Der nachfolgenden Ausarbeitung liegen die in Schmalkalden befindlichen Iwein-Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert zu Grunde. In ihrer kompositorischen Anlage beziehen sich die Fresken auf den Inhalt des von Hartmann von Aue um 1203 verfassten gleichnamigen Versromans Iwein, welcher der ritterlich-höfischen Artusdichtung zuzuschreiben ist. Da in diesem hochmittelalterlichen Bilderzyklus von der Schriftvorlage nur rund die Hälfte der 8166 Verse thematisch eingebracht und umgesetzte wurde, soll bei dieser Arbeit der literarische Aspekt, aus dem die Malereien hervorgehen, nicht als zentraler Untersuchungsgegenstand behandelt werden. Auf eine umfassende Analyse oder Wiedergabe des Iwein-Stoffes wird daher weitgehend verzichtet. Zu Beginn dieser Arbeit möchte ich an erster Stelle einige Fakten und Informationen zur ritterlich-höfischen Dichtung zusammentragen und damit einen Einstieg in die weiteren Ausführungen zur Iwein-Illustration anbieten. Die beiden nachfolgenden Punkte nehmen exemplarisch Bezug auf den Zyklus und legen Daten und Befunde zu der Forschungsgeschichte, dem Entstehungszusammenhang, Raum und Lage der Malereien sowie einer möglichen Datierung und Auftraggeberschaft dar. Im Anschluss folgt eine kurze Ausführung zu der Technik und Farbigkeit der Abbildungen. Als ein weiterer Aspekt wird über die bildliche Darstellung des Zyklus ein kurzer Einblick in den Inhalt der Erzählung gegeben. Der nächste Abschnitt setzt sich intensiver mit dem Darstellungsstil, der Bildkomposition und der Erzählstruktur auseinander. An letzter Stelle ist es mir ein Anliegen, die relevantesten Thesen zu den Überlegungen von Funktion und Intention des Werkes festzuhalten und in diesem Zusammenhang meine eigenen Ideen und Betrachtungen einfließen zu lassen. Die Quellen- und Forschungslage zu dem behandelten Thema erweist sich als äußerst umfangreich. Über die Jahre hinweg konnten dank kunstgeschichtlicher Untersuchungen einige nachweisbare Erkenntnisse gesammelt und schriftlich fixiert werden. Desweiteren liegen diverse noch unbestätigte Theorien und Ansätze in der Forschungsliteratur vor, insbesondere bezüglich der Fragestellungen zu Funktion, Auftraggeberschaft und Datierung der Wandmalereien.
Inhaltsverzeichnis
I. Zielsetzung der Arbeit und Erläuterung des inhaltlichen Aufbaus
II. Anmerkungen zur ritterlich-höfischen Literatur
III. Der Iwein-Zyklus in Schmalkalden I: Die Malereien im Kontext von Forschungsgeschichte, Datierung und Entstehungszusammenhang
IV. Der Iwein-Zyklus in Schmalkalden II: Die Malereien im Kontext von Lage und Umgebung, Erhaltungszustand und möglicher Auftraggeberschaft
V. Technik und Farbigkeit
VI. Bildliche Darstellung und inhaltlicher Überblick
VII. Darstellungsstil, Bildkomposition und Erzählstruktur
VIII. Mögliche Intention und Funktion der Malereien
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den hochmittelalterlichen Iwein-Wandmalereien im Hessenhof in Schmalkalden, wobei der Fokus auf der kunsthistorischen Einordnung der Fresken in Bezug auf ihre Entstehung, Technik, Bildsprache und ihre mutmaßliche gesellschaftliche Funktion als repräsentative Ausstattung eines Profanbaus liegt.
- Forschungsgeschichte und Datierung der Schmalkaldener Iwein-Fresken
- Analyse der malerischen Technik und des spezifischen Darstellungsstils
- Interpretation der bildlichen Erzählstruktur und Bildkomposition
- Diskussion zur Funktion des Raumes und zur höfischen Auftraggeberschaft
Auszug aus dem Buch
VIII. Mögliche Intention und Funktion der Malereien
Eindeutige Überlieferungen oder Dokumentationen zu der Auftragssituation und der Funktion der Wandmalereien sind nicht bekannt und lassen sich nur durch kunst- ,bzw. zeithistorische Zusammenhänge und Herangehensweisen deuten oder rekonstruieren. Grundlegend ist jedoch festzuhalten, dass die malerischen Ausstattungen von Profanbauten, die der Oberschicht gedient haben, meist nicht von Bauerrichtung an disponiert waren, sondern vielmehr aus einem spezifischen Anlass heraus entstanden sind.
