Die Zukunft der ländlichen Räume

Nachhaltige ländliche Entwicklung und Stärkung der regionalen Wertschöpfungsketten am Beispiel des Modellvorhabens REGIONEN AKTIV


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

34 Seiten, Note: 1,3

Sander Kebnier (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der ländliche Raum
2.1 Eine definitorische Abgrenzung des ländlichen Raumes
2.2 Die Problematik und ein Ausblick zur Entwicklung des ländlichen Raumes
2.3 Zur definitorischen Fassbarkeit der »Region« aus geographischer Sicht

3. Wertschöpfung, Wertschöpfungsketten, -partnerschaften und -netzwerke
3.1 Das Maß der Wertschöpfung
3.2 Zum Konzept der Wertkette
3.3 Regionale Wertschöpfungsketten, -partnerschaften und -netzwerke

4. REGIONEN AKTIV - Land gestaltet Zukunft
4.1 Der Ansatz und Ablauf des Modellvorhabens REGIONEN AKTIV
4.2 Zur Entwicklung einer regionalen Abgrenzung
4.3 Die Besonderheiten des Modellvorhabens REGIONEN AKTIV

5. Fazit und ein kritischer Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Regionale Produkte sind heute in des Wortes wahrster Bedeutung in aller Munde. Die Regionen und ihr spezifisches Angebot werden portionsgenau und mundgerecht »ver- packt« und vermarktet. Ganze Landschaften schmecken regional, Produkte werden zu einem scheinbar unabdinglichen Teil ihrer Herkunftsregion und eine unsägliche Vielzahl an Herkunftsbeteuerungen, Garantien, Siegeln und Labeln werben für die Echtheit und alle damit zusammenhängenden Vorzüge der regionalen Produkte (vgl. ERMANN 2005, S. 11). Diese regionalen Produkte sind nicht mehr länger reine Exklusi- vitäten traditioneller, ländlicher Bäckereien, Metzgerläden oder Handwerksbetriebe, sind doch bereits die Großkonzerne und Franchise-Einzelhändler in den Genuss der Regionalprodukte gekommen. Große Handelsunternehmen wie Edeka, REWE, Lidl oder toom gehen Kooperationen mit mehr oder minder regionalen Akteuren und Pro- duzenten ein und erfassen dadurch ein vom Verbraucher erwünschtes, neues Markt- segment (vgl. HASSE 2006, S. 33, GOTTWALD/STEINBACH 2011, S. 72f.).

Im Verlaufe meiner Nachforschungen stieß ich sonach auf den »Premium-Schin- ken« der Regionalmarke EIFEL. Jener schien vorerst alle positiven Attribute eines er- folgreichen Regionalproduktes aufzuweisen, gleichwie das Endprodukt einer Koope- ration zwischen diversen Erzeugern, Verarbeitern und Vermarktern zu sein, in deren Mittelpunkt ein überzeugter und zufriedengestellter Kunde steht. Die Regionalmarke EIFEL verzeichnete eine eminente Umsatzsteigerung, als Kooperationen zwischen den regionalen Erzeugern und diversen Handelsunternehmen geschlossen und somit neue Verkaufsstellen und Absatzmärkte erschlossen wurden. Nunmehr profitiert die gesamte Region, demnach eine Vielzahl unterschiedlichster Interessengruppen von der gegründeten Dachmarke für regionale Produkte (vgl. BMELV 2008a).

Diese Kooperation zwischen dem scheinbar »kleinen Bauern« und dem »großen Konzern« erweckte anfänglich mein besonderes Interesse. Sogenannte Wertschöp- fungsketten und genau jene Wertschöpfungskooperationen sind unabdingliche Ele- mente jeder wirtschaftlichen Aktivität. Die Aktivierung und Intensivierung der regiona- len Wirtschaftskreisläufe leistet einen wesentlichen, gar fundamentalen Beitrag zu der nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raumes (vgl. SCHWAB 2010, S. 17, ERMANN 2005, S. 23). Demnach ist es in der folgenden Ausarbeitung mein Anliegen, das Mo- dellvorhaben REGIONEN AKTIV des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirt- schaft und Verbraucherschutz (BMELV), welches der eben erläuterten Erfolgsge- schichte der Regionalmarke EIFEL zugrunde liegt, vorzustellen und darüber hinaus hinsichtlich der Aspekte der regionalen Wertschöpfung, Wertschöpfungsketten bzw.

