Exegese des Neuen Testaments

Lukas 11, 29-32 „Ablehnung der Zeichenforderung“


Hausarbeit, 2009
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Vorbesinnung

1. Übersetzungsvergleich

2. Abgrenzung des Textes und Kontext

3. Gliederung…

4. Formkritik und mündliche Überlieferung

5. Literarkritik
5.1 Synoptischer Vergleich
5.2 Redaktionsgeschichte
5.3 Verfasser. Seite

6. Traditionsgeschichte

7. Begriffserklärungen…

8. Religionsgeschichtliche Reflexion

9. Einzelexegese…

10. Skopus

11. Verkündigungsansatz

Literaturverzeichnis

0. Vorbesinnung

Ich kannte den Text in Lukas 11, 29-32 vorher noch nicht. Ich war verwundert, dass diese Verse, die ich unter der Überschrift „Ablehnung der Zeichenforderung“ las, im Lukasevangelium zu finden sind. Denn ich verstehe bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht, warum Lukas, der doch sein Evangelium an die Hellenisten gerichtet hat, hier gleich zwei Verweisstellen aus dem Alten Testament (AT) benutzt hat. Diese Texte waren den Hellenisten eigentlich nicht bekannt und so hätte es doch zu Verständnisproblemen kommen müssen. Außerdem hat Lukas aus meiner Sicht die Bibelstellen und deren Zusammenhänge nicht ausreichend genug erklärt. Ich selber kenne die angegebenen Bibelstellen im AT noch nicht gut genug, um selber das Zeichen des Jona deuten oder verstehen zu können. Ich bin gespannt, ob sich diese Frage nach meiner Exegese auflösen wird.

1. Übersetzungsvergleich

Zum Vergleich der Bibelstelle benutze ich folgende drei Bibelübersetzungen: Die Elberfelder Bibelübersetzung in revidierter Fassung (ELB), die revidierte Lutherbibel von 1984 (LU) und die Übersetzung aus dem Regensburger Neuen Testament von Josef Ernst (RNT).

Ich möchte an dieser Stelle nicht auf die einzelnen, eher unbedeutenden Unterschiede eingehen, dafür aber vor allem den Vers 32 näher beleuchten, da ich hier die größten Unterschiede zwischen den drei Übersetzungen wiederfinden kann. So wird das griechische Wort [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] im RNT mit verurteilen und in ELB und LU mit verdammen übersetzt. Beide Begriffe haben auf den ersten Blick zunächst eine unterschiedliche Bedeutung, da meines Erachtens eine Verurteilung nicht automatisch eine Verdammung ausdrückt. Wenn man das griechische Wort aber von seiner ursprünglichen Bedeutung her richtig verstehen und übersetzen will, wird man ihm sowohl mit der einen als auch mit der anderen Übersetzung gerecht.

Dasselbe Problem tritt bei dem Wort [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] auf. Hier übersetzt der RNT das Wort mit bekehren, ELB und LU dagegen mit Buße tun. Beide Wörter haben in unserem heutigen christlichen Verständnis unterschiedliche Bedeutungen. Allerdings konnte auch dieses Wort, in seinem ursprünglichen Sinne, beides ausdrücken, ohne dabei von zwei unterschiedlichen Bedeutungen zu sprechen, da das Wort „bekehren“ wie „sich zu Gott hinwenden“ verstanden werden kann. Daher können auch hier beide Übersetzungen legitim angewandt werden.

Ich schlussfolgere, dass innerhalb der drei Übersetzungen nur geringfügige Unterschiede zu beobachten sind, die zum größten Teil nur durch unser heutiges Wortverständnis entstanden sind. Da alle drei Textversionen die Nähe zum Urtext bewahren, kann auch jede der Übersetzungen für die weiterführende Exegese verwendet werden. Ich entscheide mich allerdings für die Lutherübersetzung, da sie für mich eine gut verständliche Sprache verwendet und mir bereits durch frühere Arbeiten sehr vertraut ist.

2. Abgrenzung des Textes und Kontext

Die genaue Abgrenzung des Textes Lk 11, 29-32 ist in den Kommentaren nicht immer eindeutig. Einzelne Autoren[1] zählen zum Abschnitt der Zeichenablehnung die Bildworte vom Licht (V. 33-36) dazu. Die Mehrzahl der, vor allem auch modernen, Kommentare betrachten in ihrer Auslegung die V29-32 jedoch als einen selbständigen Abschnitt.

