Diese Hausarbeit behandelt die Rolle der Musik in Bachmanns Malina, genauer gesagt, die Intermedialität bei ihren Texten und Werken sowie ihr Verhältnis zur Musik. Dabei wird zuerst erklärt, was überhaupt „Intermedialität“ darstellt und woher die Autorin den Bezug zur Musik her nimmt. Dazu wird ihr Verhältnis zur Musik dargestellt und ein kurzer Abriss ihres Lebens gegeben. Dann wird genau dargestellt, wie sich die Musik auf Bachmanns Werke auswirkt und auswirkte und was sie selber damit ausdrücken wollte, wobei in dieser Arbeit auf verschiedene Forschungsmeinungen eingegangen wird. Nach einigen exemplarischen Beispielen der Intermedialität bei ihren Werken wird auf die Musik in dem Roman Malina Bezug genommen. Dazu werden anfangs allgemeine Informationen zur Intermedialität in dem Buch gegeben und daraufhin die wichtigsten und berühmtesten Beispiele nacheinander, jeweils in einzelnen Teilkapiteln, beschrieben, erklärt und zum Teil auch, anhand von Beispielen aus dem Roman, verdeutlicht. Am Ende wird ein Fazit gezogen, und die Frage beantwortet, ob man denn nun wirklich von Intermedialität in Bachmanns Malina sprechen kann, oder ob es „nur“ eine Form der Intertextualität darstellt.
Die Wahl der einzelnen Kapitel, inklusive ihrem Inhalt, wurden in dieser Arbeit nicht willkürlich gewählt. Ich wollte bezwecken, dass die einzelnen Teile dieser Hausarbeit aufeinander aufbauen, sich immer wieder gegenseitig erweitern und ergänzen bis schließlich die Frage gelöst wird, ob es sich wirklich um Intermedialität oder sich doch „nur“ um Intertextualität handelt. Aus diesem Grund habe ich auch versucht, viele Zitate in den Fließtext zu integrieren, damit die Meinung Ingeborg Bachmanns ständig präsent ist und ich meine Feststellungen auch anhand diesen belegen kann. Zudem sollen sie es erleichtern zu verstehen, was überhaupt „Intermedialität“ ist und bedeutet.
Aus diesem Grund versuche ich in dem Malina- Kapitel sehr viele Buchzitate oder -belege einzubauen. Die Seitenzahlen beziehen sich dabei auf die Suhrkamp Basisbibliothek- Ausgabe von Malina.1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was bedeutet Intermedialität?
3. Ingeborg Bachmanns Verhältnis zur Musik
4. Intermedialität bei Bachmanns Werken
5. Musik in Malina
5.1 Inhalt und Allgemeines zur Intermedialität
5.2 Mozart und Beethoven
5.3 Die Oper
5.4 Die italienischen Vortragszeichen
5.5 Schönbergs „Pierrot Lunaire“
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle der Musik in Ingeborg Bachmanns Roman Malina und analysiert, inwiefern die dort eingesetzten musikalischen Motive und Strukturen als Intermedialität klassifiziert werden können oder ob es sich primär um Intertextualität handelt. Ziel ist es, Bachmanns Verhältnis zur Musik sowie ihre spezifische literarische Einbindung musikalischer Elemente theoretisch fundiert aufzuarbeiten.
- Analyse des Begriffs der Intermedialität im Kontext literarischer Werke.
- Untersuchung von Ingeborg Bachmanns persönlichem Bezug zur Musik und zum Komponieren.
- Darstellung der verschiedenen Ebenen der Intermedialität (Musikwerke, Komponisten, Klangzeichen) in Malina.
- Erörterung der Bedeutung von Arnold Schönbergs Pierrot Lunaire für die ästhetische Struktur des Romans.
- Beantwortung der Forschungsfrage zur Abgrenzung zwischen Intermedialität und Intertextualität im Werk.
Auszug aus dem Buch
5.5 Schönbergs „Pierrot Lunaire“
Die markanteste Form der Intermedialität in Bachmanns Malina bildet Arnold Schönbergs Pierrot Lunaire. Zudem stellt es ein Experiment Ingeborg Bachmanns an der Prosa dar. Sie baute die Noten ohne Schlüssel in den literarischen Text ein. Diese Partitur- Auszüge befinden sich am Anfang (S.13) und am Ende (S.320) des Romans und umrahmen somit den Text und bilden eine Art Klammer.
