Die Schlacht bei Namur (auch Schlacht bei Charleroi genannt) war eine von mehreren zeitgleich erfolgenden Grenzschlachten in der Frühphase des Ersten Weltkrieges. Während der grundsätzliche Ablauf der Schlacht im Hinblick auf die Gefechtshandlungen der Divisionen und Korps bekannt ist, fehlen bislang zusammengefasste Angaben zu den einzelnen Gefechtshandlungen und den eingetretenen Verlusten sowohl auf deutscher wie auf französischer Seite. Die Darstellung enthält zahlreiche zeitgenössische Gefechtsskizzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kenntnisstand und Quellenlage
3. Die an der Schlacht beteiligten Einheiten
4. Der Aufmarsch
5. Freitag, der 21. August 1914
6. Samstag, der 22. August 1914
a. Das deutsche X. Armeekorps am 22. August 1914
(1) Die deutsche 19. Infanteriedivision gegen Chatelet und Presles
(2) Die deutsche 20. Infanteriedivision gegen Roselies und Falisolle
b. Das deutsche X. Reservekorps am 22. August 1914
(1) Die deutsche 2. Gardereservedivision gegen Monceau
(2) Die deutsche 19. Reservedivision gegen Couillet und Les Haies
c) Die französische Armee am 22. August 1914
7. Sonntag, der 23. August 1914
a. Das deutsche X. Armeekorps am 23. August 1914
(1) Die deutsche 19. Infanteriedivision gegen Gerpinnes
(2) Die deutsche 20. Infanteriedivision gegen Oret
b. Das deutsche X. Reservekorps am 23. August 1914
(1) Die deutsche 2. Gardereservedivision gegen Gozee und Marbaix
(2) Die deutsche 19. Reservedivision gegen Nalinnes
c) Die französische Armee am 23. August 1914
8. Montag, der 24. August 1914
a) Die deutsche Armee am 24. August 1914
b) Die französische Armee am 24. August 1914
9. Verluste
10. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit widmet sich der detaillierten Analyse der Schlacht bei Namur (Bataille de Charleroi) im August 1914, wobei der Fokus insbesondere auf dem taktischen Geschehen auf Korps-, Divisions- und Regimentsebene liegt. Ziel ist es, das operative Handeln der niedersächsischen Verbände im Zentrum der Schlacht sowie deren Auswirkungen und die gegenseitigen Verlustzahlen präzise zu rekonstruieren.
- Analyse des taktischen Ablaufs der Gefechte an der Sambre.
- Gegenüberstellung und Untersuchung der deutschen und französischen Einheitenstärke und Gliederung.
- Untersuchung der Regimentsgeschichten als primäre Quelle zur Rekonstruktion der Gefechtshandlungen.
- Kritische Aufarbeitung der Verlustzahlen auf beiden Seiten unter Einbeziehung zeitgenössischer Dokumente.
Auszug aus dem Buch
Der Oberleutnants und Kompanieführers im 12./IR 78, Dr. phil. Kuhlmann, Bremen, geboren zu Braunschweig am 21.6.1882, berichtete über den Tag:
„Am anderen Morgen rücken wir ab. Das 91. Regiment wird wieder auf die Brücke Pont-de-Loup angesetzt, die 78er auf Chatelineau rechts, wie zuerst am gestrigen Tage. Unser Bataillon war hinten. Unser erstes Bataillon hatte vorn die Arbeit, Straßenkämpfe rauhester Art. Aus allen Häusern soll wieder geschossen sein, besonders in der Nähe der überall errichteten Barrikaden. Wir marschierten durch, die Gewehre schußfertig, aber es geschah nichts. Hin und wieder hörten wir nur das Prasseln der feindlichen Schrapnellkugeln auf den Dächern. Die Sambrebrücken sind in unseren Händen, aber die südlichen Hänge des Ufers sind besetzt. „Regiment 78 zum Angriff, 1. und 2. Bataillon in erster Linie, 3. Bataillon folgt rechts gestaffelt!“ Durch die Gasfabrik, durch Obstgärten, durch Eisenwerke, zwischen himmelhohen Schuttkegeln ziehen wir uns hin.
Hier gilt es, einen mordssteilen Berg zu ersteigen, und nur mühsam sammelt sich oben das Bataillon. Ich sehe rechts hinter uns auf etwa drei Kilometer entfernter Höhe Bewegung. „Ist das feindliche Artillerie, Herr Hauptmann?“ „Es ist schwer zu erkennen! Scheint aber so. Können es mal dem Major sagen.“ Batsch, batsch! Da prasseln die Schrapnells in unser dicht geschlossenes Bataillon. Schlag auf Schlag! Eine Panik.
