Podcasts, ihre Didaktik und die Umsetzung im Unterricht


Examensarbeit, 2012
83 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Podcasts
2.1 Podcasts allgemein
2.2 Geschichte der Podcasts
2.3 RSS-Feeds
2.4 Verbreitung Podcasts
2.5 Audiopodcast - Videopodcasts

3. Produktion von Podcasts
3.1 Der Computer
3.2 Das Mikrofon
3.3 Die richtige Kamera
3.4 Das Bearbeitungsprogramm - Audio
3.5 Das Bearbeitungsprogramm - Video
3.6 Die RSS-Datei
3.7 GEMA-Richtlinien

4. Didaktische Überlegungen
4.1 Möglichkeiten mit Podcasts
4.2 Begründungen durch den Bildungsplan
4.3 Geförderte Kompetenzen
4.4 Lernmotivation
4.5 Hörerziehung
4.6 Zusammenfassung Didaktik

5. Praktische Umsetzung - Ein Unterrichtsbeispiel
5.1 Planung der Unterrichtsstunde
5.2 Lernziele
5.3 Durchführung / Reflexion der Unterrichtseinheit
5.4 Auswertung Fragebogen
5.5 Zusammenfassung Unterrichtseinheit

6. Schluss

7. Anhang
7.1 Materialien Beispielunterricht
7.2 Quellenverzeichnis
7.3 Selbstständigkeitserklärung
7.4 DVD

1. Einleitung

Einen Unterricht in einer Schule mithilfe von Hörverstehensaufgaben gestalten? Mikrofone, Kameras und Computer einsetzen? Sich selbst als Lehrperson noch auf neue Technologien einlassen?

Für viele Lehrerinnen und Lehrer klingt das abschreckend. Die eventuellen Nachteile springen sofort ins Auge: Es scheint - schon allein bedingt durch die notwendige eigene Weiterbildung - ein großer Aufwand nötig zu sein, um sich gründlich in die Materie einzuarbeiten. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimme nicht. Der alte Unterricht habe sich doch bewährt. Können die Schülerinnen und Schüler das überhaupt? Gleichzeitig werden die möglichen Vorteile ganz einfach übersehen oder ignoriert.

Neue Methoden haben schon immer mit Schwierigkeiten zu kämpfen, sich in den Schulen zu etablieren. Der Mensch ist grundsätzlich skeptisch gegenüber etwas, das noch nicht ausführlich erprobt und durch - am besten eigene - Erfahrungen für gut befunden wurde. So geht es nun auch der Unterrichtsgestaltung mit Podcasts: Zu unbekannt, zu aufwendig, zu neu!

Dabei wird derjenige, der sich etwas intensiver damit beschäftigt, schnell die unglaubliche Vielfalt an Möglichkeiten erkennen, die mit dieser Methode durchführbar sind. Schon allein die Tatsache, dass Podcasts auf verschiedene Arten im Unterricht einsetzbar sind, zeigt deren Variabilität. Zudem zeugen einige verschiedene praktische Projekte in Schulklassen und AGs sowie die zunehmende Aufmerksamkeit der Fachliteratur für dieses Thema davon. Trotzdem ist der Anteil von Unterrichten mit Podcasts im normalen Schulalltag verschwindend gering.

Was fehlt, ist eine Art Leitfaden, ein Handbuch zum Kennenlernen von Theorie und Praxis, das die Gelegenheit bietet, möglichst schnell und unkompliziert in das Themengebiet eingewiesen zu werden. Darum befasst sich diese Arbeit mit genau diesem Ansatz unter folgendem Titel:

„Podcasts, ihre Didaktik und die Umsetzung im Unterricht“

Mit dem Text wird versucht, einen Einblick in die Welt der Podcasts zu geben: Was sind genau Podcasts? Wie kann ich sie in der Schule einsetzen? Warum sollte ich einen Unterricht überhaupt damit gestalten? Wie kann eine dementsprechende Stunde aussehen? Wo liegen die Vorteile?