Pierrot Lunaire wurde als Melodram für die Sprechstimme konzipiert. Dabei stellt ein Melodram eine Sprechpartie mit instrumentaler Begleitung dar. Dieses Werk Schönbergs besteht aus 21 Gedichten. Jeweils sieben Gedichte in drei Kapiteln, wodurch schon wieder der direkte Bezug zum Buch hergestellt wird, da beide Werke aus drei Teilen bestehen. Die abgedruckten Notenfragmente stammen aus „O alter Duft aus Märchenzeit“, welches aus dem dritten Teil Pierrot Luanires stammt.
Bachmann wählte Schönbergs Werk nicht zufällig aus. Die Autorin war auf der Suche nach einer neuen Schreibweise für ihr Todesarten- Projekt. Das besondere an Pierrot Lunaire stellt außerdem der Sprechgesang dar: „Niemals haben die Ausführenden hier die Aufgabe, aus dem Sinn der Worte die Stimmung und den Charakter der einzelnen Stücke zu gestalten, sondern stets lediglich aus der Musik.“ Dieses Zitat verdeutlicht, dass die Musik die Stimmung des Werkes beeinflusst und genau dies will Bachmann durch die Notenfragmente auch erreichen, denn sie sieht in der Hinwendung zur Musik neue Ausdrucksfähigkeiten der verstummten, ins Schwiegen gebrachten Sprache. Außerdem handelt das Gedicht von Albträumen, Qualen, Ängsten, Schmerzen und brutaler Gewalt, von dem die Kunstfigur des Stückes heimgesucht wird, genau wie die Ich- Figur in Malina.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Rolle der Musik und zur Definition der Intermedialität in Bachmanns Werk Malina.
2. Was bedeutet Intermedialität?: Theoretische Klärung des Begriffs Intermedialität in Abgrenzung zur Intertextualität sowie Erörterung von Medienkombinationen.
3. Ingeborg Bachmanns Verhältnis zur Musik: Biografie der Autorin mit Fokus auf ihre musikalische Sozialisation und ihr gescheitertes Streben nach einer Laufbahn als Komponistin.
4. Intermedialität bei Bachmanns Werken: Übersicht über verschiedene Forschungsansätze, die Bachmanns Literatur als „musikalische Poetik“ charakterisieren.
5. Musik in Malina: Hauptteil, der die spezifischen musikalischen Bezüge in Malina, von Mozart bis Schönberg, detailliert analysiert.
6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Frage, ob Bachmanns Werk tatsächlich als Intermedialität zu klassifizieren ist.
Schlüsselwörter
Ingeborg Bachmann, Malina, Intermedialität, Musik, Intertextualität, Literaturwissenschaft, Sprechgesang, Arnold Schönberg, Pierrot Lunaire, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Todesarten-Projekt, musikalische Poetik, Medienkombination.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die musikalischen Einflüsse und die ästhetische Einbindung von Musik in Ingeborg Bachmanns Roman Malina unter dem theoretischen Blickwinkel der Intermedialität.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition intermedialer Prozesse, Bachmanns biografischem Bezug zur Musik sowie der Analyse konkreter musikalischer Anspielungen und Strukturmerkmale im Roman Malina.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob die Integration musikalischer Motive in Malina lediglich als Intertextualität zu werten ist oder ob sie die Kriterien der Intermedialität erfüllt, wobei die Autorin den Begriff selbst nicht kannte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse, bei der verschiedene Forschungsmeinungen ausgewertet und mit Textstellen aus Malina sowie Bachmanns theoretischen Schriften abgeglichen werden.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Im Hauptteil werden auf drei Ebenen musikalische Bezüge analysiert: die Nennung von Musikwerken (z.B. Mozarts Exsultate Jubilate), die Erwähnung von Komponisten (Beethoven) und die Einbindung von Klangzeichen, Partituren und italienischen Vortragszeichen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Intermedialität, musikalische Poetik, Sprechgesang, Struktur-Analyse und Bachmanns Malina-Roman zusammenfassen.
Welche besondere Bedeutung hat das Werk Pierrot Lunaire für den Roman?
Schönbergs Pierrot Lunaire fungiert im Roman als experimentelles Mittel, wobei Notenfragmente in den Text integriert werden, die den Roman thematisch und strukturell rahmen und die Sprache durch Musik erweitern sollen.
Wie werden die italienischen Vortragszeichen im Roman interpretiert?
Die Vortragszeichen wirken als Anweisungen an das weibliche Ich und dienen dazu, die Affektivität der Aussagen zu kodieren und eine zeitliche Komponente einzubringen, die die Hauptfigur stärker in ihre Vergangenheit zurückwirft.
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- Ariane Meyer-Buchhardt (Author), 2012, Intermedialität bei Ingeborg Bachmanns Werken und in ihrem Roman „Malina“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271707