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Seelen- und Tugendlehre bei Platon und Aristoteles

Titel: Seelen- und Tugendlehre bei Platon und Aristoteles

Hausarbeit , 2012 , 17 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Werner Müller (Autor:in)

Philosophie - Philosophie der Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel der Hausarbeit ist die Erörterung der platonischen Seelen- und Tugendlehre und der Aufweis von Bezügen zur Mesotes-Lehre des Aristoteles. Dazu wird zunächst Platons These diskutiert, wonach die Seele die ihr eigentümliche Aufgabe, ein glückliches Lebens zu führen nur dann realisieren kann, wenn sie gerecht ist. In diesem Zusammenhang werden auch Überlegungen zu den zentralen Begriffen „Tugend“ und „Gerechtigkeit“ angestellt. Im Anschluss daran wird die Seelenlehre Platons, wie sie schwerpunktmäßig im 4. Buch der Politeia ausgearbeitet ist, erörtert. Es wird gezeigt, wie Platon die Tugenden und die Teile der Seele aus dem Modell eines zuvor konstruierten gerechten Staates ableitet. Die Seelenteile werden anhand des Modells der Polisentstehung (368b-372c) erläutert und es wird auf Schwierigkeiten bei der Interpretation des zweiten Seelenteils (der thymoeides) hingewiesen. Es wird vorgeschlagen, thymoeides als Aggressivität aufzufassen und dieser Vorschlag wird anhand der in 440b bis 441b angeführten Kriterien überprüft.
Im zweiten Teil wird zunächst das Verhältnis der Seelenteile untereinander erörtert. Dabei wird die Rolle der Vernunft, die Platon als praktisches Wissen dessen, wie man mit sich selbst und anderen am besten umgeht (428d) gedeutet als die Kenntnis des rechten Maßes derjenigen Handlungsdispositionen (Charaktereigenschaften), die in einer konkreten Situation entscheidungsrelevant sind. Im Weiteren wird der Begriff des rechten Maßes näher bestimmt. Platon scheint eine Art von Fließgleichgewicht im Sinne zu haben, wenn man z.B. 470a-471c zugrundelegt, wo er je nach den herrschenden Umständen (Krieg gegen Hellenen vs. Krieg gegen Barbaren) unterschiedliche Ausprägungen von Aggressivität als tugendhaft ausweist. Diese Auffassung als Fließgleichgewicht impliziert die Möglichkeit verschiedener Schwerpunkte: so kann eine Handlung auch dann tugendhaft sein, wenn einer der "niederen" Seelenteile überwiegt, sofern die konkreten Umstände es erfordern. An dieser Stelle kann ein Bezug zur Mesotes-Lehre hergestellt werden, denn Aristoteles denkt in seinem Begriff des „Mittleren“ (mesotes) die äußeren Umstände mit: das Mittlere ist kein arithmetische Wert, sondern das Beste, was man in einer konkreten Situation erreichen kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Seelenlehre im vierten Buch der Politeia

3. Schwierigkeiten bei der Übersetzung des dritten Seelenteils

4. Die Doppelnatur des Menschen

5. Aristoteles' Lehre vom mittleren Maß

6. Wurzeln der mesotes-Lehre bei Platon

7. Das vernünftige Maß

8. Zusammenfassung und Diskussion

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Konzepte der Seelen- und Tugendlehre bei Platon und Aristoteles mit dem Ziel, das Verständnis von Gerechtigkeit und das menschliche Handeln im Spannungsfeld zwischen Vernunft und Begehren zu erörtern. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Rolle der Vernunft bei der Regulierung der Seelenteile und wie diese zur Eudämonie führt.

  • Platons Seelenmodell im vierten Buch der Politeia
  • Die Charakterisierung des dritten Seelenteils (thymoeides)
  • Vergleich der platonischen Gerechtigkeitskonzeption mit der aristotelischen Mesotes-Lehre
  • Die Bedeutung der Vernunft als regulative Instanz
  • Anthropologische Fundierung als Doppelwesen

Auszug aus dem Buch

4. Die doppelte Natur des Menschen

Nach der Erörterung der einzelnen Seelenteile wird deren Verhältnis zueinander diskutiert und es werden Überlegungen dazu angestellt, was eine gerechte und was eine ungerechte Seele ausmacht. Ausgangspunkt ist dabei die Gerechtigkeit, wie sie im Modell des idealen Staates erscheint. Es wurde bereits gezeigt, dass Gerechtigkeit auf Staatsebene darin besteht, dass jeder Stand der Idiopragieformel gemäß handelt. In 441c bis 443b überträgt Platon die dort aufgefundenen Verhältnisse auf die Einzelseele.

