„Arbeit für Millionen statt Profite für Millionäre!“,“Globalisierung stoppen – stoppt die
Weltpolizei USA!“ und „Ein Ende der Globalisierung“ (vgl. Pfahl-Traughber 2006: 30) -
diese Mottos von drei globalisierungskritischen Demonstrationen lassen auf den ersten
Blick auf ein Publikum schließen, dass dem politisch „linken“ Spektrum zuzuordnen ist.
Tatsächlich handelte es sich hierbei um Aufmärsche, die von der rechtsextremen
Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) organisiert wurden. In den
vergangenen Jahren hat sich die Globalisierungskritik zum „Kampfthema“ der
rechtsextremen Bewegungen weltweit entwickelt und klassische Themen wie
Massenarbeitslosigkeit und Migration werden von AnhängerInnen dieser Ideologien
verstärkt mit diesem Phänomen in Zusammenhang gebracht.
Die folgende Arbeit setzt sich genauer mit der Verbindung von Rechtsextremismus und
Globalisierungskritik auseinander. Es soll die Frage geklärt werden, welche Bedeutung das
Thema für Rechtsextremisten hat, welche Aspekte thematisiert werden und welche
Ideologien sich hinter rechtsextremer Globalisierungskritik verbergen. Im ersten Abschnitt
(2) werden zum Einstieg wichtige Begriffe definiert und erläutert. Anschließend wird die
Beziehung zwischen Rechtsextremismus und Globalisierungs- beziehungsweise
Kapitalismuskritik genauer untersucht (3). Neben einer Darstellung von Ideologie und
Forderungen rechtsextremer Globalisierungskritik (3.1), die auch Unterschiede zur Kritik
des „linken“ Spektrums einschließt, wird auf die Erfolgschancen dieser
Argumentationsweise in der Gesellschaft eingegangen (3.2). Darauf folgt eine genauere
Betrachtung der Bedeutung des Themas für Rechtsextremismus in Deutschland (3.3).
Schließlich werden die Ergebnisse in einem Fazit zusammengefasst und diskutiert (4).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begrifflichkeiten: Globalisierung und Rechtsextremismus
3 Rechtsextremismus und Globalisierungskritik
3.1 Ideologie und Forderungen rechtsextremer Globalisierungskritik
3.2 Erfolgschancen in der Gesellschaft
3.3 Die Bedeutung des Themas für Rechtsextremismus in Deutschland
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Rechtsextremismus und Globalisierungskritik, um aufzudecken, welche ideologischen Motive und strategischen Ziele hinter der Instrumentalisierung globalisierungskritischer Themen durch rechtsextreme Akteure stehen.
- Ideologische Grundlagen der rechtsextremen Globalisierungskritik und deren Abgrenzung zum linken Spektrum
- Analyse der Akteurslandschaft, von Parteien wie der NPD bis hin zu Neonazis und Kameradschaften
- Untersuchung der Mobilisierungspotenziale bei Globalisierungsverlierern und der Rolle von Abstiegsängsten
- Bedeutung der Globalisierungsthematik für die Agitation im deutschen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1 Ideologie und Forderungen rechtsextremer Globalisierungskritik
Rechtsextreme Bewegungen lehnen in der Regel alle drei Dimensionen der Globalisierung strikt ab. Sie verstehen das Phänomen als „globale Macht (vermeintlich jüdisch dominierten) Großkapitals, […] amerikanischen Kulturimperialismus und […] einen 'multirassischen Genozid' beziehungsweise ein 'rassezerstörendes Trümmerfeld'“ (Greven 2006: 11). Thomas Grumke (2006: 131) verweist hier auf die rechtsextreme Unterscheidung zwischen Globalisierung und „Globalismus“. Die rechtsextreme Globalisierungskritik bezieht sich auf Letzteres. Die AnhängerInnen dieser Ideologie betrachten Globalisierung als bewusst gesteuerten Prozess, der von den „Globalisten“ zur Durchsetzung ihrer Ziele genutzt wird. Codewörter machen deutlich, dass diese „Globalisten“ in den Augen der Rechtsextremisten mit jüdischen Kapitalisten gleichzusetzen sind. So werden Regierungen, die in den vorsätzlichen „Globalisierungsplan“ eingeweiht sind, als „Zionist Occuppied Governments“ (beides: Grumke 2006:131) bezeichnet. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf den Antisemitismus, der sich hinter der Globalisierungs- oder „Globalismuskritik“ der rechtsextremen AkteurInnen verbirgt. Der eigentliche Globalisierungsprozess wird also als „planvoll gesteuerte Vernichtung von Kulturen, Traditionen und Werten“ (Grumke 2006: 131) (Grumke 2006:131) wahrgenommen, die Feinde sind demnach die UrheberInnen, die diesen Prozess inszenieren. Rechtsextremisten sind daher weniger Globalisierungsgegner als „Anti-Globalisten“ (Ebd.).