Nach und nach soll hier eine Art Ratgeber entstehen, an dessen Ende nicht nur mit Podcasts unterrichtet, sondern auch der Einsatz dieser Methode begründet werden kann.

Schwerpunkte werden - wie der Titel schon aussagt - auf dem allgemeinen Begriff der Podcasts, den didaktischen Überlegungen und einem Unterrichtsbeispiel liegen. Um die Methode und deren Produkte vorstellen und später auch umsetzen zu können, muss zunächst geklärt werden, was Podcasts überhaupt sind. Dafür soll ein breiter Überblick über das Themengebiet gegeben werden. Auch wie genau die Audio- und Videodateien produziert werden ist Bestandteil dieser Arbeit. Dabei spielt nicht nur die Software, sondern auch die benötigte Hardware eine Rolle. Sie sollen jeweils vorgestellt und ausführlich erklärt werden.

Neben dem “Was?“ und dem “Wie?“ spielt auch das “Warum?“ eine bedeutende Rolle. Dazu werden neben dem Bildungsplanbezug auch verschiedene Einsatzmöglichkeiten und deren didaktische Möglichkeiten angesprochen und begründet. Doch auch praktische Audio- und Videobeispiele zu verschiedenen Themen werden auf der beigelegten DVD gespeichert, damit die theoretischen Informationen dieser Arbeit durch praktische Arbeiten unterstützt werden und sich der Leser damit ein besseres Bild des Themas machen kann.

Interessant wird sein, worin die Schwierigkeiten dieser Methode im Unterricht liegen und ob herausgefunden werden kann, warum sich das Arbeiten mit Podcasts noch nicht durchgesetzt hat. Dazu werden natürlich auch eventuelle Nachteile und deren Lösungsvorschläge beschrieben.

Um all das zu ermöglichen, werden neben aktueller Fachliteratur auch gegenwärtige Umfrageergebnisse und Schülermeinungen zusammengefasst und ausgewertet. Das gewährleistet auch gleichzeitig eine breite Abdeckung des Themengebiets. Gleich zu Anfang sei gesagt, dass spezielle Niveaukonkretisierungen für einzelne Klassenstufen oder Schularten in dieser Arbeit leider keinen Platz finden. Eine solche Untersuchung wäre zwar eine enorme Hilfestellung bei der zukünftigen Gestaltung von Unterricht mit Podcasts, würde allerdings sicherlich den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Zu viele Untersuchungen, Umfragen und praktische Unterrichtsbeispiele wären dafür nötig. Darum wird dieses Themenfeld offen gelassen in der Hoffnung, dass in naher Zukunft (wenn die Methode bekannter und geläufiger ist) durch Erfahrungswerte einiger Lehrerinnen und Lehrer etwas in dieser Richtung entstehen wird.

Lassen sie sich also mitnehmen auf eine Reise in eine neue Art des Unterrichts, in der sie hoffentlich möglichst viel über Podcasts und deren Unterrichtsmöglichkeiten erfahren können. Sie werden viel mit neuen Medien, neuen technischen Geräten und neuen Erkenntnissen zu tun haben, die sie so wahrscheinlich vorher noch nicht gekannt oder zumindest nicht genutzt haben. Sehen sie dies als Chance und nicht als Belastung, dann werden sie eine wunderbare Unterrichtsmethode mit unzähligen Möglichkeiten entdecken.

2. Podcasts

Ein Podcast ist nicht gleich ein Podcast. Das folgende Kapitel gibt Aufschluss über die Definition, die Entstehung und die Funktionsweise dieser Technologie und erklärt dabei auch die Erfolgsgeschichte der Podcasts. Allgemeine Informationen über verschiedene Podcast-Arten und die Mediennutzung werden ebenfalls präsentiert.

