Die Zulässigkeit des Komponentenansatzes nach deutschem Handelsrecht


Seminararbeit, 2013
19 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Komponentenansatz nach IAS
2.2 Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung im deutschen Handelsrecht
2.2.1 Rahmengrundsätze
2.2.2 Systemgrundsätze
2.2.3 Abgrenzungsgrundsätze
2.2.4 Ansatzgrundsätze für die Bilanz

3 Komponentenansatz im deutschen Handelsrecht
3.1 Regelung in der Praxis vor BilMoG
3.2 Vereinbarung mit den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung
3.3 Regelung in der Praxis nach BilmoG
3.3.1 Komponentenansatz nach IDW
3.3.2 Kritische Würdigung

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verlauf der Aufwandsentwicklung im Vergleich

1 Einleitung

In der deutschen Rechnungslegung wird größeren Sachanlagen, bspw. Gebäuden oder Fahrzeugen, eine einheitliche wirtschaftliche Nutzungsdauer unterstellt. Einige Bestandteile der Sachanlage müssen jedoch im Zeitverlauf mehrmals ausgetauscht oder generalüberholt werden. Die anfallenden Kosten müssen als Erhaltungsaufwand erfolgswirksam erfasst werden. Aus Vorsorgegründen war es bis zum Bilanzmodernisierungsgesetz (BilMoG) möglich, für Generalüberholungen Aufwandsrückstellungen zu bilden. Durch den Wegfall dieses Wahlrechts gilt es, eine Möglichkeit zu finden, im Jahresabschluss weiterhin einen periodengerechten Gewinn ermitteln zu können. Eine Alternative, die dem gerecht wird, könnte der Komponentenansatz nach IAS 16 sein.[1]

Ob seine Anwendung im deutschen Handelsrecht zulässig wäre, wird in dieser Arbeit erörtert.

In einem vorangestellten Grundlagenkapitel soll zunächst die Basis für die im 3. Kapitel folgende Diskussion geschaffen werden. Nachdem der Komponentenansatz nach IAS 16 und seine Anwendungsvoraussetzungen beschrieben wurde, folgt eine kurze Erläuterung über die in dieser Arbeit relevanten Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB). Das 3. Kapitel beginnt mit einer Beurteilung des nicht mehr kodifizierten Wahlrechts für langfristige Aufwandsrückstellungen. Im Anschluss wird die daraus resultierende Überlegung, den Komponentenansatz zuzulassen, erörtert, indem eine Vereinbarung mit den handelsrechtlichen Vorschriften, konkretisiert durch die GoB, besprochen wird. Abschließend wird eine an das deutsche Handelsrecht angepasste Form des Komponentenansatzes, die 2009 durch das Institut der Wirtschaftsprüfer veröffentlicht wurde, vorgestellt und bewertet.

2 Grundlagen

2.1 Komponentenansatz nach IAS 16

Der Komponentenansatz (component approach) ist eine in IAS 16 verankerte Besonderheit zur Folgebewertung von komplexen Sachanlagen. Der Hauptgedanke des Komponentenansatzes ist, dass Sachanlagen, die sich aus mehreren identifizierbaren Bestandteilen mit unterschiedlichen Nutzungsdauern zusammensetzen, in diese einzelnen Bestandteile aufzuteilen sind. Diese Komponenten sind als einzelne Vermögenswerte zu aktivieren und nach ihren individuellen Nutzungsdauern gesondert abzuschreiben.[2] Ziel des Komponentenansatzes ist eine verlässlichere Darstellung der Nutzungsdauer bzw. des planmäßigen Periodenaufwandes, als es bei einer einheitlichen Abschreibung im Aggregatansatz möglich ist.[3]

In IAS 16 wird ein Flugzeug als Anwendungsbeispiel erwähnt, bei dem Flugwerke und Triebwerke getrennt abgeschrieben werden, sowie die Inneneinrichtung eines Flugzeugs, die während seiner Nutzungsdauer mehrmals ausgetauscht wird und daher technisch eine einheitliche Abschreibung nicht möglich ist.[4]

Voraussetzung für den Ansatz der Komponenten ist zunächst die allgemein in F.49 verfestgelegte Definition von Vermögenswerten (assets). Demnach ist ein Vermögenswert „eine Ressource, die aufgrund von Ereignissen der Vergangenheit in der Verfügungsmacht des Unternehmens steht, und von der erwartet wird, dass dem Unternehmen aus ihr künftiger wirtschaftlicher Nutzen zufließt.“[5] Unter künftigem wirtschaftlichem Nutzen versteht man das Potenzial eines Vermögenswertes ,,direkt oder indirekt zum Zufluss von Zahlungsmitteln oder Zahlungsmitteläquivalenten zum Unternehmen beizutragen“[6] Eine selbstständige Veräußerbarkeit und Nutzbarkeit der Vermögenswerte ist in der internationalen Rechnungslegung im Gegensatz zum deutschen Handelsrecht nicht notwendig.[7]

Zusätzlich zur Definition müssen die Komponenten die Ansatzkriterien (recognition criteria) von Vermögenswerten des F.89 erfüllen. Der Vermögenswert bzw. eine Komponente wird nur angesetzt, wenn der Zufluss eines direkten oder indirekten wirtschaftlichen Nutzens für das Unternehmen wahrscheinlich (probability) ist und eine verlässliche (reliability) Bewertung des Vermögenswertes vorgenommen werden kann.[8]

