Intermedialität bei Ingeborg Bachmanns Werken und in ihrem Roman „Malina“


Seminararbeit, 2012
19 Seiten, Note: 2.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Was bedeutet Intermedialität?

3. Ingeborg Bachmanns Verhältnis zur Musik

4. Intermedialität bei Bachmanns Werken

5. Musik in Malina
5.1 Inhalt und Allgemeines zur Intermedialität
5.2 Mozart und Beethoven
5.3 Die Oper
5.4 Die italienischen Vortragszeichen
5.5 Schönbergs „Pierrot Lunaire“

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit behandelt die Rolle der Musik in Bachmanns Malina, genauer gesagt, die Intermedialität bei ihren Texten und Werken sowie ihr Verhältnis zur Musik. Dabei wird zuerst erklärt, was überhaupt „Intermedialität“ darstellt und woher die Autorin den Bezug zur Musik her nimmt. Dazu wird ihr Verhältnis zur Musik dargestellt und ein kurzer Abriss ihres Lebens gegeben. Dann wird genau dargestellt, wie sich die Musik auf Bachmanns Werke auswirkt und auswirkte und was sie selber damit ausdrücken wollte, wobei in dieser Arbeit auf verschiedene Forschungsmeinungen eingegangen wird. Nach einigen exemplarischen Beispielen der Intermedialität bei ihren Werken wird auf die Musik in dem Roman Malina B ezug genommen. Dazu werden anfangs allgemeine Informationen zur Intermedialität in dem Buch gegeben und daraufhin die wichtigsten und berühmtesten Beispiele nacheinander, jeweils in einzelnen Teilkapiteln, beschrieben, erklärt und zum Teil auch, anhand von Beispielen aus dem Roman, verdeutlicht. Am Ende wird ein Fazit gezogen, und die Frage beantwortet, ob man denn nun wirklich von Intermedialität in Bachmanns Malina sprechen kann, oder ob es „nur“ eine Form der Intertextualität darstellt.

Die Wahl der einzelnen Kapitel, inklusive ihrem Inhalt, wurden in dieser Arbeit nicht willkürlich gewählt. Ich wollte bezwecken, dass die einzelnen Teile dieser Hausarbeit aufeinander aufbauen, sich immer wieder gegenseitig erweitern und ergänzen bis schließlich die Frage gelöst wird, ob es sich wirklich um Intermedialität oder sich doch „nur“ um Intertextualität handelt. Aus diesem Grund habe ich auch versucht, viele Zitate in den Fließtext zu integrieren, damit die Meinung Ingeborg Bachmanns ständig präsent ist und ich meine Feststellungen auch anhand diesen belegen kann. Zudem sollen sie es erleichtern zu verstehen, was überhaupt „Intermedialität“ ist und bedeutet.

Aus diesem Grund versuche ich in dem Malina- Kapitel sehr viele Buchzitate oder -belege einzubauen. Die Seitenzahlen beziehen sich dabei auf die Suhrkamp Basisbibliothek - Ausgabe von Malina.[1]

2. Was bedeutet Intermedialität?

Den Terminus Intermedialität gibt es erst seit 1990. Davor verwendete man nur den Begriff der Intertextualität, welcher sich heute jedoch von der Intermedialität unterscheiden lässt.[2]

Dabei bezeichnet Intertextualität die Theorie der Relationen zwischen den Texten und Intermedialität die Theorie der Beziehungen zwischen Medien bzw. Produkten verschiedener Medien. Intertextualität bezeichnet somit die Phänomene zwischen den Texten und der Begriff der Intermedialität wird verwendet, wenn andere Medien ins Spiel kommen und Mediengrenzen überschritten werden. Jedoch existiert ein synonymer Gebrauch beider Termini.

Es gibt jedoch Definitionsversuche, die das Phänomen der Intermedialität einzugrenzen zu versuchen:

Die Qualität des Intermedialen betrifft im Falle der Medienkombination die Konstellation des medialen Produkts, d.h. Die Kombination bzw. das Resultat der Kombination mindestens zweier, konventionell als distinkt wahrgenommener Medien, die in ihrer Materialität präsent sind und jeweils auf ihre eigene, medienspezifische Weise zur (Bedeutungs-) Konstitution des Gesamtprodukts beitragen. „Intermedialität“ stellt sich hier demnach als ein kommunikativ- semiotischer Begriff dar, der – dies ist entscheidend – auf der Addition zweier, konventionell als distinkt wahrgenommener medialer Systeme beruht.[3]

Intermedialität lässt sich jedoch noch genauer definieren:

Die Intermedialitätsforschung beschäftigt sich mit Mediengrenzen überschreitenden Phänomenen, die mindestens zwei konventionell als distinkt wahrgenommene Medien involvieren. Zu unterscheiden sind drei Phänomene des Intermedialen, denen verschiedene Intermedialtätsbegriffe zugrunde liegen: Medienkombination, Medienwechsel, intermediale Bezüge.[4]

