Jesu Salbung durch die Sünderin - Eine Auslegung von Lk 7, 36 - 50


Seminararbeit, 2004

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

A. Einleitung

Die zentralen Rollen in der Bibel scheinen fast ausschließlich Männer zu spielen.

Wenn ich eine Stelle nennen soll, in der eine Frau hervorgehoben wird, fällt mir gerade diese Geschichte von Jesu Salbung durch die Sünderin ein.

Eine Gruppe Männer sitzt um einen Tisch, schlemmt, diskutiert und läßt es sich gutgehen. Untertänigst schleicht eine Frau herein, verschenkt das Kostbarste, was sie besitzt, an Jesus und läßt sich von jener Gruppe um ihn herum auch noch arrogant beschimpfen. Und, was mich dann schockiert: Sie wehrt sich nicht einmal dagegen.

Muß ich als Frau mich eher als Sünderin fühlen? Werde ich nur aufgrund meines Geschlechtes in eine andere – schlechtere – Kategorie geschoben?

Jesus ist der Messias für alle Menschen, egal welchen Geschlechtes, welcher Nationalität ...Aber ist auch der Evangelist Lukas dieser Meinung? Im Gegensatz zu Markus und Matthäus verwendet er die Bezeichnung Sünderin/Prostituierte und nicht Frau. Schreiben denn die Synoptiker möglicherweise gar nicht über dieselbe Begebenheit? Ich werde mit Hilfe der folgenden Arbeitsschritte Licht in das Dunkel bringen.

B. Textfindung

Dieser Exegese liegt die Zürcher Bibelübersetzung zugrunde . Ich habe beim Übersetzungsvergleich entdeckt, daß sich Jesus sowohl in der Zürcher als auch in der Luther – Übersetzung zu Tisch setzte, was historisch nicht richtig ist. “Bei festlichen Anlässen folgten die Juden zur Zeit Jesu der griechisch-römischen Sitte und lagen auf Polstern zu Tisch”.[1] In der Guten Nachricht und in der Elberfelder Bibelübersetzung legte Jesus sich zu Tisch, was wichtig ist , um zu verstehen, wie die Sünderin denn von hinten an Jesus‘ Füße herantreten konnte.[2] Leider ist nun die Gute Nachricht insgesamt nicht nah genug am Urtext und m. M. n. nicht gut für eine Exegese geeignet. Die Elberfelder Übersetzung ist mir aber zu wenig vertraut, so daß ich nun die Zürcher Übersetzung verwenden werde, von der ich auch eine Synopse besitze.

Lukas- Evangelium 7, 36- 50

36Es bat ihn aber einer der Pharisäer, mit ihm zu essen. Und er ging in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tische.

37Und siehe, eine Frau in der Stadt, die eine Sünderin war, hatte vernommen, daß er im Hause des Pharisäers zu Tische war, brachte eine Alabasterflasche voll Salbe

38Und trat hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit ihren Tränen zu benetzen, und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes, küßte seine Füße und salbte sie mit der Salbe.

39Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, sagte er bei sich selbst:

Wenn dieser ein Prophet wäre, wüßte er, wer es ist und was für eine für eine Frau, die ihn anrührt, daß sie (nämlich) eine Sünderin ist.

40Und Jesus begann und sprach zu ihm:

Simon, ich habe dir etwas zu sagen.

Er erwiderte:

Meister, sprich!

41Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner. Der eine war fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig.

42Da sie nicht bezahlen konnten, schenkte er es beiden. Welcher von ihnen wird ihn nun am meisten lieben?

43Simon antwortete und sagte:

Ich denke, der, dem er das meiste geschenkt hat.

Da sprach er zu ihm:

Du hast recht geurteilt.

44Und indem er sich zu der Frau hinwandte, sprach er zu Simon:

Siehst Du diese Frau?

Ich bin in dein Haus gekommen: Wasser für die Füße hast du mir nicht gegeben; sie aber hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet.

45Einen Kuß hast Du mir nicht gegeben; sie aber hat, seit sie hereingekommen ist, nicht aufgehört, meine Füße zu küssen

46Mit Öl hast du mein Haupt nicht gesalbt; sie aber hat mit Salbe meine Füße gesalbt.

47Deshalb sage ich Dir: Ihre vielen Sünden sind ihr vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.

48Er sprach aber zu ihr:

Deine Sünden sind dir vergeben.

49Da fingen die Tischgenossen an, bei sich selbst zu sagen:

Wer ist dieser, der sogar Sünden vergibt?

