Die arabische Sprache ist heute die meist verbreitete Sprache der semitischen Sprachfamilie und eine
der sechs offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen. Arabisch wird heute von ca. 422 Millionen
Menschen als Mutter- oder Zweitsprache in 22 arabischen Ländern und zahlreichen anderen
Ländern in Asien und Afrika gesprochen. Als fünft größte Sprache der Welt und Sprache des Islam
ist das Arabische eine Weltsprache. (Statistik nach Encarta 2006: Languages Spoken by More Than
10 Million People).
Arabisch ist Amtssprache in folgenden Ländern:
Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, Emirate, Eritrea, Israel, Irak, Jemen, Jordanien, Katar,
Komoren, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, Palästinensische Autonomiegebiete,
Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien, Tschad, Tunesien, Westsahara.
Wenn man von "Arabisch" spricht, muss man unbedingt von folgender Tatsache ausgehen:
Im arabischen Sprachraum existieren neben der normierten Schriftsprache zahlreiche regionale Dialekte,
die als Umgangssprachen fungieren und von den Gebildeten wie Ungebildeten im Alltag
gleichermaßen gebraucht werden. Diese Dialekte werden in offizieller Form nicht geschrieben und
sind untereinander mehr oder weniger stark verschieden.
Die Schriftsprache oder die moderne arabische Standardsprache basiert auf dem klassischen Arabisch
und unterscheidet sich stark von den gesprochenen Varianten des Arabischen. Auf einen Nenner
gebracht lässt sich diese sprachliche Situation folgendermaßen beschreiben:
Während die Hochsprache geschrieben aber nicht gesprochen wird, werden Dialekte gesprochen
aber in der Regel und offiziell nicht geschrieben. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Ursprung und Ausbreitung
2. Schrift und Kalligraphie
3. Problematik der Schrift
4. Sprachstruktur
4.1. Schriftlehre
4.2. Lautlehre
4.3. Formenlehre
4.4. Satzlehre
4.5. Lexikologie
5. Sprachentwicklung
5.1. Vor- und Frühislam
5.2. Rechtgeleitete Kalifen
5.3. Umayyaden
5.4. Abbasiden
5.5. Niedergang
5.6 Renaissance
6. Spracherneuerung
7. Sprachakademien
8. Sprachwissenschaft
8.1. Grammatikschreibung
8.2. Lexikographie
8.3. Sprachtheorien
9. Literatur
9.1. Dichtung
9.2. Prosa
10. Dialekte
10.1. Gliederung
10.2. Diglossie und Bilinguismus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit bietet eine fundierte Einführung in die Geschichte, Struktur und Entwicklung der arabischen Sprache, untersucht deren Wandel von der vorislamischen Zeit bis zur Moderne und analysiert die soziolinguistische Situation der Diglossie sowie die Rolle der Schriftsprache im zeitgenössischen Kontext.
- Historische Entwicklung und Ausbreitung der arabischen Sprache
- Strukturelle Merkmale: Schrift, Phonetik, Grammatik und Lexikologie
- Kulturelle und soziale Einflussfaktoren auf die Sprachentwicklung
- Die Rolle des Korans und der Literatur für die Normierung und Bewahrung
- Phänomen der Diglossie und moderne spracherneuernde Bestrebungen
Auszug aus dem Buch
3. Problematik der Schrift
Ein wesentlicher Nachteil der arabischen Schrift besteht wohl im Fehlen der Buchstaben für die Kurzvokale, die unter anderem als Träger grammatischer Funktionen zur Herstellung logischer Zusammenhänge im Satz dienen. Ein Wort wie »mlk« beispielsweise kann im Kontext je nach Sinn verschieden interpretiert werden: malaka »besitzen«, mulk »Herrschaft«, milk »Eigentum«, malik »König« oder malak »Engel«. Oft genug erschwert diese Homographie die Deutung der Texte.
Ein anderer Unsicherheitsfaktor resultiert aus der Ähnlichkeit einiger, lediglich durch diakritische Punkte differenzierter Buchstaben beziehungsweise durch deren Anzahl und/oder Stellung, was nicht selten zu Verwechslungen führt (vgl.: n und b, t und th, d und dh, dsch und kh, s und sch usw.). Als zusätzliche Erschwernis erweist sich zudem die Tatsache, dass die Schreibung der arabischen Buchstaben im Gegensatz zu den lateinischen von ihrer Stellung im Wort (Anfang, Mitte, Ende, isoliert) abhängt.
