Pflegemanager können sich in der heutigen Zeit über einen Mangel an beruflichen Herausforderungen nicht beklagen. Zweckrationales ökonomisches Handeln, eine ausgezeichnete Pflegequalität, Patientenzufriedenheit und motivierte, zufriedene Mitarbeiter stellen den Pflegemanager vor Entscheidungsfragen, die nicht selten Konflikte und Probleme ethischer Natur in sich bergen. Selbst wenn es sich um Entscheidungen handelt, die rechtlich legitim und abgesichert sind, entstehen Situationen für die Person des Pflegemanagers, die für ihn selbst ethisch fraglich sein können und sein sollten. Ein moralisches Problem liegt immer dann vor, wenn die gewählte Entscheidung mit positiven oder negativen Konsequenzen für eine oder mehrere Personen verbunden ist1. Das würde bedeuten, daß nach dieser Definition jede Unternehmensentscheidung ethisch reflektiert werden sollte, da es kaum Entscheidungen im Unternehmen gibt, die nicht ohne Konsequenzen für eine oder mehrere Personen einher gehen. Doch diese Probleme überhaupt wahrzunehmen, erweist sich oft als schwierig, weil moralische Konflikte oder Probleme nicht objektiv greifbar sind, sondern subjektiv wahrgenommen werden. In dieser Arbeit wird vorab auf ethische Grundlagen und Begriffe eingegangen. Im Hauptteil wird anhand eines fiktiven Fallbeispiels der ethische Konflikt herausgearbeitet und auf Grundlage philosophischer Ansätze ethisch reflektiert. 1 Vgl. Jones, T. M., Ethical Decisions Making by Individuals in Organisation, 1991 o.O., S.367.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Wie soll ich leben- was muß ich tun?
3. Moralische Probleme und Konflikte
4. Situationsanalyse
5. Theoretische Ansätze für die Herleitung des richtigen Handelns und Entscheidens
5.1 tò déon = die Pflicht
5.2 tò télos = der Zweck
5.3 Verantwortungsethik
5.3.1 Prinzipien der Verantwortung im Pflegemanagement
6. Förderung des ethischen Verständnisses im Unternehmen Krankenhaus
6.1 Reflexion auf der Organisationsebene
7. Schlußbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht moralische Konflikte im Pflegemanagement und reflektiert diese ethisch anhand eines fiktiven Fallbeispiels, um Handlungsspielräume für Führungskräfte aufzuzeigen.
- Ethische Grundlagen und philosophische Begriffsbestimmungen
- Analyse moralischer Konfliktsituationen im Krankenhausalltag
- Gegenüberstellung deontologischer und teleologischer Ethikansätze
- Prinzipien der Verantwortung im Pflegemanagement
- Strategien zur Förderung ethischer Sensibilität in Organisationen
Auszug aus dem Buch
3. Moralische Probleme und Konflikte
Die Begriffe “ethisches Problem“ und “ethischer Konflikt“, häufig synonym verwendet, müssen differenziert betrachtet werden. Ein moralischer Konflikt ist dadurch gekennzeichnet, daß in einer Entscheidungssituation mehrere gültige ethische Prinzipien, Werte oder Pflichten im Zwiespalt zueinander stehen.
In der Alltagssprache bezeichnet ein Dilemma (griech.: zweigliedrige Annahme) eine schwierige oder ausweglose Situation, in der man sich befindet. Es gibt zwei Wahlmöglichkeiten, von denen eine ergriffen werden muß, beide aber zu einem unerwünschten Resultat führen. Dilemmata werden daher oft als paradox, also widersprüchlich empfunden.
In dem nun folgenden fiktiven Fallbeispiel wird eine Konfliktsituation beschrieben und ethisch reflektiert.
Einer Mitarbeiterin im Intensiv-Pflegebereich soll personenbedingt gekündigt werden. Die Mitarbeiterin galt als kompetent und professionell. Seit einem halben Jahr wurden ihren Kollegen Veränderungen bewußt. Die Mitarbeiterin vergaß oft wichtige Anordnungen, machte einen müden Eindruck und war weniger belastbar. Wurde die Mitarbeiterin in einer kurzen Pause von Kollegen auf ihre Veränderungen angesprochen, zog sie sich zurück und ließ keine Annäherung zu. Aus Zeitmangel und der arbeitsintensiven Situation auf der sehr großen Station ließ das Interesse über die Veränderung der Kollegin nach.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik ethischer Konflikte im Pflegemanagement und Definition des moralischen Problems.
