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Ironie als pragmatisch stilistisches Mittel am Beispiel der journalistischen Darstellungsform Kolumne

Titel: Ironie als pragmatisch stilistisches Mittel am Beispiel der journalistischen Darstellungsform Kolumne

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2013 , 47 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Sören Stübner (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nicht ausschließlich in Diskursen der Linguisten bezüglich indirekter Sprechhandlungen, sondern womöglich in den Vorstellungen Jedermanns taucht Ironie als sprachliches Phänomen auf. In literarischen Texten wird Ironie ebenso als beliebtes Stilmittel verwendet wie auch in der alltäglichen Interaktion zweier Gesprächspartner. Gießmann (1977, 420) ist der Ansicht, dass „[g]rundsätzlich […] die Fähigkeit zur ironischen Verwendung von Sprache zu den Möglichkeiten jedes Sprechers [gehört]. Ebenso ist grundsätzlich jeder fähig, Ironie zu erkennen.“ Dessen ungeachtet wird die Produktion und Rezeption der Ironie in Kommunikationssituationen sowohl vom Sprecher als auch vom Hörer nicht in jedem Fall bewusst realisiert, sondern erfolgt oftmals intuitiv. Betrachtet man diese scheinbar allgegenwärtige sprach-liche Technik etwas gezielter, erscheinen einige offensichtliche Fragen als unausweichlich. Auf welche Weise wird das Verständnis von Ironie zu einem erfolgreichen Unterfangen, wenn der Sprecher seine Worte absichtlich umständlich wählt, indem er semantisch von dem abweicht, teilweise sogar das Gegenteil dessen sagt, was er ursprünglich meinte. Aus welchem Grund geht der Sprecher das Risiko ein, missverstanden zu werden? Dies entspricht nicht der Sprachökonomie. Warum sollte man einen indirekten Ausdruck wählen, wenn eine direkte Wortwahl die Situation vereinfacht?
Mit dieser Arbeit soll sich der Ironie aus verschiedenen Betrachtungsperspektiven genähert werden, um die komplexen Strukturen [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

I. Theoretische Grundlagen

2. Ironie versus Lüge

3. Theorien der Ironie

3.1. Implikaturtheorie P. Grice

3.1.1. Generelle und partikuläre Implikaturen

3.1.2. Ironie – eine konversationelle partikuläre Implikatur

3.2. Sprechakttheorie Austin/Searle

3.2.1. Ironie als Sprechakt

3.2.2. Ironie als indirekter Sprechakt

3.2.3. Ironie als uneigentlicher Sprechakt

3.3. Vergleich

4. Begriffsbestimmung der journalistischen Darstellungsform Kolumne

II. Empirische Analyse

5. Materialgrundlage

6. Methodisches Vorgehen

7. Strategien der Ironie in der journalistischen Kolumne

7.1. Humor

7.2. (Un-)Höflichkeit

7.3. Sarkasmus

7.4. Lob und Tadel

8. Analyseergebnisse und Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Verwendung von Ironie als pragmatisch-stilistisches Mittel in der journalistischen Darstellungsform der Kolumne, wobei insbesondere die verschiedenen Strategien und deren Funktion im Kontext analysiert werden. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, nachzuweisen, wie Ironie als charakteristisches Merkmal dieser Textsorte eingesetzt wird, um inhaltliche Aussagen zu unterstreichen, zu modifizieren oder eine satirische Wirkung zu erzielen.

  • Grundlagen der Ironietheorie (Grice, Austin/Searle)
  • Abgrenzung von Ironie, Lüge und Sarkasmus
  • Strukturelle Analyse der Textsorte Kolumne
  • Empirische Untersuchung anhand von Kolumnen von Harald Martenstein
  • Funktionale Strategien: Humor, (Un-)Höflichkeit, Lob und Tadel

Auszug aus dem Buch

7.1. Humor

Die Ironie fand schon in der Vergangenheit als ein strategisches Instrument der Gelehrten reichlich Anklang. Neben Aristoteles, der Ironie als nobles Scherzen definierte, zählt Ironie in vielen antiken Quellen als immanente Form der Komik (vgl. Hartung 1996, 114). Diese basiert im Allgemeinen ähnlich wie die Ironie auf einer Inkongruenz, die sich möglichst überraschend löst, wobei eine umso stärkere Wirkung erzielt wird, je größer der Schaden auf Seiten des „Witzopfers“ ist und analog wie stark die Identifikation des Rezipienten mit dem „Witzsieger“ ausfällt (vgl. ebd., 115). Hartung (1996, 136) fährt fort und erklärt in Anlehnung daran, dass die der Ironie „[…] inhärenten Inkongruenzen […] als komisches Potential realisiert werden, so daß sie sich als Pointe eignen.“ Die für den Hörer transparente Verstellung, die einer ironischen Äußerung innewohnt, erfordert vom Rezipienten einen hohen Dekodierungsaufwand, der, wenn er erst einmal erfolgreich war, eine komische Wirkung erzielt. Nach Hartung (1996, 118) regelt allein der Kontext die Wirkung der Ironie beim Hörer, die sowohl Erheiterung als auch Verärgerung hervorrufen kann. Sobald die komische Wirkung der Ironie in Richtung einer Person gelenkt wird, kann diese die Form des Spottens annehmen (vgl. ebd.).

