Im Rahmen dieser Arbeit soll die Frage beantwortet werden, ob und inwieweit exportorientierte Finanz- und Wirtschaftspolitik in der Lage ist, die Leistungsfähigkeit und damit die Wettbewerbsfähigkeit des privaten Sektors zu stärken. Dabei rückt beispielhaft Deutschland in Bezug auf die Entwicklung hin zur Staatsschuldenkrise in den Mittelpunkt. Ausgehend von den außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten in der Eurozone steht dabei die These im Mittelpunkt, dass sich eine exportorientierte Finanz- und Wirtschaftspolitik auch direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit der entsprechenden Handelspartner innerhalb einer Währungsunion auswirkt. Dazu werden im ersten Schritt die grundlegenden Begriffe im Zusammenhang mit den außenwirtschaftlichen Verknüpfungen einer Volkswirtschaft erläutert. Anschließend rückt die Bedeutung eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts in den Vordergrund. Dabei werden mögliche Folgen von Ungleichgewichten und der Zusammenhang mit der Leistungsbilanz einer Volkswirtschaft dargestellt. Auf Grundlage der Leistungsbilanzbetrachtung wird die Transmission von Ungleichgewichten zwischen Volkswirtschaften einer Währungsunion untersucht und in Bezug zu möglichen Entwicklungen des Staatsbudgetsaldos gesetzt. In diesem Zusammenhang wird die Frage nach den Einflussmöglichkeiten von Finanz- und Wirtschaftspolitik auf die Leistungsbilanz beantwortet. In einem weiteren Schritt wird die Finanz- und Wirtschaftspolitik Deutschlands dargestellt und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse innerhalb der Eurozone bis zur Krise 2009 untersucht. Abschließend werden die Kennzeichen der Staatsschuldenkrise in Zusammenhang mit dieser Entwicklung gesetzt. Da sich das Ausgabeverhalten der öffentlichen Haushalte zunächst nicht direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft auswirkt, wird die Betrachtung der Ausgabenpolitik der späteren Krisenländer nicht Bestandteil dieser Arbeit sein. Ebenso wenig wird die Entscheidung zur Aufnahme von bereits hochverschuldeten Ländern in die Eurozone (vgl. Heinemann & Schmuck 2012, S. 3) betrachtet, da die Rolle der gegebenen außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte hinsichtlich der Entstehung der Staatsschuldenkrise im Mittelpunkt der Arbeit steht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlegende Begriffe
3 Bedeutung eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts
3.1 Notwendigkeit eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts
3.2 Definition eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts
4 Leistungsbilanzungleichgewichte als Indikator für ein außenwirtschaftliches Ungleichgewicht
4.1 Transmission von Leistungsbilanzungleichgewichten innerhalb einer Währungsunion
4.2 Der Zusammenhang zwischen Leistungsbilanz und Staatshaushalt
4.3 Einflussmöglichkeiten der Finanz- und Wirtschaftspolitik auf die Leistungsbilanz
5 Auswirkungen von exportorientierter Wirtschaftspolitik am Beispiel Deutschlands
5.1 Kennzeichen der deutschen Finanz- und Wirtschaftspolitik bis 2009
5.2 Auswirkungen der exportorientierten deutschen Wirtschaftspolitik
6 Kennzeichen der Staatsschuldenkrise 2009
7 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte bei der Entstehung der europäischen Staatsschuldenkrise. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit eine exportorientierte Finanz- und Wirtschaftspolitik – am Beispiel Deutschlands – die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Eurozone beeinflusst und zu Leistungsbilanzdefiziten in anderen Mitgliedstaaten beiträgt.
- Außenwirtschaftliche Verflechtungen und Leistungsbilanzdynamiken
- Transmission von Ungleichgewichten innerhalb einer Währungsunion
- Zusammenhang zwischen nationaler Haushaltspolitik und Leistungsbilanz
- Einfluss exportorientierter Wirtschaftspolitik auf Lohnstückkosten und Wettbewerbsfähigkeit
- Analyse der Staatsschuldenkrise 2009 im Kontext divergierender wirtschaftlicher Entwicklungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Notwendigkeit eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts
Bei der Frage nach der Notwendigkeit eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts bietet die Betrachtung des internationalen Güterverkehrs die Möglichkeit, Auswirkungen von außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten anhand von Beschäftigung, Preisniveau und Wachstum darzustellen. Am Beispiel der diesbezüglichen Vorgaben für die deutsche Wirtschaftspolitik (vgl. Bundestag 1967, § 1) werden damit die Auswirkungen von außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten in Bezug auf die weiteren wirtschaftspolitischen Zielsetzungen deutlich.
