkritiker verschiedene persuasive Strategien anwenden, um ihre subjektiven Bewertungen in den öffentlichen Diskurs einzubringen.
5 ANHANG: Der Anhang enthält die vollständigen Texte der vier untersuchten Rezensionen, die als empirische Basis für die Analyse dienen.
6 LITERATURVERZEICHNIS: Dieses Kapitel listet sämtliche verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Werke auf.
Schlüsselwörter
Persuasion, Musikkritik, Argumentation, Rezension, Textsorte, Präsupposition, Kontextualisierung, Emotion, Sprache, Diskurs, Persuasionsforschung, rhetorische Strategien, Bewertungswissen, Framing, intersubjektive Nachvollziehbarkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Mechanismen der persuasiven Kommunikation in Musikkritiken und analysiert, wie Rezensenten ihre subjektiven Einschätzungen sprachlich begründen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Argumentationstheorie, die Rolle von Präsuppositionen (vorausgesetztes Wissen), die Bedeutung des Kontexts bei der Textrezeption sowie der gezielte Einsatz von Emotionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzudecken, wie explizite und implizite Aspekte der Persuasion in Praxisbeispielen (Plattenrezensionen) funktionieren und wie Musikkritiker ihre Leser zu beeinflussen versuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische Textanalyse angewandt, die theoretische Ansätze der Rhetorik- und Persuasionsforschung auf konkrete Rezensionstexte überträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte (wie Topik, Inferenz, Framing und Emotionalisierung) erörtert und anhand von Textbeispielen diskutiert, um deren praktische Anwendung in der Musikkritik zu verdeutlichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Persuasion, Musikkritik, Argumentation, Rezension, Kontextualisierung und Emotionalisierung.
Warum spielt das "One-Hit-Wonder"-Phänomen in Rezension 4 eine Rolle?
Es dient als strategisches Kontextualisierungsmittel, um den Leser von der konventionellen Bedeutung des Begriffs wegzuführen und die Argumentation des Autors in einem neuen Licht zu präsentieren.
Welchen Einfluss hat die "Großspurigkeitsdebatte" der Band Kasabian auf die untersuchten Rezensionen?
Die Debatte fungiert als ein dem Diskurs entnommenes Expertenwissen, das von den Autoren genutzt wird, um ihre eigene Glaubwürdigkeit (Ethos) zu etablieren und den Leser auf die Besprechung einzustimmen.
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- BA Christoph Lederhilger (Author), 2013, Persuasion und Musik. Analyse von Plattenrezensionen im Hinblick auf ihr persuasives Potenzial, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271266