Nach diesem Definitionsversuchen lässt sich Intermedialität nun als Medienkombination bezeichnen, die mindestens zwei verschiedene Medien miteinander addiert und dabei Mediengrenzen überschreitet. Dabei unterscheidet man zwischen Medienkombination (eine Kombination aus Text und Bild), Medienwechsel (z.B. vom Buch zum Film, von der Zeitschrift zum Hörspiel) und intermedialen Bezügen („der Bezug eines literarischen Textes, eines Films oder Gemäldes auf ein bestimmtes Produkt eines anderen Mediums“[5]).

Das Problem der Intermedialität stellt die verwirrende Fülle an Möglichkeiten dar. Es kann nicht genau definiert werden, was zu Intermedialität zählt und was nicht und wo die Grenzen liegen. Jedoch ist es

durchaus ein Vorteil, daß „Intermedialität“ - als Begriff und Konzept – nicht den Status eines geschlossenen, bereits fetgelegten wissenschaftlichen Paradigmas beansprucht, sondern eher Spielregeln und Perspektiven für die Analyse medialer Interaktionen und Transformationen zur Verfügung stellt. Diese Spielregeln entsprechen […] dem diskurstheoretischen und diskursgeschichtlichen Rahmen, der in der Erweiterung des Intertextualitätskonzepts schon angelegt ist: Wenn schon literarische Texte als Mischung und Überlagerung verschiedener Diskurse durchschaubar werden, so sind die Produkte der neuen Medien durch einen um so größeren, noch komplexeren Spielraum der Diskursmischung und Hybridisierung gekennzeichnet.[6]

Der Begriff der Intermedialität stellt somit eine Erweiterung des Intertextualitätskonzeptes dar, welcher immer wieder neu aufgegriffen und weiterentwickelt wird. Aus diesem Grund lässt sich der Begriff auch nicht genau definieren, man kann nur einen Rahmen festlegen, indem er sich bewegt. Denn Intermedialität befindet sich ständig im Wandel und soll sich auch gar nicht auf bestimmte Schemata, Muster oder Regeln festlegen.

Dies wird im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit auch deutlich werden. Bachmanns Werke bieten nämlich eine Fülle an Intermedialitätsformen, obwohl sie diese Bezeichnung noch gar nicht kannte. Sie kombinierte viele Medien miteinander, was innerhalb festgelegter Grenzen und Regeln wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen wäre.

3. Ingeborg Bachmanns Verhältnis zur Musik:

Der Anfang vom Schreiben hängt für mich mit Komponieren zusammen. Denn ich habe seltsamerweise zuerst zu komponieren angefangen und da war ich ein Kind. Musik war für mich das Größte, ist es auch immer geblieben, und zu schreiben angefangen habe ich, weil mir niemand die Worte dafür gegeben hat, die ich gebraucht habe, also habe ich sie mir selbst geschrieben. Wie ich 18 Jahre alt war, habe ich begriffen, dass ich unfähig bin, dass ich immer ein Dilettant bleiben werde, und alles ist immer mehr aufs Schreiben gegangen, aber das... Der Anfang war komponieren.[7]

In diesem Zitat wird Bachmanns Beziehung zur Musik sehr deutlich. Daraus ist zu vernehmen, dass sie schon als Kind zu komponieren begonnen hatte. Laut Albrecht und Göttsche habe sie Opern geschrieben, aufgeschrieben was die Sänger singen sollten und sich erst für die Literatur entschieden, als sie feststellen musste, dass ihre Begabung für das Komponieren nicht groß genug war.[8] Dass die Musik für Bachmann „das Größte war“ wird bei Solibakke deutlich. Er schreibt, dass Ingeborg Bachmann schon in jungen Jahren Klavier- und Geigenunterricht bekam und somit auch lernte die Noten zu lesen. Schon als Kind wollte sie eine musikalische Laufbahn einschlagen. Doch sie entschied sich, wie in dem Zitat angedeutet wird, gegen eine musikpraktische Ausbildung am Konservatorium zugunsten eines Universitätsstudiums der Philosophie, Psychologie, Germanistik und Rechtswissenschaften.[9]

Doch Bachmann hatte immer eine intensivere Beziehung zur Musik als zur Literatur. Sie sagte, dass sich in der Musik das Absolute zeigte, was sie in der Sprache nicht erreicht sehe und dass Musik der höchste Ausdruck sei, den die Menschheit überhaupt gefunden hätte.[10] Dies erklärt auch die immer wiederkehrende Intermedialität in Bachmanns Texten, auf die ich im nächsten Kapitel in dieser Hausarbeit zu sprechen komme.

