Im diesem Essay geht es im Wesentlichen um die Frage: „Dick und Doof?“, diese wird mit Hilfe der Stigmatisierungsprozesse von Adipositas und dem Labeling Approach erläutert.
In den ersten Absätzen geht es um die Klärung der Begriffe des Labeling Aproach und der Adipositas. Diese werden dann im Anschluss in einen Zusammenhang gebracht. Zum Schluss wird dann noch versucht die Frage, ob dicke Menschen gleichzeitig doof sind zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Labeling Approach
3. Stigmatisierung und Adipositas
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftliche Stigmatisierung von Adipositas unter Anwendung des soziologischen "Labeling Approach", um der Frage nachzugehen, inwieweit Vorurteile über soziale Schichten und Verhaltensweisen die Wahrnehmung von übergewichtigen Menschen prägen.
- Theoretische Grundlagen des Labeling Approach nach Tannenbaum und Lemert
- Stigmatisierungsprozesse in Abhängigkeit vom sozioökonomischen Status
- Einfluss von Medienbildern und Lebensmittelindustrie auf gesellschaftliche Normen
- Zusammenhang zwischen Armut, Ernährung und gesellschaftlicher Zuschreibung
Auszug aus dem Buch
Stigmatisierungsprozesse und der Labeling Approach
Der erste Soziologe, der den „Labeling Approach“ beschrieb, ist Tannenbaum. Der Labeling Approach ist eine soziologische Theorie, die den Etikettierungsansatz für abweichendes Verhalten beschreibt. Tannenbaum sieht den Grund für abweichendes Verhalten in den sozialen Reaktionen der Umwelt. Das Verhalten ist nicht im Einzelnen angelegt, sonder durch die Umweltreize provoziert (Lamnek, 1996, S. 219 f.). Der Einfluss von Tannenbaums Theorie auf die Forschung blieb jedoch sehr gering.
Lemert hat den Definitionsansatz von Tannenbaum als erster wieder aufgegriffen und hat im Wesentlichen die primäre von der sekundären Devianz unterschieden. Für den Labeling Approach ist allerdings die sekundäre Devianz von höherer Bedeutung. Bei der sekundären Devianz handelt es sich um direkte Zuschreibung von abweichendem Verhalten der Umwelt. Das gleiche Verhalten von unterschiedlichen Personen ausgeübt, führt zu komplett unterschiedlichen Zuschreibungen (Lamnek, 1996, S. 220).
Auch wenn es sehr unterschiedliche Theorien und Ansätze für die Theorie gibt, so haben alle eines gleich, es wird nicht nach der Ätiologie für das abweichende Verhalten gesucht, sondern es ist die Folge eines Zuschreibungsprozesses (Lamnek, 1996, S. 216 f.).
Aus den verschiedenen Theorien entwickelte Lamnek 7 wesentliche Thesen die den Labeling Approach beschreiben sollen. Diese Thesen werden im Weiteren verwendet um die Stigmatisierung der Adipositas zu erläutern (ebd):
1. Normen können nur von Menschen ausgesprochen werden die Macht innehaben.
2. Erst durch die Anwendung der Normen wird Verhalten zu abweichendem Verhalten.
3. Nur wenn 1+2 erfüllt sind kommen Zuschreibungsprozesse zu Stande.
4. Da Zuschreibungsprozesse vor allem makrosoziologisch determiniert werden, haben institutionalisierte Instanzen insbesondere die Möglichkeit der Definitionen.
5. Durch die Normanwendung, besonders durch die Instanzen, werden die Verhaltensspielräume der gelabelten Personen stark eingeengt.
6. Da die gelabelten Personen kaum ausweichende Verhaltensmöglichkeiten, haben kommt es zu sekundärem Verhalten.
7. Durch das deviante Verhalten und der immer wieder vorkommenden Zuschreibung entwickelt sich neues deviantes Verhalten, dem die selben Zuschreibungen zugeordnet werden können (Lamnek, 1996, S.89f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung ein, ob Adipositas mit intellektuellen Defiziten assoziiert wird, und stellt den theoretischen Rahmen des Labeling Approach vor.
2. Der Labeling Approach: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Etikettierungsansatzes erläutert, insbesondere die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Devianz durch Lemert sowie die sieben Thesen von Lamnek.
3. Stigmatisierung und Adipositas: Dieses Kapitel verknüpft die soziologische Theorie mit der Realität von Adipositas, wobei der Fokus auf sozioökonomischen Status, Medienbildern und dem Einfluss der Lebensmittelindustrie liegt.
4. Zusammenfassung: Der Autor resümiert, dass Adipositas ein gravierendes Gesundheitsproblem darstellt, welches vor allem in der Unterschicht stigmatisiert wird, ohne eine eindeutige Antwort auf die Ausgangsfrage zu geben.
Schlüsselwörter
Soziologie, Labeling Approach, Stigmatisierung, Adipositas, Devianz, Unterschicht, Sozioökonomischer Status, Etikettierung, Normen, Zuschreibungsprozesse, Gesundheitswissenschaften, Übergewicht, Gesellschaftliche Randgruppen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Stigmatisierungsprozessen und dem Phänomen der Adipositas unter Zuhilfenahme soziologischer Theorien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen den Labeling Approach, die soziale Konstruktion von Abweichung, Adipositas als Gesundheitsphänomen und die Stigmatisierung sozialer Unterschichten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage der Arbeit lautet: „Dick und Doof?“, womit der Zusammenhang zwischen Körpergewicht und gesellschaftlichen Vorurteilen hinterfragt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Theorien (Labeling Approach) und deren Anwendung auf aktuelle gesellschaftliche Phänomene der Gesundheitswissenschaften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt zunächst die theoretische Herleitung des Labeling Approach, gefolgt von einer Analyse der Stigmatisierung von übergewichtigen Personen in der heutigen Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Soziologie, Labeling Approach, Stigmatisierung und Adipositas definieren.
Welche Rolle spielt die Unterschicht in der Argumentation?
Die Arbeit argumentiert, dass Adipositas insbesondere in der Unterschicht stigmatisiert wird, da dort Armut und falsche Ernährungsbilder durch gesellschaftliche Machtstrukturen negativ etikettiert werden.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Lebensmittelkonzerne?
Der Autor stellt fest, dass Lebensmittelkonzerne durch die Produktion günstiger, aber hochkalorischer Produkte einen indirekten Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten einkommensschwacher Bevölkerungsschichten ausüben.
Kommt der Autor zu einem klaren Ergebnis bezüglich der Titelfrage?
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Frage, ob dicke Menschen auch gleichzeitig "doof" seien, auf Basis der angeführten Argumente unbeantwortet bleiben muss.
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- Christopher Neht (Author), 2013, Dick und Doof? Der Labeling Approach an Übergewicht und Adipositas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271831