Unternehmungen agieren heutzutage in komplexen Systemen mit vielfältigen Einflussfaktoren und Erwartungshaltungen seitens der Stake- sowie Shareholder. Daher ist die Kommunikation sowie Offenlegung der Ergebnisse ein zentraler Aspekt um sich ein treffendes Bild der Leistungsfähigkeit der Kapitalgesellschaft zu zeichnen.
Die vorliegende Thesis untersucht anhand von folgenden Hypothesen diese Thematik:
1. Wenn Gesellschaften des SMI Expanded® in ihrer Berichterstattung ggü. Externen das Economic Value Added-Prinzip als Kennzahl der Unternehmenssteuerung
verwenden und kommunizieren, dann verändert sich ihr Aktienkurs überproportional positiv ggü. Unternehmen mit sonstigen Kennzahlen im Swiss Market Index Expanded®.
2. Wenn Unternehmen des SMI Expanded® das EVA®-Konzept als Massstab ihrer Entlohnungspolitik verwenden, dann verändert sich ihr Aktienkurs signifikant positiver als bei den übrigen Unternehmen des SMI Expanded®.
Insgesamt zeigt sich, dass das Value Based Management relativ geringe Anwendung in den 48 Kapitalgesellschaften des SMI Expanded® findet. Um die Zielformulierung
sowie Steuerung des variablen Vergütungsanteils messbar zu machen, werden traditionelle Kennzahlen wie EBIT, EBITDA oder ROE verwendet.
Die Analysen zeigen, dass geradezu 27 % der am Swiss Market Index Expanded® gelisteten Unternehmen wertorientierte Kennzahlen zur Steuerung ihrer Unternehmung verwenden. Davon macht die Kennzahl des Economic Value Added mit 60 % den grössten Anteil aus. Die empirischen Untersuchungen zeigen sowohl bei der
ersten Hypothese wie auch bei der zweiten Hypothese keinen signifikanten positiven Einfluss der Kennzahl EVA® auf den Aktienkurs. Als Zusatzauswertung wurde
mittels Korrelationsanalyse untersucht, ob Zusammenhänge zwischen den Key Performance Indikatoren und den Aktienkursen vorliegen. Auch diese Annahme muss
aufgrund der vorliegenden Ergebnisse verworfen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage und Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Klassische Unternehmenssteuerung
2.1 Verfälschung der Bilanzwerte
2.2 IFRS und US-GAAP
2.3 Mangelnde Kapitalmarktorientierung
2.4 Vergangenheitsorientierte Betrachtungsweise klassischer Steuerungsgrössen
2.5 Abschliessende Bewertung traditioneller Kennzahlen
3 Wertorientierte Unternehmensführung
3.1 Konzepte des Value Based Managements
3.1.1 Return on Capital Employed (ROCE)
3.1.2 Return on Invested Capital (ROIC)
3.1.3 Cash Flow Return on Investment (CFROI)
3.1.4 Cash Value Added (CVA)
3.1.5 Shareholder Value Added (SVA)
3.1.6 Economic Value Added (EVA®)
3.2 Konzept des Weighted Average Cost of Capital (WACC)
3.3 Gegenüberstellung der wertorientierten Paradigmen
4 Operative Zielsetzung
5 Forschungsfrage und Hypothesen
5.1 Forschungsfrage
5.2 Operationalisierung der Hypothesen
5.3 Untersuchungsmethodik
5.3.1 Wahl der Untersuchungsmethodik
5.3.2 Definition und Beschreibung der Grundgesamtheit
6 Empirische Untersuchung
6.1 Zusammensetzung und Datenerhebung
6.2 Kennzahlensteuerung der variablen Vergütungselemente
6.3 Vergleichbarkeit des Economic Value Added
6.4 Hypothesentest – Vorgehen
6.4.1 Hypothesentest 1
6.4.2 Hypothesentest 2
6.4.3 Zwischenergebnisse der Hypothesentests
6.4.4 Zusammenhang KPI mit Aktienkurs
6.4.5 Zusammenhang KPI mit Vergütungsentschädigung
7 Praxisbeispiel Straumann – Value Based Management
7.1 EVA®/EP als Leistungsindikator des Unternehmensergebnisses
7.2 Das EVA®-Vergütungssystem im Straumann-Konzern
7.3 Kritische Würdigung
8 Fazit
9 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob börsenkotierte Gesellschaften aus dem SMI Expanded® durch die Anwendung und Kommunikation einer wertorientierten Unternehmensführung (insbesondere des Economic Value Added) eine signifikant bessere Aktienkursentwicklung aufweisen als Unternehmen, die traditionelle Kennzahlen verwenden. Zudem wird analysiert, inwieweit das EVA®-Konzept als Basis für die variable Entlohnung des Topmanagements dient.
- Vergleich zwischen klassischer und wertorientierter Unternehmenssteuerung
- Empirische Analyse des SMI Expanded® bezüglich wertorientierter Kennzahlen
- Test von Hypothesen zum Einfluss von EVA® auf den Aktienkurs
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Performance-KPIs und Management-Vergütung
- Praxisbeispiel Straumann als Modell für Value Based Management
Auszug aus dem Buch
3.1.6 Economic Value Added (EVA®)
Das Economic Value Added-Konzept wurde 1991 von der us-amerikanischen Unternehmensberatungsgesellschaft Stern Stewart & Co. ausgearbeitet und als eingetragene Marke geschützt. Der in der Literatur ebenfalls oft genannte Economic Profit (EP) ist gemäss McKinsey ein Residualgewinnkonzept.