2.1 Podcasts allgemein

Der Begriff Podcast ist eine Zusammensetzung aus dem englischen Wort „Broadcasting“ (=Sendung / Übertragung) und dem bekannten MP3-Player „iPod“ der Firma Apple. Als Podcast wird eine Audio- oder Videodatei bezeichnet, die meist kostenlos im Internet zur Verfügung steht. Dabei kann jeder einen solchen Beitrag selbst erstellen und veröffentlichen. Eine festgelegte Form oder bestimmtes Themengebiet gibt es allerdings nicht. Der Podcaster kann auf diese Weise je nach Adressat und Intention Nachrichten und Informationen verbreiten, Interviews führen oder auch einfach laut über den Sinn des Lebens nachdenken. Die Möglichkeiten sind hier geradezu grenzenlos. Auch eine bestimmte Länge der Aufnahme muss nicht erreicht werden. Von einer kurzen Aufnahme über wenige Sekunden bis hin zu einem mehrere Stunden andauernden Bericht ist alles möglich. Das Besondere daran ist, dass im Gegensatz zu normalen Mediendateien die Podcasts abonniert werden können und so eine fortwährende Aktualisierung stattfindet. Der Hersteller kann dabei auch wählen, ob sein Produkt für alle zugänglich ist, oder nur für einen bestimmten Adressatenkreis. Außerdem kann ein Podcasts heruntergeladen werden und es stehen meist mehrere Episoden zur Verfügung. Der Benutzer kann also selbst entscheiden, wann und wo er den Podcast hören oder sehen will und welche Themen ihn am meisten interessieren. Wie eine solche Serie aussehen kann, zeigt sich auf der beigelegten DVD (Track 8 - 10).

2.2 Geschichte der Podcasts

Das Phänomen des Podcasting ist relativ jung. Erst kurz nach der Jahrtausendwende kamen die ersten Beiträge dazu auf. Es ist allerdings umstritten, wer der Erfinder dieser Bewegung ist. Ben Hammersley, Dannie Gregoire und Adam Curry werden oft als potenzielle Begründer genannt. Die wahrscheinlichste Variante im Entstehungsprozess ist folgende:

„Die vermutlich erste Verwendung des Begriffs Podcasting war in einem Artikel von Ben Hammersley in The Guardian am 12. Februar 2004, als ein Synonym für Amateur-Radio auf Weblog-Basis - also Audioblogging. Im September desselben Jahres verwendete Dannie Gregoire den Begriff, um Adam Currys Idee des automatischen Downloads und der Synchronisation auf ein mobiles Gerät zu beschreiben“1

Die unbekannte Technologie wurde durch den Erfolg der ersten Podcaster, vor allem durch Adam Curry, schnell bekannt. Zählte Google zu Beginn 2004 gerade einmal wenige hundert Treffer, waren es Ende 2005 schon fast 100 Millionen.2 Ein weiterer großer Popularitätssprung der Podcasts wurde durch ein Softwareupdate des Programms „iTunes“ der Firma Apple erreicht. Mithilfe der Version 4.9 , die im Juni 2005 erschien, war es erstmals möglich, Podcasts im großen Stil zu verwalten und zu abonnieren. Da das Programm jedem iPod-Nutzer geläufig ist und meist kostenlos den Appleprodukten beiliegt, wurden nun noch größere Menschenmassen angesprochen. Der nachteilige Effekt war, dass nun das Podcasting noch mehr mit der Firma Apple verbunden wurde. Bereits durch die Ableitung des iPods im Namen entstand eine Verbindung zu diesem Konzern, der nun nochmals verstärkt wurde, obwohl Apple nicht mehr als andere Firmen mit den Podcasts zu tun hatte. Seit dem damals ausgelösten Hype befindet sich die Idee im kontinuierlichen Wachstum und wird auch immer mehr von Fernsehen und Radios genutzt. Anfang 2012 zählte Google nun schon über 208 Millionen Treffer.3 Ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen.