Das Verhältnis der Seelenteile zueinander ist Platons Menschenbild geschuldet. Der Mensch gilt ihm von Natur aus als ein Doppelwesen, das mit Sinnlichkeit und Vernunft ausgestattet ist, das zugleich animalisch und göttlich ist. Die Vernunft oder die „Tugend der Erkenntnis“, wie Platon an manchen Stellen sagt (z.B. 518e), zeichnet sich jedoch in mehreren Hinsichten vor den anderen Tugenden der Seele aus: Während letztere durch Gewöhnung und Übung erst ausgebildet werden müssen, ist die Vernunft als Vermögen, als dynamis, immer schon da. Ein Vermögen lässt sich nur an seinen Wirkungen erkennen (477d), es selbst ist nicht wahrnehmbar, da es keine wahrnehmbaren Eigenschaften hat. Das Sehvermögen z.B. selbst ist nicht sichtbar, ermöglicht aber das Sehen, sowie auch das Hörvermögen selbst nicht hörbar ist, aber das Hören ermöglicht. Und als Erkenntnisvermögen richtet sie „den Blick nach oben“, hin zu den Ideen, um die Erkenntnis des Wahren und des Guten zu erlangen (478a; 519b). Obgleich dies die wahre Natur der Vernunft ist, kann sie umgelenkt werden, nach unten, zum Körperlich-Sinnlichen hin und in den Dienst des Begehrens gestellt werden. Man kann sich entscheiden, ob man das Animalische oder das Göttliche in seinem Wesen verwirklicht. Die Ungerechtigkeit ist also insofern schädlich, weil sie die animalische Natur stärkt und das Göttliche in der Natur des Menschen verkümmern lässt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hinführung zum Thema des guten Lebens, der Gerechtigkeit und der zentralen These, dass Platons Denkfigur der doppelten Natur des Menschen die Grundlage der aristotelischen Tugendlehre bildet.

2. Die Seelenlehre im vierten Buch der Politeia: Darlegung des Seelenmodells durch Analogie zum idealen Staat, wobei die seelische Verfasstheit als grundsätzlich konflikthaft charakterisiert wird.

3. Schwierigkeiten bei der Übersetzung des dritten Seelenteils: Analyse des Begriffs „thymoeides“, wobei dieser als Verbindung von Disposition und Verhalten sowie als Ausdruck narzisstischer Motivation interpretiert wird.

4. Die Doppelnatur des Menschen: Diskussion des Verhältnisses der Seelenteile, das auf einem Menschenbild basiert, welches den Menschen als animalisch und zugleich göttlich begreift.

5. Aristoteles' Lehre vom mittleren Maß: Skizzierung der aristotelischen Tugendlehre, die analog zur Medizin das rechte Maß zur Erhaltung der Gesundheit bzw. der Tüchtigkeit sucht.

6. Wurzeln der mesotes-Lehre bei Platon: Untersuchung der platonischen Unterscheidung zwischen notwendigen und nicht notwendigen Bedürfnissen als Vorläufer der aristotelischen Mesotes-Lehre.

7. Das vernünftige Maß: Erörterung der Frage, wie Tugend und Gerechtigkeit im Kontext der Privationslehre und des rechten Maßes an Aggressivität zu bestimmen sind.

8. Zusammenfassung und Diskussion: Synthese der Ergebnisse, wobei betont wird, dass sowohl Platon als auch Aristoteles die Mitte als ein durch den situativen Kontext mitbestimmtes Fließgleichgewicht verstehen.

Schlüsselwörter

Platon, Aristoteles, Seelenlehre, Tugendlehre, Gerechtigkeit, Eudämonie, Vernunft, Thymoeides, Idiopragieformel, Mesotes-Lehre, Mittelmaß, Privationslehre, Menschenbild, Philosophie, Politeia.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit befasst sich mit einem vergleichenden Studium der Seelen- und Tugendlehre bei Platon und Aristoteles, insbesondere unter dem Aspekt der Gerechtigkeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf die Struktur der Seele, die Definition der Tugenden im Staat und in der Einzelseele sowie das Konzept des mittleren Maßes für ein gutes Leben.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Rolle der Vernunft bei Platon und Aristoteles dazu dient, das menschliche Begehren zu regulieren und das "Gute" zu verwirklichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Untersuchung, die Textanalysen zur Politeia von Platon und zur Nikomachischen Ethik von Aristoteles kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Seelenteile bei Platon, die Problematik der Übersetzung von „thymoeides“, das Konzept der menschlichen Doppelnatur und die Verbindung zur aristotelischen Lehre vom mittleren Maß.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Gerechtigkeit, Eudämonie, Vernunft, Seelenteile, Mesotes-Lehre und das Ideal der Selbstverwirklichung.

Wie unterscheidet sich die Rolle der Vernunft bei Platon und Aristoteles?

Während beide die Vernunft als leitende Instanz sehen, elaboriert Aristoteles die situative Bestimmung der Mitte, während Platon stärker auf die hierarchische Einordnung und die Konstitution der gerechten Seele fokussiert.

Was bedeutet "thymoeides" in der Argumentation des Autors?

Der Autor schlägt vor, "thymoeides" als eine Synthese aus Disposition und Verhalten zu interpretieren, welche eine narzisstische Komponente des menschlichen Motivationssystems darstellt.

Warum spielt die Medizin eine Rolle im aristotelischen Modell?

Aristoteles nutzt die Medizin als Vorbild, um zu verdeutlichen, dass das "rechte Maß" (Mesotes) variabel ist und von den Umständen abhängt, ähnlich wie die Dosierung eines Heilmittels.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Gerechtigkeit?

Der Autor schließt, dass Gerechtigkeit sowohl bei Platon als auch bei Aristoteles ein dynamisches Ideal darstellt, das Einsicht in das Ganze erfordert, um in konkreten Situationen angemessen handeln zu können.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Seelen- und Tugendlehre bei Platon und Aristoteles
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Philosophie)
Note
2,3
Autor
Werner Müller (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V271746
ISBN (eBook)
9783656634522
ISBN (Buch)
9783656634515
Sprache
Deutsch
Schlagworte
seelen- tugendlehre platon aristoteles
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Werner Müller (Autor:in), 2012, Seelen- und Tugendlehre bei Platon und Aristoteles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271746
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Leseprobe aus  17  Seiten
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