Die zunehmende Globalisierung der Märkte, verbunden mit verschärften Wettbewerbsbedingungen und verkürzten Produktionszyklen, haben in den letzten Jahrzehnten eine verstärkte Kooperationswelle ausgelöst, sodass zahlreiche
Unternehmen nicht mehr selbständig sondern in unterschiedlichen Arten von Unternehmensverbindungen agieren. Eine besondere und eine der wichtigsten
Organisationsformen stellt der Konzern dar. Nicht nur international erlangen Konzerne zunehmend an Bedeutung. Auch im deutschen Wirtschaftsraum wählen viele Unternehmen bewusst diese Unternehmensverbindung, um ihre Macht zu stärken respektive am Markt eine tragfähige Wettbewerbsposition zu etablieren. Häufig versprechen sich Unternehmen aus der Konzernierung Effizienzvorteile
hinsichtlich der eigenen ökonomischen Zielsetzung. Da von der Konzernbildung neben den einzelnen Konzernunternehmen ebenso die am Konzern beteiligten Anteilseigner, Gläubiger, Arbeitnehmer und Geschäftspartner unmittelbar
betroffen sind, gewinnt auch die Rechnungslegung von Konzernen an Bedeutung. Als ein wesentliches Instrument der Außendarstellung vermittelt die Konzernrechnungslegung
externen Adressaten bedeutsame Informationen über das
wirtschaftliche Gebaren des Konzerns. Im deutschen Handelsrecht sind Regelungen zur Konzernrechnungslegung sowohl im HGB als auch im PublG kodifiziert. Für international agierende Unternehmen rücken die nationalen Vorschriften jedoch zugunsten internationaler Rechnungslegungsgrundsätze zunehmend in den Hintergrund. Dies ist unter anderem auf die mangelnde Akzeptanz der
deutschen Rechnungslegung auf dem internationalen Markt zurückzuführen.
Die Notwendigkeit einer vergleichbaren und transparenten Rechnungslegung nach weltweit einheitlichen Standards zeigte insbesondere die jüngste internationale
Finanzkrise. Daher befinden sich sowohl die internationale Rechnungslegung, welche für ihre hohe Änderungsdynamik ohnehin schon bekannt ist, als
auch die nationale Rechnungslegung seit den letzten Jahren in einem tiefgreifenden Umbruch. Nachdem das deutsche Handelsrecht im Zuge des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) im Jahre 2009 der bis dato ausgesetzten Kritik einer unzureichenden internationalen Vergleichbarkeit – durch eine weitgehende Angleichung an die IFRS – aufgewartet hat, so sah sich auch die internationale Rechnungslegung in der jüngsten Vergangenheit umfangreichen Änderungen ausgesetzt.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 GRUNDLEGENDE BEGRIFFSKLÄRUNGEN
2.1 Konzern
2.2 Konzernabschluss
2.3 Konsolidierungskreis
3 GRUNDLAGEN DER KONZERNRECHNUNGSLEGUNG
3.1 Theoretische Konzeptionen der Konzernrechnungslegung
3.2 Zweck des Konzernabschlusses
4 PFLICHT ZUR KONZERNRECHNUNGSLEGUNG
4.1 Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses und Konzernlageberichtes nach nationalem Recht
4.1.1 Die Aufstellungspflicht im Wandel der Gesetzgebung
4.1.2 Aufstellungspflicht nach HGB
4.1.2.1 Mutter-Tochter-Verhältnis (Subordinationsverhältnis)
4.1.2.2 Konzept des beherrschenden Einflusses
4.1.2.3 Tatbestände des beherrschenden Einflusses
4.1.3 Aufstellungspflicht nach PublG
4.1.4 Aufstellungsfrist und Bestandteile des Konzernabschlusses
4.2 Befreiungen von der Aufstellungspflicht nach nationalem Recht
4.2.1 Befreiender Konzernabschluss nach § 291 und § 292 HGB
4.2.2 Größenabhängige Befreiungen nach § 293 HGB
4.2.3 Befreiung mangels konsolidierungspflichtiger Tochterunternehmen nach § 290 Abs. 5 HGB
4.3 Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses nach internationalen Rechnungslegungsstandards
4.4 Befreiungen von der Aufstellungspflicht nach IFRS
5 ABGRENZUNG DES KONSOLIDIERUNGSKREISES – SYSTEMATISCHER VERGLEICH ZWISCHEN NATIONALER UND INTERNATIONALER RECHNUNGSLEGUNG
5.1 Konsolidierungskreis im engeren Sinne
5.1.1 Gesetzlicher Anwendungsbereich / Regelungssystematik
5.1.2 Konsolidierungsgebot nach dem Weltabschlussprinzip
5.1.3 Konsolidierungswahlrechte und Konsolidierungsverbot
5.2 Konsolidierungskreis im weiteren Sinne
5.3 Angaben zum Konsolidierungskreis im Konzernanhang
6 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert die gesetzlichen Regelungen zur Aufstellungspflicht von Konzernabschlüssen und -lageberichten sowie die Abgrenzung des Konsolidierungskreises unter Berücksichtigung der nationalen Vorschriften (HGB) und der internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS). Ziel ist es, die Auswirkungen der Reformen des Handelsrechts und der IFRS kritisch zu würdigen und zu prüfen, inwieweit diese zu einer transparenteren und vergleichbareren Rechnungslegung beigetragen haben.
