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”¡Esos moros!“. Andalusien zwischen Faszination und Aversion

Titel: ”¡Esos moros!“. Andalusien zwischen Faszination und Aversion

Hausarbeit , 2014 , 17 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Verena Knerich (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Rahmen dieser Arbeit sollen die vielschichtigen Vorstellungen zu den sogenannten "moros" in Andalusien näher betrachtet werden, die den alltäglichen Umgang miteinander prägen. Unter dem sehr heterogenen Begriff "moro" werden in diesem Kontext einerseits die aus Nordafrika stammenden Mauren bezeichnet, die Spanien im 8. Jahrhundert eroberten, und ebenso die heutigen nordafrikanischen Einwanderer.
Um herrschende Ansichten besser einordnen zu können, findet sich im ersten Kapitel ein kurzer historischer Überblick. Es wird dabei ein Bogen geschlagen von der viele Jahrhunderte währenden muslimischen Präsenz auf der iberischen Halbinsel bis zu der seit den 80er Jahren beständig zunehmenden Immigration nach Spanien. Basierend auf diesen Begebenheiten soll im zweiten Teil der Arbeit der aktuelle Umgang mit den "moros" beleuchtet werden. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden dabei romantisch-verklärte Vorstellungen auf der einen Seite, Vorurteilen und eventuellem Konfliktpotenzial auf der anderen Seite gegenübergestellt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Begriffserklärung und Überblick

2 Geschichtliche und aktuelle Hintergründe

2.1 Al-Andalus und die Herrschaft der Mauren

2.2 Immigration nach Andalusien

3 Umgang mit den jeweils „Anderen“

3.1 Unbewusste Inkorporation und Romantisierung

3.2 Vorurteile und Konfliktpotenzial

4 Résumé und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das ambivalente Spannungsfeld zwischen der historischen Faszination für das maurische Erbe Andalusiens und der aktuellen Aversion gegenüber heutigen nordafrikanischen Einwanderern, um zu ergründen, wie diese widersprüchlichen gesellschaftlichen Wahrnehmungen konstruiert werden und auf das Zusammenleben wirken.

  • Historische Aufarbeitung der Zeit von Al-Andalus
  • Analyse der aktuellen Migrationssituation in Andalusien
  • Untersuchung der Romantisierung maurischer Vergangenheit
  • Identifizierung von Vorurteilen und Konfliktpotenzialen im Alltag
  • Diskurskritik bezüglich der Konstruktion von Identität und Fremdbildern

Auszug aus dem Buch

3.1 Unbewusste Inkorporation und Romantisierung

Beim Versuch, dem positiv konnotierten Fremdbild des Mauren einen theoretischen Referenzrahmen zu verleihen, ist man mit dem Problem mehrerer sich gegenseitig beeinflussender historischer Prozesse konfrontiert. Vor dem Hintergrund der ehemaligen maurischen Besetzung Spaniens und dessen Erbe muss(te) ein Vorgehen entwickelt werden, wie mit dieser Tatsache in verschiedenen Kontexten umgegangen werden kann.

Für die Konstruktion eines kastilischen Nationalgefühls aufbauend auf einer gemeinsamen, unveräußerlichen Identität, wurden zeitgleich Vorstellungen vom jeweils „Anderen“, in diesem Fall den ehemaligen muslimischen Besatzern, in Abgrenzung zum einenden „Wir“ geschaffen. Dies basierte laut verschiedener Thesen in den Jahrhunderten nach der erfolgreichen Reconquista vorwiegend auf „Lesarten, die den Katholizismus als der Nation intrinsisch ansah und religiöse und politische Einheit gleichsetzten“ (Hertel 2012: 50). Dies naturalisierte somit die Abgrenzung von religiös anders Denkenden und damit auch die maurische Vergangenheit als nicht-spanisch (s. auch Kapitel 2.1).

Dieses Streben nach einer Nation stiftenden Identität spiegelt sich auch noch in der Verfassung von 1977 wider, die Spanien als einen „ state of autonomous communities”, whose competencies are passed over through a slow process of administrative decentralization“ (Dietz 2004: 20) definiert. Für Andalusien hatte dies zur Folge, eine regionalspezifische Identität konstruieren zu müssen, wobei deren prägendstes und zugleich umstrittenstes Element wohl die maurische Vergangenheit ist.

