Feste zu feiern gehört zu unserer heutigen Gesellschaft selbstverständlich dazu. Dass Festanlässe wie Ostern, Weihnachten, Pfingsten oder gesellschaftliche Feierlichkeiten wie Karneval eine lange Tradition haben, ist bekannt. Auch in der mittelalterlichen Literatur finden sich diese Feste wieder. Beschrieben sind sie in großen epischen Werken, wie dem Rolandslied, der Eneit und in vielen Artusromanen. Während die Darstellung der Feste in diesen Werken meist als vollkommen, höfisch und sittlich angepriesen wird, gibt es einige Dichtungen, die das Fest ins gegenteilige Licht rücken. Zu solch einer Darstellung gehört auch "Der Ring", der um 1408/10 von Heinrich Wittenwiler verfasst wurde.
Diese Arbeit befasst sich mit der Festdarstellung, wie sie im Ring vorgenommen wird und vergleicht diese mit den traditionellen Festbeschreibungen in höfischen Romanen. Zunächst wird der Begriff 'Fest' untersucht. Dazu gehören die verschiedenen Arten der Feste in mittelalterlicher Literatur sowie deren Funktion. Anschließend wird die Festbeschreibung im Ring vor dem Hintergrund der höfischen Feste genauer analysiert. Die zentrale Frage ist anschließend, warum der Autor das Fest auf diese Weise darstellt, welche Ziele er damit verfolgt und wie er dies realisiert. Den Abschluss der Arbeit bilden einige Schlussbemerkungen, in denen auch auf weitere, hier nicht behandelte Fragestellungen eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Fest in der mittelalterlichen Epik
2.1 Formen des Festes
2.2 Funktionen des Festes
2.3 Das ideale Fest
3. Die Festbeschreibung im Ring
4. Der Ring zwischen Lehrwerk und Parodie
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Festen in der mittelalterlichen Epik, mit einem besonderen Fokus auf Heinrich Wittenwilers Werk "Der Ring". Dabei wird analysiert, wie der Autor durch die bewusste Umkehrung höfischer Festkonventionen und die Darstellung bäuerlicher Festlichkeiten didaktische Ziele verfolgt und das Fest als Lehrbeispiel nutzt.
- Vergleich zwischen höfischer Idealdarstellung und bäuerlicher Festbeschreibung
- Analyse der Funktionen und Riten mittelalterlicher Feste
- Untersuchung der didaktischen Lernmethode durch Anti-Identifikation und Satire
- Der "Ring" als komplexes Zusammenspiel von Parodie, Lehrwerk und historischer Fiktion
Auszug aus dem Buch
3. Die Festbeschreibung im Ring
Nachdem oben das ideale Fest nach den Kriterien Ort, Kleidung, Mahl sowie Unterhaltung untersucht wurde, soll auch das Hochzeitsfest im Ring auf selbige begrenzt werden. Da es sich hier nur um das eigentliche Fest dreht, werden die Eheschließung sowie die Messe am nächsten Morgen weitestgehend außer Acht gelassen. Hervorzuheben ist, dass die Eheschließung selbst bereits ungewöhnlich erfolgt. Nachdem Mätzli in Ohnmacht gefallen war, als sie von der anstehenden Vermählung mit Bertschi erfuhr, kann die Vermählung schließlich stattfinden. Hier kommt es zu einigen Verzögerungen, denn Mätzli tut wie ihr zuvor aufgetragen: „So man dir hevet also an: 'Willst du Pertschin ze dem man?' So scholt du dich des ersten weren Enwech: daz stet dir wol ze eren“ (Vv. 5239-5241).79 Doch durch das Zureden ihres Vaters Fritzo („'Tochter, scham dich nicht so hart Und nim du Bertschin zuo der ee!'“ (Vv. 5269-5270) ) willigt Mätzli schließlich ein. Vor lauter Aufregung bringt Bertschi jedoch kein „Ja“ heraus, sondern seine Antwort wird zu einem „Gra!“ (V. 5258). Die Ehe, die ohne „an schuoler und an phaffen (V. 5276) geschlossen wurde, wird mit einem Ring besiegelt. Dieser ist jedoch wertlos, denn
Es was von plei und überzint, Mit einem stain, sam ich es vind, Der hiess ein sapheir von glas; Dar umb von hartz ein gsmeltze was, Mit naswasser durch laseurt; Dar zuo ws es auch gesteurt Mit zwain perlen von den augen Aus dem visch: daz schült es glauben. (Vv. 5279-5286)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Festdarstellung in der mittelalterlichen Literatur ein und skizziert die Forschungsfrage sowie das Ziel der Arbeit anhand von Heinrich Wittenwilers "Der Ring".