Wertschöpfungspartnerschaften und der nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raumes zu analysieren. Somit stellt sich die übergeordnete Leitfrage, inwiefern länd- liche Räume eine Zukunft haben, und darüber hinaus offenbart sich das dieser Ausar- beitung zugrunde liegende spezifische Problemfeld, inwieweit eine nachhaltige ländli- che Entwicklung und Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten als Möglichkeit der ländlichen Entwicklung überhaupt initiiert werden kann. Welche etwaigen Maßnahmen sind notwendig und welche Vorteile oder auch Beschwernisse spielen für eine nach- haltige Entwicklung der ländlichen Regionen eine maßgebliche Rolle?

Ebendarum ist es notwendig die Problematik der ländlichen Räume, die durch den Strukturwandel seit dem Ende der 1980er Jahre entstanden ist (vgl. ERMANN 2005, S. 23), ihre grundlegenden Schwierigkeiten und auch Potenziale betreffend, zu unter- suchen. Weiterführend muss auf das Problemfeld der Regionsabgrenzung im Allge- meinen und im Spezifischen auf den relationalen Zusammenhang zwischen Region und Wertschöpfung eingegangen werden. Die Termini »Wertschöpfung«, »Wert- schöpfungskette« und »Wertschöpfungspartnerschaft« gilt es somit abschließend hin- sichtlich ihres Ursprunges und, das Leitthema dieser Arbeit betreffend, ihrer Bedeu- tung für den regionsspezifischen Kontext zu definieren. Anschließend zeige ich an- hand des Beispiels des Modellvorhabens REGIONEN AKTIV eine potenzielle Möglich- keit zur Stärkung und Instandsetzung des ländlichen Raumes auf und revidiere jenes mittels der zuvor erarbeiteten theoretischen Grundlage. Was grenzt somit das alterna- tive Modellvorhaben REGIONEN AKTIV von andersartigen Projekten ab?

Die Wirtschaftsgeographie, in derem Kreise sich diese Ausarbeitung desgleichen bewegt, ist nicht nur durch den Forschungsgegenstand, den ich soeben näher definiert habe, sondern ebenfalls durch die Forschungsperspektive geprägt (vgl. BATHELT/GLÜCKLER 2012, S. 44). Neben der Ökonomie haben vor allem soziologische und kulturwissenschaftliche Aspekte immer mehr an Bedeutung gewonnen, wie bei- spielsweise die relationalen Ansätze der Wirtschaftsgeographie zeigen. Gleichsam be- zieht die Wirtschaftsgeographie wesentliche soziale, naturräumliche und auch kultu- relle Teilaspekte bzw. Kontextbedinungen mit ein (vgl. BRAUN/SCHULZ 2012, S. 15). Es gilt daher festzuhalten, dass eine ausschließlich raumwirtschaftliche Perspektive kei- nesfalls ausreichend ist, um den besagten Untersuchungsgegenstand befriedigend analysieren zu können, besitzen jene klassischen Einflussgrößen (Rohstoffe, Böden, Arbeitskräfte) alleine nicht genug Erklärungskraft, um die diversen raumwirtschaftli- chen Vorkommnisse und Veränderungen zu explizieren (vgl. ebd., S. 16). Ein exklusi- ves Festmachen an der Ausstattung des Raumes und ein folglich auftretendes Abhan- denkommen der sozialen und verhaltensbezogenen Aspekte der Wirtschaftsgeogra- phie würde der anfänglichen Fragestellung keinesfalls gerecht werden. Somit ist es unabdinglich das eigentliche ökonomische Handeln mit all seinen vielfältigen Bezie- hungen zu integrieren. Der relationale Ansatz der Wirtschaftsgeographie wird dem- nach von nicht minderer Bedeutung sein, hebt er doch innerhalb der Partizipan- tenebene der Unternehmen die arbeitsteilige Struktur und das soziale Wechselspiel hervor, welche wiederum als wichtige Komponenten der besagten Wertschöpfungs- ketten zu bezeichnen sind (vgl. BATHELT/GLÜCKLER 2012, S. 44ff.).