2.3 RSS-Feeds

Im Zusammenhang mit Podcasts tritt immer wieder der Begriff „RSS-Feeds“ auf. Diese Technologie ist in der Tat bedeutend für den Erfolg und die Arbeitsweise von Podcasts. Technisch gesehen sind „Feeds Daten in einem bestimmten Datenformat, das nicht für Menschen bestimmt ist, sondern von Programmen gelesen und aufbereitet werden kann“4. Der Zusatz RSS bedeutet „Really Simple Syndication“ und bezeichnet ein „plattform-unabhängiges auf XML basierendes Format; entwickelt um Nachrichten und andere Web-Inhalte auszutauschen“5. Es eignet sich besonders um Änderungen auf Websites anzuzeigen. Durch RSS-Feeds werden also Daten im RSS-Format der Öffentlichkeit zurechtgelegt. Außerdem wird dadurch auf vielen Websites die Möglichkeit gegeben, diese Feeds zu abonnieren. Das heißt, dass automatisch nach Aktualisierungen -also Änderungen oder Zusätzen- gesucht und dem Benutzer diese mitgeteilt werden. Da viele Podcaster nicht nur einen, sondern mehrere Podcasts über ein Themengebiet veröffentlichen, ist das für interessierte Anwender äußerst hilfreich.

2.4 Verbreitung Podcasts

Podcasts werden mittlerweile häufig und erfolgreich angeboten. Für einen Überblick gibt es viele verschiedene Podcast-Verzeichnisse. Die größten und bekanntesten in Deutschland sind folgende:

- iTunes Music Store
- www.podcast.de
- www.podster.de
- www.mevio.com (allerdings englischsprachig)

Des Weiteren findet sich auch bei jedem größeren Radio- oder Fernsehunternehmen eine Bibliothek mit Podcasts. Hier können verpasste Sendungen nachgeholt und eventuelle Zusatzveröffentlichungen konsumiert werden.

Nicht zählbar sind die privaten Podcaster, die überall auf der Welt und täglich für Aktualisierungen auf dem Markt sorgen. Die meisten davon -wie auch die Podcasts der Radio- und Fernsehunternehmen- finden sich allerdings auch in den oben genannten Verzeichnissen.

Auch in den Schulen findet die Technologie mehr und mehr Anklang. Wie genau dies funktionieren kann und wo es bereits beispielhafte Ansätze gibt, ist Thema im weiteren Verlauf.

Eine interessante Studie wurde 2008 veröffentlicht. Zwei große Internetplattformen wollten mehr über die Nutzung von Podcasts herausfinden. Die folgenden Ergebnisse wurden dieser Studie entnommen6:

Fast alle der befragten Podcast-Nutzer sind auch starke Internetnutzer. So geben ca. 96 % an, dass sie täglich (13 %) oder sogar mehrmals täglich (83 %) online sind. Dies ist nicht verwunderlich, ist doch das Internet die Hauptbezugsquelle für Podcasts. Der starke Einfluss der Marke “Apple“ auf die Podcasts findet sich auch in den Umfrageergebnissen wieder:

Welche Geräte werden für die Podcast-Nutzung verwendet?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der iPod ist das beliebteste Wiedergabegerät von Podcasts. Ebenfalls von Apple und weit vorne dabei ist das Macbook. Doch auch Konkurrenzprodukte wie andere Laptops und Mp3-Player werden häufig zur Wiedergabe verwendet. Die Benutzer beziehen dabei ihre Podcasts vor allem von Plattformen aus dem Internet. Auch hier ganz vorne ist die Apple-Software “iTunes“ mit 76 %. Andere Internetquellen wie podcast.de (44 %, wobei dieses Ergebnis wahrscheinlich durch die Erhebungsmethode auf der genannten Website etwas vefälscht ist), podster.de (28 %) oder Blogs allgemein (44 %) werden aber ebenfalls häufig besucht. Man erkennt insgesamt eine starke Konzentration auf das World Wide Web. Andere Medien wie Radio- (36 %) oder Fernsehsender (27 %) komplettieren das Angebot in der Podcast-Szene.

Die nächsten beiden Diagramme hängen stark zusammen. Es geht dabei um die Motive für die Nutzung und die Kriterien für einen guten Podcast:

Ich nutze Podcasts um...

