Fotografie als Botschaft

Inszenierte Fotografie


Hausarbeit, 2010

11 Seiten, Note: 2,0

Laura Becker (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

2. Die Fotografie als Botschaft
2.1  Das fotografische Paradox
2.2  Das Bild
2.3 Konnotationsverfahren

3. Ansätze und Studien zum Wirklichkeitsbezug in der Pressefotografie
3.1  Fotografie als Abbildung und Spur des Realen
3.2 Die Auflösung der Wirklichkeit durch die digitale Fotografie
3.3  Semiotische und ideologiekritische Ansätze zur Pressefoto-grafie
3.4 „Mythen des Alltags“ – Pressefotografie als ideologisches Produkt Weiterentwicklung der ideologiekritischen Forschung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

Fotographien gehören heute zum selbstverständlichen Erscheinungsbild z. B. einer Tages- oder Wochenzeitung. Die Pressefotografie wird dabei als ein Teilbereich des Fotojournalismus betrachtet. Neben einer Zeichnung, Karikatur oder Infografik bildet die Fotografie die wichtigste Bildgattung. Pressefotografie ist daher ein fester Bestandteil der Berichterstattung und wird als Botschaft verstanden. Die Fotografie als eine Botschaft kann einen unterschiedlichen Sinn annehmen. Ein Bild enthält komplexe visuelle Zeichen. Bilder können in kürzester Zeit viel mehr Informationen vermitteln als z. B. Texte und haben einen starken Erinnerungswert. Der Betrachter interpretiert immer einen Sinn in eine Fotografie. Jedoch kann die Fotografie manipulierbar eingesetzt werden, so dass diese als etwas gesehen werden muss, die zunächst nur darstellt. Das Bild dient einem Text zur Illustration und wiederholt somit die Aussage eines Textes. Sie kann damit den Inhalt einer Aussage unterstreichen. Im Gegensatz dazu können aber auch Texte und Bilder ohne erkennbaren Zusammenhang nebeneinander stehen. Dann erscheint die Botschaft verwirrend, da der Betrachter nach erklärenden Zusammenhängen suchen muss. Auch kann der Text einem Bild widersprechen oder umgekehrt und eine Botschaft somit verfälschen. Die Fotografie ist nicht nur ein Produkt, sondern kann auch als autonomes Objekt gesehen werden. Die Fotografie kommuniziert mit einem Text, der z. B. jedes Pressefoto begleitet. Die Gesamtheit von Informationen wird daher von verschiedenen Strukturen getragen. Die Botschaft in der Fotografie wird hier näher untersucht.

2. Die Fotografie als Botschaft

2.1 Das fotografische Paradox

Die Frage stellt sich, welchen Inhalt eine fotografische Botschaft auf den Betrachter vermitteln will. In erster Linie will diese laut Definition eine Begebenheit als solche darstellen und damit das Wirkliche und Reale wiedergeben. Für den gesunden Menschenverstand kann die Fotografie durch die analogische Perfektion definiert werden. Der Sonderstatus des fotografischen Bildes tritt somit hervor, da es eine Botschaft ohne Code ist. Eine fotografische Botschaft ist immer auch eine kontinuierliche Botschaft. Bei einer Fotografie ist die sogenannte Denotation bzw. die analogische Fülle so dominant, dass die Beschreibung einer Fotografie im Prinzip unmöglich wird. Eine Beschreibung besteht nämlich gerade darin, einer denotierten Botschaft eine zweite Botschaft zu geben, die einem Sprachcode entnommen wird. In der Pressefotografie, die ebenfalls konnotiert ist, kann die Botschaft aus gewissen Phänomenen abgeleitet werden, die auf der Ebene der Produktion und der Rezeption der Botschaft stattfinden.[1]

2.2 Das Bild

Die Fotografie wird nicht nur wahrgenommen, sondern auch vom Betrachter mal mehr oder weniger bewusst gelesen. Das fotografische Paradox liegt in der Koexistenz von zwei Botschaften (mit Code des fotografischen Analogon und einem Code durch die Bearbeitung bzw. Rhetorik der Fotografie) begründet. Es stellt sich die Frage, wie eine Fotografie gleichsam „objektiv“ und „besetzt“ sein kann? Bei dieser Betrachtung muss der Betrachter immer bedenken, dass in der Fotografie die denotierte Botschaft analogisch ist und auf keinerlei Code beruht. Die konnotierte Botschaft weist dagegen eine Ausdrucks- und Inhaltsebene auf, sowie Signifikante und Signifikate. Der Betrachter wird aufgefordert diese zu Dechiffrieren.[2]