2. Der ländliche Raum

Der ländliche Raum des 21. Jahrhunderts scheint ein Stück Vergangenheit zu sein, ist rückständig und geprägt durch eine eklatante Dichotomie zwischen den peripheren Gebieten und dem urbanisierten Raum. Sonach lohnt sich eine nachhaltige Entwicklung jener ländlichen Regionen nicht. Sie sind womöglich verlassene, gar verlorene Räume (vgl. SEEHOFER 2008, S. 21).

Um im folgenden Kapitel näher auf den ländlichen Raum und die mögliche Problematik, die jenen umgibt, eingehen zu können, ist es ratsam, diesen möglichst spezifisch zu determinieren. Gleichsam muss jedoch a priori festgehalten werden, dass das Fixieren auf eine allumfassende Definition ein unmögliches Vorhaben zu sein scheint, sodass ich mich mehr oder minder auf eine Explikation festlegen werde, die dem Ziel und Zweck dieser Ausarbeitung zuträglich ist.

2.1 Eine definitorische Abgrenzung des ländlichen Raumes

Die assoziativen Vorstellungen zum ländlichen Raum können zahlreich und vielfältig sein. Sie reichen vom Felde über die Wiesen und die Dörfer bis zu beschreibenden Adjektiven, die häufig den ländlichen Raum mehr oder minder vom städtischen abzu- grenzen wissen. Dabei handelt es sich oftmals um eine Vielzahl an Stereotypen, die regulär nur wenig mit der wirklichen Lebenswelt oder gar einem wissenschaftlichen Verständnis gemein haben. Ausgelöst durch die diversen raumfunktionalen Verände- rungen der letzten Jahrzehnte ist der ländliche Raum weit mehr, als seine historische Vergangenheit und die Ausübung der Agrarwirtschaft vermuten lassen. Der ländliche Raum ist geprägt durch eine umfassende Heterogenität und funktional mitnichten auf den Typus »Agrarland« zu reduzieren (vgl. HOPPE 2010, S. 21f., SEEHOFER 2008, S. 21). Ein Verständnis des ländlichen Raumes als homogene Raumkategorie wäre zu trivial und würde eine grundlegende Problematik grundsätzlich ausblenden (vgl. BBR 2012, S. 157). Die Tatsache, dass der ländliche Raum viele Gesichter hat, wird im weiteren Verlauf des nächsten Unterkapitels spezifiziert werden und besonders im Fallbeispiel REGIONEN AKTIV von besonderer Bedeutung sein.