Jene erwähnten Besonderheiten stellen sich erneut bei der mechanischen Wiedergabe der Schrift. So werden z.B. im Gegensatz zur deutschen Schreibmaschine mit nur 88 Typen für eine arabische 137 Typen benötigt, was allerdings im Zeitalter des Computers gar keine Rolle mehr spielt. Noch spürbarer wirkten sich diese Eigenheiten beim Druck aus, da durch die erhebliche Anzahl von Drucklettern (durchschnittlich 700) zwangsläufig die Druckkosten stiegen. Auch diese Problematik ist so gut wie nicht mehr vorhanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ursprung und Ausbreitung: Beleuchtet die geografische Verbreitung, den Status als Weltsprache und die historische Verankerung im islamischen Kontext.
2. Schrift und Kalligraphie: Beschreibt die Ursprünge der semitischen Konsonantenschrift, ihre weltweite Verbreitung und die Entwicklung der Kalligraphie als Kunstform.
3. Problematik der Schrift: Analysiert die Herausforderungen durch fehlende Kurzvokale, Homographie und die mechanischen Anforderungen der Schriftdarstellung.
4. Sprachstruktur: Bietet einen detaillierten Überblick über Phonetik, Morphologie, Satzbau und das Ableitungssystem innerhalb der arabischen Sprache.
5. Sprachentwicklung: Zeichnet die historischen Etappen der Sprache nach, von der vorislamischen Zeit über die Blütezeit bis hin zum Niedergang unter osmanischer Herrschaft.
6. Spracherneuerung: Diskutiert die modernen Bemühungen zur Erweiterung des Wortschatzes und die Debatten um den Einfluss von Fremdwörtern.
7. Sprachakademien: Stellt die Institutionen vor, die maßgeblich zur Pflege und Standardisierung der arabischen Sprache im 20. Jahrhundert beigetragen haben.
8. Sprachwissenschaft: Erläutert die Entstehung der Grammatikschulen von Basra und Kufa sowie die Entwicklung der Lexikographie.
9. Literatur: Untersucht die Entwicklung der arabischen Dichtung und Prosa unter dem Einfluss sozialer und kultureller Wandlungsprozesse.
10. Dialekte: Analysiert die regionale Vielfalt der Dialekte und das soziolinguistische Phänomen der Diglossie zwischen Schriftsprache und Umgangssprache.
Schlüsselwörter
Arabische Sprache, Schriftsprache, Dialekte, Diglossie, Koran, Kalligraphie, Sprachgeschichte, Grammatik, Lexikographie, Literatur, Islam, Sprachwissenschaft, Modernisierung, Arabistik, Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung und Struktur der arabischen Sprache von ihren Anfängen bis in die Moderne, wobei historische, linguistische und soziokulturelle Aspekte beleuchtet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die Entwicklung der arabischen Schrift, die Strukturgrammatik, die Rolle des Islams für die Sprache, die moderne Literaturgeschichte sowie das Phänomen der Diglossie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Kontinuität und Wandlungsfähigkeit des Arabischen trotz seiner weiten geografischen Ausbreitung zu erklären und die Rolle von Tradition und Erneuerung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer sprachhistorischen und sprachwissenschaftlichen Analyse unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen und Fachliteratur zur Arabistik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte linguistische Analyse der Sprachstruktur sowie eine chronologische Untersuchung der Sprachentwicklung und ihrer literarischen Einflüsse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind arabische Sprache, Diglossie, Sprachgeschichte, Grammatik und moderne Spracherneuerung.
Wie beeinflusste der Koran die Entwicklung der arabischen Sprache?
Der Koran fungierte als Sprachregler und einigendes Element, das die Normierung der arabischen Sprache maßgeblich vorantrieb und zur Identifikation der Völker mit der Sprache führte.
Welche Problematik besteht im Verhältnis zwischen Hochsprache und Dialekt?
Es besteht eine Diglossie: Die Hochsprache dient als formelle Schriftsprache in Wissenschaft und Religion, während die Dialekte als spontane Umgangssprachen im Alltag fungieren, was zu anhaltenden Diskussionen über die Sprachreinheit führt.
- Arbeit zitieren
- Dr. Abdulghafur Sabuni (Autor:in), 2014, Geschichte der arabischen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271473