Auch dass die Autorin ihren Traum der musikalischen Karriere nie aufgab, beweist die von 1952 bis 1965 andauernde Freundschaft mit dem Komponisten Hans- Werner Henze, den Bachmann bei ihrem ersten Treffen mit der Gruppe 47 begegnete. In den Jahren ihrer gemeinsamen Arbeiten lebten der Komponist und die Dichterin sogar zusammen. Das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit sind Textbücher von zwei Opern und einem Ballett und Liedvertonungen anhand von Bachmanns Gedichtvorlagen. Die berühmteste stellt das Hörspiel die Zikaden dar.[11]

Ein weiteres Beispiel für ihr Verhältnis zur Musik ist, dass die Dichterin sich bemühte, Musik als Kunstform und Ausdrucksmedium zu erfassen, was sich auch in ihrem Essay, theoretischen Schriften und in den nachgelassenen Fragmenten bemerkbar macht.[12]

Anhand des Zitates lässt sich also erkennen, dass Bachmann ein sehr inniges Verhältnis zur Musik pflegte, sie auch lieber komponiert als geschrieben hatte, ihr jedoch die Begabung dafür fehlte. Doch der Anfang ihres Schreibens war, wie sie selbst sagte, das Komponieren.

4. Intermedialität bei Bachmanns Werken:

Zur Intermedialität in den Werken Ingeborg Bachmanns gibt es viele verschiedene Forschungsmeinungen. Im Nachfolgenden wird nun auf diese eingegangen, indem die verschiedenen Meinungen vorgestellt und anschließend erläutert werden.

Laut Solibakke[13] verlangte Bachmann 1959 in ihrem Essay Musik und Dichtung eine Rückwendung zur Vereinigung beider Kunstformen (Musik und Sprache) unter der Beschwörungskraft der menschlichen Stimme. Denn in ihrer Vereinigung offenbaren Wort und Musik dem Geist klangverankerte Erkenntnisse. Auch die Einheit von kollektiver Rede und individueller Erregung führe über den menschlichen Gesang. Somit sei dieser der intermediale Schwellenraum zwischen der sinnlichen Klangkonfiguration und der reinen Schriftform.

Des Weiteren führe die Vereinigung von Dichtung und Musik zu einem Harmoniezustand oder zu einem „Augenblick der Wahrheit“. Somit würden dann die längst verkrusteten und vereinzelten Paradigmen der Gedanken- und Gefühlswelt wieder beweglich werden. Musik und Wort bilden dann eine Einheit, die nicht zu trennen sei. Denn begriffslose Musik steuert auf die unbegrenzte Klangentfaltung hin. Und die daraus folgende Erfahrung des sprachlichen Schweigens, des Sprachverlustes, brächte den Schriftsteller dazu, mit neuen Regeln ausgestattete Wege zu suchen[14].

[...]


[1] Bachmann, Ingeborg: Malina, Text und Kommentar. Suhrkamp Basisibibliothek. Frankfurt am Main 2004.

[2] Rajewsky, Irina O.: Intermedialität. Tübingen 2002.

[3] Zit.n.: Rajewsky, Irina O.: Intermedialität. Tübingen 2002.

[4] Zit.n.: Rajewsky, Irina O.: Intermedialität. Tübingen 2002.

[5] Zit.n.: Rajewsky, Irina O.: Intermedialität. Tübingen 2002.

[6] Zit. n.: Roloff, Volker: Film und Literatur. Zur Theorie und Praxis der intermedialen Analyse am Beispiel von Bunuel, Truffaut, Godard und Antonioni, in: Zima (1995).

[7] Bachmann, Ingeborg: Statement aus dem Film von Gerda Haller: Ingeborg Bachmann in Italien. ORF, 20.10.1973, Transkription von C. Carduff.

[8] Albrecht, Monika; Göttsche, Dirk: Bachmann Handbuch. Leben-Werk-Wirkung. Stuttgart 2002.

[9] Solibakke, Karl: Geformte Zeit. Musik als Diskurs und Struktur bei Bachmann und Bernhard. Würzburg 2005.

[10] Ebd.

[11] Solibakke, Karl: Geformte Zeit. Musik als Diskurs und Struktur bei Bachmann und Bernhard. Würzburg 2005.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Ebenda, S.5.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Intermedialität bei Ingeborg Bachmanns Werken und in ihrem Roman „Malina“
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Germanistik)
Veranstaltung
Ingeborg Bachmanns Werke
Note
2.3
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V271707
ISBN (eBook)
9783656640400
ISBN (Buch)
9783656640394
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
intermedialität, ingeborg, bachmanns, werken, roman, malina
Arbeit zitieren
Ariane Meyer-Buchhardt (Autor), 2012, Intermedialität bei Ingeborg Bachmanns Werken und in ihrem Roman „Malina“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271707

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