Die rechtsextreme Globalisierungskritik basiert Pfahl-Traughber (2006: 39 – 48) zufolge auf drei ideologischen Grundpfeilern. Der erste dieser Grundpfeiler ist die Konzentration auf einen politisch und ethnisch einheitlichen Nationalstaat. Die Abnahme staatlicher Souveränität durch die Verlagerungen politischer und wirtschaftlicher Kompetenzen auf eine transnationale Ebene wird als Bedrohung für die „Volksgemeinschaft“ empfunden (Pfahl-Traugber 2006: 40). Der staatliche Verlust von Kompetenzen wird als Hauptbedrohung der Globalisierung gesehen. Die rechtsextreme Lösung für die verschärfte Konkurrenz durch Standortverlagerungen sowie für das Demokratiedefizit ist ein verstärkter Nationalismus. Rechtsextremisten fordern eine Re-Nationalisierung, bei der das Volk die Souveränität zurückerhält. Dieses Volk wird jedoch nicht politisch definiert, sondern zeichnet sich durch ethnische Kriterien aus. Nach dieser ethnischen Zugehörigkeit wird auch der jeweilige Rechtsstatus bestimmt, Ziel ist allein das Wohl des Deutschen Volkes.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz der Globalisierungskritik für den Rechtsextremismus und definiert die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2 Begrifflichkeiten: Globalisierung und Rechtsextremismus: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe und die drei Dimensionen der Globalisierung (ökonomisch, politisch, kulturell) sowie die ideologischen Kennzeichen des Rechtsextremismus theoretisch fundiert.
3 Rechtsextremismus und Globalisierungskritik: Das Hauptkapitel analysiert die ideologische Verzahnung von Antisemitismus, Nationalismus und Antiamerikanismus im Kontext der Globalisierungskritik.
3.1 Ideologie und Forderungen rechtsextremer Globalisierungskritik: Dieser Abschnitt beleuchtet die drei ideologischen Grundpfeiler der rechtsextremen Globalisierungskritik und die Abgrenzung zum linken Spektrum.
3.2 Erfolgschancen in der Gesellschaft: Hier wird untersucht, warum rechtsextreme Ideologien bei Globalisierungsverlierern auf fruchtbaren Boden fallen und wie soziale Ängste instrumentalisiert werden.
3.3 Die Bedeutung des Themas für Rechtsextremismus in Deutschland: Dieses Unterkapitel analysiert die konkrete Praxis deutscher rechtsextremer Akteure und Parteien wie der NPD im Umgang mit globalisierungskritischen Inhalten.
4 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und bestätigt die Bedeutung der Globalisierungskritik als zentrales Mobilisierungsinstrument der extremen Rechten.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Globalisierungskritik, NPD, Antisemitismus, Nationalismus, Kapitalismuskritik, Volksgemeinschaft, Globalisierung, Ethnisierung, Mobilisierung, politische Strategie, Antiamerikanismus, Standortverlagerung, Demokratiedefizit, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie rechtsextreme Bewegungen und Parteien das Thema Globalisierung für ihre ideologischen Zwecke und politische Agitation instrumentalisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Verknüpfung von Kapitalismuskritik mit antisemitischen Narrativen, die Forderung nach Re-Nationalisierung sowie die Analyse gesellschaftlicher Erfolgschancen dieser Ideologie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, welche Bedeutung das Thema Globalisierung für Rechtsextremisten hat, welche spezifischen Ideologien sich dahinter verbergen und welche Forderungen daraus abgeleitet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung der Begriffe sowie einer Analyse einschlägiger politikwissenschaftlicher Studien und Primärquellen der rechtsextremen Szene.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die ideologischen Grundpfeiler (Nationalstaat, Menschenrechtskritik, Antisemitismus), die Mobilisierungspotenziale bei gesellschaftlichen Verlierergruppen und die praktische Umsetzung in der deutschen rechtsextremen Szene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rechtsextremismus, Globalisierungskritik, Antisemitismus, Nationalismus und Volksgemeinschaft geprägt.
Welche Rolle spielt die NPD in diesem Kontext?
Die NPD fungiert als Fallbeispiel, das seine Strategie seit den 90er Jahren hin zu einer verstärkten Fokussierung auf soziale Themen und Globalisierungskritik geändert hat, um an Legitimität zu gewinnen.
Wie unterscheidet sich die rechtsextreme von der linken Globalisierungskritik?
Während linke Kritik oft systemkritisch-ökonomische Reformen anstrebt, lehnen Rechtsextremisten das System meist rassistisch und völkisch ab und fordern eine rückwärtsgewandte Re-Nationalisierung anstelle einer sozialen Gestaltung.
- Arbeit zitieren
- Maike Kalischer (Autor:in), 2012, Rechtsextremismus und Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271510