Durch diese bewusste Inkorporation des maurischen Erbes als einen Teil der spanischen Identität wurden offensichtliche Überreste von Al-Andalus, wie beispielsweise die Alhambra, in die eigenen Vorstellungen eines Nationalmonuments mit Stolz inkorporiert. Unter der Bezeichnung Maurophilie, also der „Begeisterung, welche unter Ausblendung religiöser Aspekte für maurischen Stil und dessen Ästhetik empfunden wird“ (Kottmann 2008: 283), konnte dieser Bereich maurischer Kultur auch touristisch vermarktet werden. Folklore, Ethno-Festivals und Reisen entstanden mit dem Ziel, die maurische Vergangenheit wieder zu entdecken.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Begriffserklärung und Überblick: Diese Einleitung führt in die Ambivalenz zwischen Faszination für das maurische Erbe und der Aversion gegenüber heutigen Migranten ein und definiert den Begriff „moros“ im historischen sowie aktuellen Kontext.

2 Geschichtliche und aktuelle Hintergründe: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die maurische Herrschaft in Al-Andalus als Ausgangspunkt und beleuchtet die heutige Migrationssituation sowie die prekären Lebensbedingungen der Zuwanderer in Andalusien.

3 Umgang mit den jeweils „Anderen“: Der Hauptteil analysiert, wie einerseits eine romantisierte Inkorporation der Vergangenheit stattfindet und andererseits in der Gegenwart Stereotype und Vorurteile gegenüber Immigranten konstruiert und reproduziert werden.

4 Résumé und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die Neubewertung der „Wir“- und „Andere“-Vorstellungen eine notwendige Herausforderung darstellt, um den Umgang mit den heutigen „moros“ positiv zu transformieren.

Schlüsselwörter

Al-Andalus, Andalusien, Identität, Immigration, Maurophilie, Mauren, Migrationsgesellschaft, moros, Muslimophobie, Nationalismus, Reconquista, Romantisierung, Stereotype, Toleranz, Vorurteile.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der positiven Wahrnehmung des historischen maurischen Erbes und der ablehnenden Haltung gegenüber heutigen nordafrikanischen Einwanderern in Andalusien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Geschichte von Al-Andalus, die moderne Migration, die Konstruktion spanischer Nationalidentität sowie die Analyse von Fremdbildern und Vorurteilen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der touristischen und kulturellen Romantisierung der Vergangenheit und dem realen, oft diskriminierenden Umgang mit heutigen Einwanderern verständlich zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise, indem sie historische Kontexte mit aktuellen soziologischen Debatten und der Analyse gesellschaftlicher Mentalitäten verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse von Al-Andalus, eine Darstellung der Immigrationssituation und eine detaillierte Untersuchung der Mechanismen von Inkorporation, Romantisierung und Ausgrenzung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Al-Andalus, Identität, Immigration, „moros“, Maurophilie, Nationalismus, Reconquista, Romantisierung und Vorurteile.

Wie definiert die Autorin den Begriff „moros“?

Der Begriff wird historisch als Bezeichnung für Bewohner des ehemaligen Mauretaniens und später als Sammelbegriff für Muslime verwendet, der heute zur Abgrenzung und Stigmatisierung heutiger Migranten dient.

Welche Rolle spielt die Alhambra für das Identitätsverständnis?

Die Alhambra wird als maurisches Monument in das spanische Nationalverständnis inkorporiert, wobei jedoch die religiösen Aspekte ausgeblendet werden, um ein romantisiertes, touristisch verwertbares Bild zu schaffen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
”¡Esos moros!“. Andalusien zwischen Faszination und Aversion
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
Proseminar "Der marokkanisch-spanische Grenzraum"
Note
1,0
Autor
Verena Knerich (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V271563
ISBN (eBook)
9783656637981
ISBN (Buch)
9783656637950
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanien Andalusien Immigration Al Andalus Mauren
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Verena Knerich (Autor:in), 2014, ”¡Esos moros!“. Andalusien zwischen Faszination und Aversion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271563
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  17  Seiten
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