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wichtige Eigenschaften für einen guten Podcast

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erkennbar sind die direkten Zusammenhänge: Die meisten Nutzer wollen informiert (83%) oder weitergebildet werden (69%), dafür ist der Inhalt (94%) und dessen Qualität (90%) wichtig. Diejenigen, die unterhalten werden wollen (72%), konzentrieren sich auf die Qualität von Bild / Ton (74%) und den Unterhaltungswert (71%). Aber auch allgemein gültige Eigenschaften wie die Abspielbarkeit (74%) oder die Aktualität (62%) sind wichtig. Im Hinblick auf den weiteren Verlauf ist es noch wichtig, die Ergebnisse der Auswirkung der Podcastnutzung auf die allgemeine Mediennutzung zu beschreiben. Hier wurde festgestellt, dass andere Medien (Radio und Fernsehen) deutlich weniger genutzt werden, wenn Podcasts eine größere Rolle spielen. Gerade das Beispiel mit dem Radiokonsum zeigt dies deutlich:

Radiokonsum in Minuten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Podcast-Nutzung scheint also den Konsum anderer Medien zu ersetzen. Wie und warum das wichtig ist, ist später im Abschnitt Didaktik (siehe Kapitel 3) Thema.

2.5 Audiopodcast - Videopodcasts

Wie bereits in der Einleitung beschrieben, gibt es die Unterscheidung zwischen Audio- und Videopodcasts. Welcher der richtige ist, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Der Audiopodcast ist in den Bereichen vorteilhaft, in denen die auditiven Informationen im Vordergrund stehen und keine visuelle Unterstützung notwendig ist. So kann z.B. eine Märchengeschichte, ein geschichtlicher Ablauf oder eine Umfrage problemlos als Audiodatei wiedergegeben werden. Wie sich das in der Praxis auswirkt, sehen wir auf der DVD im Vergleich von Datei 1 und 2. Die Podcasts zum Thema „Faszination Facebook“ fragen nach dem Grund für die enorme Anziehungskraft des sozialen Netzwerks. Während im ersten Teil nur der Audioteil zugänglich ist, sieht man im zweiten Teil auch die dazugehörigen Sprecher. Beim direkten Vergleich fällt allerdings auf, dass der Informationsgehalt sich nicht unterscheidet. Im Gegenteil, beim Videopodcast besteht sogar noch die Gefahr, sich durch die Bilder vom eigentlichen Thema ablenken zu lassen.

Oft kann ein visueller Teil auch umgangen werden, wenn durch die Sprache detailliert beschrieben wird.

Anders sieht es dagegen aus, wenn es wichtig ist, die auditiven Informationen durch visuelle Aspekte zu ergänzen und zu unterstützen. Bei komplizierten Sachverhalten kommt man oft nicht umhin, mit Bildern nachzuhelfen.

Ein Beispiel dafür findet sich auf der beigelegten DVD. Datei 3 und 4 behandeln beide die Funktionsweise eines Gießautomaten, nur ist der erste Teil ein Audiopodcast, während der zweite Teil durch Bilder unterstützt wird. Beim direkten Vergleich zeigt sich, dass zwar eventuell die groben Abläufe mithilfe beider Podcasts noch verstanden werden, Detailwissen zu erlangen ist aber nur durch den Videopodcast möglich. Dies liegt einfach an der doch relativ komplizierten Schaltung. Während diese beim Videopodcast bereits vorgegeben ist, muss sich der Zuhörer beim Audiopodcast den Plan erst selbst vorstellen, um danach die Abläufe verstehen zu können.

Interessant ist die durchschnittlich akzeptierte Länge der verschiedenen Podcasts. Würde im Allgemeinen angenommen werden, je länger ein Podcast dauert, desto eher sollte er die Themen auch visuell aufbereiten, machen die folgenden Tabellen7 genau das Gegenteil deutlich:

Wie lang sollte ein Audio-Podcast sein?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Benutzer akzeptieren bei Audiopodcasts auch längere Varianten. Eine Dauer zwischen 21 und 30 Minuten ist am beliebtesten. Allerdings lässt sich eine genaue Tendenz nicht ableiten.