2. Wie soll ich leben- was muß ich tun?: Theoretische Verortung der Begriffe Ethik, Moral und Moralität sowie Einordnung der verschiedenen Ethik-Typen.
3. Moralische Probleme und Konflikte: Differenzierung von ethischen Problemen und Dilemmata anhand eines konkreten Fallbeispiels aus dem Intensiv-Pflegebereich.
4. Situationsanalyse: Analyse der Entscheidungssituation der Pflegedienstleitung hinsichtlich Macht, Verantwortung und Fürsorgepflicht.
5. Theoretische Ansätze für die Herleitung des richtigen Handelns und Entscheidens: Vorstellung deontologischer und teleologischer Positionen als Entscheidungsgrundlage.
5.1 tò déon = die Pflicht: Erläuterung der Pflichtenethik und des kategorischen Imperativs nach Kant.
5.2 tò télos = der Zweck: Erläuterung der teleologischen Ethik und des utilitaristischen Prinzips der Nützlichkeit.
5.3 Verantwortungsethik: Einführung der Verantwortungsethik als zeitgemäße Antwort auf komplexe gesellschaftliche Anforderungen.
5.3.1 Prinzipien der Verantwortung im Pflegemanagement: Anwendung ethischer Prinzipien auf den spezifischen Kontext der Pflege.
6. Förderung des ethischen Verständnisses im Unternehmen Krankenhaus: Bedeutung moralischer Kompetenz und deren Vermittlung im Management.
6.1 Reflexion auf der Organisationsebene: Diskussion organisatorischer Rahmenbedingungen wie Ethik-Kommissionen und Unternehmenskultur.
7. Schlußbetrachtung: Zusammenfassende Handlungsempfehlungen für Pflegemanager zur ethischen Gestaltung von Konfliktsituationen.
Schlüsselwörter
Pflegemanagement, Ethik, Moral, Verantwortungsethik, Deontologie, Teleologie, Moralische Konflikte, Pflegequalität, Fürsorgepflicht, Unternehmensethik, Personalführung, Moralische Kompetenz, Fallbeispiel, Gesundheitsförderung, Patientenwohl
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen, vor denen Pflegemanager stehen, wenn sie mit moralischen Konflikten innerhalb ihres professionellen Umfelds konfrontiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der philosophischen Fundierung von Ethik, der Analyse pflegespezifischer Konfliktfälle und der Frage nach ethischer Verantwortungsübernahme im Management.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Pflegemanagern ein theoretisches Instrumentarium an die Hand zu geben, um ethisch schwierige Entscheidungen fundiert zu reflektieren und angemessen zu begründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse eines fiktiven Fallbeispiels, das durch den Vergleich verschiedener philosophischer Ethikansätze (Deontologie, Teleologie, Verantwortungsethik) reflektiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische ethische Ansätze vorgestellt und auf ein Fallbeispiel angewendet, in dem eine drogensüchtige Pflegekraft gekündigt werden soll.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere Pflegemanagement, Verantwortungsethik, moralische Kompetenz und ethische Sensibilisierung.
Warum reicht ein einzelner Entscheidungsträger oft nicht aus, um moralische Konflikte zu lösen?
Der Autor argumentiert, dass moralische Kompetenz zwar bei Individuen wichtig ist, aber ohne eine organisationale Einbettung und eine entsprechende Unternehmenskultur oft unzureichend bleibt.
Welche Rolle spielen ethische Institutionen wie Ethik-Kommissionen?
Diese Einrichtungen sollen das Management bei der Wahrnehmung ethischer Probleme unterstützen, dürfen jedoch nicht als reine Alibi-Funktion missbraucht werden.
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- Kerstin Jähne (Author), 2003, Moralische Konflikte im Pflegemanagement - eine ethische Reflexion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27142