(1) „Wenn Frauen regieren, kommt das Paradies auf Erden.“ (Kolumne 3)

Grice zufolge resultiert die Generierung der Ironie aus der Verletzung der Qualitätsmaxime. Martenstein präsentiert dem Leser mit Hilfe einer Übertreibung in der Äußerung (1) eine offensichtlich falsche bzw. unglaubwürdige Behauptung. Dementsprechend begeht er zumindest auf wörtlicher Ebene den als notwendig vorausgesetzten Bruch. Um das ironische Verständnis auf Seiten des Rezipienten zu unterstützen, kann dieser als Referenz den zuvor geäußerten Satz von Martenstein – „[…] wenn ich lese, dass angeblich alle Politikerinnen göttergleiche Wunderwesen sind, packt mich die Wut“ – zu Rate ziehen. Da der Leser von einer kooperativen Absicht des Autors ausgeht, erkennt er die von Martenstein bewusst initiierte Maximverletzung auch als von ihm beabsichtigt an.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die linguistische Relevanz der Ironie ein und legt die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.

2. Ironie versus Lüge: Dieses Kapitel arbeitet die strukturellen Unterschiede zwischen einer Lüge und einer ironischen Äußerung heraus, um eine präzise Definition der Ironie zu ermöglichen.

3. Theorien der Ironie: Hier werden die maßgeblichen Theorien von Grice (Implikaturtheorie) sowie Austin und Searle (Sprechakttheorie) zur Erklärung ironischer Äußerungen gegenübergestellt.

4. Begriffsbestimmung der journalistischen Darstellungsform Kolumne: In diesem Kapitel wird die Kolumne als meinungsbetonte Textsorte definiert und deren besondere Eignung für ironische Darstellungen erläutert.

5. Materialgrundlage: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl der analysierten Kolumnen von Harald Martenstein als empirisches Korpus.

6. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt, wie die empirische Analyse anhand der vorgestellten theoretischen Modelle durchgeführt wird.

7. Strategien der Ironie in der journalistischen Kolumne: Dieses zentrale Kapitel analysiert anhand konkreter Beispiele die verschiedenen ironischen Strategien wie Humor, Höflichkeit, Sarkasmus sowie Lob und Tadel.

8. Analyseergebnisse und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über die polyfunktionalen Eigenschaften der Ironie und deren kontextabhängigen Einsatz zusammen.

Schlüsselwörter

Ironie, Pragmatik, Kolumne, Sprechakttheorie, Implikaturtheorie, Sarkasmus, Humor, Journalistische Textsorten, Sprachhandlung, Harald Martenstein, Qualitätsmaxime, Indirekte Sprechakte, Face-work, Meinungsbetonte Texte, Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Analyse von Ironie als Stilmittel in journalistischen Kolumnen, unter Einbeziehung pragmatischer Theorien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung umfasst die theoretische Fundierung von Ironie (Grice, Austin/Searle) und deren Anwendung als rhetorische Strategie in meinungsbetonten journalistischen Texten.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Ironie ein konstitutives, pragmatisches Stilmittel der Kolumne ist und wie unterschiedliche Strategien dabei gezielt eingesetzt werden.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Es wird eine linguistische Textanalyse angewandt, die auf der Implikaturtheorie von Grice und der Sprechakttheorie von Austin/Searle basiert.

Was behandelt der Hauptteil?

Der Hauptteil analysiert, gegliedert nach verschiedenen Strategien wie Humor, Sarkasmus und Höflichkeit, konkrete Beispiele aus Kolumnen von Harald Martenstein.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Ironie, Pragmatik, Kolumne, Sprechakt, Sarkasmus und kommunikative Strategie.

Wie unterscheidet der Autor zwischen Sarkasmus und Ironie im Kontext der Kolumne?

Der Autor ordnet Sarkasmus als eine „beißende“ Unterform der Ironie ein, die aggressiver motiviert ist und häufig auf die Ironisierung von Unrecht oder Unvernunft abzielt.

Welche Rolle spielt die „Qualitätsmaxime“ von Grice bei der Entschlüsselung der Ironie?

Die bewusste Verletzung dieser Maxime (das Äußern einer offenkundigen Unwahrheit) dient dem Rezipienten als Signal, um die tatsächliche, ironische Intention des Autors zu erkennen.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Ironie als pragmatisch stilistisches Mittel am Beispiel der journalistischen Darstellungsform Kolumne
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,3
Autor
Sören Stübner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
47
Katalognummer
V271893
ISBN (eBook)
9783656629665
ISBN (Buch)
9783656629658
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ironie pragmatisch Pragmatik Searle Austin Sprechakttheorie Implikaturtheorie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sören Stübner (Autor:in), 2013, Ironie als pragmatisch stilistisches Mittel am Beispiel der journalistischen Darstellungsform Kolumne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271893
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Leseprobe aus  47  Seiten
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