Dennoch oder gerade deshalb gibt es in Deutschland keine explizite, strikte und somit bundesweit gültige Definition des ländlichen Raumes. Die verschiedenen Bun- desländer nutzen somit größtenteils unterschiedliche Möglichkeiten der Raumgliede- rung. In jenen Fällen wird auf diverse Kriterien, wie die Infrastruktur, demnach auch auf die allgemeine Erreichbarkeit, die Raumfunktionen oder die Siedlungsstrukturen, Bezug genommen (vgl. OECD 2007, S. 33). Auffallend ist dabei, dass in Niedersach- sen, Bremen und Hamburg über einen längeren Zeitraum hinweg überhaupt keine raumstrukturelle Abgrenzung festgelegt oder näher definiert wurde. Andere Bundes- länder hingegen versuchen häufig zwischen sogenannten Verdichtungsräumen, Um- land- bzw. Randzonen und ländlichen Räumen zu differenzieren (vgl. BBR 2012, S. 158). Prinzipiell weisen die ländlichen Räume im Vergleich zu den städtischen Ge- bieten eine niedrigere Bevölkerungsdichte auf und sind durchzogen von eher klein- städtischen bzw. dörflichen Siedlungsstrukturen. Dabei einzig die Abwanderungsten- denzen, die Abgelegenheit, das geringe ökonomische Kapital und die scheinbar hohe Arbeitslosenquote als Definitionsmerkmale heranzuziehen, greift zu kurz, handelt es sich doch ebenfalls um Räume, die durch einen gewissen Suburbanisierungsprozess beeinflusst, als anziehende Wohn- und Erholungsstandorte nachgefragt und durch nicht minder effektive Wirtschaftsformen und -potenziale geprägt sind (vgl. BBR 2005, S. 203). Eine präzise Differenzierung zwischen Stadt und Land scheint nahezu illuso- risch, Ävereitelt die große Vielfalt ländlicher Räume selbst einfache Unterscheidungs- versuche. Der ländliche Raum ist heute weniger denn je eine einheitliche Raumkate- gorie“ (ebd.). Diese Vielfalt sollte jedoch nicht als definitorisches Problem betrachtet, sondern vielmehr als Chance gesehen werden, sich dem Verständnis eines ländlichen Raumes zu nähern. Ebendaher führte der Europarat in der »Europäischen Charta des ländlichen Raumes« den Terminus der »Multifunktionalität« ein (vgl. PENKE 2012, S. 19). Der ländliche Raum ist demnach ein Areal bzw. ein Gebiet an der Küste oder im Landesinneren, dessen überwiegender Teil der Fläche unter die Nutzung der Land-, Forst- oder Fischereiwirtschaft, des produzierenden Gewerbes, anderer Dienst- leistungen, des Handwerkes, der Erholungs- und Freizeitaktivitäten oder schlicht des Wohnens gestellt ist (vgl. BBR 2005, S. 203f.). Verschiedene ländliche Räume können somit vielfältige Funktionen erfüllen, die wiederum die besagte Heterogenität wider- spiegeln und begründen (vgl. ebd., S. 212f.). Aufgrund dieser Multifunktionalität ist der ländliche Raum zum Forschungsgegenstand zahlreicher Wissenschaften geworden und wird somit in der Geographie, aber auch in der Geschichte, Soziologie, Politikwis- senschaft, Ökologie oder gar Landschaftsarchitektur untersucht (vgl. HENKEL 2004, S. 21f.). In der Geographie kommt es ebenfalls zur Herausdifferenzierung inhaltlicher Schwerpunkte, beispielsweise in der Wirtschaftsgeographie, der Bevölkerungsgeogra- phie, der Freizeit-/Tourismusgeographie, der politischen Geographie oder in der Wohl- fahrtsgeographie. Im angelsächsischen, nicht aber im deutschsprachigen Raum hat sich daher die sogenannte »Rural Geography« etabliert, die sich auf die Räumlichkeit des ländlichen Lebens und der Umwelt spezialisiert hat (vgl. ebd., S. 29f., LARSEN 2013). Während sich die Begrifflichkeiten ländlicher Raum, Siedlung oder Dorf über längere Zeit kaum verändert haben, so waren doch die Inhalte durchaus einem Wech- sel unterlegen. Wie bereits herausgestellt wurde, handelt es sich um synthetische Be- griffe, die sowohl definitorische Übereinstimmungen als auch Diskrepanzen aufweisen. Eine fixe Festlegung würde demnach einen komplexen Untersuchungsgegenstand klittern und in seiner Vielschichtigkeit limitieren (vgl. hierzu auch HENKEL 2004, S. 30f.).