Lukas schreibt in V29a, dass Jesus zu sprechen begann. Er markiert somit den Anfang einer neuen Einheit und „zeigt an, dass er von nun an die Aufmerksamkeit auf einen neuen Teil der Rede konzentriert will.“[2] Der Vers 29 fungiert also als eine klare Einleitung in einen neuen Textabschnitt. Es fällt auf, dass Jesus seine Rede mit einer Antwort beginnt. Für den Leser fehlt die Frage, an die Jesus hier anknüpft. In einigen Versen vor unserer Perikope finden wir jedoch in V16, dass der Volksmenge das in der Dämonenaustreibung gegebene Zeichen der Gottesherrschaft nicht genügt. Sie fordern ein Zeichen vom Himmel. Die Zeichenfrage ist also eng mit der sog. Beelzebulrede (V14-23) verwoben.[3]

Dies ist wichtig zu wissen, da zum Verstehen die Frage in V16 als Anknüpfung für die Antwort Jesu ab V29 bekannt sein muss.

„Lukas ordnet diese Intervention Jesu und die folgende (V 33-36) ausdrücklich in einen öffentlichen Rahmen ein (V29a): zwischen die Anweisungen an die Jünger (V1-13) und den Angriff der Gegner (V37-54) nach der doppelten Seligpreisung (V27-28), die als Scharnier zwischen der Beelzebulepisode (V.14-26) und unserem Abschnitt (V29-32) dient.“[4] Meines Erachtens verfolgt Jesus mit seinen Metaphern von Auge und Licht ab V33 eine andere Absicht.

Ich halte die Abgrenzung der Verse 29-32 für sinnvoll. Allerdings sollte der V16 für ein besseres Verständnis des Textes bekannt sein.

Unser Bibelabschnitt befindet sich wenige Kapitel nach dem Aufbruch Jesu von Galiläa nach Jerusalem. In den vorhergehenden Texten spricht Jesu vom barmherzigen Samariter und vom Vaterunser. Nach der Zeichenforderung folgen neben dem Weheruf gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten auch einige Warnungen Jesu, wie die vor Heuchelei und Habgier.

3. Gliederung

Ich habe mich für diese Gliederung entschieden, da sie sich auf das wichtigste beschränkt und nicht zu fein untergliedert wird. Außerdem lässt sie mich die Entstehung des Textes aus den ursprünglichen Formen besser verstehen, auf die ich in den folgenden zwei Punkten eingehen werde.

4. Formkritik und mündliche Überlieferung

Ursprünglich liegt in V 16.29b-30 ein Apophthegma vor, dass durch das Doppelbeispiel in Vers 31.32 interpretiert wird. Diese Stücke waren bereits in der Quelle Q miteinander verbunden. Zwei der Elemente dieses Komplexes haben auch eine Parallele in Markus. So wird die in Lk 11, 29f vorkommende Abweisung der Zeichenforderung in Mk 8, 11-12 in knappster Form beschrieben. Diese Mehrfachüberlieferung zeigt, dass sie fest zur ältesten Jesustradition dazugehört.[6] Da Apophthegmata meist in Form von Streitgesprächen vorliegen, ist es historisch wohl am wahrscheinlichsten, dass die Pharisäer ein Streitgespräch mit Jesus begannen, der die Sache anschließend vor der anwesenden Volksmenge darlegte.[7]

[...]


[1] Vgl. Grundmann, Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, S. 241.

[2] EKK, S. 198.

[3] Vgl. NTD Matthäus, S. 188.

[4] EKK, S. 195.

[5] Vgl. EKK, S. 195.

[6] Vgl. Wiefel, Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, S. 223.

[7] Vgl. Edition C, S. 108.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Exegese des Neuen Testaments
Untertitel
Lukas 11, 29-32 „Ablehnung der Zeichenforderung“
Hochschule
CVJM-Kolleg Kassel
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V271889
ISBN (eBook)
9783656635598
ISBN (Buch)
9783656635574
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, neuen, testaments, lukas, ablehnung, zeichenforderung
Arbeit zitieren
Paul Faber (Autor), 2009, Exegese des Neuen Testaments, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271889

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