Anders ist es dagegen bei den Videopodcasts:

Wie lange sollte ein Videopodcast sein?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier ist deutlich zu sehen, dass mit zunehmender Dauer auch die Akzeptanz sinkt. Kurze, aber prägnante Videopodcasts sind am beliebtesten, während längere Episoden nur ungerne konsumiert werden.

3. Produktion von Podcasts

Um einen Podcast selbst herzustellen, braucht es verschiedenes technisches Equipment. Grundvoraussetzungen sind ein funktionsfähiger Laptop oder Computer, ein Mikrofon, eine passenden Software und falls Videopodcasts produziert werden sollen, eine Kamera. Natürlich wird auch das Know-How für die richtige Anwendung all dieser Geräte und Programme benötigt.

3.1 Der Computer

Zunächst einmal muss ein funktionsfähiger PC zur Verfügung stehen. Ein Laptop hat dabei den Vorteil der besseren Mobilität, ist aber sicherlich kein Muss. Das Leistungsvermögen ist vorerst unrelevant, solange er über eine solide Grundausstattung verfügt:

- eine Soundkarte (optimal mit Mikrofoneingang)
- mindestens einen USB-Anschluss
- freier Festplattenspeicher

Je besser jedoch ein Computer ausgerüstet ist, desto mehr Spaß wird auch die Produktion machen. Bei älteren Modellen kann es zu Wartezeiten bei der Bearbeitung oder zu Problemen bei der Erkennung von Mikrofonen kommen. Das Programm, mit dem nachher gearbeitet wird, stellt keine besonderen Anforderungen an den Rechner.

3.2 Das Mikrofon

Der Markt bietet in diesem Segment komplett alles: Von kostenlosen - da bereits im Laptop verbauten - Mikrofonen bis hin zu mehrere hundert Euro teuren Hightech- Alleskönnern ist alles möglich. Wer nur einmalig oder selten einen Podcasts produziert, dem reichen die internen Mikrofone eines Laptops oder alternativ ein billiges Headset aus dem Elektroladen. Wird jedoch intensiv und oft mit Audiodateien gearbeitet, empfiehlt sich ein etwas teureres, aber qualitativ besseres USB-Mikrofon. In der Fachliteratur werden mehrere davon empfohlen, welche alle für jeweils zwischen 50 und 100 Euro zu haben sind:

Das “Samson C01U“ ist ein bereits älteres Modell, das aber immer noch zu den Favoriten vieler Podcaster gehört. Die Vorteile sind, dass es hier möglich ist, ohne zusätzliches Gerät in äußerst hoher Qualität aufzuzeichnen8.

Etwas neuer und mit einklappbaren Füßen versehen ist das Nachfolgermodell “Samson Meteor Mic“. Da der Markt aber mittlerweile ein breites Spektrum bietet, ist es sinnvoll, sich einfach ein eigenes Bild zu machen und Erfahrungen zu sammeln.

3.3 Die richtige Kamera

Wer sich nicht nur auf Audiopodcasts beschränken will, sondern auch bewegte Bilder einbauen möchte, benötigt eine Kamera. Auch hier gilt, was bei den Mikrofonen gilt: Der Markt gibt alles her, von kostenlos bis zu unbezahlbar. Für erste Gehversuche beim Videopodcasting eignet sich bereits schon die eingebaute Webcam des Laptops (z.B. arbeitet Toni Mahoni, einer der Pioniere des Videopodcastings und mittlerweile mit einer eigenen Sendung im Internet ausgestattet, nur mit einer internen Webcam)9. Alternativ dazu kommt auch die Digitalkamera in Frage, die mittlerweile schon fast jeder Haushalt sein Eigen nennt. Wem es allerdings nicht nur um die bloße Aufnahme von Filmsequenzen geht, der muss etwas in die Tasche greifen. Je nach Art des Einsatzes gilt es, verschiedene Komponenten zu beachten:

Da ein Podcast immer auch von der Audioqualität lebt, empfiehlt es sich, eine Kamera mit externem Mikrofoneingang zu kaufen. Gerade wenn in geräuschreichen Umgebungen produziert werden soll, sind die vorab eingebauten Mikrofone der Kameras schnell überlastet. Will man außerdem noch etwas mit dem Bildausschnitt spielen, empfiehlt sich die Möglichkeit, Weitwinkel- oder Teleobjektive anschließen zu können.10 Auch hier gilt: Eigene Erfahrungen machen, beim Fachhändler nachfragen und so lange testen, bis man für seine Bedürfnisse die richtige Kamera gefunden hat. Allerdings kann man mit einem Gerät von Sony, Panasonic, Canon oder JVC nicht viel falsch machen, da alle die notwendige Qualität für das Videopodcasting mit sich bringen.

3.4 Das Bearbeitungsprogramm - Audio

Hat man erst einmal die richtige Hardware beisammen, geht es an die Aufnahme und das anschließende Bearbeiten der Dateien. Es gibt eine Fülle an verschiedenen - meist kostenfreien - Audiobearbeitungsprogrammen, entweder im Internet oder wie bei den Apple-Computern die bereits vorinstallierte Software Garageband. Es folgt eine Anleitung für die Freeware „Audacity“, da diese für alle gängigen Betriebssysteme zur Verfügung steht und keine besonderen Systemvoraussetzungen seitens des Computers benötigt. Die im Folgenden verwendeten Bilder sind alle Screenshots der Originalsoftware11.

Der Downloadlink von Audacity ist im Internet leicht über Google zu finden und hat nur eine Größe von circa 2,1 Megabyte. Ausgepackt und installiert auf dem Computer werden dann knappe 10 Megabyte benötigt, was bei den heutigen Speichergrößen jedoch nicht ins Gewicht fällt.

Nach dem Start des Programms ist zunächst einmal die obere Leiste von Bedeutung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dieser Leiste finden sich alle Möglichkeiten, die wir zum Produzieren von Podcasts benötigen. Aber der Reihe nach: Auf der linken Seite befindet sich die sogenannte „Control Toolbar“:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die linke Seite davon wiederum wird von den Bearbeitungswerkzeugen eingenommen:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Auswahlwerkzeug: Dient zum Auswählen der Audiospur, um sie bearbeiten oder anhören zu können.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Hüllenkurvenwerkzeug: Macht es möglich, die Lautstärke zu verändern.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Zeichenwerkzeug: Dient der individuellen Bearbeitung einzelner Samples, die aber nur unter extremer Vergrößerung sichtbar sind. Wird beim Podcasting im Allgemeinen nicht gebraucht.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Zoomwerkzeug: Wird gebraucht, um die einzelnen Spuren zu vergrößern bzw. zu verkleinern. Kann bei Detailarbeit hilfreich sein.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Zeitverschiebungswerkzeug: Damit können die einzelnen Audiodateien auf der Zeitachse verschoben werden.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]Multifunktionswerkzeug: Das All-in-one Werkzeug. Eher für Fortgeschrittene geeignet, ermöglicht es den Einsatz aller oben beschriebenen Werkzeuge auf einmal.

Der rechte Sektor dient dem Umgang mit den Audiodateien. Mit den lila Pfeiltasten links und rechts kann man an den Anfang bzw. ans Ende der Musikdatei springen. Der grüne Play-Button spielt die Datei ab, mit dem roten Aufnahmeknopf werden die Eingangssignale des Mikrofons aufgezeichnet. Rechts daneben befinden sich noch die Pause- und die Stopptaste.

Damit wären die wichtigsten Funktionen bereits erklärt. Jetzt zur praktischen Seite: Wie wird mit Audacity eine Audiodatei erstellt?