Festzuhalten bleibt demnach, dass ländliche Räume keinesfalls ausschließlich ihrer geographischen Lage oder ihrer Besiedlung wegen als jene ausgezeichnet werden können. Die eben erläuterte Multifunktionalität basiert auf diversen ökonomischen, ökologischen und sozialen Komponenten und darf deshalb, gerade in Verbindung mit dem Leitthema dieser Arbeit mitnichten vernachlässigt werden (vgl. hierzu auch PENKE 2012, S. 19). Jene Vielfältigkeit und Definitionsschwierigkeit muss somit eben nicht als Problematik, sondern als möglicher Ansatz der ländlichen Entwicklung verstanden werden, sodass eine allumfassende Definition an dieser Stelle weder möglich noch nötig ist. Vielmehr ist es unabdinglich, sich von einer urbanen Perspektive auf den ländlichen Raum und etwaigen eilfertigen Urteilen zu lösen (vgl. ebd., S. 20).

2.2 Die Problematik und ein Ausblick zur Entwicklung des ländlichen Raumes

Die Einführung in dieses Kapitel führte eben jene, derartige (Vor-)Urteile auf. Der länd- liche Raum sei demnach verlassen, wirtschaftlich und sozial verloren, weit entfernt von einer Annäherung an die städtischen Gebiete und somit keinesfalls der Mühsal einer nachhaltigen Entwicklung wert. Folglich scheint ein neues Denken notwendig und eine Überwindung der tradierten Stereotype unausweichlich, um ländliche Regionen zu- kunftssicher zu machen (vgl. SEEHOFER 2008, S. 21). Auch wenn HORST SEEHOFERS fünf Ziele zur nachhaltigen Entwicklung der ländlichen Räume, die ich im Folgenden erläutern werde, mutmaßlich politisch indoktriniert, somit ebenfalls persönlich und emotional zu sein scheinen, zeigen sie doch durchaus wichtige Indikatoren auf, die für den späteren Verlauf meiner Analyse von besonderer Relevanz sein werden.

Wie bereits aufgeführt wurde, ist es notwendig, (1) die Vielfalt des ländlichen Raumes anzuerkennen. Da die besagten Räume nicht homogen sind, sich somit anhand vielfältiger Merkmale und Faktoren (Naturraum, Tradition und Kultur, Wirtschaftspotenzial) unterscheiden lassen, sollte jene Diversität gleichsam als Kraftquelle, nicht als Problematik interpretiert werden. Um die At- traktivität des ländlichen Raumes nachhaltig zu fördern, ist es ebenfalls notwendig, (2) die Lebensqualität auszubauen. Demnach be- nötigen ländliche Räume eine Basis durabler Infrastruktur, die den Charakteristika der je- weiligen Regionen angepasst ist. Darunter fallen der Verkehr bzw. die Kommunikation, die Versorgung aber auch Bildungseinrich- tungen. Wie aus der Zusammenstellung der Abb. 1 und Abb. 2 erkenntlich wird, weisen vor allem die ländlich geprägten Räume ein Defizit an Infrastrukturmaßnahmen auf. Die Abb. 3, welche die Zentrenerreichbarkeit darstellt, spiegelt ein kohärentes Bild wider. Demnach weisen ländlich geprägte Regio- nen gegenüber den urbanisierten Räumen ebenfalls ein Bedeutungsdefizit auf. Ärztli- che Versorgungseinrichtungen, Bildungsan- stalten, Bibliotheken und soziale Einrichtun- gen müssen zusammen mit der Natur- und Kulturlandschaft weitläufig zugänglich ge- macht werden. Die Dichotomie zwischen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1.: Dimensionen regionaler Lebensverhält- nisse: Infrastruktur (BBR 2012, S. 25).

Stadt und Land gilt es demnach zu verringern. Eine Anbindung des Lokalen an das Regionale, Nationale oder gar Globale steigert somit die Lebensqualität immens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.: Städtischer und Ländlicher Raum 2011

(http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Raumbeobach- tung/Raumabgrenzungen/Kreistypen2/Download_ Karte2012_PDF.pdf?__blob=publicationFile&v=2) (download: 26.01.2014).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.: Zentrenerreichbarkeit (BBR 2005, S. 55).