Die Folgen von außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten lassen sich aus binnenwirtschaftlicher und außenwirtschaftlicher Sicht beschreiben. Aus binnenwirtschaftlicher Sicht erscheint ein Exportüberschuss zunächst als Vorteil. Exporte tragen, insbesondere bei stark exportorientierten Volkswirtschaften, wesentlich zur Erreichung und Sicherung eines hohen Beschäftigungsstandes bei. Hinzu kommt die mit der Abwicklung von Exporten verbundene Erzeugung von Gütern und Dienstleistungen. Diese trägt zu einer Erhöhung des Inlandsprodukts bei und sorgt somit für Wachstum und einen Anstieg des Einkommens.(vgl. Mussel & Pätzold 2012, S. 211 f.)
Durch einen Exportüberschuss entsteht im Inland ein Devisenüberschuss, da mehr Devisen durch Ausfuhren ins Inland fließen, als Devisen durch Einfuhren ins Ausland fließen. Damit wird die Nettovermögensposition des exportierenden Landes gegenüber dem Ausland erhöht. Dieser Devisenüberschuss trägt zum einen zur Absicherung gegen steigende Importpreise bei und kann zum anderen zinstragend im Ausland angelegt werden, wodurch der Exportüberschuss weiter erhöht wird. Werden Devisenreserven durch eine Zentralbank zinstragend angelegt so entstehen durch diesen Zentralbankgewinn zusätzliche Einnahmen für den betreffenden Staat.(vgl. Mussel & Pätzold 2012, S. 212)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Staatsschuldenkrise und Darstellung der zentralen These zur Rolle exportorientierter Politik.
2 Grundlegende Begriffe: Definition der ökonomischen Außenbeziehungen und Erläuterung der Zahlungsbilanz inklusive Leistungs- und Kapitalbilanz.
3 Bedeutung eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts: Untersuchung der wirtschaftspolitischen Relevanz außenwirtschaftlicher Gleichgewichte und deren Auswirkungen auf Beschäftigung und Wachstum.
4 Leistungsbilanzungleichgewichte als Indikator für ein außenwirtschaftliches Ungleichgewicht: Analyse der Übertragungsmechanismen von Ungleichgewichten innerhalb einer Währungsunion und der Verknüpfung mit dem Staatshaushalt.
5 Auswirkungen von exportorientierter Wirtschaftspolitik am Beispiel Deutschlands: Darstellung der deutschen Agenda 2010 und deren Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Euro-Staaten.
6 Kennzeichen der Staatsschuldenkrise 2009: Beschreibung der drei Krisenphasen: Kreditknappheit, Bankenzusammenbrüche und staatliche Bankenrettungen.
7 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Leistungsbilanzungleichgewichten bei der Entstehung des hohen Schuldenanstiegs in den Krisenländern.
Schlüsselwörter
Staatsschuldenkrise, Eurozone, Leistungsbilanz, Außenwirtschaftliches Gleichgewicht, Exportorientierung, Wettbewerbsfähigkeit, Lohnstückkosten, Agenda 2010, Zahlungsbilanz, Währungsunion, Fiskalpolitik, Krisenländer, Kapitalbilanz, Wirtschaftswachstum, Finanzkrise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen der europäischen Staatsschuldenkrise mit einem Fokus auf die Rolle von außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten innerhalb der Eurozone.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Zusammenhänge zwischen Leistungsbilanzsalden, nationaler Wirtschaftspolitik (insbesondere in Deutschland) und der Stabilität der Staatshaushalte in der Währungsunion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, inwieweit exportorientierte Finanz- und Wirtschaftspolitik die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb einer Währungsunion verzerrt und somit zur Entstehung von Krisen in anderen Mitgliedstaaten beigetragen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die ökonomische Identitäten und Modelle der Zahlungsbilanz nutzt, um historische wirtschaftspolitische Entwicklungen im Zeitraum bis 2009 einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Leistungsbilanz, die Analyse von Transmissionsmechanismen in Währungsunionen sowie eine empirische Betrachtung der deutschen Agenda 2010 und deren Auswirkungen auf die Eurozone.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Staatsschuldenkrise, Leistungsbilanzungleichgewichte, Lohnstückkosten, Wettbewerbsfähigkeit und Exportorientierung charakterisieren.
Warum konnte Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Ländern so stark ausbauen?
Laut der Arbeit war dies vor allem auf die Reformen der Agenda 2010 zurückzuführen, die durch eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und die Senkung von Lohnnebenkosten zu einer deutlichen Senkung der Lohnstückkosten führten.
Welche Rolle spielten die Lohnstückkosten in der Krise?
Die Lohnstückkosten waren ein entscheidender Indikator für Preisniveauunterschiede; Deutschland blieb deutlich unter den Inflationsvorgaben der EZB, was den Wettbewerbsvorteil gegenüber den Krisenländern, die diese Vorgaben nicht einhalten konnten, massiv vergrößerte.
- Arbeit zitieren
- Thomas Meyer (Autor:in), 2013, Die Rolle der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte innerhalb der EWU bei der Entstehung der Staatsschuldenkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271350