Die Herangehensweise ähnelt dem bekannteren Economic Value Added. Gemäss Stewart ist der EVA® ein betrieblicher Übergewinn. Ein weiterer notwendiger Parameter ist die betriebliche Bruttorendite (Rate of Return). Zur Berechnung des Übergewinnes sind folgende drei Grössen notwendig:
- NOPAT (Net Operating Profit After Taxes),
- Invested Capital (IC) / Net Operating Assets (NOA),
- WACC (geforderte Mindestverzinsung).
Zur Ermittlung des operativen Geschäftsergebnisses nach Steuern (NOPAT) gilt EBIT abzüglich Steuern. Das Ergebnis stellt eine Ertragsgrösse aus der Erfolgsrechnung dar. Die Beeinflussung erfolgt primär durch operative Entscheidungen, also durch Steuerung, Wachstum und Effizienz in den Kosten bzgl. Verkauf und Produktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Erläutert die Ausgangslage, die Zielsetzung der Untersuchung sowie den Aufbau der Thesis hinsichtlich der SMI Expanded®-Unternehmen.
2 Klassische Unternehmenssteuerung: Analysiert die Defizite traditioneller Kennzahlen wie Gewinn oder Umsatz und deren mangelnde Eignung für eine zukunftsorientierte Kapitalmarktorientierung.
3 Wertorientierte Unternehmensführung: Stellt verschiedene VBM-Konzepte wie ROCE, ROIC, CFROI, CVA, SVA und EVA® vor und erklärt deren theoretische Grundlagen sowie den WACC-Ansatz.
4 Operative Zielsetzung: Beschreibt den methodischen Ablauf der Studie von der Problembenennung bis zur Auswertung.
5 Forschungsfrage und Hypothesen: Definiert die Forschungsfrage sowie die Hypothesen, die den Einfluss von EVA® auf den Aktienkurs und die Vergütungspolitik prüfen.
6 Empirische Untersuchung: Dokumentiert die Datenerhebung, die Durchführung der Hypothesentests sowie die Korrelationsanalysen für die SMI Expanded®-Unternehmen.
7 Praxisbeispiel Straumann – Value Based Management: Dient als illustratives Fallbeispiel für die erfolgreiche Integration von EVA® in die Unternehmenssteuerung und Vergütung.
8 Fazit: Führt die zentralen Erkenntnisse zusammen und relativiert den direkten Einfluss von EVA® auf den Aktienkurs.
9 Ausblick: Prognostiziert die zukünftige Bedeutung der wertorientierten Unternehmensführung und weist auf die Problematik der Bilanzierungsvielfalt hin.
Schlüsselwörter
Value Based Management, Economic Value Added, EVA®, SMI Expanded®, Unternehmenssteuerung, Aktienkurs, Kapitalmarkt, NOPAT, WACC, Performance-Kennzahlen, variable Vergütung, Unternehmenswert, Investoren, Finanzberichterstattung, Unternehmensanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Thesis untersucht, ob die Anwendung von wertorientierten Managementkonzepten, speziell des Economic Value Added (EVA®), zu einer messbar besseren Aktienkursentwicklung bei Schweizer Unternehmen führt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Gegenüberstellung von klassischer und wertorientierter Unternehmenssteuerung, die theoretische Herleitung verschiedener Performance-Kennzahlen und deren empirische Prüfung an Unternehmen des SMI Expanded®.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu prüfen, ob Gesellschaften, die EVA®-Konzepte zur Steuerung und Kommunikation nutzen, am Kapitalmarkt signifikant erfolgreicher agieren als solche, die dies nicht tun.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Dokumentenanalyse der Geschäftsberichte durchgeführt, ergänzt durch statistische Hypothesentests (T-Test) und Korrelationsanalysen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen wertorientierter Kennzahlen, die Operationalisierung von Hypothesen und die eigentliche empirische Auswertung inklusive eines Praxisbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich maßgeblich auf Value Based Management, Economic Value Added (EVA®), Unternehmenssteuerung, SMI Expanded® und die Verknüpfung von Kennzahlen mit der variablen Management-Vergütung.
Warum wird die Straumann AG als Praxisbeispiel gewählt?
Straumann dient als Paradebeispiel, da das Unternehmen EVA® nicht nur in der internen Steuerung verwendet, sondern auch vorbildlich in der Geschäftsberichterstattung sowie der variablen Vergütungsstruktur verankert hat.
Welches Ergebnis liefern die Hypothesentests bezüglich des Aktienkurses?
Die empirischen Untersuchungen widerlegen die Annahme eines signifikant positiven Einflusses von EVA® auf den Aktienkurs im untersuchten Zeitraum 2008-2012.
- Arbeit zitieren
- Marco S. Mori (Autor:in), 2014, Wertorientierte Unternehmensführung. Bedeutung und Anwendung des Economic Value Added (EVA®) bei kotierten Gesellschaften des SMI Expanded®, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271440