Trotzdem sagt jedem das Gefühl: „Hinter die nächsten Häuser!“ Einige Sekunden später liegen wir eng gepresst hinter einem Hause und lassen den Kugelregen über uns hinwegpeitschen. Das dauert vielleicht eine Viertelstunde, dann wird’s ruhiger. Ich sehe mir die Situation an. Etwa 60 Mann habe ich bei mir, nur einige leicht Verwundete. „Wo ist der Hauptmann, wo der Major?“ Ich rufe über die Hecke, kein Mensch weiß es. Hinter den Strohdiemen sitzt noch unser Offizier X mit etwa 40 Mann. Er kommt zu mir herüber. In dem selben Augenblick bekomme ich vom Oberst den Befehl, auf ein Gehöft vorzugehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die „Schlacht bei Namur“ als erste große Begegnungsschlacht des Ersten Weltkrieges im August 1914.
2. Kenntnisstand und Quellenlage: Diskussion über die unzureichende wissenschaftliche Aufarbeitung und die Bedeutung von Regimentsgeschichten als Hauptquelle.
3. Die an der Schlacht beteiligten Einheiten: Detaillierte Darstellung der niedersächsischen Truppen (X. AK und X. RK) und deren Gliederung im Vergleich zum französischen Gegner.
4. Der Aufmarsch: Beschreibung der Truppenbewegungen von der Eroberung Lüttichs bis zum Eintreffen an der Sambre.
5. Freitag, der 21. August 1914: Darstellung der ersten Vorstöße an die Sambre und der Beginn der Sicherungs- und Brückenkämpfe.
6. Samstag, der 22. August 1914: Ausführliche Schilderung der Hauptkampftage des X. Armeekorps und des X. Reservekorps bei Chatelet, Roselies und Couillet.
7. Sonntag, der 23. August 1914: Analyse des weiteren Vorgehens und der heftigen Kämpfe bei Gerpinnes, Oret, Gozee und Marbaix.
8. Montag, der 24. August 1914: Zusammenfassung der letzten Kämpfe und der Verfolgung des nach Süden zurückweichenden Gegners.
9. Verluste: Tabellarische und textliche Auswertung der beiderseitigen Verluste auf Regiments- und Korps-Ebene.
10. Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung der Schlacht als taktischer Erfolg mit kritischer Würdigung der Führung und der Feuerkraft.
11. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten ungedruckten und gedruckten Quellen.
Schlüsselwörter
Schlacht bei Namur, 1914, Erster Weltkrieg, Sambre, X. Armeekorps, X. Reservekorps, Regimentsgeschichten, Taktik, Infanteriegefecht, Artillerie, Verluste, Bewegungskrieg, Niedersachsen, Chatelet, Roselies.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Schlacht bei Namur im August 1914 mit einem speziellen Fokus auf die Gefechte im Zentrum der Schlacht, an denen insbesondere niedersächsische Einheiten beteiligt waren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der taktischen Ebene unterhalb der Korps- und Divisionsebene, dem Einsatz der Artillerie, der Analyse der Gefechtsberichte aus Regimentsgeschichten und der Auswertung der Verlustzahlen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist eine detaillierte Rekonstruktion des Gefechtsverlaufs durch die Auswertung von Augenzeugenberichten und Regimentsgeschichten, um die oft unklaren Abläufe und Verlustursachen für diesen spezifischen Frontabschnitt zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich primär um eine historische Quellenanalyse. Der Autor wertet eine Vielzahl zeitgenössischer Regimentsgeschichten, Kriegstagebücher und amtlicher Berichte aus, um ein präzises Bild der Gefechtshandlungen zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert die Schlacht chronologisch von den ersten Aufmarschbewegungen bis hin zur Verfolgung des Gegners am 24. August, wobei jedes Kapitel spezifische Regimenter und deren Gefechte an konkreten Orten wie Chatelet, Roselies oder Oret beschreibt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Schlacht bei Namur, Erster Weltkrieg, X. Armeekorps, Regimentsgeschichten, taktische Analyse und Gefechtsführung.
Warum wird die Schlacht von Namur als "Schlacht der Niedersachsen" bezeichnet?
Da das niedersächsische X. Armeekorps und das X. Reservekorps den Kern der deutschen Angriffsfront an der Sambre bildeten und dort die Hauptlast der Kämpfe trugen, wird dieser Begriff aus deutscher Sicht zur Charakterisierung der Gefechtshandlungen genutzt.
Welche Rolle spielen die Regimentsgeschichten für die Arbeit?
Da viele offizielle Kriegstagebücher durch Kriegseinwirkungen verloren gingen, dienen die Regimentsgeschichten als essenzielle, wenn auch mitunter subjektive Quellen, um die taktischen Abläufe auf Regimentsebene zu rekonstruieren.
Wie werden die gegenseitigen Verluste bewertet?
Die Arbeit stellt fest, dass die französischen Verluste im Zentrum der Schlacht bei weitem höher waren als die deutschen, was der Autor primär auf die mangelnde Vorbereitung und schlecht koordinierte Gegenangriffe der französischen Seite zurückführt.
- Arbeit zitieren
- Dr. Jan Witte (Autor:in), 2014, Die Schlacht bei Namur (Bataille de Charleroi) vom 21. bis 24. August 1914, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271577