50Er sprach aber zu der Frau:

Dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden!

C. Literarkritik

Um verstehen zu können, mit welcher Intention Lk das Evangelium geschrieben hat, wie die Unterschiede zwischen den Synoptikern zustande kommen und welchen Standpunkt Lk den Frauen gegenüber einnimmt, ist ein genauer Vergleich nötig. Dabei nehme ich im Folgenden auch den Menschen Lukas in seiner historischen Umgebung in Augenschein.

1. Sprachliche Analyse

a) Stil, Einheitlichkeit und Wortschatz

Lk schreibt seine Erzählung durchgängig (abgesehen von der wörtlichen Rede) im Präteritum. Auffällig in seiner Sprache sind Partizipial- und Nebensätze, wobei im Vergleich mit Mk’s eher monotonem Satzbau klar wird, daß er vorwiegend für gebildete Kreise schreibt.

Lk schreibt griechisch, aber nicht das Griechisch seiner Zeit. “Er versucht, einen Weg zu finden zwischen der Volkssprache ( z.B. des Mk...) und den künstlichen Reformbewegungen (...).“

Er ist in einem Zwiespalt: Auf der einen Seite seine breite und umfassende Bildung, auf der anderen Seite das Ziel: Einfachheit. Ihm gelingt dieser Spagat und er schafft es, “seine Erzählkunst dem biblischen Stil der Geschichtsbücher anzugleichen”.[3]

Typisch für Lk’s Stil ist die Wandelbarkeit. So ist diese Szene fast “erotisch gefärbt”.(Vers 38)[4] Im Gegensatz dazu benutzt er in anderen Erzählungen beispielsweise einen juristischen oder polemischen Erzählstil. Diese Verwendung verschiedener Stile ist nicht etwa in den unterschiedlichen Quellen begründet, sondern sagt etwas darüber aus, wie kunstvoll Lk fähig ist, mit Worten zu malen .[5]

Lk verwendet oft Stilmittel zur Veranschaulichung. So tauchen in der Erzählung die Salbung Jesu durch die Sünderin beispielsweise Parallelismus, Anaphern, Alliteration und Klimax auf.(V.44 – 46).

Parallelismus schaltet die Sätze von Punkt zu Punkt gleich. (Hast Du nicht.Hast Du nicht, Sie aber hat...sie aber hat).

Alliteration betont das Verhalten bzw. Nichtverhalten. Als Alliteration wird in diesem Fall abgesehen von der Wiederholung des ersten Buchstabens (H ast Du nicht... H ast Du nicht) auch die eines ganzen Satzteils angesehen.

Eine Anapher stützt eine dreimalige Antithese (Den Gegensatz zwischen dem Unterlassen der “Dienste” durch den Pharisäer und den Handlungen der Sünderin): “Du hast es nicht getan, aber sie hat es getan”.

Innerhalb dieser Perikope hat Lk m. E. noch einen Klimax eingesetzt.

1. Wasser: Die Fußwaschung beim Eintritt ins Haus ist ein Akt der Höflichkeit
2. Kuß: Der Willkommenskuß am Eingang ist ein Zeichen der Freundschaft.
3. Öl: Die Salbung drückt Ehrerbietung aus

Höflichkeit, Freundschaft und Ehrerbietung kann hierbei eine Steigerung auf der Beziehungsebene bedeuten.

Interessant ist auch die Erzählung als Spiegel: In der Bibelstelle vor dieser Begebenheit sind die Pharisäer( im Folgenden mit P. abgekürzt) als Negativ- Beispiel angeführt. Danach u. a. die Frauen als positives Beispiel. In Lk 7 36 – 50 treffen diese beiden Gegensätze aufeinander und bilden durch Jesus einen Spiegel.

[...]


[1] Vgl. Dr. L. Mattern: Gute Nachricht erklärt

[2] Vgl. Sizoo: Die antike Welt und das NT

[3] Bovon, Das Ev. nach Lk, S.16 - 18.

[4] NT Deutsch Schweizer.

[5] Vgl. EKK

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Jesu Salbung durch die Sünderin - Eine Auslegung von Lk 7, 36 - 50
Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Veranstaltung
Exegetisches Proseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V27134
ISBN (eBook)
9783638292597
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jesu, Salbung, Sünderin, Eine, Auslegung, Exegetisches, Proseminar
Arbeit zitieren
Heidi Christina Kohlstock (Autor), 2004, Jesu Salbung durch die Sünderin - Eine Auslegung von Lk 7, 36 - 50, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27134

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