2.3 Konnotationsverfahren

Bei der Fotomontage besteht das Ziel z. B. darin, eine stark konnotierte Botschaft als rein denotierte hinzustellen. Die Konnotation bzw. Einbringung eines zusätzlichen Sinns in die eigentliche fotografische Botschaft kann durch die verschiedenen Ebenen der Produktion einer Fotografie herausgearbeitet werden wie z. B. durch die technische Bearbeitung eines Bildes, den Bildausschnitt oder der Auswahl selbst. Dabei findet eine Kodierung des fotografischen Analogons statt. Es ist dadurch möglich die Konnotationsverfahren freizulegen. Wird in der Fotografie von Ästhetizismus gesprochen, ist damit häufig gemeint, dass die Fotografie zur Malerei wird und somit zu einem visuellen Gegenstand oder einer Komposition. Die Kunstfotografie versucht z. B. ein subtiles oder komplexes Signifikat herauszustellen, was andere Konnotationsverfahren nicht erlauben. Bei der Fotogenität kann die konnotierte Botschaft durch Beleuchtungs-, Druck- und Auflagentechniken im Bild verschönert werden. Ein Beispiel einer Pose aus der Pressefotografie, zeigt den jungen Präsidenten Kennedy im Profil, der mit gefalteten Händen in den Himmel hoch schaut. Die Pose des Präsidenten zeigt hier Konnotationssignifikate nämlich der Jugendlichkeit, der Spiritualität und Reinheit. Diese festgelegten Bedeutungselemente, wie z. B. der Blick in den Himmel oder die gefalteten Hände, enthalten gleichsam eine historische Grammatik, wie sie auch in der Malerei, im Theater und in gängigen Metaphern enthalten sind und damit in der Kultur selbst. Die Pose ist kein speziell fotografisches Verfahren, aber sie bezieht ihre Wirkung aus dem analogen Prinzip. Eine besondere Bedeutung enthält die Pose der Objekte deshalb, weil der konnotierte Sinn den fotografierten Objekten entspringt. Objekte bilden Bedeutungselemente und sind einerseits diskontinuierlich und in sich vollständig, andererseits verweisen sie auf bekannte und deutliche Signifikate. Somit lassen sie sich leicht als Syntax aufstellen. Bei der Beziehung zwischen Text und Bild als Konnotationssignifikate geht es um die Erläuterung eines Bildes. Der Text erweitert eine Gesamtheit von Konnotationen, die in der Fotografie zu erkennen sind. Die Möglichkeit eines Textes besteht aber auch darin, ein völlig neues Signifikat herzustellen, welches auf ein Bild projiziert wird, so dass es als denotiert erscheint. Auch kann das Wort einem Bild stark widersprechen, so dass dieses eine kompensatorische Konnotation darstellt. Die Konnotation kann aber auch eine regulierende Funktion haben, d. h. sie kann vor der Identifikation durch Projektion schützen. Ein Konnotationscode wird häufig kulturell gedeutet. Dies wird deutlich in Gesten, Ausdruck, Haltungen, Farben oder Effekten die von einer bestimmten Gesellschaft mit bestimmten Bedeutungen gekennzeichnet sind. Die Bedeutung bleibt überwiegend historisch, da der moderne Mensch in die Fotografie historische Gefühle und Werte projiziert und immer die Bedeutung einer bestimmten Gesellschaft und Geschichte deutlich gemacht wird. Der Widerspruch zwischen dem kulturellen und dem natürlichen Menschen wird in dieser Bedeutung aufgehoben. Dies ist jedoch stark abhängig vom Wissen des Lesers und seiner kulturellen Situation.

[...]


[1] Barthes, Roland: Die Fotografie als Botschaft. In: Barthes, Roland: Der entgegenkommende und der stumpfe Sinn: Kritische Essays III, Frankfurt am Main, Suhrkamp, 1990, S. 12-27.

[2] Vgl. Ebd. 1990.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Fotografie als Botschaft
Untertitel
Inszenierte Fotografie
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V271536
ISBN (eBook)
9783656633143
ISBN (Buch)
9783656633136
Dateigröße
362 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Fotografie, Botschaft, Pressefotografie, Bild, Verfahren, Medien
Arbeit zitieren
Laura Becker (Autor), 2010, Fotografie als Botschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271536

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