Hier kommen die Audiospuren ins Spiel. Nimmt man mit dem Aufnahmeknopf etwas über das Mikrofon auf, generiert die Software automatisch eine Audiospur davon:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Aufnahme kann, sofern sie nur durch die Pausetaste unterbrochen wurde, beliebig oft fortgesetzt werden. Mit dem Auswahlwerkzeug kann man nun, egal an welcher Stelle, in die Audiospur klicken und diese von dort an anhören bzw. bearbeiten. Fällt etwas negativ auf, wird der entsprechende Teil einfach markiert und gelöscht. Ist etwas zu leise oder zu laut, kann mit dem Hüllenkurvenwerkzeug nachgebessert werden. Zu beachten ist allerdings, dass eine Bearbeitung nur dann erfolgen kann, wenn die Wiedergabe über das Stoppzeichen unterbrochen wurde. Wurde sie einfach nur pausiert, lässt die Software keine Veränderung zu. Nachdem eine Aufnahme durch das Stoppzeichen unterbrochen wurde, generiert das Programm bei der nächsten Aufnahme eine weitere Audiospur:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese kann mit dem Zeitverschiebungswerkzeug sehr einfach an die gewünschte Stelle in der Audiodatei verschoben werden. Über “Projekt“ -> “Audio importieren“ können Musikstücke eingefügt werden. Auch hier eröffnet die Software automatisch neue Audiospuren. Aber Achtung: Nicht jedes Musikstück darf in einem Podcast verwendet werden, denn: „Sobald die Band bei der GEMA Mitglied ist, wird die Verwendung von kommerzieller Musik schwierig12. Abhilfe zu diesem Problem schafft die Plattform www.stereophone.de. Auf dieser Seite werden einige Portale vorgestellt, die GEMA- freie Musik anbieten und so für jeden Podcast benutzt werden können und dürfen13.

Ist man nun mit seiner Audiodatei zufrieden, geht es ans exportieren. Hier gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen „Projekt speichern“ und „Exportieren als…“: Bei dem Erstgenannten bleiben die Audiospuren erhalten, man kann das Projekt später weiter bearbeiten. Audacity speichert hier die Dateien als Dateityp „Audacity-Projekte“ (*.aup). Wählt man jedoch „Exportieren als…“, so fasst die Software alle Audiospuren zusammen und schließt das Projekt ab. Zwar ist später eine Bearbeitung trotzdem noch möglich, allerdings wird dann die Datei als eine einzige Audiospur angezeigt. Wenn man sich also nicht komplett sicher ist, ob das Projekt abgeschlossen ist, sollte man es neben dem Exportieren zur Sicherheit auch noch abspeichern. Ist man allerdings zufrieden mit dem Erreichten und will es ins Internet hochladen, gilt es die Datei zu exportieren. Audacity ermöglicht hier die Auswahl zwischen den Dateiformaten WAV und MP3. Als WAV funktioniert dies problemlos, will man allerdings eine MP3 Datei, benötigt das Programm noch die Datei „lame_enc.dll“. Beim allerersten Versuch wird der Benutzer auch darauf hingewiesen. Aber auch diese ist über das Internet schnell gefunden, heruntergeladen und dem Programm zugewiesen. Der Veröffentlichung steht nun nichts mehr im Weg.

[...]


1 Andersson 2012

2 Vgl. Ebd.

3 http://www.google.de (2012)

4 Alby 2008, S.48

5 O.V.: www.rss-verzeichnis.de 2012

6 Vgl. Schienke und Stack 2008

7 Vgl. Blue sky media und podcast.de

8 Vgl. Dorok; Fromm 2012

9 Vgl. Alby 2008, S.84

10 Vgl. Thiel 2008

11 Vgl. Mazzoni, Dominic 2012

12 Alby 2008, S.83

13 Vgl. O.V.: 2008 (stereophone.de)

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten

Details

Titel
Podcasts, ihre Didaktik und die Umsetzung im Unterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
83
Katalognummer
V271902
ISBN (eBook)
9783656629139
ISBN (Buch)
9783656629122
Dateigröße
1927 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die DVD ist nicht im Lieferumfang enthalten.
Schlagworte
podcasts, didaktik, umsetzung, unterricht
Arbeit zitieren
Florian Müller (Autor), 2012, Podcasts, ihre Didaktik und die Umsetzung im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271902

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