Die eben erwähnten Natur- und Kultur- landschaftsräume müssen darüber hin- aus erhalten bleiben. Es muss daher (3) eine Balance zwischen den ökonomischen, ökologischen und sozialen Belangen her- und ein nachhaltiges Handeln sichergestellt werden. Darüber hinaus steht (4) die Stärkung des regionalen Zusammenhaltes im Mittelpunkt. Den ländlichen Räumen soll die Möglichkeit der dezentral eigenständigen, regionsspezifischen Entwicklung etwai- ger Lösungsansätze ermöglicht werden. Die Menschen wollen und dürfen keinesfalls bevormundet werden. Eine Region zeichnet sich als Verantwortungsgemeinschaft aus, bildet eine eigene Identität heraus, basiert auf dem Zusammenwirken diverser Akteure und darf von staatlicher Seite nur durch mögliche Rahmenbedingungen ange- leitet werden. Dem Staate steht es demnach im besten Falle nur zu, Freiräume zu schaffen (vgl. SEEHOFER 2008, S. 21f.). Dieser Aspekt soll besonders anhand des fol- genden Modellvorhabens REGIONEN AKTIV erneut aufgegriffen werden.

Die Agenda 21, ein Handlungsrahmen der Organisation der Vereinten Nationen (UNO), die ein Zieldreieck der Nachhaltigkeit konstituiert und sich somit an alle Länder und Gemeinden der Welt richtet, greift die eben aufgeführte »Trinität« abermals auf. Die Abb. 4 zeigt einen zusammenschauenden Leitkonnex, der auch auf die Entwick- lung des ländlichen Raumes in Deutschland übertragbar ist. Darunter fällt, und darauf soll in den folgenden Kapiteln insbesondere Bezug genommen werden, die ökonomi- sche Dimension (vgl. HENKEL 2004, S. 390ff.). Somit ist (5) die Erhöhung der Wert- schöpfung in ländlichen Gebieten von besonderer Bedeutung, haben jene doch eben- falls wie die klassischen Ballungszentren große Potenziale zur Verwirklichung ihrer regionalen Wirtschaftskraft inne. Die Lancierung neuer Technologien und eines not- wendigen Know-hows ist dabei obligatorisch. Diese Maßnahmen umfassen nicht nur die Landwirtschaft, sondern ebenfalls die vor- und nachgelagerten Bereiche, Hand- werksbetriebe und andere mittelständische Unternehmen. Folglich eröffnen sich neu- artige Möglichkeiten zur Entwicklung regionaler Wertschöpfungsketten. Der ländliche Raum bleibt sonach wettbewerbsfähig (vgl. SEEHOFER 2008, S. 21).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4.: »Magisches Dreieck« einer nachhaltigen Dorf- und Regionalentwicklung nach den Zielvorgaben der Agenda 21 (nach HENKEL 2004, S. 390).

[...]

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Die Zukunft der ländlichen Räume
Untertitel
Nachhaltige ländliche Entwicklung und Stärkung der regionalen Wertschöpfungsketten am Beispiel des Modellvorhabens REGIONEN AKTIV
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Regionalprodukte als Motor nachhaltiger Regionalentwicklung
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
34
Katalognummer
V271755
ISBN (eBook)
9783656626077
ISBN (Buch)
9783656626053
Dateigröße
1845 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Regionen, Aktiv, Bundesministerium, Landwirtschaft, Verbraucherschutz, Ernährung, Eifel, Region, Wertschöpfung, Wertschöpfungskette, Netzwerk, Regionalprodukte, LandZukunft, Identität
Arbeit zitieren
Sander Kebnier (Autor), 2014, Die Zukunft der ländlichen Räume, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271755

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