2. Das Fest in der mittelalterlichen Epik: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Formen, Funktionen und normativen Vorstellungen des idealen Festes im höfischen Kontext.
3. Die Festbeschreibung im Ring: Hier wird das konkrete Hochzeitsfest im "Ring" im Hinblick auf seine Abweichungen vom höfischen Ideal sowie die drastische Darstellung der bäuerlichen Festkultur analysiert.
4. Der Ring zwischen Lehrwerk und Parodie: Dieses Kapitel untersucht die didaktischen Absichten Wittenwilers und die hybride Natur des Werkes zwischen Parodie, didaktischem Lehrbuch und historischer Wirklichkeit.
5. Schlussbemerkungen: Zusammenfassend wird festgehalten, dass das Fest als zentrales Motiv der Heldenepik bei Wittenwiler durch Umkehrung und Übertreibung zur Erziehung des Publikums dient.
Schlüsselwörter
Mittelalterliche Epik, Heinrich Wittenwiler, Der Ring, Festbeschreibung, Festkultur, höfisches Fest, bäuerliche Hochzeit, Parodie, didaktisches Lehrwerk, Anti-Identifikation, Tischsitten, Sozialer Übergang, Mittelalter, Festmahl, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die literarische Darstellung von Festen in der mittelalterlichen Epik, mit einem Schwerpunkt auf der kritischen und parodistischen Verarbeitung dieser Motive in Heinrich Wittenwilers "Der Ring".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen höfische Festnormen, bäuerliche Realitäten, die Funktion von Riten und Mahlzeiten sowie die didaktische Vermittlung von Werten durch literarische Übertreibung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, warum der Autor des "Ring" die traditionellen höfischen Festbeschreibungen umkehrt und mit welchen didaktischen Zielen er die grotesken bäuerlichen Festlichkeiten darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der der "Ring" sowohl mit höfischen literarischen Vorbildern als auch mit historischen Sachzeugnissen der spätmittelalterlichen Lebenswelt verglichen wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des höfischen Idealbildes und eine detaillierte Analyse der Abweichungen davon im "Ring", insbesondere hinsichtlich Mahlzeiten, Kleidung, Unterhaltung und dem Verhalten der Gäste.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Mittelalterliche Epik, Festkultur, didaktisches Lehrwerk, Parodie, Anti-Identifikation und die soziokulturelle Funktion des Festes.
Warum ist die Wahl des Ortes für das Fest im "Ring" so bedeutsam?
Die Wahl der "Natur" (Gras) für das bäuerliche Hochzeitsfest steht im starken Kontrast zum idealisierten höfischen Festsaal und unterstreicht die gewollte Primitivität und den Mangel an zivilisatorischem Standard.
Inwiefern dient die Parodie im "Ring" didaktischen Zwecken?
Die Parodie dient als Methode der Anti-Identifikation; das Publikum soll sich vom ungehobelten Verhalten der Bauern abstoßen und durch die negative Darstellung zum Erlernen korrekter Verhaltensweisen motiviert werden.
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- Kristina Eichhorst (Author), 2012, Das Fest in der mittelalterlichen Dichtung und in Heinrich Wittenwilers Der Ring, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271286