- Analyse der Aufstellungspflichten für Konzernabschlüsse nach HGB, PublG und IFRS.
- Gegenüberstellung und kritische Würdigung der nationalen und internationalen Konzepte zur Beherrschung (Control-Konzept).
- Untersuchung der Konsolidierung von Zweckgesellschaften und der damit verbundenen Herausforderungen.
- Vergleich der Befreiungsvorschriften von der Konzernrechnungslegungspflicht.
- Abgrenzung des Konsolidierungskreises (engerer und weiterer Sinne) unter nationalen und internationalen Standards.
Auszug aus dem Buch
4.1.2.2 Konzept des beherrschenden Einflusses
Mit dem Konzept des beherrschenden Einflusses hat sich der Gesetzgeber maßgeblich an der internationalen Rechnungslegung orientiert, da dieses im damals aktuellen IAS 27.4 ebenfalls vorgesehen war.80 Der Begriff des beherrschenden Einflusses wird im HGB nicht näher präzisiert.81 In der Gesetzesbegründung wird jedoch darauf verwiesen, dass ein beherrschender Einfluss – in Anlehnung an IAS 27.4 – dann anzunehmen ist, „[…] wenn ein Unternehmen die Möglichkeit hat, die Finanz- und Geschäftspolitik eines anderen Unternehmens dauerhaft zu bestimmen, um aus dessen Tätigkeit Nutzen zu ziehen.“82 Eine korrespondierende Definition ist auch dem DRS 19.6 zu entnehmen, wobei die Beherrschungsmöglichkeit in den DRS 19.8-61 noch näher konkretisiert wird.83 So bestimmt DRS 19.11, in welchen wesentlichen Bereichen ein Mutterunternehmen im Rahmen der Finanz- und Geschäftspolitik Entscheidungsmacht ausüben kann. Neben finanzpolitischen Entscheidungen zur Budgetierung, Kapitalbeschaffung und -verwendung, können u. a. Festlegungen in bedeutenden Unternehmensbereichen wie Produktion, Distribution, Finanzierung, Personalwesen sowie Forschung und Entwicklung zu den wesentlichen geschäftspolitischen Entscheidungen gehören.84 Die Möglichkeit, lediglich Teilbereiche entweder der Finanz- oder der Geschäftspolitik zu bestimmen, ist für die Begründung eines beherrschenden Einflusses nicht hinreichend.85 Auf eine tatsächliche Ausübung des beherrschenden Einflusses kommt es dabei – im Gegensatz zu dem Konzept der einheitlichen Leitung im vormals geltenden § 290 Abs. 1 HGB a. F. – nicht an.86 Welche der finanz- und geschäftspolitischen Bereiche im jeweils beherrschten Unternehmen von zentraler Bedeutung sind, ist im Einzelfall zu untersuchen.87 Neben der Möglichkeit zur Bestimmung der Finanz- und Geschäftspolitik muss auch das Kriterium der Nutzenziehung kumulativ erfüllt sein. Darunter können sowohl unmittelbar finanzielle Vorteile wie Dividendenausschüttungen als auch mittelbare Erfolge in Form einer Kostenreduktion oder einer möglichen Wettbewerbseinschränkung zugunsten der eigenen Marktstellung subsumiert werden.88 Abweichend von der Definition nach IAS 27.4 muss die Möglichkeit des beherrschenden Einflusses entsprechend der Gesetzesbegründung dauerhaft gegeben sein. Auch hier fehlt es de jure an einer Konkretisierung, wann die Beherrschungsmöglichkeit als dauerhaft anzusehen ist.89 DRS 19.12 stellt jedoch darauf ab, dass die Beherrschungsmöglichkeit weder auf zufälligen noch vorübergehenden Gegebenheiten beruhen darf, sondern rechtlich gesichert und zukunftsgerichtet feststellbar sein muss.90
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Konzernen durch Globalisierung sowie die Notwendigkeit transparenter Konzernrechnungslegung und stellt das Ziel der Arbeit vor.