Zudem sollte noch die Erwägung offen bleiben, dass eine möglicherweise einmalig und zeremoniell veranlasste Raumausstattung nicht zwangsläufig an eine damit einhergehende und fortschreitende Funktionalität gekoppelt ist, denn so „erweisen sich immer wieder Nutzungsvielfalt, ebenso temporärer Nutzungswechsel bestimmter Räume“ als kennzeichnend für die Architektur der hochmittelalterlichen Kultur.
Auch von einer denkbaren Unterschätzung dieser Räumlichkeit aufgrund der minderen Größe sollte abgesehen werden, da im Übergang zum Spätmittelalter ein „Wandel von eher offenräumigen zu kleinräumigen Wohnungsgrundrissen“ stattgefunden hatte und darüber hinaus der Besitz von mehreren kleinen, separierten Zimmern als statusverdeutlichendes Symbol galt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Zielsetzung der Arbeit und Erläuterung des inhaltlichen Aufbaus: Einleitung in das Thema, die Zielsetzung sowie die methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung der Iwein-Fresken.
II. Anmerkungen zur ritterlich-höfischen Literatur: Erläuterung der Bedeutung und didaktischen Funktion der höfischen Dichtung im 13. Jahrhundert.
III. Der Iwein-Zyklus in Schmalkalden I: Die Malereien im Kontext von Forschungsgeschichte, Datierung und Entstehungszusammenhang: Darstellung der Forschungsgeschichte, der Erhaltungsmaßnahmen sowie der kontroversen Datierungsansätze des Bildprogramms.
IV. Der Iwein-Zyklus in Schmalkalden II: Die Malereien im Kontext von Lage und Umgebung, Erhaltungszustand und möglicher Auftraggeberschaft: Beschreibung des architektonischen Kontextes und der Bedingungen, die zur Erhaltung der Wandmalereien führten.
V. Technik und Farbigkeit: Untersuchung der verwendeten Maltechnik (Kalk-Secco) und der farblichen Gestaltung der Wandbilder.
VI. Bildliche Darstellung und inhaltlicher Überblick: Überblick über die erzählte Geschichte des Iwein-Romans in den erhaltenen Bildregistern.
VII. Darstellungsstil, Bildkomposition und Erzählstruktur: Analyse der räumlichen Anordnung, der Erzähldynamik und der künstlerischen Mittel zur Darstellung von Raum und Handlung.
VIII. Mögliche Intention und Funktion der Malereien: Diskussion über die Funktion der Fresken als Repräsentationsmittel für den Adel und die Bedeutung des Raumes im gesellschaftlichen Kontext.
Schlüsselwörter
Iwein, Schmalkalden, Wandmalerei, Hessenhof, Artusdichtung, Hartmann von Aue, Kalk-Secco-Malerei, Bildprogramm, höfische Kultur, Mittelalter, Kunstgeschichte, Raumausstattung, Iwein-Zyklus, Repräsentation, Mittelalterliche Malerei
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die im 13. Jahrhundert entstandenen Iwein-Wandmalereien im Hessenhof in Schmalkalden unter kunsthistorischen und zeithistorischen Gesichtspunkten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Forschungsgeschichte, die Datierung, die verwendete Maltechnik, die inhaltliche Struktur der Bildzyklen sowie die mögliche Funktion der Räumlichkeiten für den Adel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, trotz mangelnder Quellenlage Erkenntnisse über die Intention der Auftraggeber, die künstlerische Qualität der Ausführung und die funktionale Nutzung des Raumes zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Untersuchung, die Vergleiche mit zeitgenössischer Literatur, anderen Wandmalereien und architektonischen Befunden sowie die Analyse der vorhandenen Forschungsliteratur nutzt.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Kontextes, die detaillierte Beschreibung der Bildinhalte der einzelnen Register sowie die Analyse des Stils und der räumlichen Anordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Iwein-Zyklus, Schmalkalden, Hessenhof, höfische Malerei, Bildprogramm, Datierung, Repräsentationsfunktion und Mittelalter.
Warum ist eine exakte Datierung der Malereien im Hessenhof so schwierig?
Es fehlen explizite Dokumente zur Entstehung; Forscher müssen daher auf Indizien wie Gewandfalten, Rüstungsdetails, Siegelvergleiche oder architektonische Stilelemente zurückgreifen, was zu unterschiedlichen Datierungshypothesen führt.
Welche Rolle spielt das "Hochzeitmahl" im Gesamtzusammenhang des Zyklus?
Das Hochzeitsmahl nimmt eine Sonderstellung ein, da es sich in seiner Anordnung dem restlichen Registerverlauf entzieht und vermutlich besonders stark die höfische Etikette sowie den Status der Auftraggeber unterstreichen sollte.
- Quote paper
- Sabine Wollmann (Author), 2012, Die Wandmalereien im Hessenhof zu Schmalkalden und der Versroman "Iwein" von Hartmann von Aue, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271342