Eine konkrete Angabe, welche Wahrscheinlichkeit angemessen ist bietet das Rahmenwerk und die IAS nicht. Und auch die Literatur ist sich uneins, ob es reicht, dass der Zufluss eines Nutzens wahrscheinlicher ist als unwahrscheinlich und dementsprechend eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent genügt oder ob die Wahrscheinlichkeit so gut wie sicher sein muss.[9] Da eine Sachanlage bzw. eine Komponente zur Fortführung des Unternehmens dient, kann zumindest von einem indirekten wirtschaftlichen Nutzen ausgegangen werden, sodass stets ein ansatzfähiger Vermögenswert vorliegt.[10]

Nach Erfüllung dieser allgemeinen Kriterien besteht die Pflicht, jede Komponente einzeln anzusetzen und abzuschreiben ,sofern ihre Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten (AHK) einen wesentlichen Bestandteil des Gesamtwerts der Sachanlage ausmachen[11], darüber hinaus besteht ein Wahlrecht für unwesentliche Bestandteile.[12] In der Literatur wird eine Wesentlichkeitsgrenze von mindestens 5 Prozent als zulässig erachtet.[13]

Die restlichen als nicht wesentlich anzusehenden Bestandteile der Sachanlage werden zu einer „Rest-Komponente (remainder)“[14] zusammengefasst und abgeschrieben. Bei unterschiedlichen Nutzungsdauern innerhalb der Rest-Komponente werden bei Bedarf Angleichungsmethoden herangezogen, um einen genauen Abschreibungsverlauf wiederzugeben.[15] Weiterhin besteht ein Wahlrecht, wesentliche Komponenten mit gleicher Nutzungsdauer und Abschreibungsmethode zusammenzufassen und summiert abzuschreiben.[16]

Nach IAS 16.14 werden planmäßige größere Wartungsarbeiten bzw. Generalüberholungen und Generalinspektionen, „ungeachtet dessen, ob Teile ersetzt werden“[17], ebenfalls als eigene Komponente angesetzt und abgeschrieben, soweit sich Höhe und zeitlicher Anfall der Kosten verlässlich schätzen lassen. Die Kosten bei Anschaffung der Sachanlage sind entsprechend auf die Generalüberholung und auf die Sachanlage aufzuteilen. Ebenfalls sind Kosten für die folgenden Generalüberholungen separat anzusetzen und bis zu ihrem tatsächlichen Anfall abzuschreiben[18], sofern „die Großreparatur in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird, die Anlage nur nach der Großreparatur weiterbetrieben werden kann, zuvor aktivierte Kosten der Großreparatur abgeschrieben und die allgemeinen Ansatzkriterien erfüllt sind.“[19] Gilt dies nicht und eine Generalüberholung tritt trotzdem ein, sind die Kosten separat zu aktivieren und bis zur nächsten planmäßigen Generalüberholung abzuschreiben.[20] Hingegen werden geringfügige Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen nach IAS 16.12 sofort erfolgswirksam als Aufwand verbucht, sodass auch hier die Wesentlichkeit ausschlaggebend ist.[21] Bei Austausch einer Komponente ist die Ersatzkomponente zu aktivieren und sofern die alte Komponente nicht vollständig abgeschrieben ist, wird der Restbuchwert gem. IAS 16.67-72 ausgebucht.[22] Die Folgebewertung der Komponenten ist wahlrechtlich entweder nach dem Anschaffungskostenmodell, d.h. zu AHK abzüglich der Wertminderungen und planmäßigen Abschreibungen oder bei verlässlicher Ermittlung nach dem Neubewertungsmodell zum fair value abzüglich nachfolgender planmäßiger Abschreibungen und Wertminderungen vorzunehmen.[23]

[...]


[1] Vdl.W2 S. 2526

[2] Vgl. Quick, R., (2012), IAS 16, Rn. 12.

[3] Vgl. Quick, R., (2012), IAS 16, Rn. 13.

[4] Vgl. IAS 16.43, 13.

[5] F.49.

[6] F.53.

[7] Coenenberg, A.G./Haller, A./Schulze, W. (2012), S. 107.

[8] Vgl. F.89.

[9] Vgl. Ballwieser, W. (2009), S. 49.

[10] Vgl. F.55.

[11] Vgl. IAS 16.43, F. 29-30.

[12] Vgl. IAS 16.47.

[13] Vgl. Hagemeister, C. (2004), S. 142, Vgl. Quick, R. (2012), IAS 16, Rn. 13.

[14] Baetge, J./Kirsch, H./Thiele, S. (2011), S. 290.

[15] Vgl. IAS 16.46.

[16] Vgl. IAS 16.45.

[17] IAS 16.14.

[18] Vgl. Künkele, K.P./Zwirner, C.(2010), Tz. 10.

[19] Künkele, K.P./Zwirner, C. (2010), Tz. 10.

[20] Vgl. Künkele, K.P./Zwirner, C. (2010), Tz. 10.

[21] Vgl. Quick, R., (2012), IAS 16, Rn. 13.

[22] Vgl. Baetge, J./Kirsch, H./Thiele, S. (2011), S. 290, IAS. 16.13.

[23] Vgl. IAS 16.29-31.

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Details

Titel
Die Zulässigkeit des Komponentenansatzes nach deutschem Handelsrecht
Note
2
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V271804
ISBN (eBook)
9783656639039
ISBN (Buch)
9783656639046
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zulässigkeit, komponentenansatzes, handelsrecht
Arbeit zitieren
Lena Witt (Autor), 2013, Die Zulässigkeit des Komponentenansatzes nach deutschem Handelsrecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271804

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