2 GRUNDLEGENDE BEGRIFFSKLÄRUNGEN: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Konzern, Konzernabschluss und Konsolidierungskreis als Grundlage für die weiterführende Analyse.
3 GRUNDLAGEN DER KONZERNRECHNUNGSLEGUNG: Es werden die theoretischen Konzepte (Einheitstheorie vs. Interessentheorie) sowie die allgemeine Zweckbestimmung des Konzernabschlusses erläutert.
4 PFLICHT ZUR KONZERNRECHNUNGSLEGUNG: Der Hauptteil analysiert detailliert die gesetzlichen Pflichten und Befreiungstatbestände zur Aufstellung von Konzernabschlüssen nach nationalem Recht (HGB/PublG) und IFRS.
5 ABGRENZUNG DES KONSOLIDIERUNGSKREISES – SYSTEMATISCHER VERGLEICH ZWISCHEN NATIONALER UND INTERNATIONALER RECHNUNGSLEGUNG: Dieses Kapitel vergleicht die Methoden und Kriterien zur Einbeziehung von Tochterunternehmen sowie Gemeinschafts- und assoziierten Unternehmen in den Konsolidierungskreis.
6 SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung der Reformbemühungen und stellt fest, dass die Annäherung an die IFRS teilweise gelungen ist, aber weiterhin Konkretisierungsbedarf besteht.
Schlüsselwörter
Konzernrechnungslegung, Konsolidierungskreis, HGB, IFRS, BilMoG, Beherrschender Einfluss, Zweckgesellschaft, Mutter-Tochter-Verhältnis, Vollkonsolidierung, Konzernabschluss, Aufstellungspflicht, Befreiungsvorschriften, Bilanzierung, Finanzberichterstattung, Wirtschaftlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Pflichten zur Aufstellung von Konzernabschlüssen sowie die Kriterien für die Abgrenzung des Konsolidierungskreises im Kontext des deutschen Handelsrechts (HGB/PublG) und der internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Konzernrechnungslegung, die Definition und Abgrenzung von Konzernstrukturen, die Anwendung von Beherrschungskonzepten und die Analyse von Befreiungsmöglichkeiten von der Aufstellungspflicht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die gesetzlichen Regeln zur Aufstellungspflicht und zur Abgrenzung des Konsolidierungskreises aufzuzeigen, die Auswirkungen der Reformen (insb. BilMoG und IFRS 10) kritisch zu würdigen und die Frage zu beantworten, ob diese Reformen einen verbesserten Einblick in die finanzielle Lage von Konzernen ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer rechtsvergleichenden und analytischen Methode, bei der nationale und internationale Rechnungslegungsvorschriften gegenübergestellt, Gesetzesbegründungen ausgewertet und aktuelle wissenschaftliche Literatur sowie Standards (wie DRS 19) kritisch diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Aufstellungspflichten nach nationalem Recht und IFRS, die Darstellung der Befreiungsmöglichkeiten sowie den systematischen Vergleich der Abgrenzung des Konsolidierungskreises (engerer und weiterer Sinne) zwischen HGB und IFRS.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Konzernrechnungslegung, Beherrschender Einfluss, Konsolidierungskreis, HGB, IFRS, BilMoG und Zweckgesellschaften.
Wie werden Zweckgesellschaften im Konzernabschluss behandelt?
Nach deutschem Recht erfolgt die Erfassung über den Risiken-Chancen-Ansatz gemäß § 290 Abs. 2 Nr. 4 HGB, während die IFRS in IFRS 10 ein einheitliches Control-Konzept anwenden, das auch strukturierte Unternehmen umfasst.
Welche Rolle spielt die Präsenzmehrheit bei der Beherrschung?
Eine Präsenzmehrheit kann als faktische Beherrschung gewertet werden, sofern sie über eine gewisse Dauer besteht und dem Mutterunternehmen ermöglicht, die Finanz- und Geschäftspolitik des anderen Unternehmens zu bestimmen.
- Arbeit zitieren
- Aniko Temmler (Autor:in), 2013, Pflicht zur Konzernrechnungslegung und Abgrenzung des Konsolidierungskreises nach HGB und IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271413